Kopfbereich

Die USA sind und bleiben die größten

Warum die Rufe nach dem Schwinden der Weltmacht eine Episode in der Geschichte bleiben werden.

Picture Alliance
Picture Alliance
Monster Truck Jam Max-D auf der Advance Auto Parts Monster Jam im Reliant Stadium in Houston, Texas.

Bereits in den 1950ern wurde geglaubt, die Sowjetunion habe die USA überholt, aber heute existiert die Sowjetunion nicht mehr. In den 1980ern nahm man an, Japan würde an den USA vorbeiziehen, aber heute, nach über zwei Jahrzehnten japanischer Stagnation, würde niemand mehr dieses Szenario ernst nehmen. Und in den 1990ern sollte die Währungsunion Europa einen größeren weltweiten Einfluss bringen, heute hingegen macht die europäische Wirtschaft zwar oft Schlagzeilen, aber keine guten.

Nun ist China an der Reihe. Bis vor kurzem schien China in den Augen vieler Menschen die weltweite Führung übernommen zu haben oder zumindest auf dem Weg dorthin zu sein. Momentan allerdings werden die Aktienmärkte in aller Welt – auch in den USA – von Zweifeln an den langfristigen wirtschaftlichen Aussichten Chinas durcheinander gewirbelt.

China ist wichtig, und die Wirtschaftspolitik des Landes, darunter auch die Anpassung des Wechselkurses, muss ernst genommen werden. Aber das Land regiert nicht die Welt und wird dies aller Voraussicht nach auch so bald nicht tun. Ob man es glaubt oder nicht: Die Möglichkeit der globalen Führung liegt immer noch bei den USA.

Die besten Argumente dafür, China als Weltmacht ernst zu nehmen, werden in Arvind Subramanians Bestseller Eclipse: Living in the Shadow of China’s Economic Dominance aus dem Jahre 2011 angeführt. Der Verfasser, der heute führender Wirtschaftsberater beim indischen Finanzministerium ist, war mein Kollege und gelegentlicher Mitautor beim Internationalen Währungsfonds und beim Peterson Institute for International Economics. Man kann nur hoffen, dass die indische Regierung Subramanians Analyse darüber, wie China durch Exporte von Industrieerzeugnissen und die damit verbundenen Produktivitätsverbesserungen gewachsen ist, Beachtung schenkt. In China wurden auch Waren für ausländische Unternehmen hergestellt. Das Land hat sich dadurch in bisher ungeahntem Maße in die weltweiten Angebotsketten integriert, und die chinesischen Manager haben gelernt, wie man bessere Produkte herstellt.

 

US-Staatsanleihen sind für China nutzlos

Aber andere Teile der chinesischen Erfahrung haben dem Land langfristig nicht so gut getan. Während der frühen 2000er verfügte China über einen enormen Leistungsbilanzüberschuss und häufte riesige Mengen ausländischer Währungsreserven an – darunter auch einige Billionen Dollar in US-Staatsanleihen. Obwohl dies auf dem Papier beeindruckend aussieht, sind Reserven dieser Größe letztlich nutzlos. Wollte China seine US-Papiere verkaufen, würde dies den Dollar schwächen und US-Unternehmen den Export und den Wettbewerb gegen Importe erleichtern.

Aber die amerikanische Angst davor, überholt zu werden, ist nicht neu. Sie flammte beispielsweise auf, als in den späten 1980ern ein japanisches Unternehmen das New Yorker Rockefeller Center kaufte. Rückblickend war dies einer der größten Reinfälle des zwanzigsten Jahrhunderts. Auf ähnliche Weise werden die Amerikaner wohl dereinst auf die chinesische Anhäufung von US-Staatsanleihen zurückblicken und einfach mit den Schultern zucken.

Das größere Problem ist die chinesische Wechselkurspolitik. Lange Zeit hat China den Renminbi vor einer Überbewertung geschützt – und wie Subramanians Forschungen bestätigen, war dies eine gute Politik. Aber in den frühen 2000ern ging China zu weit. Aus Gründen, die immer noch umstritten sind, geriet der Renminbi in eine massive Unterbewertung. Die Exporte waren viel höher als die Importe, und der Leistungsbilanzüberschuss erreichte über 10 Prozent des BIP. Anstatt den Renminbi aufwerten zu lassen und ihre Abhängigkeit von den Exportmärkten nach und nach zu verringern, bevorzugten die chinesischen Behörden, ausländische Währungsreserven  – in Form von US-Staatsanleihen – anzuhäufen.

Und heute muss China einen Weg finden, trotz nachlassender weltweiter Nachfrage sein Wachstum aufrecht zu erhalten. Eine Rückkehr zu einem deutlich unterbewerteten Wechselkurs würde mit ziemlicher Sicherheit eine internationale Reaktion nach sich ziehen, darunter auch eine des US-Kongresses. Aber der plötzliche Übergang zu inlandsbasiertem Wachstum ist nicht einfach. China wird nicht  – wie die Sowjetunion – zusammenbrechen, und auch eine Stagnation nach japanischem Vorbild ist unwahrscheinlich. Aber das Land altert schnell – und könnte vergreisen, bevor es reich wird.

 

Es gibt auch Gründe zur Besorgnis

Jedes Jahrzehnt prophezeien erneut wichtige Menschen das Ende der amerikanischen Macht. Und tatsächlich gibt es Gründe zur Besorgnis – insbesondere dann, wenn manche US-Politiker sich weigern, den Charakter der weltweiten Rolle Amerikas zu erkennen. So ist das von den USA aufgebaute weltweite Geld- und Handelssystem bereits siebzig Jahre alt, aber die Republikaner im Kongress sperren sich dagegen, Änderungen beim IWF zu unterstützen – darunter vernünftige Reformen, für die sich fast alle anderen Länder einsetzen.

Immer noch sind es die USA, die sich an erster Stelle für freieren Handel im Pazifikraum und eine substanzielle Verringerung der Barrieren im Handel mit Europa einsetzen. Wenn sich die USA an die Regeln halten und sich nicht nur für die Unabhängigkeit der Konzerne, sondern auch für ihre eigenen Bürger einsetzen, können ihre Handelsinitiativen einen großen Beitrag zum weltweiten Wachstum und zum eigenen Reichtum leisten.

Auch bei der Währungspolitik ist die größte Frage der Welt im nächsten Jahr, wann und wie stark die Federal Reserve wohl die Zinsen erhöhen wird. Wenn sich die US-Geldpolitiker zu ihrem jährlichen Konklave in Jackson Hole treffen, werden sie unzählige relevante Dimensionen der Wirtschaft in Betracht ziehen. Aber der maßgebende Offenmarktausschuss wird die Zinssätze fast ausschließlich auf der Grundlage seiner kollektiven Interpretation der wirtschaftlichen Umstände der USA verändern. Und wieder einmal wird die Welt auf das reagieren, was Amerika vorgibt.

© Project Syndicate

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Bestellen Sie hier den Newsletter.

7 Leserbriefe

Peter W. Schulze schrieb am 01.09.2015
Eine sehr rosige, ideologisch überhöhte und sachlich nicht fundierte Sichtweise; aber in einem Punkt stimmig, ohne das weiter auszuführen: Verlieren die USA die Dominanz über die EU, so sinken sie ab- das ist auch Konsens unter den Rechten und Republikanern. Daher die andauernde Kampagne gegen Moskau und die nahezu leider geglückte Kampagne auch in deutschen Medien und Expertenkreisen gegen die deutsche Ostpolitik und vor allem gegen ihre modifizierte Neuauflage, die aber von der Partnerschaftsidee mit Moskau nicht abrücken kann. Das ist ein Gebot des Realismus, alternativlos, nur läuft das den Vorstellungen und Zielen der amerikanischen Politik entgegen.
Petzer schrieb am 01.09.2015
"Immer noch sind es die USA, die sich an erster Stelle für freieren Handel im Pazifikraum und eine substanzielle Verringerung der Barrieren im Handel mit Europa einsetzen. Wenn sich die USA an die Regeln halten und sich nicht nur für die Unabhängigkeit der Konzerne, sondern auch für ihre eigenen Bürger einsetzen, können ihre Handelsinitiativen einen großen Beitrag zum weltweiten Wachstum und zum eigenen Reichtum leisten."

ja, wenn.... Sehe ich recht, dass das eine Kritik an den Verhandlungen zu TTIP, CETA und TISA ist? Die "Unabhängigkeit der Konzerne" sprich die ihnen gegebenen Garantien für wirtschaftlichen Erfolg anstelle eines fairen Wettbewerbs über die Qualität der gehandelten Produkte ist genau der Pferdefuss, der diese Handelsverträge inakzeptabel machen. "Unabhängigkeit" wovon? Von ethischen Massstäben? Viel schlimmer sogar von wirtschaftlicher Vernunft durch ruinösen Wettbewerb.
Es ist zweifellos richtig, die Wirtschaftsmacht der USA realistisch einzuschätzen. Wo immer Macht sich konzentriert ist es notwendig, Verträge g e g e n deren Missbrauch zu schliessen, statt diesen zu begünstigen.
Dr.med P.Cuignet Frankreich schrieb am 01.09.2015
USA hatt inVietnam verloren, in Irak, der Dollar wird immer weniger benutz :circa 63%ge Arbeit wie in ,und in ein paar Jahre sind di WASP ein Minderheit. In Europa von Finnland Bis Frankreich und es fangt Auch in der BRD an . Das freie Handel Abkommen und streng geheim gehalten löst vielen Gegenstandt noch nicht Mehrheitlich aber es wird kommen. USA muss eifach vestehen nicht mehr der Feldwebel der Welt sein, de Gaulle hatte recht.
Und Europa ist nicht seine Hilfstruppe für die schmutzige Arbeit wie in Lybien.
Anneliese Huber schrieb am 02.09.2015
Auf eine Weltmacht USA, die 2x völkerrechtswidrig in den Irak einfällt, einmal davon aufgrund gefälschter Fotos, die Israel mit Waffen zur Unterdrückung von den Palistinänsern liefert, eine Politik und eine Bevölkerung die die Umwelt kaputtmacht mit industrieller Landwirtschaft und Gentechnik, die eine imperale Außenpolitik betreibt, darauf kann ich locker verzichten.
Peter Euler schrieb am 02.09.2015
Selbstverständlich sind und bleiben die USA die größten, es fragt sich jedoch wovon. Die USA haben in ihrem Kampf gegen die sowjetischen Kräfte in Afghanistan die Muhadschidien unterstützt, obwohl damals die Frauen mehr Rechte hatten als heutzutage in Afghanistan. Dabei verursachten sie die Bildung der Leute, die heute Taliban genannt werden. Im nachfolgenden Krieg nach 9/11 wurde durch die USA und ihre Trabanten Afghanistan vollkommen desorganisiert durch den stattfindenden Bürgerkrieg. Dann erfolgte der Einmarsch der USA in den Iraq, mit vollständiger Zerstörung der inneren Sicherheit im Iraq (Bürgerkrieg, Jahrtausend alte Denkmäler und Artefakte wurden schutzlos den Räubern überlassen, beim Ausschachten von Schützengräben in der Nähe von historischen Stätten wurden alte Tontafel zerstört oder achtlos beiseite gelegt). Dann erhob die USA das "Regime change" in Syrien zum Ziel ihrer Politik, auch unter dem Motto "Der Feind meines Feindes ist mein Freund" durch Unterstützung der Islamisten und Anheizung und Verlängerung des Bürgerkrieges in Syrien. Und nun kommen Flüchtlinge aus Syrien, Iraq und Afghanistan nach Europa, in Dimensionen an die der normale Bürger in Deutschland nicht gedacht hat. Es ist klar, wie das Amen in der Kirche, dass dadurch Europa und Deutschland destabilisiert wird. Die USA brauche keine Bedenken haben. Sie bleiben durch ihre effektvolle Politik im Interesse der USA gegen die Interessen der einfachen Leute in Europa auch weiterhin die größten. Es fragt sich bloß wovon.
Detlev G.+Pinkus schrieb am 02.09.2015
Warum die Rufe nach dem Schwinden der Weltmacht eine Episode in der Geschichte bleiben werden. Herr Simon Johnson, die USA waren nie eine Weltmacht und werden es auch nie werden, weil es nun mal keine Weltmaechte gibt. Das war ein Sprachgebrauch entstanden nach dem "Zweiten Weltkrieg", mehr aber auch nicht. Die USA waren damals bettelarm, wie heute auch, die leben nur auf Schulden und fuerchten natuerlich das es "Maechte" gibt, die ihr Geld zurueck haben wollen. Und genau da ist das Problem. Obama kommt aus der Schuldenfalle nicht heraus, Kriege in der Welt zu veranstalten fuehren nicht zum Ziel. Da sind wir in Russland klueger, umsichtiger und vor allen Dingen verantwortungsvoller. Die USA koennen von Russland sehr viel lernen, und darueber Herr Simon Johnson sollten Sie nachdenken.
Schwolosche schrieb am 05.09.2015
Die Amerikanischen Außenpolitik wird und wurde immer nach dem Satz "we dont belive in partnership,
we belive in leadership" geführt. Also keine Partnerschaft oder Zusammenarbeit sondern Führerschaft!
Wozu dies geführt hat haben die anderen Komentare trefflich beschrieben.
Wie sagte Jürgen Todenhöfer bei Meischberger so trefflich "Die USA betreibt eine Politik nach dem Motto "Teile und Herrsche"! Natürlich desabilisiert dies Politik Europa und Deutschland und kann zu
Bürgerkriegsänlichen zuständen führen, die alte Denke von Herrn Morgentau!