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Hinterzimmerwäldler

Die Wahl des nächsten UN-Generalsekretärs verläuft nach altem Muster.

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Von Transparenz keine Spur: Wer neuer UN-Generalsekretär wird, entscheiden nach wie vor (alte) Männer im Hinterzimmer.

Im breiten Schatten der US-Nominierungsparteitage fanden am Donnerstag, den 21. Juli 2016, in New York ganz andere Vorwahlen statt. Hinter verschlossenen Türen stimmten die 15 Mitglieder des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen probeweise darüber ab, wer der nächste Generalsekretär oder die nächste Generalsekretärin der Weltorganisation werden könnte. Die Presse, NGOs oder gar andere UN-Mitgliedstaaten waren in der „informellen“ Sitzung, wie bei allen Generalsekretärswahlen zuvor üblich, nicht zugelassen.

Der Präsident des Sicherheitsrats, Botschafter Koro Bessho aus Japan, ließ sich nicht dazu verleiten, irgendeine andere Aussage als „die Probeabstimmung hat stattgefunden“, zu machen und die versammelten Pressevertreter wie Schulkinder, die ihren Kakao doch nicht bekommen, stehen zu lassen. Doch nichts wirklich Wichtiges bleibt lange geheim in den heiligen UN-Hallen. So sickerten dann recht schnell die Namen mit der jeweiligen Stimmenanzahl durch. So erhielt der Portugiese António Guterres mit 12 von 15 nicht nur die meisten „Ermutigungen“, sondern auch keine ablehnende Stimme. Ihm folgt Danilo Türk aus Slowenien mit elf Stimmen und erst an dritter Stelle mit neun Stimmen die Bulgarin Irina Bokova. Das verheißt nichts Gutes im Hinblick auf eine Frau an der Spitze der UN. Die von vielen Beobachtern favorisierte Helen Clark aus Neuseeland oder die spät ins Rennen eingestiegene Costa-Ricanerin Christiana Figueres und Susanna Malcorra aus Argentinien liegen weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen.

„Männer wählen Männer“, so resümierte Dulcie Leimbach für das auf UN-Nachrichten spezialisierte Nachrichtenportal PassBlue, darauf verweisend, dass 14 von 15 Staatenvertretern im Rat Männer sind. „Politik der Großmächte“ urteilte Richard Gowan vom European Council on Foreign Relations. Außer den Kandidaten selbst ist nicht viel übrig geblieben von der neuen Transparenzoffensive des Präsidenten der Generalversammlung, Mogens Lykketoft. Dieser zeigte sich denn auch enttäuscht, in seinem offiziellen Brief keine Ergebnisse mitteilen zu können: „Die Kommunikation auf die Mitteilung der schlichten Tatsache, dass Wahlen stattgefunden haben, zu begrenzen, hat wenig erkennbaren Wert und erfüllt nicht die Erwartungen der Mitgliedstaaten“, so Lykketoft. Einen Tag vor den Wahlen hatte noch WomenSG, eine NGO, die sich für eine Frau als nächste UN-Generalsekretärin einsetzt, einen Brief an den Sicherheitsrat geschrieben. Darin bat sie die Staatenvertreter, von den vielen hochqualifizierten Bewerberinnen doch eine auszuwählen. Dass dieser Wunsch in Erfüllung geht, scheint nun weniger wahrscheinlich. Die zweite Probeabstimmung soll am 5. August stattfinden.

Dieser Artikel wurde am 2. August 2016 aktualisiert.

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2 Leserbriefe

Uwe Schramm schrieb am 02.08.2016
Man fragt sich natürlich, warum die anderen VN-MS sich dieses Gekungel im Hinterzimmer gefallen lassen und nicht ihrerseits z.B. durch eine GV-Resolution, die zunächst einmal ein transparentes Verfahren durchsetzen müsste, aktiv werden. Auch der ECOSOC liesse sich zum Stichwort "Frau" wohl munter machen, natürlich unter Anhörung der interessierten NROs und IOs. Man hört ausserdem nichts davon, daß sich die EU-MS auf die prozeduralen Hauptforderungen und dann später auf eine gemeinsame Kandidatin geeinigt hätten. Ist es denn nicht richtig, daß der nächste VN-GS eine Frau sein und aus dem osteuropäischen Bereich stammen sollte ? Was sagt und unternimmt Berlin angesichts dieser Entwicklung ?
paul schrieb am 02.08.2016
man kann es nur immer wieder sagen und der welt zurufen:
solange die uno und vor allem die ständigen vetomächte nicht bereit sind irgend etwas an der uno-organisation der heutogen zeit anzupassen, solange wird die uno genau ds bleiben, was sie immer schon war! EIN GROSSER MOLOCH DER MILIARDEN VERSCHLINGT UND NICHT BEWIRKEN KANN !

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