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Die postwestliche Ordnung

Die BRICS-Staaten bauen an einer neuen Weltordnung. Das muss kein Grund zur Sorge sein.

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Wir sind Zeugen einer historischen Machtverschiebung vom Westen nach Asien. Die Folgen davon sind in der globalen Politik immer stärker zu spüren. Der Tag, an dem China die Vereinigten Staaten als die größte Volkswirtschaft der Welt ablöst, naht, und der Westen verliert langsam die Fähigkeit, die globale Agenda zu bestimmen. An diese westliche Dominanz haben wir uns so sehr gewöhnt, dass sie vielen ganz selbstverständlich erscheint. Das macht es schwer, sich vorzustellen, wie wir ohne sie auskommen können.

Doch historisch gesehen leben wir in einem höchst ungewöhnlichen Zeitfenster. Für rund zwei Jahrhunderte ermöglichte eine extreme Konzentration der Wirtschaftsmacht dem Westen, mit nur einer kleinen Minderheit der Weltbevölkerung globale Angelegenheiten zu beeinflussen und zu kontrollieren. Für die meisten Beobachter im Westen spielten nicht-westliche Akteure nur selten eine konstruktive Rolle bei der Bewältigung globaler Herausforderungen.

Daher wird die Zukunft der Weltordnung – nicht mehr unter westlicher Kontrolle – allgemein als chaotisch und gefährlich angesehen. Die führenden Theoretiker im Bereich Internationale Beziehungen von Harvard bis Oxford gehen davon aus, dass sich der relative Rückgang des westlichen Einflusses auf das internationale System negativ auswirken wird.

Doch unser Verständnis der Entstehung der Weltordnung, ihrer gegenwärtigen Form und Voraussagen über die Zukunft ist begrenzt, weil wir versuchen, uns eine „postwestliche Welt“ aus einer rein westlichen Perspektive vorzustellen. Wie Graham Allison, Professor der Harvard University und hochrangiger Berater mehrerer US-Präsidenten kürzlich schrieb, sei der Westen über die letzten tausend Jahre das „politische Zentrum der Welt“ gewesen. Solche Ansichten sind nicht nur historisch falsch, sondern unterschätzen grob die Beiträge nicht-westlicher Denker und Kulturen, die entscheidend zur wirtschaftlichen und intellektuellen Entwicklung des Westens beigetragen haben.

Wir unterschätzen nicht nur die Rolle, die nicht-westliche Akteure in der Vergangenheit gespielt haben, sondern auch ihr Potenzial, in Zukunft eine konstruktive Rolle zu spielen.

Unsere westliche Weltanschauung führt dazu, dass wir nicht nur die Rolle, die nicht-westliche Akteure in der Vergangenheit gespielt haben, unterschätzen (China etwa war bis ins 19. Jahrhundert hinein die größte Wirtschaftsmacht), sondern auch ihr Potenzial, in Zukunft eine konstruktive Rolle zu spielen. China übernimmt bereits mehr internationale Verantwortung als wir glauben: China hat allein derzeit mehr Blauhelme in aller Welt stationiert als die vier anderen ständigen UN-Sicherheitsratsmitglieder zusammen. Nur wenige Tage nach dem Wahlsieg von Donald Trump im November rief die chinesische Regierung den zukünftigen amerikanischen Präsidenten dazu auf, das Pariser Klimaabkommen zu achten. Es ist zu erwarten, dass Peking in den nächsten Jahren eine führende Rolle im Kampf gegen den Klimawandel übernehmen wird. Am selben Tag reiste Chinas Präsident Xi Jinping zum Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) in Lima, wo er verunsicherten Diplomaten aus Lateinamerika zusagte, sich auch weiterhin für Freihandel und Globalisierung einzusetzen. All dies zeigt, wie schnell andere Staaten auf ein globales Machtvakuum reagieren können. Es gibt keinen zwingenden Grund, dass die postwestliche Ordnung chaotischer oder instabiler sein wird als der Status quo. 

Anstatt die bestehenden internationalen Institutionen direkt zu konfrontieren, legen aufsteigende Mächte bereits das Fundament einer „parallelen Ordnung“, die die heutigen westlich geprägten Strukturen ergänzen wird. Wesentliche Elemente sind die von Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika (BRICS) geschaffene Neue Entwicklungsbank (NDB) und die Asiatische Bank für Infrastrukturinvestitionen (AIIB) (zur Ergänzung der Weltbank), die Universal Credit Rating Group (zur Ergänzung der Rating-Agenturen Moody‘s, Fitch und Standard & Poor‘s), die China Union Pay (zur Ergänzung von Mastercard und Visa), CIPS (ergänzend zu SWIFT) und natürlich die BRICS-Gruppe selbst (zur Ergänzung der G7). Sie sind heute noch vielen unbekannt, jedoch werden mehrere dieser Institutionen bei der Gestaltung der postwestlichen Ordnung eine wichtige Rolle spielen.

Die neuen globalen Strukturen dienen dazu, die Macht der BRICS-Staaten besser zu projizieren, genau wie der Westen es vor ihnen getan hat.

Diese Strukturen entstehen nicht, weil China und andere aufsteigende Mächte grundlegend neue Ideen haben, wie wir globale Herausforderungen bewältigen können oder weil sie versuchen, globale Regeln und Normen zu verändern. Vielmehr dienen sie dazu, ihre Macht besser zu projizieren, genau wie der Westen es vor ihnen getan hat. Sie entstanden auch aufgrund der begrenzten sozialen Mobilität der heutigen Ordnung und aufgrund der Unfähigkeit der bestehenden Institutionen, die aufsteigenden Mächte angemessen zu integrieren. Noch heute liegt die Leitung des Internationalen Währungsfonds in europäischen Händen (aktuell die Französin Christine Lagarde) und der Präsident der Weltbank, Jim Yong Kim, ist ein US-Bürger. Dies mag aus Sicht französischer oder amerikanischer Entscheidungsträger ein unwichtiges Detail sein, aber aus indischer oder brasilianischer Sicht steht die Stellenbesetzung für das Desinteresse des Westens, die heutigen Strukturen zu demokratisieren.

Die westliche Hegemonie ist so tief verwurzelt und allgegenwärtig, dass wir sie als selbstverständlich ansehen und unsere Fähigkeit mindert, die Konsequenzen ihres Niedergangs objektiv zu bewerten. Doch während der Übergang zur Multipolarität – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch militärisch – für viele verwirrend sein wird, kann er zu einem weitaus ausgeglicheneren System führen als bisher, und dabei helfen, einen Dialog darüber aufzubauen, wie die globalen Herausforderungen in den kommenden Jahrzehnten angegangen werden können. So war es ein wichtiger und richtiger Schritt, dass Deutschland und mehrere andere europäische Staaten dem Gründerkreis der AIIB beitraten. Die amerikanische Regierung hatte bis zuletzt noch versucht, Regierungen in Berlin, Paris und London davon abzuhalten. Verhandlungen in diesem System, bestehend aus alten und neuen Institutionen, werden ohne Zweifel komplexer sein als jemals zuvor. Aber der Westen darf nicht in einen Pessimismus verfallen, sondern sollte sich der Herausforderung der Gestaltung der postwestlichen Ordnung stellen, statt sich allein auf Rückzugsgefechte zu konzentrieren. 

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31 Leserbriefe

Heinz Köberl schrieb am 10.01.2017
Herrn Stuenkel meine herzliche Gratulation und Bewunderung zu diesem äußerst "lesbaren" und auf die Metafakten fokussierten Artikel.
Warum bekommt man solche Artikel im Mainstream nicht präsentiert? Zu verständlich? Zu logisch? Im Gesamten ZU nachhaltig?
Gerne verlinke ich diesen Beitrag extern. Ein Glanzstück. Das Buch hole ich mir.
andreas losert schrieb am 10.01.2017
Ihren Beitrag halte ich für wertvoll. Es bleibt darüber hinaus spannend, ob die mit den UN MILLENIUMSZIELEN global verstärkt eingeleitete Zukunftsorientierung unter Führung des neuen UN Generalsekretär António Guterres gesichert und im Sinne der Lösung globaler Herausforderungen und internationaler Beziehungen weiterentwickelt werden kann. Multipolarität und interkontinental neu entstehende Machtverhältnisse nicht auf Grundlage fester und interreligiös anerkannter UN Wertestrukturen entstehen zu lassen, wäre andererseits ein gern verzichtbares Abenteuer.
Friedemann schrieb am 10.01.2017
Es ist wohl war, dass der Westen langsam die Fähigkeit verliert, die globale Agenda zu bestimmen. Der Debattenanstoß ist verdienstvoll. Um die Debatte zu bereichern, reichen 800 Zeichen leider nicht aus, ich hab's vergeblich versucht. Jedenfalls lohnt sich, für manche westlichen Standards zu kämpfen. Menschenrechte und Korruptionsächtung gehören dazu. Das schaffen tendenziell staatsmonopolistische Mächte wie die BRICS-Staaten nicht. Rechtsstaatlich gebundene Demokratien mit echter Gewaltenteilung haben hier Vorteile.
Oliver schrieb am 10.01.2017
ja, einmal kurz und knapp (verständlich) ausgesprochen.
Ullrich Walter schrieb am 10.01.2017
Der Artikel ist ausgewogen. Er stellt die hiesige Situation dar. Ich bezweifele stark allerdings, ob, wer die meisten Blauhelme, ein Kriterium ist oder nicht, wer stark ist oder nicht. Der Autor vergass, dass China diesen Bereich erst vor 5 Jahren begann, während alle anderen ständigen Mitglieder seit 1945 unterwegs waren. Ein ganz großes Feld und aus meiner Siicht, die mittlerweile größte Errungenschaft ist die FREIHEIT. Keiner der BRICS Staaten hat eine vernünftige Demokratie, auch Indien nicht, was im europäischen Sinne wäre. Wer wirtschaftlich stark sein will, kommt um die persönliche Freiheit, die Menschenrechte nicht herum. Und da fehlt es stark. Beides sind zwei Seiten einer Medaille.
Fujiyama schrieb am 10.01.2017
Ich kann mich der Würdigung von Herr Köbert nur anschließen. Der Artikel bietet eine volltuend unaufgeregte Perspektive auf eine der zentralen Entwicklungen unserer Zeit.
Pedro schrieb am 10.01.2017
Lieber Herrn Stuenkel,

mir hat Ihren Beitrag sehr gut gefallen,
Walter Junghans schrieb am 10.01.2017
Der Artikel von Oliver Stuenkel ist sehr vorausschauend. die BRICS- Staaten werden in wenigen Jahrzehnten unsere vom Christentum
geprägte Ordnung ablösen. Unser System geht den Weg, den jede Kultur in der Vergangenheit gegangen ist. Nach einer Blüte beginnt der Niedergang. Siehe Spanien, Großbrietanien, Frankreich. In der Evolution wird das Alte vom Neuen abgelöst. Am deutlichsten sieht man
dies gegenwärtig an den USA. Der neue Präsident sieht sein Heil im Protektionismus für die USA. Im Kapitalismus werden aufstrebende
Staaten das alte System mit neuen Innovationen ablösen.
Ullrich Walter schrieb am 11.01.2017
Sehr geehrter Herr Junghans, was unterscheidet die BRICS-Staaten von den Staaten in Europa und Amerika? Bei ihnen steht die Freiheit im persönlichen, im Wirtschaftlichen oben drauf. Die BRICS-Staaten, allen voran China und Rußland, wollen bestimmen, was bestimmt sein soll. Beide Länder haben große und weite Landstriche, die auf dem Stand des Ende 19. Jahrhundert sind (Entwicklungsland). Wollen Sie ehrlich erklären, der Westen ist bei all seinen Problem und Unterschieden am Ende???? Nein, sage ich. Denn wenn es drauf an kommt, steht er zusammen. Das einzige positive der US-Wahl, Europa wird nähr wieder zusammenrücken. Und nicht vergessen, Rußland wird von unseren östlichen Partnern und Freunde als Gefahr gesehen. Zur wirtschaftlichen Freiheit gehört immer die persönliche Freiheit!!!!
Klaus schrieb am 11.01.2017
Sehr guter Artikel. Der Begriff "Post-Western World" beschreibt leider vor allem auch uns selbst. Unsere "westliche Weltanschauung" liefert in ihrer zunehmend unattraktiven und eigennützigen Nabelschau derzeit kaum noch überzeugende Lösungen. Die zunehmende Entfernung der Sozialdemokratie von ihren Kerngedanken ist Teil dieses Prozesses. China hat mit seinem Entwicklungswillen ein objektives Interesse an funktionierenden internationalen Ordnungssystemen, die diesem Land das Verfolgen --seiner-- globalen Interessen erleichtern. Das kann sich in den Trump-Jahren in einigen Bereichen möglicherweise positiv auswirken, ist aber auch Element eines politischen Systemwettbewerbs, dem wir uns irgendwann stellen müssen.
Christoph schrieb am 11.01.2017
Ich schließe mich Herrn Köberl an, möchte aber hinzufügen, dass es diese westlich Weltordnung erst seit der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus gibt. Die Pharaonen waren schwarz (Afrikaner), Abraham, Jesus und Mohamed die drei Propheten der Weltreligionen waren ebenfalls keine Europäer, ebenso Dschingis Khan u.s.w.
Unsere Weltordnung ist eigentlich auf Rassismus aufgebaut. Der Europäer hält sich aufgrund seiner Genetische Abstammung anderen Ethnien überlegen. Das ist schlicht und einfach falsch und muss korrigiert werden. Eine neue post-westliche Weltordnung muss man deshalb positiv betrachten.
Heinz Köberl schrieb am 11.01.2017
@Walter Junghans. Zitat: "Und nicht vergessen, Rußland wird von unseren östlichen Partnern und Freunde als Gefahr gesehen."
Für Weißrussland, Moldawien und auch Bulgarien kann ich das nicht bestätigen. Selbst in der Ukraine, die ich immer wieder besuche ist ohne massive westliche Unterstützung für radikal nationalistische Parteien und Splittergruppen plus genereller Hetze der üblichen Verdächtigen aus der Friedensnobelpreis-EUSA gegen Russland in der Akzeptanz genau nichts zu holen. Ich traue mir zu sagen, dass die Ukrainer das westliche Spaltungsspiel mehr und mehr durchschaut haben. Und da sind wir bei einem der Hauptkriterien: Der Westen ist unterm Strich zudestruktiv. Die beiden West-Ideologien verstellten dem Volk den Durchblick. Daher bedürfte es im Mainstream viele solcher Artikel.
WV schrieb am 11.01.2017
Der Artikel und die Kommentare sind von einer an dieser Stelle öfter vermissten engagierten Sachlichkeit. M.E. wäre zu unterscheiden zwischen Akteuren und Inhalten; erstere sind an der Durchsetzung ihrer Interessen, also an Macht, interessiert, BRICS genau so wie "der Westen". Eine ausgeglichenere Machtverteilung ist aber nur dann demokratischer, wenn die multiplen
Machtpole Inhalte verfolgen, die die legitimen und demokratisch ermittelten Interessen ihrer Bevölkerungen widergeben. Daran darf im Falle Brasiliens und Indiens, etwas, im Falle Russlands schon mehr und im Falle Chinas stark gezweifelt werden. Die post-westliche Ordnung ist also nicht zwingend ein Fortschritt. Es sei denn, wir sehen auch Demokratie als ein westliches und vorübergehendes Phänomen an.....
RR schrieb am 11.01.2017
Es ist Zeit, dass "der Westen" abdankt. Seine Bilanz ist verheerend: In Nordamerika wurden die Ureinwohner weitestgehend ausgerottet, noch heute schaffen es die USA nicht, die Nachfahren ihrer Sklaven wie Menschen zu behandeln. In Afrika und Asien haben die Europäer über Jahrhunderte die Menschen ausgebeutet und nach 45 entstand "der Westen" als Unterdrückungsbündnis der Weißen - in Vietnam wurden die Verbrechen der Franzosen von den Amerikanern fortgeführt so wie die Amerikaner und ihre Vasallen Libyen und den Irak vernichtet haben und heute Krieg in Syrien führen. Wie schon in den 70er Jahren in Pakistan setzt man auf die "Dschihadisten", um eine unliebsame Regierung zu stürzen. Braucht die Welt "den Westen"? Die USA sind reif für einen Trump und damit schafft der Westen sich selbst ab.
Seiich schrieb am 11.01.2017
Die These von Herrn Oliver Stuenkel ist in einem Punkto Aniti-Eurozentrismus gut, aber hat dieselbe Pathologie wie Eurozentrismus. Man kann es wohl als die verkehrte Welt bezeichnen. Die Ideen wie Freiheit, Demokratie, Menschenrecht, Gleichheit usw sind die Erungenschaften der Menschheit, wohlgemerkt, nicht-westlilche. Zum Beispiel in der USA, wie viele Russen, Chinesen, Inder und Brasilianer leben dort und warum? Der Globus gehört uns allen. Zu viel nationalistische Gedanken werden unvermeitlilch nur Unglück und Kriege bringen.
Harald Buchmann schrieb am 12.01.2017
Exzellenter Artikel in einer viel zu selten hörbaren Tonalität. Ja, China hat über 2000 Jahre dokumentierte Friedenstheorie und -philosophie. Dass diese nicht modernen wissenschaftlichen Standards genügt ist klar, sie deswegen zu ignorieren wäre hingegen fatal. Basieren nicht viele unserer politischen Konstrukte heute noch auf Theorien der alten Griechen (einer krass sexistischen, rassistischen, pädophilen Sklavenhalter-Gesellschaft, die aber trotz aller aus heutiger Sicht ekelerregenden Missständen sehr wertvolle Erkenntnisse erschuf und dokumentierte)? China hat viel früher als alle Europäischen Kulturen dem Expansionismus abgeschworen und ist Kriegen weit mehr abgeneigt als z.B. die NATO Staaten. Das macht auch mir Hoffnung.
Ullrich Walter schrieb am 12.01.2017
Herr Köberl, es ist bekannt, dass Sie als Rußlandgetreuer, das sagen. Fakt ist 1. Moldawien Rußland besetzt widerrechtlich 20% des Gebietes Moldawiens, obwohl es Abkommen zum Rückzug gibt und Rußland nicht umsetzt. Ich empfehle Ihnen einen Besuch an dieser nicht anerkannten Grenze. 2. Weißrußland ist autokartisch eingestellt und hat aber trotzdem Probleme mit Rußland, weil es sieht nur mit Rußland geht es bergab. Die Lockerungen der Sanktionen der EU gegenüber Weißrußland war ja ein Entgegenkommen Weißrußlands. 3. Bulgarien profifitiert seitdem es Mitglied der EU und NATO ist mehr als jemals zuvor im Warschauer Pakt und RGW. Auch die jungen Bulgaren wissen die Annehmlichkeiten zu schätzen des Westens, als hintertriebene Idologie eines Putins aus dem 19. und 20. Jahrhundert.
Heinz Köberl schrieb am 12.01.2017
Sehr geehrter Herr Ullrich Walter. Weder bin ich Russlandgetreu, noch ein Putin-Propagandist, was mir auch schon mal unterstellt worden ist. Nachdem ich die Lage in Transnistrien durch meine private Ebene besser nicht kennen könnte, muss ich Ihnen gerade hier klar widersprechen. Dass man seitens der Ukraine und teilweise auch Moldawien selbst die Transnistrier zu isolieren versucht, bevor man ihnen vor der Durchreichung in UA auch noch einen Teil des Russengases stiehlt, ist vor allem der westlichen politischen Keiltreiberei in Kiew zu verdanken. Ich kenne die Grenzen und den Umgang dort bestens. Es lohnt sich, Russisch zu sprechen und zu verstehen und die Gegenpropaganda entsprechend abzuwägen. Dann ist man im Wissen der Machenschaften aller Akteure hüben wie drüben schnell geläutert.
Ullrich Walter schrieb am 12.01.2017
Herr Köberl, Sie stinmmen also zu das Russland widerrechtlich und selbst geschlossene Verträge untergräbt auf das gröbste verletzt? Ich erinnere an die Reden des deutschen Vorsitzenden der OSZE in seiner Bilanz, dass dieser Konflikt, wie der in Georgien und Ukraine offen von Rußland verschuldet wurde. Ich bleibe mit meiner Meinung dabei und diese hat sich durch ihren Beitrag keinerlei verändert. Wenn Kinder in einem Gebäude getrennt werden, weil am Vormittag die moldawischen Kinder unterrichtet und am Nachmittag die Kinder aus dem besetzten Teil der Republik Moldau unterrichtet, das finden sie gut? In welcher Zeit leben sie? Das sind die Realitäten, die selbst sogar der Kreml zu gibt.
smuks schrieb am 13.01.2017
Eine sehr klare, nüchterne Sichtweise, wie sie hierzulande selten zu lesen ist. In solchen Fragen ist nach meiner Erfahrung die chinesische Presse objektiver als unsere.
Unsicher bin ich nur bzgl. des Frage, ob China und Co. 'versuchen, globale Regeln und Normen zu verändern'. Ich gehe davon aus, dass die BRICS die bestehenden Institutionen (IWF, WTO, UN...) soweit reformieren wollen, dass dadurch durchaus eine deutliche Verschiebung der Regeln resultiert, ohne die sich das auf ständiges 'Wachstum' angewiesene bisherige System nicht stabilisieren lässt. Der Aufbau eigener Institutionen ist demgegenüber der 'Plan B', falls der Westen die nötigen Reformen verweigert.
Und...ist das eigentlich Zukunftsmusik, oder ist das Wesentliche schon längst passiert? Was war da, am 28.9.2015 in New York
Wolfgang Thiemig schrieb am 13.01.2017
Die Sicht von Herrn Stuenkel ist grundsätzlich optimistisch und das gefällt mir. Sorge macht mir, dass historisch neue globale Akteure zumeist militärisch an die Macht gelangten. Es waren oft verheerende Kriege, die diese Umbrüche einleiteten. Umso schlimmer finde ich, dass sich die aktuell größten Militärmächte nahezu "urrömisch" verhalten. Gegenspieler werden gnadenlos bekämpft. Das fordert regelrecht militärischen Widerstand heraus.
Und hier gelten immer noch die alten Regeln, die Masse macht es. Männer unter Waffen können die neuen Spieler ungleich mehr aufhielten. Wenn der Westen schlau ist, beendet er jegliche militärische Einmischung und sucht andere politische Mittel
Heinz Köberl schrieb am 13.01.2017
@Ullrich Walter: Ihre Fragestellung ist mir in Ihrem völkerrechtlich (westkorrekten) Selbstverständnis zu einseitig. Diese blendet nämlich die Interessen des Restes der Welt gegen Russland aus. Die Wahl auf der Krim war zB. lt. OSZE sauber. Wenn Sie Chisinau, Tiraspol, Kiew, Odessa mehrmals bereist haben, werden Sie mit entideologisiertem Blick die im Grunde recht selben Interessen der Bürger erkennen. Wir Wessis sollten lernen, dass uns dort viele Klardenker nicht wollen! Die Reaktionen der Russen sind alternativlose Kopien der EUSA-Verstöße nach dem Mauerfall. Kinder: Man wollte die russische Mehrheit in Transnistrien düpieren. Resultat: Krieg und Armut. Wissen Sie, wer den Transnistrien-Krieg (auch von Moldawiern anerkannt) in Wahrheit früher beendet hat? General Lebed. Der böse Russe.
Ullrich Walter schrieb am 13.01.2017
Herr Köberl: Sie verkennen bei Moldawien eins, Rußland ist Besatzermacht und Feind. Es gibt keine internationale Zustimmung. Die Krim ist völkerrechtswidrig besetzt wurden. Die "Wahlen" werden und wurden nicht anerkannt, da sie eine Farce sind. Rußlands Versprechungen für die Krim sind nicht eingetreten. Die Wasserversorgung z.B. wird immer noch von Ukraine durchgeführt. Eine Brücke von Krim zum Festland Russlands, alles Träumerei. Die Russen sind nach wie vor eine ernstzunehme Regionalmacht, aber keine Weltmacht, auch wenn sie sich gern so aufsppielen wollen.
Armut gab es immer dort und zwar besonders zu Sowjetzeiten.
Harald Buchmann schrieb am 13.01.2017
@ Wolfgang Thiemig: stimme absolut zu. Optimistisch stimmt zudem, das China eine extrem lange Geschichte des Friedens und der nicht-Expansion hat. China erstellte vor über 2000 Jahren philosophische Konzepte der friedlichen Koexistenz und der kulturellen Nichteinmischung als Basis für multikulturellen Frieden, und definierte vor rund 800 Jahren die bis heute unbestrittene Staatsräson, dass China sich auf dem jetzt definierten Boden befinde, und kein Interesse hat, sich auszudehnen. Das Unterscheidet sich diametral von Europa, deren Länder rund 100 Jahre danach begannen, global zu expandieren. Diesen Geist der Unterwerfung anderer Völker aus christlichen, demokratischen, ethischen, menschenrechtlichen etc. Ideal, lebt in den USA bis heute weiter und sorgt für viele Kriege.
Galgenstein schrieb am 13.01.2017
@Köberl. Dass die OSZE bestätigt hätte, dass die Wahlen auf der Krim sauber gelaufen wären, können wir getrost unter Fake-News abheften. Die OSZE hatte noch nicht einmal Beobachter zu diesen Wahlen entsandt, da es schon an den notwendigen Voraussetzungen für legitime Wahlen fehlte. Sollte und muss man eigentlich wissen, wenn man diesen Vorgang kommentiert. Richtig ist, dass rechts- und linksextreme Parteien, welche die Annexion unterstützten Beobachter entsandt hatten und mit dem Ergebnis höchst zufrieden waren, da es mit ihren Wünschen konform ging.
smuks schrieb am 13.01.2017
Wolfgang Thiemig: China ist kein 'historisch neuer' Akteur, sondern hat viel mehr Erfahrung in Außen- und Geopolitik als die westlichen Staaten. Beijing geht eben nicht (vorrangig) militärisch vor, sondern schafft mit ökonomischen und diplomatischen Mitteln eine Situation, in der Andere gar nicht mehr anders können, als sich seinen Vorstellungen anzupassen. 'Der beste Krieg ist der, den man nicht führen muss' - so ähnlich hieß das bei Sun Tzu. Solange sich die westlichen Staaten halbwegs rational verhalten, wird das funktionieren - aber werden sie das tun? Sie haben Recht, Umbrüche sind in aller Regel nicht friedlich (Ausnahme: 1990)...

Ullrich Walter: Hören Sie einfach auf, mit zweierlei Maß zu messen und ein gut-böse-Schema zu benutzen, dann ergibt die Diskussion Sinn.
Wolfgang Thiemig schrieb am 13.01.2017
smuks, nun ja, denkbar, dass die Chinesen die grossen Gewinner sind. Wir aber leben in Deutschland und müssen an uns denken. Als Sportler frage ich mich, bin ich fit genug? Da wir ja Teamwork betreiben ...wollen, wie stark ist die Mannschaft und taugen die Trainer? Es gibt sicherlich noch schwächere Mannschaften wie die der EU aber wenn wir Anspruch, Realität und Leistungsbereitschaft zugrunde legen, vieles stimmt nicht, um es mal vorsichtig zu formulieren. Nehmen wir mal Old Germany, ja, wir leben auf hohem Niveau aber unsere Produktivität im Verhältnis zu anderen und der unglaubliche Kapitalabfluss sind immense Risiken für die Zukunft.
Heinz Schneider schrieb am 14.01.2017
Zu Ullrich Walter und WV, 11.01.: Es gehört zu den folgenschweren Irrtümern, die Stärke der chinesischen Wirtschaft einem Mangel an Demokratie zuzuschreiben. Tatsächlich beruht sie auf einer funktionierenden staatlichen Regulierung des Kapitalismus.
Deren Abwesenheit treibt den Westen derzeit von Krise zu Krise. Die selbstverschuldete Entmündigung der Politik, ihre freiwillige Unterordnung unter die Interessen der "Märkte" hat einen sich beschleunigenden Prozess der gesellschaftlichen Spaltung in Gang gesetzt, der die erreichte Demokratie wieder zerstört. Dagegen profitiert die chinesische Gesellschaft vom "Fahrstuhleffekt" (Ulrich Beck); es geht für alle nach oben. Dieser ist zwingende Bedingung dafür, dass Kapitalismus und Demokratie wenigstens zeitweise nebeneinander bestehen können.
Ullrich Walter schrieb am 15.01.2017
smuks: Ich brauche nicht sagen zu lassen, was ich mache oder nicht. Noch leben wir in der Meinungsfreiheit und lass mir das Wort nicht verbieten.
Heinz Köberl schrieb am 16.01.2017
@Walter Ullrich
Eigentlich wollte ich nach dem Hinweis von @smuks auf Ihre einseitiges Denkschema gar nicht mehr antworten. Dennoch habe ich Ihre Posts soeben einer Moldawischen Freundin gezeigt, die gerade neben mir sitzt. Sie schüttelt nur mehr den Kopf, was Sie da für einen West-Mainstream-Schund über Russland als "Besatzermacht" daherschreiben. Bedarf keines weiteren Kommentars von mir.

@Galgenstein
Sie glauben wohl alles, was Sie von den "Selbsternannten" zu lesen bekommen, oder? Abweichendes = Fake-News, die Beobachter ungeliebter Wahrheite Extremisten. Gläserene Wahlurnen werden von der OSZE sogar favorisiert. Es wurde gesichert mindestens im Standard von DE oder im peinlichen AT gewählt. Dass die Gutmenschen der OSZE Einladungen Russlands ausschlugen, blenden Sie (natürlich!)
Wolfgang Thiemig schrieb am 16.01.2017
@Heinz Köberl Ist das alles wirklich so wichtig bzw. Kommt es darauf an? In vielen Ländern geht es doch wohl eher um elementarste Daseinsvorsorge und wer die bietet, gewinnt. So entsteht doch keine "postwestliche Ordnung".
Und was die Meinungsbildung betrifft, nun ja, die Agitatoren sind wieder oben auf, weltweit. Wenn ich nicht agitiert werden möchte, muss ich wohl mehr hinterfragen. Sonst komme ich auch in den Kochtopf.
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