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Iowas?
Die erste Vorwahl der Demokraten war eine einzige Katastrophe: Fünf Erkenntnisse aus dem Caucus-Chaos.

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Für die Demokraten in Iowa momentan ganz weit entfernt: der Amtssitz in Washington.

Die Vorwahl in Iowa markiert normalerweise den Beginn einer Präsidentschaftswahlsaison und gibt oft den Ton für den Rest des Rennens vor. In diesem Jahr waren die „Iowa-Caucuses“ der Demokratischen Partei jedoch durch technische Schwierigkeiten mit einer App zur Stimmenauszählung getrübt, die die Veröffentlichung der Ergebnisse (bis jetzt) erheblich verzögerte. Obwohl die endgültigen Auswirkungen der verspäteten Veröffentlichung noch gar nicht klar sind, drängen sich schon einige Erkenntnisse auf. Peter Finn zieht fünf Schlüsse aus dem Caucus-Chaos:

1. Ist dies das Ende der Iowa-Vorwahl?

Iowa ist ein winziger Staat und repräsentiert weniger als ein Prozent der US-Bevölkerung. Der ländlich geprägte Bundesstaat ist nur für einen sehr kleinen Teil der Delegierten verantwortlich, die in einem langen Prozess den demokratischen Kandidaten bestimmen, der im November gegen Präsident Trump antreten wird. Bereits vor dem Iowa-Caucus war viel Kritik an seiner übergroßen Rolle zu hören. Was auch immer dazu führte, die Stümperei der letzten Tage wird diese Stimmen nur noch lauter werden lassen.

2. Warum der Fokus auf Cyber-Eingriffe?

Gelegentliche Beobachter der US-Politik mag es überraschen, dass die Demokratische Partei in Iowa dementiert, dass die verspätete Veröffentlichung der Ergebnisse mit irgendeiner Art von Cyberangriff zusammenhängt. Schließlich hatten russische Versuche, die US-Präsidentschaftswahlen 2016 zu beeinflussen (belegt durch die Untersuchung von Robert Mueller), Anlaß zu einer der größten Kontroversen der letzten vier Jahre gegeben. Da die Ungereimtheiten in der Zählung in Iowa zumindest teilweise mit der App zu tun zu haben scheinen, mit der die Bezirke der Demokratischen Partei ihre Ergebnisse übermitteln sollten, wirken die Dementi wie der Versuch, diesmal Gerüchte über Einflussversuche bei der Wahl gar nicht erst aufkommen zu lassen.

3. Die Vorwahl in New Hampshire ist nun viel wichtiger geworden

Unabhängig davon, wann (oder ob?) die endgültigen Ergebnisse aus Iowa veröffentlicht werden, ist die New Hampshire Primary, die am kommenden Dienstag (11. Februar) stattfindet, für den Wettlauf um die Nominierung als Kandidat der Demokratischen Partei nun viel wichtiger geworden. Wie Iowa steht New Hampshire nur für einen sehr kleinen Teil der Delegierten. Im Vergleich zu der viel komplexeren Wahl durch Versammlungen (Caucuses) in Iowa führt New Hampshire jedoch eine klassische Vorwahl mit einem Wahlgang durch. Wenn die Vorwahlen dort reibungslos verlaufen, wird es für Iowa (und andere Bundesstaaten wie Nevada und Wyoming) möglicherweise viel schwieriger, das Caucus-Verfahren in Zukunft aufrechtzuerhalten.

4. Die Demokraten haben Trump eine Steilvorlage gegeben

Angesichts des Nachrichtenvakuums, das die Verzögerung bei der Veröffentlichung der Ergebnisse verursacht hat, hat die Demokratische Partei – aufgrund von selbst verursachten Fehlern bei Technik und Prozessen – die Medienhoheit an Donald Trump abgetreten. Tatsächlich hatte Trump bereits am Dienstag begonnen, die Demokraten zu verspotten, indem er sie fragte, ob sie anfangen würden, „RUSSLAND RUSSLAND RUSSLAND“ für das Debakel verantwortlich zu machen.

5. Die Demokraten müssen schnell handeln, um das Vertrauen wiederherzustellen

Nach der Midterm-Wahl 2018 hatten die Demokraten ein relativ positives Wahlnarrativ. Bis dato konnten sie es zumindest für ihre Anhänger durch das Amtsenthebungsverfahren gegen Trump noch ausbauen. Das Vertrauen, das sie in den letzten drei Jahren aufgebaut haben, wird nun jedoch durch die Stümperei in Iowa erschüttert. Wenn sie Trump im November glaubwürdig herausfordern wollen, müssen sie unbedingt das Vertrauen in ihre Fähigkeit wiederherstellen, kommende Vorwahlen erfolgreich durchführen zu können.

Dieser Artikel erschien im Original beim LSE USCentre

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