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Das Ende des Mythos

Afrika hat sich nie wirklich entwickelt.

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Aluminiumverarbeitung im Niger

Nachdem ein Jahrzehnt lang mit grenzenlosem Optimismus der Aufstieg Afrikas beschworen wurde, ging in den letzten Monaten mit dem Konjunkturrückgang in China und den fallenden Preisen für Öl und Rohstoffe ein sinkendes Wachstum des Bruttosozialprodukts in vielen afrikanischen Volkswirtschaften einher. Die beiden größten Volkswirtschaften Südafrika und Nigeria stehen besonders schlecht da. Viele Länder haben mit einem wachsenden Handels- und Haushaltsdefizit und steigenden Auslandsschulden zu kämpfen. Das Ende des Mythos vom „Aufstieg Afrikas“ lässt erkennen, dass sich Afrika nie wirklich „entwickelt“ hat.

Gespeist wurde der Mythos vom Aufstieg Afrikas in den letzten zehn Jahren von verschiedenen Faktoren: dem enormen chinesischen Hunger auf Öl und Rohstoffe aus Afrika, massive ausländische Direktinvestitionen, ein dauerhaft starkes Wachstum des Bruttosozialprodukts, die steigende Zahl afrikanischer Milliardäre und die explosionsartige Zunahme an Mobiltelefonen. Doch das waren keine zuverlässigen Indikatoren für echte Entwicklung, also die Überwindung einer zu starken Abhängigkeit von landwirtschaftlicher Primärerzeugung und Rohstoffgewinnung und die gleichzeitige Diversifizierung der Volkswirtschaft mit einer Betonung des Industrie- und Dienstleistungsbereichs. Dass dem Wachstum des Bruttosozialprodukts zu viel Bedeutung zugemessen wurde, überdeckte somit die Frage, ob sich in den afrikanischen Volkswirtschaften eine Industrialisierung vollzogen hat oder nicht. Leider belegen die Daten, dass der Kontinent überwiegend keine Industrialisierung durchlaufen hat.

Zurückzuführen ist das in erster Linie auf die Ideologie des freien Handels und der freien Märkte und die Interpretation von „Globalisierung“ in den letzten Jahrzehnten, die den Ländern abverlangte, dass sie sich den Zugang zur Weltwirtschaft durch Liberalisierung, Privatisierung und Deregulierung ebnen und dann unter „gleichen Wettbewerbsvoraussetzungen“ mit anderen Ländern konkurrieren. Ein solcher Ansatz aber schränkt die Fähigkeit des Staates ein, umsichtige und langfristige nationale Wirtschaftsstrategien für eine Diversifizierung im Inland zu entwickeln.

Leider widersprechen diese Grundvoraussetzungen für Entwicklung den Freihandelsprinzipien und wurden daher in den vergangenen Jahrzehnten aus dem Curriculum der meisten Universitätsfakultäten gestrichen.

Die Vorstellung, dass „Entwicklung“ über Freihandel und freie Märkte erreicht wird, zwang afrikanische Länder darüber hinaus, grundlegende Lektionen zu ignorieren, die alle reichen Länder im Lauf der Zeit gelernt hatten: Erstens durchlaufen einzelne Volkswirtschaften über einen langen Zeitraum hinweg eine äußerst individuelle Entwicklung, sodass sie zu einem gegebenen Zeitpunkt ein jeweils unterschiedliches Maß an wirtschaftlicher Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit erreicht haben. Zweitens gerät ein Land, das sich immer weiter auf Landwirtschaft und Rohstoffabbau konzentriert – statt Industrie und Dienstleistungen auszubauen – ins Hintertreffen. Drittens sollte eine Handelsliberalisierung erst dann erfolgen, wenn die heimischen Branchen auf den Weltmärkten konkurrenzfähig sind. Und wenn schließlich ein Land eine nichtkonkurrenzfähige Industrie hat, muss es sie mittels zahlreicher politischer Industrialisierungsmaßnahmen nach und nach wettbewerbsfähiger machen, statt sie durch eine verfrühte Handelsliberalisierung zu zerstören. Leider widersprechen diese Grundvoraussetzungen für Entwicklung den Freihandelsprinzipien und wurden daher in den vergangenen Jahrzehnten aus dem Curriculum der meisten Universitätsfakultäten gestrichen.

Ungeachtet einer Vielzahl anderer Faktoren hat sich Afrika in den letzten Jahrzehnten vor allem deshalb nicht industrialisiert, weil afrikanische Staatschefs diese grundlegenden Lehren nicht befolgten.

Damit eine Industrialisierung in Gang kommt, muss man sich in den afrikanischen Volkswirtschaften daher bewusst sein, dass niemand von ihnen erwarten kann oder darf, unter „gleichen Wettbewerbsvoraussetzungen“ mit Industrien deutlich wettbewerbsfähigerer Volkswirtschaften zu konkurrieren. Sie dürfen sich nicht auf Landwirtschaft und Rohstoffabbau konzentrieren, wie es die Theorie des Freihandels und die Theorie des Komparativen Kostenvorteils empfehlen; sie müssen vorübergehend Handelsprotektion betreiben – wenn nötig, jahrzehntelang –, um vor einer Liberalisierung zunächst die Konkurrenzfähigkeit ihrer Industrien zu stärken; und sie müssen eine Vielzahl „industriepolitischer Maßnahmen“ ergreifen (langfristige zinsvergünstigte Handelskredite, Steuervergünstigungen und finanzpolitische Maßnahmen, Produktions- und Exportsubventionen, die Förderung von nachhaltiger Forschung und Entwicklung und von Technologieunternehmen, Technologietransfer als Voraussetzung für ausländische Direktinvestitionen und so weiter), um die Modernisierung der inländischen Industrie zu unterstützen.

Das Problem ist, dass viele afrikanische Länder das Recht auf die Einführung solcher grundlegender industriepolitischer Maßnahmen aufgegeben haben, als sie sich Mitte der 1990er Jahre den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) unterwarfen. Viele wurden von Vertretern der reichen Länder dazu gedrängt, noch weitreichendere regionale Handelsvereinbarungen zu unterzeichnen, etwa die von der EU initiierten Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (WPS) sowie bilaterale Investitionsschutzabkommen (BIT), die den Handlungsspielraum für industriepolitische Maßnahmen zusätzlich einschränken. Weitere große Freihandelsabkommen, die bald anstehen, sind das zwischen der EU und den USA (TTIP), zwischen der EU und Kanada (CETA), zwischen der USA und Asien (TPP) sowie TiSA, von dem Unterhändler behaupten, es werde als „Goldstandard“ für künftige Freihandelsabkommen mit anderen Ländern dienen.

Um ihre Industrialisierung voranzutreiben, müssen afrikanische Volkswirtschaften somit nicht nur ihre derzeitigen Verpflichtungen gegenüber der WTO verletzen, widerrufen und neu verhandeln, sondern sie dürfen auch keines der anstehenden Freihandels- und Investitionsschutzabkommen unterzeichnen.

Um ihre Industrialisierung voranzutreiben, müssen afrikanische Volkswirtschaften somit nicht nur ihre derzeitigen Verpflichtungen gegenüber der WTO verletzen, widerrufen und neu verhandeln, sondern sie dürfen auch keines der anstehenden Freihandels- und Investitionsschutzabkommen unterzeichnen. Ein Beispiel für solchen Widerstand bieten der nigerianische Industrieverband Manufacturers Association of Nigeria (MAN) und insbesondere seine Autohersteller, die sich dagegen wehren, dass Nigeria das WPS der EU mit der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft unterzeichnet. Die nigerianischen Hersteller lehnen völlig zu Recht die Vertragsklauseln zu einer verfrühten Handelsliberalisierung ab, und zwar aus denselben Gründen, aus denen die reichen Länder in ihrer jeweiligen Industrialisierungsphase eine verfrühte Liberalisierung für sich selbst auch ablehnten. Die MAN, die alle falschen Prämissen der Freihandelsverfechter und der Befürworter des freien Marktes verwirft und stattdessen empfiehlt, den wichtigsten historischen Vorbildern für eine nationale Entwicklungsstrategie zu folgen, verdient breite Unterstützung.

Es steht zu hoffen, dass andere Industrieverbände nachziehen, die Solidarität wächst und sich in allen Wirtschaftsregionen Afrikas, ja auf kontinentaler Ebene ein breiter und gut koordinierter Widerstand gegen die Freihandels- und Investitionsschutzabkommen formiert. Nun, da sich die Parole vom „Aufstieg Afrikas“ als Märchen erwiesen hat, ist es an der Zeit, dass die afrikanischen Länder ihre Industrialisierung und damit ihre Entwicklung ernsthaft vorantreiben.

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28 Leserbriefe

Meenhard schrieb am 30.01.2016
Ich denke, dieser Artikel ist wichtig und sollte verbreitet werden. Zu beachten ist aber auch, dass diese Art der "Entwicklung“ nicht überall gut ist. Ja, sie muss unbedingt verhindert werden, wo Menschen naturnah und in Selbstbersorgung leben! Es wäre sonst schade um die noch überlebenden Naturvölker. Auch darf eine solche "Entwicklung" nicht weitere Umweltzerstörung und Abholzung zur Folge haben!
FKassekert schrieb am 01.02.2016
Afrika sollte sich doch gar nicht zu einer Wirtschaftlichen Macht entwickeln! Woher hat er das denn?
Anzahl der Milliardaere und die Anzahl der Handys als eine Indikationsgroesse zu waehlen - sowas von Schwachsinn aber auch! Afrika braucht man als Rogstoffmarkt und Absatzmarkt, zB auch fuer tiefgefrorenes "Huehnerfleisch" aus der EU und unseren Abfallschrott! ENTSORGEN und so den armen auch noch Krankheiten bringen, damit man danach Medikamente testen kann?
Alle Internationalen organisationen haben versagt, da nicht politisch gewollt! Diktatoren braucht(e) man, damit sie nicht demonstrieren und auswandern! Die wurden dann auch fleissigst mit Waffen, Beratern und viel Geld unterstuetzt! Bereits mit der Grenzziehung am Ende der Kolonialzeit war abzusehen, Probleme werden und muessen kommen
volodymyr hlomozda schrieb am 01.02.2016
Herrn Rick Rowden. Ich schreibe Ihnen aus der Ukraine. Vielen dank für den Artikel. Die Ukraine macht die gleiche Fehler wie Afrika. Es ist sehr schade, das die Leute bei uns das nicht verstehen. Und noch dazu, es wird sehr selten darüber gesprochen. Ich möchte diesen Artikel übertzen und den ukrainischen Zeitungen vorschlagen. Ist das möglich?
Larry Williams schrieb am 01.02.2016
Danke für den niveauvollen, inhaltsreichen, erhellenden Artikel !
Wäre schön wenn der Kurier mehr von dieser ungefärbten Schreibweise anbietet.
Damit trägt eine Zeitung zur Volksbildung und Demokratie bei. Etwas das in Zeiten der Populisten und ihren demokratiefeindlichem Einfluss, gegenhält.
casa.dahab schrieb am 01.02.2016
Wenn sich keine mitleidigen Samariter des geschlagenen und beraubten Kontinents erbarmen, dann wird der Kontinent am Wegrand verrotten. (Ein paar "Samariter" die sich einsetzen, kenne ich schon...).
Aber, der Priester hat nicht geholfen, der Tempeldiener auch nicht. (So die Erzählung).
Der Samariter hat sich die Hände "schmutzig" gemacht, ihn auf den eigenen Esel geladen und versorgt.
Bevor er auch noch das eigene Geld einsetzte....
Wenn wir es nicht lernen einander wie Geschwister mit Herz zu behandeln, wie kann da diese Welt gesund werden?
Verleihnix schrieb am 02.02.2016
Dass Protektionismus das Heilmittel ist, erscheint mir wenig plausibel, zumal es in früheren Zeiten auch nicht funktioniert hat und Asien dessen offenbar nicht bedurfte.
Leider finde ich im Artikel auch keinen wirklichen "Beweis", dass das die Lösung wäre.
Ich war zweimal in Afrika, in verschiedenen Regionen und mit 25 Jahren Abstand. So verschieden es beide Male war, ich war jedes Mal ratlos, wie die Zukunft aussehen könnte. Gut gedachte Projekte gehen den Bach runter, sobald sie auf eigenen Beinen stehen sollen. Der Handel liegt in den Händen von Asiaten. Die Afrikaner sammeln und verkaufen Steine und Brennholz.
Ich hoffe sehr, dass man es schafft, die Natur zu erhalten - wahrscheinlich der größte Schatz.
Klaus Pilgram schrieb am 02.02.2016
Danke, Nick Rowden, für diese klare, unmittelbar nachvollziehbare Analyse!

Leider bleibt die Frage: wie soll sich dieser 'arme' (in jeder Beziehung, außer vielleicht beim Bevölkerungswachstum!) Kontinent aus den Klauen der herrschenden Lehre lösen? Insgesamt aus der WTO austreten - geht das? Und die Diktate der EU (Wirtschaftsgemein(!)schaften, Partner(!)schafts-abkommen), des IWF und der Weltbank . wie kann sich Afrika befreien?? Das ist schwer vorstellbar, oder? Und China ist, wie gezeigt, auch keine große Hilfe...
Spreewald schrieb am 02.02.2016
Jedes Märchen geht einmal zu Ende. So auch dieses. Es zeigt sich, wie leichtfertig die doch gut ausgearbeiteten Theorien der strukturellen Unterentwicklung der siebziger und achtziger Jahre beiseite gelegt wurden und die wirtschaftsliberalen Traumdeuter die Szene beherrschen konnten. Wir alle sehen, wem es genützt hat und wie der Kampf um den sozialen Fortschritt in Afrika in die Sackgasse gesteuert wurde.
Manfred Opel schrieb am 02.02.2016
Rick Rowden hat recht. Es ist sogar noch viel schlimmer. Ich kenne fast alle afrikanischen Länder. Noch nicht einmal Südafrika oder die alten Kultur-Länder nördlich der Sahara haben den wichtigsten Rohstoff der Zukunft: Wissen und Können. Moderne handwerkliche Ausbildung fehlt praktisch vollständig. Und jene, die im Ausland studiert haben, gehen entweder keinen sinnvollen Tätigkeiten nach oder ergehen sich in tertiären Tätigkeiten. Moderne Wertschöpfung fehlt fast vollständig.
Hinzu kommt die religiös motivierte Blockade zukunftsgerichteter Tätigkeiten.
Da aber die Ausbildung und die praktische Erfahrung auf breiter Basis Jahrzehnte dauert, ist Besserung in naher Zukunft nicht zu erwarten. Das gilt übrigens nicht nur für Afrika.
Siegfried Mueller-Maige schrieb am 02.02.2016
(1) Die in Afrika lebenden Menschen (Gesellschaften) haben sich selbstverständlich auch entwickelt und tun dies nach wie vor, nur: Sie tun das nicht so wie "wir" wollen und uns das vorstellen (wobei "wir" sehr unterschiedliche Vorstellungen von Entwicklung haben). Warum?
- Weil „wir“ sie seit Jh. und bis heute (EPAs etc.) massiv daran hindern, sich nach ihren eigenen Vorstellungen und Bedingungen zu entwickeln; mehr noch: „wir“ haben mittels Kolonialismus und Weltmarkt insbesondere Produktion, Handel und selbst Konsum und Teile der Kultur (nicht nur Bildung) so umstrukturiert, dass sie faktisch nur „unseren“ Interessen dienen (massive Zerstörungen in allen gesellschaftlichen Bereichen, nicht nur durch die Sklaverei, sind da eingeschlossen)
- Fortsetzung folgt
Siegfried Mueller-Maige schrieb am 02.02.2016
- Weil „wir“ mit verschiedensten Methoden zumindest mit dazu beitragen, dass seit der formalen Unabhängigkeit meistens Despoten herrschen, die eben nicht die Interessen ihres Landes und ihrer Menschen im Blick haben, sondern neben ihren eigenen vor allem „unsere“ Interessen bedienen
(2) Ob Entwicklung heute vor allem Industrialisierung bedeutet, darüber kann man streiten (wobei ich mich nicht wirklich an Industrialisierung störe, sondern daran, dass ein so verstandener Entwicklungsbegriff viel zu eng ist). Was aber Meenhard (erster Kommentar) schreibt, erfordert dringenden und lauten Widerspruch:
- dass „die Afrikaner“ doch so schön romantisch „naturnah und in Selbstversorgung leben“, zeichnet ein extrem falsche Zerrbild von der Realität
- Fortsetzung folgt
Siegfried Mueller-Maige schrieb am 02.02.2016
3. und letzter Teil:
- dass deshalb „diese Art der ‘Entwicklung‘ … unbedingt verhindert werden (muss)“, ist genau die Art von schädlicher (oder vielleicht sogar noch schädlicherer) Einmischung von außen, die ich bereits kritisiert habe
- und die folkloristische oder zoologische oder touristische Begründung, dass es doch „schade um die noch überlebenden Naturvölker (wäre)“, ist m.E. schlicht rassistisch (wenn auch nicht unbedingt rechtsextrem).
Dipl.oec. Gerd E c k e rt schrieb am 03.02.2016
Ich teile die Feststellung, daß die Hervorhebung der Wachstumsprozente die schwache Basisstruktur und die Probleme Armut, Hunger und Konflikte überdecken und ein falsches Bild vom Entwicklungstempo , vom Lebensniveau der Menschen vermitteln.
Die generelle Einschätzung von R. Rowden überraschte mich und sollte Anlaß geben für eine
Forum-Veranstaltung im Rahmen von FES damit diese Probleme vertieft werden können .
SW schrieb am 04.02.2016
Naja, man darf auch nicht vergessen, dass diese Länder einem massiven Bevölkerungswachstum ausgesetzt sind. In Kenya, z.B., verdoppelt sich die Bevölkerung ca. alle 20 Jahre. Da kann die Wirtschaft noch so wachsen - das ist aus Sicht von Infrastruktur, Bildungs- und Gesundheitswesen etc. sehr schwer zu stemmen. Ein Wunder fast, dass die Zivilgesellschaft weitestgehend funktioniert.
Meenhard schrieb am 04.02.2016
Ihr Text...Hallo Siegfried,
vielleicht war mein Begriff "Völker" übertrieben, doch zweifellos gibt es noch Stämme in Afrika die naturnah leben und zumindest in weitgehender Selbstversorgung. Und ich bin dagegen dass die Wälder abgeholzt werden in denen sie leben, und dass sie in städtischen Slums landen. Aber auch so manche Zivilisationseinflüsse auf diese Stämme lehne ich ab, weil sie schaden, man denke nur an den Alkohol. Bei anderen Einflüssen ist sicherlich abzuwägen, und vieles lässt sich wohl auch nicht verhindern. Dieses Anliegen ist sicherlich nicht rassistisch! Ich vermute mal kaum ein anderer als du hat meinen Kommentar in dieser Richtung missverstanden.
Stui Beverly schrieb am 04.02.2016
Richtig - der Artikel stimmt und der USA und EU u.a. haben nicht nur tuchtig mitgehohlfen - sind sogar grossen Teils verantwortlich für diese Misere in Afrika! China kam dazu später!

Es kommt langsam in der nächste Stufe auch auf uns zu weil der USA - und deren Rüstungsindustrie was der USA steuert - eine riesen Hunger hat auf weitere Macht und Geld!

Weitere große Freihandelsabkommen, die bald anstehen, sind das zwischen der EU und den USA (TTIP), zwischen der EU und Kanada (CETA), zwischen der USA und Asien (TPP) sowie TiSA, von dem Unterhändler behaupten, es werde als „Goldstandard“ für künftige Freihandelsabkommen mit anderen Ländern dienen.
Bernhard Pfitzner schrieb am 04.02.2016
Im Artikel wird der Widerstand des nigerianischen Industrieverbandes Manufacturers Association of Nigeria (MAN) und insbesondere seiner Autohersteller erwähnt, „die sich dagegen wehren, dass Nigeria das WPS der EU mit der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft unterzeichnet.“ Und weiter: „Die MAN … verdient breite Unterstützung.“
Das erscheint mir plausibel und realistisch, da hier allgemeine Erkenntnisse und handfeste Eigeninteressen zusammenkommen.
Um derartige Ansätze unterstützen zu können, wären entsprechende Informationen hilfreich. Kann hier im Rahmen der IPG noch etwas "nachgelegt" werden?
Fredrick Toben schrieb am 05.02.2016
Der Mythos des Aufstiegs propagieren Anthropologen heute noch mit ihrer "out of Africa" Theorie/Ideologie.
In 1981/82 lehrte ich an einer paedagogischenHochschule in Minna, Niger State, und fand die Studenten hochmotiviert und intelligent. Aber die klimatischen Bedingungen und die alten kolonialischen Ausbeutungstrauma machten es schwierig gesellschaftliche Strukturen als organische Bestaende aufzubauen, wie es die Biafran in 1967-70 versuchten. Nun ist der Konsum so eine grosse Anziehungskraft, dass nationale, bestaendige, traditionaelle Werte keine Bindungskraft haben.
Das Ziel der globalen Finanzpolitik ist ja dass man hierdurch den Coudenhove-Kalergi Plan fuer Europa schmiedet wonach die Welt neu verteilt wird in einer New World Order - der Rest ist eine geschichtliche Wiederholung!
Baier schrieb am 06.02.2016
Ja, das ist wohl so. Es betrifft nicht nur Afrika, wir sehen das auch bei den neuen EU Mitgliedern in Osteuropa. Es ist zu einem Rekrutierungsstandort für junge und gut ausgebildete Akademiker, gute und leicht integrierbare Facharbeiter sowie billige Lohnfertigung genutz worden. Ein echter Wettbewerb ist nicht möglich, weil der Zugang zu günstigen Finanzierungen für den Mittelstand nicht gegeben sind. Also wird der angeblich freie Markt von westeuropäischen Unternehmen kontrolliert, in der Produktion, Dienstleistung und Vertrieb. Wenn die geplanten Ziele nicht erreicht werden kann man sich ja zurück ziehen und das wars dann. Kein Wunder das auch von Ost nach West eine die Ostländer ausblutende Migration seit Jahren im Gange ist. Ausbildungskosten im Osten, Zugewinn im Westen. ODER?
chris schrieb am 06.02.2016
Es muesste heissen - "man" hat es nicht zugelassen dass sich Afrika entwickelt.......
Fredrick Toben schrieb am 08.02.2016
Nun kommen wir auf den sozusagen "springenden Punkt" - wer ist "man"?
Dennis Mitterhammer schrieb am 10.02.2016
Es ist ein Fehlschluss, dass der Freihandel die Entwicklung verhindert. Was ist denn die Alternative zu Freihandel - Abschottung, Handelsbeschränkungen? Am Beispiel Mercosur kann man sehen, wie der Freihandel Entwicklungsländern nutzt, und erreichen nicht auch China und Vietnam mit dem Handel als verlängerte Werkbank des Westens nun eigenen Wohlstand? Was können die Asiaten, was die Afrikaner nicht können? - Das wahre Hindernis sind die korrupten Regime. Sambia macht's vor, wie es besser laufen kann.
SL schrieb am 10.02.2016
Es wird nie hinterfragt werden weil, wie so oft hier erwähnt, nicht gewollt. Und da ist die deutsche Politik ganz weit vorne dabei.
Es ist ja jetzt schon bekannt, wieviele Menschen aus Afrika flüchten werden. Es ist auch schon bekannt das zahlreiche Menschen diese Fluchtversuche mit dem Leben bezahlt haben.
Aber letztendlich wird es dann schnell mit den bösen Diktatoren vor Ort erklärt...und unsere Presse spielt mit und die Bevölkerung glaubt und schluckt es!
Wo ist unsere Presse/Funk und Fernsehen bei diesem Thema? Wo sind Spiegel/Stern/Bild und Co?!?!
Unser Lobbyismus ist halt schon bis zur Perfektion in die tiefen der Politik vorgedrungen. Hatten ja lange genug Zeit...sozusagen von Generation zu Generation...!
Fredrick Toben schrieb am 10.02.2016
Einige Europaeische Dozenten belaechelten die offene Korruption in Nigeria, und ich fragte dann meine Studenten was sie von solch einer Aussage dachten. Einer klaerte die Sache treffend: "It is true, in Nigeria we have bribary and tribary and corruption at the top. But you in the West are also corrupt - except that you are at an advanced stage of corruption."
Also, die Begriffe "Diktatoren" and "Korruption" erklaeren vielleicht emotional einen Tatbestand der aber viel komplexer ist, weil die Vielfaeltigkeit des menschlichen Handel nicht durch nur ein oder zwei Begriffe erklaert werden kann.
Checker schrieb am 11.02.2016
Ein weiterer Faktor, warum die bisherigen Freihandelsabkommen nicht zu einer Entwicklung Afrikas geführt haben, ist, dass nun gerade die Landwirtschaf - der Wirtschaftszweig, der den größten Teil des BSP der afrikanischen Volkswirtschaften ausmacht - von der Globalisierung ausgeschlossen wurde. Die Landwirtschaft hätte man in Afrika durchaus entwickeln können, was wie in den industrialisierten Ländern auch eine größere verarbeitende Industrie zur Folge gehabt hätte (z.B. Konservenproduktion und Produktion von landwirtschaftlichen Geräten). Aber ausgerechnet die Landwirtschaft genießt in der EU und den USA protektionistischen Schutz. Die Hälfte des EU Budgets wird auf Agrarsubventionen vergeudet! In der Folge sind Agrarprodukte aus Afrika zu teuer für den europäischen Markt.
Helmut Nesselhut schrieb am 11.02.2016
Hier sollte man sich die Ursache dieser Fehlentwicklung bewußt machen. Um nicht von einem stärkeren Macht geschickt zu werden, was nun mal sehr demütigend ist, übt man den vorauseilenden gehorsam. ( siehe Merkel und die USA). Die Anführer die sich dieser indirekten Führung nicht beugen wollen, werden mit Krieg, Wirtschaftssanktionen, Mord und Bestechung bearbeitet. Also, wer ist Schuld an der Fehlentwicklung in Afrika, wir Vollidioten.
Verleihnix schrieb am 13.02.2016
Dennis Mitterhammer - stimme Ihnen zu. Lediglich Sambia kann ich nun nicht als positives Beispiel erkennen. Es ist sicher ein vergleichsweise ruhiges Land, verglichen mit fast allen Nachbarn. Aber auch dort hat man sich wirtschaftlich voll auf Rohstoffe begrenzt - Copperbelt. Mit dem Preis des Kupfers ist auch gleich der Wechselkurs des Kwatcha in den Keller gerauscht.
Nun könnte man - einfacher Wirtschaftstheorie folgend - annehmen, dass daraufhin die Exporte anderer Waren begünstigt werden. Würde auch klappen, aber es gibt praktisch nichts anderes außer Kupfer. Dabei ist Sambia das mit Abstand wasserreichste Land dort unten. (tragischerweise herrscht momentan eine Dürre). An einige andere Kommentatoren gerichtet: dieses "Die 1. Welt ist schuld"- Motto greift meiner Ansicht nach zu kurz - und ist letztlich auch wieder ein (gnädiger) Akt von oben herab: "Die armen Afrikaner können nichts dafür..." spricht ihnen jegliche eigenverantwortliche Handlungsoption ab.
Daniel Hanglberger schrieb am 25.02.2016
Durchaus interessant, allerdings ist zu kritisieren, dass er Entwicklung als rein wirtschaftliche Angelegenheit betrachtet. Werte wie Demokratie, Menschenrechte, Freiheit, Zugang zu medizinischer Versorgung, sauberem Wasser etc. kommen darin überhaupt nicht vor. Im Grunde symptomatisch für die extreme Verwirtschaftlichung unsere Gesellschaft, dass dies hier ausgeblendet wird. Der Diskurs darüber, was Entwicklung eigentlich bedeutet, ist doch alt genug, dass nun alle Personen, die sich auf akademischem Niveau damit beschäftigen, erkannt haben sollten, dass mehr wirtschaftliches Wachstum doch nicht mit Entwicklung gleichzusetzen ist.