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Religion heißt Frieden?

Falsch. Hinter der Vermutung, dass Glaube nichts mit Terrorismus zu tun hat, steht ein kitschiges und verklärtes Bild von Religion.

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Gott will es?

„Terrorism has NO religion“, so zwitscherte es kurz nach den Anschlägen von Paris durch die sozialen Netzwerke. „Terrorismus hat keine Religion“, so lautete auch die Formel zahlreicher Islamverbände und muslimischer Vereine nach den „Paris-Anschlägen“. Und schon der Pakistanische Premierminister Nawaz Sharif benutzte diese Formulierung, nachdem 2013 bei einem islamistischen Selbstmordanschlag 80 Christen umgebracht worden waren.

 

Verklärtes Bild von Religion

Hinter der Vermutung, dass Religion nichts mit Terrorismus zu tun hat, ja dass sich Terrorismus und Religion geradezu ausschließen, steht ein unrealistisches, kitschiges und verklärtes Bild von Religion. Denn Religion bedeutet nicht Friedfertigkeit, Sanftheit und Milde. Religion meint nicht Lichterketten, Friedensgebete und Händchenhalten. Religionen verkünden die Wahrheit, und zwar die eine, alleinige und umfassende Wahrheit. Religionen sind daher notwendigerweise intolerant. Sie müssen es sein, alles andere widerspricht ihrer Logik.

Religionen geht es nicht um Vermutungen, um pluralistische Perspektiven oder mögliche Weltsichten. Zumindest monotheistische Religionen sind absolut. Wer sich im Besitz der absoluten und von Gott selbst offenbarten Wahrheit weiß, kennt keine Kompromisse, keine Halbheiten. Und da Gott nicht nur das Wahre ist, sondern auch das Gute, die Erlösung und Verheißung, sind alle jene, die nicht an Gott glauben, diabolische Zeugnisse des Bösen schlechthin, eines antigöttlichen Prinzips.

Religion, die sich selbst ernst nimmt, darf keine andere Religion, keine andere Weltanschauung neben sich dulden. Denn zwei Wahrheiten kann es nicht geben. Alles andere wäre Relativismus. Deshalb gilt es, der einen Wahrheit zur Herrschaft zu verhelfen und das Böse zu eliminieren. Oder in den Worten des großen Mystikers und Zisterziensers Bernard von Clairvaux: „zu vernichten oder auf immer zu bekehren“.

Auch wenn es für das postmoderne religiöse Bewusstsein Westeuropas befremdlich klingen mag: Die Terroristen haben viel mehr von Religion verstanden als mancher betuliche Kirchenfunktionär im alten Europa. Denn Religion, tiefe, archaische Religion, das ist die Religion des 109. Psalms, die Religion Abrahams und Isaaks, die Religion des Paulus und ja, auch die Religion des Jesus von Nazareth, der immerhin das Schwert bringen wollte (Mt 10,34), wenngleich über seine eigenen Anhänger. Eine solche kombattante, unversöhnliche, nicht kommode Religion ist nicht an flauschiger Menschlichkeit interessiert, sondern an Gott allein – und nur an ihm.

 

Unversöhnlich im Ursprung

Was in Europa und insbesondere hierzulande unter Religion verstanden wird, das ist Religion nach der Aufklärung, das ist die von außen gezähmte und zivilisierte Religion der Moderne, gebändigt und rationalisiert durch naturwissenschaftliche, historische und psychologische Religionskritik. Es ist eine Religion, die um ihre Relativität weiß, eine Religion, die verstanden hat (oder haben sollte), dass ihre zentralen Begriffe und Rituale Symbole sind, mit deren Hilfe Menschen Sinn konstruieren.

Doch diese entschärfte Kulturreligiosität hat mit Religion in ihrem ursprünglichen Sinne wenig zu tun. Ursprüngliche Religiosität ist unversöhnlich und muss es sein. Die liberale Dialogreligiosität, die in unserer Breiten gepflegt wird, ist überwundene Religion – auch wenn das Kirchenvertreter natürlich ungern hören. Und dass sie überwunden wurde, ist nicht ihr Verdienst, sondern das Ergebnis der Aufklärung.

Ob die religiöse Intoleranz erst mit der Erfindung des Monotheismus in die Welt kam, wie manchmal behauptet wird, sei dahingestellt. Klar ist, dass erst der Eingottglaube einen radikalen, absoluten Wahrheitsanspruch erheben und andere Götter als Götzen abwerten konnte. Hinzu kommt: Polytheismen denken zyklisch. Monotheismen hingegen sind eng mit teleologischen Geschichtsbildern und apokalyptischen Endzeitvorstellungen verknüpft. Das lädt zu finalen Vernichtungsfantasien geradezu ein.

Terror hat keine Religion? Falsch! Terror hat sehr wohl Religion – und wie. Dass in der westlichen Welt tatsächlich viele meinen, wahre Religion habe mit Terror nichts zu tun, zeigt nur, wie weit wir uns innerlich von Religion entfernt haben. Dass das so ist, kann man nicht genug preisen. Allerdings macht diese aufgeklärte Religionsferne auch blind für das enorme destruktive Potential, das Religionen innewohnt. Toleranz ist keine religiöse Idee – sie musste gegen Religionen erkämpft werden.

 

Dieser Beitrag erscheint mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Cicero.

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44 Leserbriefe

Manuel schrieb am 21.12.2015
Spricht mir aus der Seele, wobei das Sprachbild in diesem Zusammenhang nicht ganz stimmig ist ;-)
Flick schrieb am 21.12.2015
Meiner Meinung nach, ist Europa und Islam unvereinbar .Wir haben ein paar hundert Jahre gebraucht um unsere monotheistische Religion etwas liberaler zu machen. Muslime befinden sich der Religion nach, 600 Jahre in der Vergangenheit. Also ist diese Religion noch sehr streng und unversöhnlich (radikal),wie auch Christentum im 14 Jahrhundert.
Martin Breidert schrieb am 22.12.2015
Den steilen Thesen von Alexander Grau ist entschieden zu widersprechen. Es gab auch schon lange vor der Aufklärung religiöse Toleranz. Anders wären die synkretistischen Religionen der Antike nicht zu erklären. Eine andere Frage ist, ob die drei monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) einen Absolutheitsanspruch implizieren, der per se zu Gewalt führt. Aber auch diese Frage lässt sich nicht so platt beantworten, wie Alexander Grau das tut. Religion war zu allen Zeiten ambivalent, sie kann zu Gewalt und Terror führen, sie kann aber auch ein Movenz zur Minderung von Gewalt sein, und dies nicht erst seit der Aufklärung.
Rüdiger schrieb am 22.12.2015
Was für ein flacher, oberflächlicher Text ! Wer religiös lebt, der ist auf dem Weg zum Terroristen weil Religion unversöhnlich sei. Was für ein Kurzschluss. Dem interessierten Leser empfehle z.B.ich die Rede von Prof.Dr.Ernst Wolfgang Böckenförde anlässlich der Verleihung des Romano Guardini Preises vom 30.9.2004 .
Wenn die IPG " Religion und Politik" zum Schwerpunktthema macht, sollte sie ernsthafter damit umgehen.
F. schrieb am 22.12.2015
In Bezug auf den Absolutheitsanspruch von Religion gebe ich dem Autor zwar recht, jedoch denke ich, dass man vom eigentlichen Problem im Nahen Osten ablenkt wenn man sich zu sehr auf religiöse Inhalte konzentriert. Die wichtigste Frage ist doch nicht, ob Religion (bzw. bestimmte Formen davon) grausam ist, sondern weshalb archaische und gewalttätige Formen von Religion in manchen Teilen der Welt gegenwärtig so verbreitet sind. Und was den Nahen Osten angeht sind wir da schnell bei der Armut und strukturellen (politischen, sozialen) Instabilität der Region. Bedingungen, wie sie gegenwärtig im Nahen Osten herrschen, rufen fast immer gewalttätigen Extremismus hervor, und ihr Fortbestehen in der Region ist zwar auch intrinsisch bedingt (Ethnische Konflikte, Mächterivalitäten, diktatorische Systeme, welche den Aufbau gesellschaftlichen Zusammenlebens verhindern), jedoch darf das nicht über die schwerwiegende Mitverantwortung westlicher und anderer Großmächte für die Zustände dort hinwegtäuschen - das drastischste der vielen Beispiele für verfehlte westliche Geopolitik dürfte die Invasion der USA im Irak 2003 sein.

Ein Gedankenexperiment: Nehmen wir an, man könnte alle Einwohner des Irak, Iran, Saudi-Arabiens, Syriens, Afghanistans etc. zum Atheismus "bekehren". Ginge es in der Region dann friedlicher zu? Ich meine Nein, denn man hätte zwar das offensichtlichste Symptom beseitigt, jedoch nicht die Ursache, und so würde sich der gewalttätige Extremismus fortan eben in anderer Form zeigen. Zur Befriedung des Nahen Ostens ist eine langfristige Stabilisierungs- und Aufbaustrategie alternativlos - und zu dieser gehört wiederum, dass die westlichen Staaten ihre politische Handlungsweise in der Region grundlegend ändern.
Detlev Geissler schrieb am 22.12.2015
welch eindimensionaler Geist spricht hier.
Hat Hr. Grau vielleicht schon einmal Lessing gelesen oder Kant?
Und natürlich gab es auch vor der sog. Aufklärung in Europa schon sehr wohl tolerante und friedfertige Theologen.
Es ist doch wohl eher die Vermengung von Religion und politischen Zielen, die eine Intoleranz zeitigen. Ein bisschen mehr historisches Wissen und gründliches Nachdenken würde G. nicht schaden.
Schade aber, dass diese Plattform auch so patten und damit natürlich auch populistischen Thesen Raum bietet.
Winfried Heidemann schrieb am 22.12.2015
Aus dem Artikel des Dr. Grau spricht ziemlich vulgärer antireligiöser Stammtisch. Doktor Grau hat wohl die umfangreiche Diskussion der letzten Jahre zu Jan Assmanns "mosaischer Unterscheidung" nicht zur Kenntnis genommen. Differenzierung zwischen verschiedenen Ausprägungen monotheistischer Religionen ist ihm fremd. Neben unbestreitbarer Gewalt können jedenfalls verschriftlichte Religionen, soweit sie das Medium der sprachlichen Verständigung nutzen, auch ein enormes aufklärerisches Potenzial entfalten - gründend schon in der Herrschaftskritik der Propheten des Alten Testaments. Und die angebliche Gewaltfreiheit polytheistischer Gesellschaften nach innen und außen ist nur eine vom Stammtisch gern gepflegte Mär. Schließlich: Die Zuschreibung, die Terroristen hätten von Religion "viel mehr verstanden als mancher Kirchenfunktionär", läuft gerade Gefahr, - hoffentlich unwillentlich - den Terror zu rechtfertigen.
Bernhard Keim schrieb am 22.12.2015
Religion ist immer Dogma und hat Doma zu sein, wenn sie denn den Anspruch erhebt eine Religion zu sein. Dies ist knapp zusammengefasst der Inhalt des Artikels.

Ganz so simpel sind die Hochreligionen nun doch nicht gestrickt. Des Autors Interpretation beschränkt sich auf eine Form der Religion, die gar nicht den Anspruch erhebt den Menschen zu erhellen. Eine innere Schau über das Wesen des Menschen, den Sinn seines Lebens - wie er gerade im Buddhismus sehr ausgeprägt ist - findet hier nicht mehr statt. Diese Form der Religiosität ist einer strikten Wortgläubigkeit verhaftet. Alles ist hier wörtlich zu nehmen, das Bild, das Gleichnis wird zum Faktum, zum Kitsch. Es behauptet sich nur noch durch bloße Behauptung. Eine Auseinandersetzung findet nicht mehr statt. In einer solchen Religion gibt es keine Philosophie mehr, keine ungelösten Fragen und schon gar kein Hinterfragen mehr. Es gibt dort kein Geheimnis, sondern nur noch absolute Gewissheit. Keine Toleranz, Liebe oder Güte, sondern nur noch Strafe und Verdammnis für all jene, die sich nicht strikt an die Regeln halten. Eine solche Religion macht nicht frei, sondern unfrei. Sie entfesselt den Menschen nicht, sie wirft in ihn in Ketten. Kunst und Wissenschaft kommen zum Erliegen. Dass eine solche Religion sich nicht mehr von totalitären Ideologien unterscheidet, liegt auf der Hand. Seelischer Reichtum wird durch intellektuelle und seelische Dürftigkeit ersetzt.

Aber so wie man totalitäre Ideologien von liberalen Ideen unterscheidet, sollte man auch Religionen nicht alle in einen Topf werfen. Diese sehr idiosynkratische, ja dogmatische Interpretation von Religion, die hier vorgetragen wird, ist nicht sonderlich hilfreich, da sie unterstellt, dass Religion den Menschen per se aller Intellektualität und Geistigkeit beraubt. Just dieses tut jede Ideologie aber aber auch, selbst wenn sie im Gewand der Philosophie daherkommt.

Übrigens: die Kirche hat sich spätestens bei Augustinus von der Idee des irdischen Gottesstaats verabschiedet. Der irdische Staat ist immer einer Zeitlichkeit unterworfen, nie perfekt, immer nur das Feld auf dem der Mensch sich in seiner Menschlichkeit bewähren muss. Dieser Aspekt der Menschlichkeit ist jeder ideologischen Religiosität fremd und damit zerstört sie just das, was zu erreichen bzw. bewahren sie vorgibt.
Hans Peter schrieb am 22.12.2015
Für alles läßt sich ein historisches Beispiel finden, für die Nächstenliebe und für die Ausbreitung des "rechten Glaubens" mit Feuer und Schwert. In der Tat ist der "liebe Gott" eine historische Figur, die im Christentum auch der Gegenwart keineswegs überall zu finden ist. Allerdings sollte man, will man nicht im Einerseits-Andererseits stecken bleiben, sich nicht nur mit diesem oder jenem Beispiel, diesem oder jenem Verweis auf das "eigentliche Wesen" von Christentum oder Islam zufrieden geben. Hilfreich ist, sich anzuschauen, welche Dynamik die Struktur monotheistischer Religionen mit ihrem"ich bin die Wahrheit" am Ende entfaltet. Und da sei ein Literaturhinweis gestattet: Jan Assmann, "Die mosaische Unterscheidung oder der Preis des Monotheismus" hat diese eben doch verhängnisvolle Dynamik in aller Deutlichkeit analysiert. Insofern hätte man sich den Beitrag von Alexander Grau etwas tiefer schürfend gewünscht.
Wolfgang schrieb am 22.12.2015
Die Kurzanalyse von Alexander Grau in seiner Cicero-Kolumne vom 12.12.2015 teile ich; ausführlicher befasst sich Hartmut Zinser in seiner Untersuchung "Religion und Krieg" mit diesem aktuellen klerikal-faschistoidem Phänomen.
Serdar M. schrieb am 22.12.2015
Religion ist nicht verbindend, sondern trennend. Deshalb darf nicht der Glaube zur Organisation des Lebens in einem Staat herangezogen werden, sondern eine von Menschen gemachte Verfassung. Denn nur die Trennung zwischen Staat und Religion, in dem der Staat die selbe Distanz zum unterschiedlichen Glauben seiner Bevölkerung bewahrt, kann eine friedliche pluralistische Gesellschaftsform garantieren. Menschen über die Religion bzw. über religiöse Institutionen, Beispielhaft in Form der Islamkonferenz in Deutschland, zu integrieren, ist zum Scheitern verurteilt. Natürlich ist mir klar, daß alle religiösen Institutionen wie Kirche, Islamverbände und Jüdische Gemeinden mir in diesem Fall widersprechen werden. Das ist ja auch die "heilige" Koalition der Gläubigen.
manfred fischer schrieb am 22.12.2015
Seltsam in allem, stellen wir immer wieder das Problematische in den Vordergrund, weil wir oft nichts anderes gelernt haben, als problemorientiert zu denken.

Religiosität basiert auf vielen Ebenen, wie auch unserer Mensch-Sein - Ein Sinnvolles Dasein vollzieht sich in allen Sinnen.
Und am besten wird das einem offenbar, was unsere Gedankenwelt so in allem ausmacht- , wenn wir still werden, unsere Gedanken betrachten wie sie nämlich sind - wilde Affen von einem Ast zum anderen hüpfend....

Gott ist nicht mit unserem Denken zu erfassen - zum Glück...

Doch das theologische Bodenpersonal versucht das Ganze immer wieder in den Griff zu bekommen, um aus ihrem Über- Ich andere mit ihrer Interpretationen zu retten......

Manfred Fischer
Dr. Ulrich W. Diehl schrieb am 22.12.2015
Natürlich hat Alexander Grau zugespitzt formuliert und manchmal etwas provokativ vereinfacht. Aber, dass die sittliche Idee der religiösen Toleranz sich als rechtliche und politische Idee erst mit der europäischen Aufklärung durchsetzen konnte, ist ebenso richtig wie seine Aussage, dass sie im Geiste von Locke, Motesquieu und Voltaire gegen den tradierten absoluten Wahrheitsanspruch der monotheistischen Religionen durchgesetzt werden musste.

Die politischen Voraussetzungen dafür waren die politische Gewaltenteilung zwischen der nach dem Ost-West-Schisma zwischen Byzanz und Rom bereits geteilten christlichen Kirchen und Staaten, aber auch schon vorher die Verdrängung des universalen politischen Herrschaftsanspruches der Römisch-Katholischen Kirche (urbi et orbi) durch die Reformation in Europa und die Etablierung von Staatskirchentum in England, Preußen, Schweden, u.a.

Die dogmatische Richtigkeit der Trennung von Kirche und Staat kann man jedoch nicht erst auf Luther und Melanchton zurückführen, sondern auch schon auf Paulus und Jesus von Nazareth: "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist." Leider haben sich die meisten Christen an diese Weisung Jesu einige Jahrhunderte lang nicht gehalten.

Die dogmatische Richtigkeit der christlichen Trennung von Kirche und Staat hat übrigens selbst Kardinal Ratzinger alias Benedikt XVI nicht bestritten. Sie wird übrigens auch von dem römisch-katholischen Philosophen Martin Rhonheimer, einem Opus Dei-Mitglied, verteidigt.

Dass Kriege im Namen Gottes auch durch manche Propheten des AT geführt wurden (z.B. Elias!), kann man kaum bestreiten. Der 30jährige Krieg und andere europäische Konfessionskriege waren fast ebenso grausam wie das, was heute auf das Konto des furchtbaren IS geht. Aber damals gab es wenigstens noch eine gewisse sittliche Disziplin der strategischen Kriegsführung, die man von den modernen islamistischen Terroristen des IS nicht mehr erwarten kann und darf. Warum das so ist, kann man von dem nüchternen Berliner Politikwissenschaftler Manfed Münkler lernen.
Wolfgang Breuer schrieb am 22.12.2015
Der Kurzanalyse von Alexander Grau stimme ich zu; ausführlicher befasst sich Hartmut Zinser in seiner Untersuchung "Religion und Frieden" mit diesem aktuellem klerikal-faschistoidem Phänomen.
U.Walter schrieb am 22.12.2015
Grau verwechselt das Alte Testament und das Neue Jahr. Insofern kann ich mich der Mehrzahl meiner Vorschreiber anschließen. sehr, sehr oberflächlich, teilweise inhaltlich völlig wirr. Und sowas wird hier gedruckt?!
Rehfeld, Wilfried schrieb am 22.12.2015
Sehr von Interesse ist, wer aus welchem Grund die Kritik an den Religionen immer wieder relativiert und oftmals sofort zur Stelle ist um die Friedfertigkeit der Religionen zu betonen.

Aber: Wenn die Analyse falsch ist (...hat nichts mit Religion zu tun ) werden auch die Aktivitäten gegen die Probleme zu kurz greifen. Die "Zeit " hat sich in der Ausgebe vom 3. Dezember auf Kant und der Aufklärung bezogen. Zu verteidigen ist die Aufklärung - oder was sonst. Dahinter zurück zu fallen, widerspricht jeder demokratischen Position. Die umfassend belegte Religionskritik ist weiter zu entwickeln.
Martin Böttger schrieb am 22.12.2015
Alexander Grau: "Religionen sind daher notwendigerweise intolerant."
Das heißt aber noch lange nicht, dass sie Ihre Intoleranz gewaltsam durchsetzen müssen!
DHL schrieb am 22.12.2015
Der Autor geht von einem sehr begrenzten Religions- und Wahrheitsbegriff aus, der in seinem Entweder-Oder-Denken gründet. Darüber sind - und waren - aber sowohl Theologie wie Aufklärung schon lange hinaus. Von Religion als Stammesideologie ('mein Gott ist aber mächtiger als deiner') zu Theologie und Religionsphilosophie ist ein weiter Weg. Und die Aufklärung speiste sich sowohl aus als auch gegen die Religion. Und zumindest das Christentum (und nota bene der Hinduismus) gehen davon aus, daß die absolute Wahrheit eben nicht von Menschen erkennbar ist, sondern dem Göttlichen vorbehalten. Ein bißchen mehr Reflexion hätte dem Autoren gutgetan.
Martin Breidert schrieb am 22.12.2015
Zu Bernhard Keim:
Sich auf Augustinus zu berufen, ist misslich. Er hat das Gleichnis vom Abendamal (Lukas 14) falsch interpretiert: Nötigt sie hereinzukommen - cogite iuntrare. Damit hatte er eine zwangsweise Missionierung gerechtfertigt.
Dola Sisse schrieb am 22.12.2015
Biite Herr Grau,

lesen Sie die 2.Kapitel in Abschnitt/ Vers 255,256 und 257 und versuchen Sie bitte sie zu verstehen, warum so einander gefolgt sind.

dann zurück in der Gesicht wieder Prophet Muhamad (saw) zusammen mit nicht Moslems gelebt hat, aber nicht mit denen die Ihn verfolgt haben.

Sie können auch mal ein Blick über die Zeit des Mauren in Iberischen halb Inseln.

Das Leben ist nur allein von Gott geschaffen und keinen geschöpfte hat das Recht dieses zu liquidieren, Ob es an seinen Existenz glaubt oder nicht, Er gibt uns allen das Leben mit allen seinen Genuss ohne zu unterscheiden zwischen Rase, Farbe oder wie mann Ihn glaubt.

Bitte, in diesen schwierige Zeit, versuchen sie nicht das Problem in einen Einäugigkeit/Vorurteil zu reduzieren, denn Heute leiden wir alle.

Dola Sisse
Dr. Markus Jäger schrieb am 22.12.2015
Sehr richtig! Das korrekt skizzierte Naturell der Religion macht institutionalisierte Religionen zweifelsohne zu Ventilen für Gewalt. Dabei stellt sich ein systemisches Problem. Die Geschichte(n) aller Religionen sind voll mit Beweisen dafür. Wer das nicht anerkennen will, stützt das System nicht nur, sondern verteidigt es auch.
Boethius schrieb am 22.12.2015
Nicht alle Religionen erheben absolute Wahrheitsansprüche. Polytheismus war immer auch vom Kampf unter Göttern - als sozusagen einem religiösen Mehrparteiensystem gekennzeichnet.
Wo allerdings absolute Wahrheiten gepredigt werden, ist doch logisch, dass alle Nichtgläubigen auf einem Irrweg sind. Die Bibel und noch deutlicher der Koran beschreiben wozu die Ungläubigen verdammt sind.
Damit ist aber nur etwas über das Jenseits gesagt. Ob man Ungläubige im Diesseits friedlich oder gewaltsam bekehren will, oder sie gar bei Renitenz umbringen soll, regeln die Religionen unterschiedlich strikt.
Eine bildliche, allegorische Auslegung der christlichen Schriften ist schon im dritten Jahrhindert bezeugt. Sekten zeichnen sich dagegen oft durch wörtliche, meist auch willkürliche Auslegung aus.
Eine heimelige Gefühlsreligion ist jedenfalls etwas sehr europäisches nach der Aufklärung, wer eteas Wahrheit in allen Religionen findet, ist Philosoph, aber nicht gläubig.
GeldFragezeichen schrieb am 22.12.2015
Religion entspringt dem Mysterium der bislang (unerklärten) lebendigen Materie, Leben und Existenz an sich in Raum und Zeit. Zugleich wurde daraus eine Morallehre aufgebaut. Vermengt mit überlieferter Erfahrung. Religion hat zum einen zur Rechtfertigung einer vorhandenen Gesellschaft als auch einer angestrebten Gesellschaft gedient. Sicher gibt es ein Problem, mit einem anderen , der nicht an etwas glaubt, der gar etwas anderes glaubt, zusammen zu leben. Wie bringt man verschiedene Lebensregeln zusammen , wenn sie so alltägliche Dinge wie Schweinefleischverzehr, oder Frauenrolle betreffen ? Toleranz zu üben sollten allen Religionen als "elftes" Gebot hinzugefügt werden. Gerade aus unterschiedlichen Morallehren verschiedener Religionen kann es sonst zu erheblichen Streitereien kommen. Da unsere Welt immer "kleiner" wird, kann Religion eigentlich nur immer mehr privat werden, um Konflikte zu vermeiden. Und in der Diaspora muss man wohl die in Gesetzen gegossene Morallehre einer anderen Kultur akzeptieren !
Reinhold Schramm schrieb am 22.12.2015
Es bedarf der weltlichen Aufklärung im 21. Jahrhundert.
Noch in guter Erinnerung, mein atheistisches Bekenntnis gegenüber einer christlichen Verwandten und ebenso islamischen Kollegen. In Folge war es jeweils mit deren Sympathie vorbei. Ein Atheist steht gleichermaßen für Christen wie Muslime in der Rangfolge unterhalb von einem Tier, unterhalb von einem Hund bzw. einem Schwein. Diese Geringschätzung von Atheisten durch Religiöse sollten wir nicht leugnen.
Der Aberglauben aller Religiösen im Nuklearzeitalter birgt eine irrationale Gefahr, suchen sie doch ihre illusionäre Zukunft in einem phantastischen Jenseits (nach dem Tod).
Da es für viele Menschen keine Orientierung mehr gibt [wie vor der Implosion des Realsozialismus] und der Kapitalismus, außer Konsum- und Konkurrenzideologie, keine geistige Alternative wie zur Frühzeit der Aufklärung mehr bietet, triften nicht wenige junge Menschen in den religiös-feudalen Aberglauben, den religiösen Idealismus und Irrationalismus ab.
Frank Engelbrecht schrieb am 22.12.2015
Lieber Herr Prof. Grau, wenn das Leben nur so einfach wäre. Aber wenn's Ihnen zur Orientierung im Leben hilft und auf dieser Seite eine spannende Diskussion entfacht, hat Ihre grobe Vereinfachung doch ihr Gutes getan. Gesegnete Weihnachten und ein fröhliches neues Jahr, für das ich Ihnen einen Engel schicke - garantiert ohne Laser- und Feuerschwert, sondern nur mit Güte und Freundlichkeit bewaffnet, dass er Sie behüte. Wenn Sie ihn nicht haben wollen, den Engel, oder ihn fürchten oder nicht an ihn glauben, kein Problem. Engel sind, trotz ihres tiefreligiösen Wesens, nicht nachtragend, sondern gehen, wenn's sein soll, weiter zum nächsten, der sie braucht (o;
Hartmut Topf schrieb am 22.12.2015
Herr Grau hat wirklich eine naive Sicht auf die Dinge. Sein Urteil mag zutreffen auf "Religionen"
als Systeme mit exklusiver Doktrin, seelischer und physischer Macht über Menschen ... dass es auch
anders gesehen und praktiziert werden kann, bezeugt in diesen Tagen gerade Navid Kermani, seine
Rede als Träger des Friedenspreises des deutshcen Buchhandels, sein B uch "Ungläubies Staunen
Über das Christentum"(C.H. Beck/Büchergilde Gutenberg) verschweigen keine mit Religion gerecht-fertigten Missetaten und Grossverbrechen, aber sie finden auch eine Sicht auf die guten Seiten in
tief erlebtem Glauben. Lesenswert, bedenkenswert.
Michael schrieb am 22.12.2015
Ich kann bzw. möchte mich nicht an der theologisch-philosophischen Diskussion hier beteiligen, möchte aber dennoch loswerden, dass der "Schwerpunkt des Monats" für jeden Gläubigen zwei Tage vor Heiligabend einen üblen Beigschmack hat. Unsensibilität? Absicht?
Ulrich Kadelbach schrieb am 22.12.2015
Wenn Religion an allem schuld sein soll, warum war dann die Welt unter der Herrschaft des religionsfeindlichen Nationalsozialismus und des areligiösen Kommunismus nicht friedlicher? Gewalt wie Friedfertigkeit sind allgemein menschliche Eigenschaften. Beide missbrauchen Religion - welche auch immer - zur eigenen Rechtfertigung. Dieser Missbrauch ist nicht religiösen Ursprungs, sondern im Menschen latent vorhanden. Deshalb ist es höchste Zeit, dass sich Religionsvertreter, Philosophen und Agnostiker gemeinsam dem Menschheitsproblem Gewalt stellen.
Peter Enders schrieb am 22.12.2015
Ich schlage folgende gütliche Einigung vor: Probleme schaffen Religionen erst dann, wenn sie institutionalisiert werden; der Bauer an sich auf dem Feld hat kein Interesse am Glaubenskrieg. Auch dann werden sie nicht automatisch gewalttätig, wie das friedliche Nebeneinander in Konstantinopel bezeugt. Die Gewalttätigkeit kommt mit ihrem Missbrauch durch die staatlich Macht (s. z. B. Saudi-Arabien oder Russland heute). Die Trennung von Staat und Kirche ist jedoch nur die halbe Miete: solange Glauben institutionalisiert ist, versuchen diese Institutionen, den Glauben für ihre Macht- und Einkunftsinteressen zu missbrauchen, wie man hierzulande (wo freilich jene Trennung nur rudimentär stattgefunden hat) immer wieder feststellen muss. Wenn Glauben/Religion Privatsache ist, entstehen die hier diskutierten Probleme/Erscheinungen erst gar nicht.
Ursula Schenkel schrieb am 22.12.2015
Wer mehr wissen will, dem empfehle ich das dünne Buch im Benvenuto-Verlag "Der Appell des Dalai Lama an die Welt: Ethik ist wichtiger als Religion". Auch aus seiner Sicht betrachte ich mir die Glaubens-Händel gerne. Übrigens: eigentlich würden für mich als Agnostikerin die 10 Gebote eigentlich reichen (außer vielleicht die beiden ersten...) In Zukunft sollten sie in einer (zukünftigen) Welt
von allen Menschen beherzigt werden - wer weiß ??
Hanno schrieb am 22.12.2015
Ich finde es schon seltsam, von der Religion, dessen Gründer sich hat umbringen lassen statt zu den Waffen zu rufen, zu sagen, sie sei notwendiger Weise intolerant.

Wo ich Ihnen recht gebe, ist dass Religion, da sie stark gefühlsbezogen ist, gut geeignet ist, heftige Gefühle und damit auch Hass und Terror zu wecken; aber sie hat genauso auch ein großes Potential sich solchen Tendenzen zu widersetzen.

Und wenn ich mir die Welt anschaue, wie viele Quellen für Intoleranz und Gewalt gibt es! Machterhalt, Gewinnsucht, um nur zwei der einflussreichsten zu nennen. Es sterben auch in Syrien mehr Menschen durch die Fassbomben der Regierung als durch den Terror des IS. Die Toten eines Hitlers, aber auch eines Stalins hatten nichts mit Religion zu tun. Die Terroropfer in Chile oder Argentinien genauso wenig wie die Toten des Napalms der USA.

Aufklärung ist wichtig, da gebe ich Ihnen recht; aber Aufklärung ist mit Religion gut vereinbar, und Gewaltverzicht erst recht. Franz von Assisi, Meister Eckhart ganz unterschiedliche Namen, die beide auch im mittelalterlichen Christentum für solch ein Denken stehen.
Gereon Vogel-Sedlmayr schrieb am 22.12.2015
Dass ein "kitschiges und verklärtes Bild von Religion" verbreitet ist - okay. Aber dagegen ein blutiges und verfinstertes Bild zu setzen ist schlechte Dialektik.

Ein empfehlenswerter Buchtitel zur Thematik: Markus A. Weingardt: Religion Macht Frieden
P. Reinhardt schrieb am 22.12.2015
Ich für mein Teil halte die Diskussion für abwegig. Alle Religionen haben friedenstiftende Elemente in sich und hetzerische. Das spiegelt sich auch in den religiösen Schriften - sie enthalten meistens beides. Und Haben nicht alle Religionen friedliche, schöne Zeiten die Geschichte zeigt, dass mal diese Seite, mal jene Seite überbetont und gelebt wird - und immer lässt sich beides mit Stellen aus den Heiligen Schriften scheinbar schlüssig begründen. Jeder Mensch, jede Gemeinschaft, jede Zeit hat die Freiheit, sich die Seiten seiner Religion auszusuchen, die zu ihren/seinen Interessen passt. Die vordergründigen religiösen Argumentationen sollte man nicht zu ernst nehmen. Sie gehören allemal zur Fassade, über die man zum Kern kaum voran kommt. .
manfred fischer schrieb am 23.12.2015
Können wir es nicht aushalten, dass da einer meint, was für ihn da so als richtig erscheint?
Schenken wir ihm doch ein Lächeln.

Es gibt über sieben Milliarden Menschen und jeder hat so seine Wahrnehmung, mit der er meint, das sei es schon. -

Des Menschen Wille ist sein Himmelreich - Halleluja .......

Manfred Fischer Mannheim
Bernhard Schäfer schrieb am 23.12.2015
Ein dümmlicher Artikel, der aus Unkenntnis logische Schlüsse zieht, die der Sache und dem Inneren Verständnis zumindest der jüdisch-christlichen Glaubenstradition nicht gerecht werden. Herr Grau geht vor allem davon aus, und(das ist der Vorwurf der auf ihn selbst zurück fällt)er wendet sein Wahrheitsverständnis auf alle Religionen an, ob die selbst genau diese haben oder nicht. Petitio Prinzipii. Eigentlich sollte man darüber schweigen und zur Tagesordnung übergehen, aber in Zeiten der Leichtgläubigkeit überlebt nichts besser als das Vorurteil, das ständig wiedergekäut wird.
Paule schrieb am 23.12.2015
Sicher konnte man das nicht in der Kürzer nicht differenzierter schreiben, aber Herr Grau bringt sehr gut die Probleme absolutistischer (über wütend monotheistisch) Religionen auf den Punkt. Zwar hat offensichtlich kein Glaubensanhänger allgemeine Erkenntnisse seiner abrahamitischen Religion (dafür gibt es über die Zeit soll viele Veränderungen, Strömungen, Auslegungen, offensichtliche Widersprüche theologischer Natur, evident widerlegte Behauptungen der Wissenschaft usw.), aber das hindert niemanden daran seinen Glauben als allgemeine Epistemologie zu betrachten. Da die abrahamitischen Religionen absolut verfasst wurden macht es intellektuell keinen Sinn sie zu relativieren - ein Dilemma. Muslime, Christen, Juden können selbstverständlich friedlich und aufgeklärt sein - ihre Religion ist es nich und aufgklärte Religion kann es nicht geben (das kann in der kürzer schwer erklärt werden und bedürfte einiger Wort definitionem)! Religionen sind über viele Jahre Rechtfertigung grausamster Gewalt gewesen - angefangen von den Rechtfertigungen ihrer Verbrechen in ihren Heiligen Schriften. Nicht Herr Grau hat die Dinge erfunden, sondern sie sind vielmehr ein Spiegel der unschönen Seite abrahamitischer Religionen.
Die Gewalt nimmt mit Aufklärung ab und hält sich in religiösen Um Feldern besser - relativ überzeugend in vielen Studien, unterschiedlicher Fachrichtungen nachvollziehbar. Wir sollten nicht den Glauben (Behauptungen von allgemeinen Wahrheiten, ohne jegliche Evidenz) fördern, sondern ernsthaften Zweifel und Skepsisan Behauptungen. Kritik, Zweifel und Skepsis sind nicht nur Grundlagen der Wissenschaft, sondern auch der Aufklärung. Zweifel, Kritik und Skepsis ist einer der größten Feinde totalitärer Glaubenssysteme und wird vom Christentum, Islam, Stalinismus etc. systematisch bekämpft - mit erschreckendem Erfolg werden viele Anhänger mehr oder weniger evidenzresistent und hörig.
Andrejs Urdze schrieb am 23.12.2015
Natürlich hat Herr Grau Recht, dass der Terror, den wir jetzt erleben und auch viele Kriege und Gewalttaten der Vergangenheit etwas mit Religion zu tun haben. Doch diese beruhen auf einem von Menschen geschaffenen herrsch- und rachsüchtigen, unbarmherzigen Gottesbild, hinter dem Menschen sich verstecken, um eigene Machtgelüste nach außen rechtfertigen zu können. Doch dies ist in fast keiner Religion der eigentliche Kern.
Das christliche Gottesbild ist durch Jesus geprägt worden, der Gott nur als einen barmherzigen und liebevollen Gott wahrgenommen und anderen Menschen durch sein eigenes Wirken als solchen nahe gebracht hat. Jesus Gottesverständnis war so auch nie ausschließlich, sondern er war in seinem Denken und Tun offen für jeden Menschen gleich welcher Herkunft, welchem Glauben, welchem Volk, welcher sozialen Schicht jemand angehörte. Mehr noch – die Botschaft Jesu ist gerade eine, die versucht Hass zu überwinden. Er fordert selbst die Feinde zu lieben, sein Programm ist das einer Entfeindungsliebe und das ist noch mehr als nur Toleranz.
Einen Glauben an einen Gott der Liebe findet sich auch in anderen Religionen, so z.B. auch im Buddhismus, im Brahmanismus, im Taoismus und auch im Islam. Dazu empfehlenswert das Buch von Mouhanad Khorchide: Islam ist Barmherzigkeit.
Da Weihnachten vor der Tür steht, hier ein Zitat aus dem Prolog des Johannes-Evangeliums: „Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.“
Reinhold Schramm schrieb am 23.12.2015
Das gesellschaftliche Sein bestimmt das gesellschaftliche Bewusstsein.

Friedrich Engels schrieb: "Wie Darwin das Gesetz der Entwicklung der organischen Natur, so entdeckte Marx das Entwicklungsgesetz der menschlichen Geschichte: die bisher unter ideologischen Überwucherungen verdeckte einfache Tatsache, dass die Menschen vor allen Dingen zuerst essen, trinken, wohnen und sich kleiden müssen, ehe sie Politik, Wissenschaft, Kunst, Religion usw. treiben können; dass also die Produktion der unmittelbaren materiellen Lebensmittel und damit die jedesmalige ökonomische Entwicklungsstufe eines Volkes oder eines Zeitabschnitts die Grundlage bildet, aus der sich die Staatseinrichtungen, die Rechtsanschauungen, die Kunst und selbst die religiösen Vorstellungen der betreffenden Menschen entwickelt haben und aus der sie daher auch erklärt werden müssen - nicht, wie bisher geschehen, umgekehrt."

Aus: MEW, Bd. 19, S. 335/336. Engels: Das Begräbnis von Karl Marx (um den 18. März 1883)
Gisela Weber schrieb am 24.12.2015
Religion hat nichts mehr mit der angeborenen Spiritualität, der Seinsverbundenheit mit der naturgegebenen Welt, des natürlichen Menschen zu tun. Religion ist ein Herrschaftsinstrument, das vor allem der Errichtung und Erhaltung von Herrschaft über die natürliche Welt dient. Mittels Religion wird der emanzipatorische Charakter von Arbeit gerechtfertigt, indem man, z.B. laut Bibel, sich die Welt untertan macht und sich erhebt über die Natur und sich von ihr entfremdet. "Der ursprüngliche Sinn von Arbeit ist die Interaktion zwischen den Generationen" (Cl. v. Werlhof), was in der Mutter-Kind-Bindung irdisch erfahrbar ist.
Die ganze Entwicklung vom Säugling bis zum erwachsenen Menschen und die mütterliche Fürsorge werden unterschlagen. Die Mutter-Kind-Gemeinschaften sind von Natur aus friedvoll, liebevoll und verantwortungsvoll, wohingegen die patriarchale Konversion dieser Bindung in eine Vater-Bekenntnis-Religion leider zu deren Perversion und im schlimmsten Fall zu Krieg geführt hat/führt.
Religion ist die Perversion der Lebensweisheit - die durch Empirie erlernt wird - in glaubensbasierte Absolutheits-Ansprüche.

Das Bewusstsein wird nicht nur vom sozialen Sein geprägt, sondern auch vom natürlichen Sein. Da die patriarchalen Religionen den Anspruch auf die alleinseligmachende Wahrheit erheben, bergen sie auch Konflikt-Bereitschaft und Gewaltpotenzial in sich.

Liebe kann nicht durch religiöse Dognen vermittelt werden, sondern durch unmittelbare Erfahrung.
Dieter Ehlermann schrieb am 27.12.2015
Was für eine DUMME Analyse! Religion - ein Abstraktum - ist niemals gewalttätig; es sind jeweils nur deren Anhänger. Da kann der Stifter noch so friedfertig gewesen sein! Es zeugt auch von Unkenntnis, zu behaupten, daß Viel-Götter-Religionen friedfertiger oder gar friedfertig seien. Was passiert denn gerade zwischen Indien und Nepal?
Heinrich Triebstein schrieb am 27.12.2015
Der Autor führt Matthäus 10,34 als Beleg dafür an, dass auch Jesus von Nazareth "das Schwert bringen wollte". Ja hätte er nur einmal die Beziehung hergestellt zwischen Jesu Ende am Kreuz und diesem Aufruf an seine Mitstreiter! Jesus ist als Sozialrebell von der damaligen Besatzungsmacht unter Mitwirkung ihrer jüdischen Kollaborateure ans Kreuz geschlagen worden. Und wer seinen Weg mitgehen wollte, musste sich auf ein ähnliches Ende einstellen.
Und was den Islam angeht, so kann bei Thomas Bauer in "Die Kultur der Ambiguität - Eine andere Geschichte des Islams" (Verlag der Weltreligionen 2011) nachgelesen werden, dass die arabisch- islamischen Gesellschaften des Nahen Ostens bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts von einer Kultur des Ambiguitätstoleranz geprägt waren, die ein friedliches Zusammenleben der Menschen gewährleistete. Die Politisierung des Islams erfolgte, als zunächst Frankreich (1798 stand der Revolutionsgeneral Napoleon unter den Pyramiden in Ägypten) und anschließend Großbritannien begannen, ihre Interessen zu oktroyieren. "Sie sagen Gott und meinen Baumwolle", hieß es damals. "Sie sagen westliche Werte und meinen Öl", bringt die heutige Situation auf den Punkt. Wir Westlichen haben allen Grund, unsere Götzen Konsum und Profit in Frage zu stellen, damit Menschen überall auf dem Planeten das Notwendigste zum Leben bleibt. Wir haben es mit einer Flüchtlingslawine zu tun? Wir sind der Schnee. Ohne Schnee keine Lawine.
manfred fischer schrieb am 29.12.2015
Heißt Religion wirklich Frieden?
Bedeutet es nicht die Rückbesinnung, für das was wir sind, was uns tief im Innersten inspiriert?

Und so wie es über 7 Milliarden an Menschen gibt, so gibt es auch 7 Milliarden an festen Ein- und Vorstellungen, die wir durch unsere Wahrnehmung so als scheinbare Wirklichkeit betrachten und bewerten.
Lassen wir das doch einfach so zu...
Vielleicht hilft Toleranz hier ein Stück wirklich weiter?

Jeder hat seinen Weg hier in dieser Welt zu gehen. Und am Ende - schauen wir mal.......

Manfred Fischer
Peter Enders schrieb am 29.12.2015
Mir haben viele Zuschriften gefallen, einige eher nicht - "manfred fischer" sollte jedoch nicht unwidersprochen bleiben. Er hat mit seinem pauschalen "schauen wir mal" den (gestürzten) Kaiser offensichtlich zu wörtlich genommen. Denn diese Einstellung hat seinerzeit Hitler ermutigt und unterstützt heutzutage erneut ungute Entwicklungen, von "links" bis "rechts".
manfred fischer schrieb am 30.12.2015
Zu Peter Enders Zuschrift

Natürlich haben Sie, was eine falsche Toleranz anbelangt, vollkommen recht.

Doch gemeint habe damit, unser Bewusstsein ist so gering - ein Experte hat einmal das so ausgedrückt - als würden wir mit einer Taschenlampe in einen dunklen Gang hineinleuchten.

So gesehen werden uns wohl noch viele Überraschungen erwarten.
Oder täusche ich mich da?
Wenn wir doch vom meisten nichts wissen, bleibt alles, was das Ganze ausmacht, nur ein Annähern. Das gilt so auch für die Religionen.

Manfred Fischer