Während die Welt voller Sorge auf die Entwicklungen im Osten der Ukraine schaut, bekommt an der westukrainischen Grenze ein seit über zwei Jahrzehnten schwelender Konflikt eine neue Dynamik.

Das dort zwischen der Ukraine und der Republik Moldau gelegene Gebiet Transnistrien wird völkerrechtlich Moldau zugeschrieben, begreift sich aber selbst als unabhängig (was natürlich international nicht anerkannt ist). Es hat sich vorerst aus den 5+2 Gesprächen ausgeklinkt. An dem Format nehmen neben den Konfliktparteien Moldau und Transnistrien, Russland, die Ukraine und die OSZE als Vermittler sowie die EU und die USA als Beobachter teil. Dmitri Trenin, Leiter des Moskauer Carnegie-Zentrums, hat zur potentiellen Eskalationsgefahr an der östlichen Außengrenze der EU einen Beitrag mit einem vielsagenden Titel verfasst: „Transnistria: A Gathering Storm“.

Transnistrien, von dessen Bewohnern jeder Zweite einen russischen Pass besitzt, drängt nun verstärkt danach, dem Beispiel der Krim zu folgen. Per Referendum will es sich der Russischen Föderation anschließen. Ähnlich wie auf der Krim, hat Russland eigene „Friedenstruppen“ in der abtrünnigen Region stationiert. Die NATO und die Republik Moldau fordern seit Jahren den Abzug dieser etwa 2.000 Mann starken russischen Einheit.

Der Republik Moldau droht nun ein ähnliches Schicksal wie der Ukraine: als Drittpartei in den Machtkampf zwischen Westen und Russland hineingezogen zu werden. Laut EU soll bis spätestens Juni das bereits mit Moldau ausgehandelte Assoziierungsabkommen unterschrieben werden. Putin wiederum will das Land für seine geplante Zollunion gewinnen und dürfte versuchen, die geplante EU-Annäherung noch zu torpedieren. „Wie alle moldauischen Regierungen zuvor, strebt die aktuelle Administration nach der ‚Wiedervereinigung Moldawiens‘ durch die Reintegration von Transnistrien“, so Trenin. Ohne die Zustimmung Moskaus ist dieses Ziel jedoch nicht zu erreichen. Einmal mehr: Eine verfahrene Situation.

Derweil beschwerte Putin sich bei US-Präsident Obama und Kanzlerin Merkel über eine Blockade des russophilen Transnistriens durch die Republik Moldau und die Ukraine. Er hofft bei den Parlamentswahlen im November auf einen Sieg der prorussischen kommunistischen Opposition in Moldau. Ansonsten führt der einzige Zugang nach Transnistrien über die Ukraine. „Zu besseren Zeiten konnte sich Moskau auf Kiew verlassen die östliche Grenze offen zu halten“, meint Trenin. Blockt die nun ab, droht ein weiteres Pulverfass in einer bereits hochexplosiven Region.

Den Beitrag von Dmitri Trenin in englischer Sprache finden Sie hier.