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Putins Medienkrieg?
Unsinn. Westliche Medien schüren mit Halbwahrheiten und Propaganda Feindseligkeit.

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Doch, doch, der Fürst der Finsternis residiert im Kreml. Das wissen auch die Tagesthemen.

Der Medienkrieg gegen Russland begann 2013 mit Wörtern wie „prorussisch“ und „Putin-Versteher“, die unmissverständlich als Schimpfwörter verwendet wurden. Damit war eine Frontlinie gezogen. Wer fortan für Russland, namentlich für Präsident Putin Verständnis äußerte, setzte sich dem Verdacht aus, auf die gegnerische Seite getreten zu sein. Das Etikett „prorussisch“ wurde zunächst dem gewählten ukrainischen Präsidenten Janukowitsch angeklebt, weil er angesichts drohender Nachteile und vieler Risiken gezögert hatte, sein Land der Europäischen Union anzuschließen.

Für „prorussisch“ wurden dann auch hiesige Warner vor antirussischer Stimmungsmache und schließlich alle diejenigen Einwohner der ostukrainischen Regionen Donezk und Lugansk erklärt, die nach dem Kiewer Putsch im Februar 2014 – alarmiert durch Ankündigungen antirussischer Gesetze – mit großer Mehrheit für die Trennung von der Ukraine gestimmt hatten. Tonangebende westeuropäische Politiker und Publizisten übten starken Druck auf Janukowitsch aus und beschuldigten zugleich Putin, er setze Janukowitsch unter Druck. So stand Putin von vorn herein als Hauptfeind da. Aber einige Kommentatoren äußerten anfangs noch Verständnis für ihn. Sie erinnerten daran, dass Russland bei der Vereinigung der beiden deutschen Staaten und der Auflösung des Warschauer Pakts eindeutige Zusagen erhalten hatte, die NATO werde sich nicht nach Osten ausdehnen. Inzwischen hatte das nordatlantische Bündnis jedoch schon mehrere ehemalige Mitgliedsländer des Warschauer Pakts aufgenommen. Mehr noch: Die NATO-Führungsmacht USA besteht darauf, Europa mit einem Raketengürtel zu teilen, der möglichst dicht an der russischen Grenze installiert werden soll – ein Projekt, das Russland beunruhigen muss.

Wer von uns verlangt, die andere Seite gar nicht erst verstehen zu wollen, gibt damit zu erkennen, dass er keinen friedlichen Interessenausgleich wünscht. Mit den Schimpfwörtern „pro-russisch“ und „Putin-Versteher“ werden wir auf Feindseligkeit verpflichtet, auf Krieg.

 

Die Kontinentalgrenze verläuft nicht mehr am Ural

In den deutschen Medien ist es üblich geworden, von Russland und Europa so zu sprechen und zu schreiben, als wären sie etwas Verschiedenes, Gegensätzliches. Als gehörte Russland nicht zu Europa. Das größte Land und größte Volk Europas, das Volk Puschkins, Tolstois, Tschechows, Gorkis, Tschaikowskis, Schostakowitschs, von dessen Kultur die ukrainische schwerlich zu trennen ist, wird sprachlich aus Europa verdrängt, ausgegrenzt. Die Grenze zwischen Europa und Asien scheint nicht mehr am Ural zu verlaufen, wie wir es im Erdkunde-Unterricht gelernt haben. Als Europäer sollen sich jetzt nur die Bürger derjenigen Länder fühlen, die der als Wirtschaftsgemeinschaft gegründeten, inzwischen auch zum Militärbündnis gewordenen, eng mit der NATO verwobenen EU angehören.

Mit solchen Attacken lenkten die Strategen der öffentlichen Meinung von dem realen Faschismus ab, der in Kiew, Lwiw und anderen Orten der westlichen Ukraine aufmarschierte.

Der Eifer, alles Russische verächtlich zu machen und zu „bestrafen“, hat sich bei Politikern und Publizisten ausgebreitet. Als US-Präsident Obama, die deutsche Kanzlerin Merkel und andere westliche Politiker ihre Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Sotschi absagten, reduzierten deutsche Medien auch die Berichterstattung über das sportliche Großereignis; völkerverbindende Elemente wurden wegretuschiert. Der neu verpflichtete Chefdirigent der Münchener Philharmoniker, der Russe Valery Gergiev,  wurde in den Medien beschimpft, seine Eignung für dieses Amt wurde in Zweifel gezogen, und er musste sich öffentlich dafür rechtfertigen, dass er die Politik Putins unterstützt. Sogar der Vorstandsvorsitzende des Siemens-Konzerns, Joe Kaeser, musste sich nach Gesprächen in Moskau von dem ZDF-Moderator Claus Kleber herunterputzen lassen: „Was haben Sie sich bei Ihrem Freundschaftsbesuch gedacht?“, „Wie lange mussten Sie warten?“, „Und Sie haben mit dem geredet?“, „... als Repräsentant eines Unternehmens, das auch für Deutschland steht“. Für Deutschland – als würden durch Gespräche über russisch-deutsche Wirtschaftsprojekte nationale Interessen verletzt. Gegen deutsche Panzerlieferungen an Saudi-Arabien wurden solche Einwände niemals laut.

Die B.Z. und die Bild-Zeitung aus dem Springer-Konzern forderten ihre Leser auf, eine Petition an den Bundestag zu unterzeichnen: „Die russischen Panzer am Ehrenmal im Berliner Tiergarten sollen entfernt werden“, denn in einer Zeit, in der „russische Panzer das freie, demokratische Europa bedrohen, wollen wir keine Russenpanzer am Brandenburger Tor“. Auf der Titelseite der B.Z. stand in fetten Buchstaben: „Weg mit den Russenpanzern am Tor!“ Ein Beleg für die angeblich akute Bedrohung durch russische Panzer fehlte, und mit keinem Wort erwähnte das Blatt die vertragliche Verpflichtung der Bundesrepublik Deutschland, das Ehrenmal, das an die Befreiung Berlins durch die Rote Armee erinnert, zu pflegen und zu bewahren.

Die Springer-Kampagne hatte keinen unmittelbaren Erfolg. Unter den Deutschen ist die Bereitschaft zur Konfrontation mit Russland gering. Stalingrad ist noch nicht ganz vergessen. Aber wirkungslos bleibt die permanente Hetze nicht – an der sich die ARD-Sendung Report unter anderem mit dem Zeichentrickfilm „Das schwierige Kind Wladimir“ beteiligte. Da sah man einen unartigen kleinen Putin, der, weil ihm seine westlichen Erziehungsberechtigten alles straflos durchgehen ließen, immer frecher wurde. Man lernte daraus, dass noch schärfere, schmerzhaftere Sanktionen folgen müssen, bis Putin in die Knie geht. Und dass Millionen Ost-Ukrainer, die lieber mit Russland als mit der EU verbündet sein möchten, dann eben militärisch zur Raison gebracht werden müssen.

 

Putin als „neuer Hitler“

Eine bewährte Methode deutscher Kriegspropaganda – vor allem von der Springer-Presse angewandt – ist die Titulierung des jeweiligen Feindes als „der neue Hitler“. Den Deutschen wird eingeredet, sie müssten zum Beweis, dass sie aus der NS-Vergangenheit gelernt hätten, nun umso tapferer in den Krieg gegen jeden „neuen Hitler“ ziehen. Milosevic, Saddam, Gaddafi, Assad, alle wurden zum „neuen Hitler“ gestempelt, und jeder Krieg wurde so zum gerechten Krieg erklärt. Anklänge daran waren auch in der Ukraine-Krise zu vernehmen, nun gegen Putin gerichtet. So bescheinigte Der Spiegel ihm eine „faschistische Sprache“, die FAZ erkannte „faschistische Wurzeln“ seiner Ideologie. Mit solchen Attacken lenkten die Strategen der öffentlichen Meinung von dem realen Faschismus ab, der in Kiew, Lwiw und anderen Orten der westlichen Ukraine aufmarschierte (sogar ein Veteranenverband der einstigen SS-Division „Galizien“ trat hervor). Die Medien bagatellisierten den Faschismus oder verschwiegen ihn einfach. Vorenthaltene Nachrichten können niemanden beunruhigen.

Das unter US-amerikanischer Anleitung geschmiedete antirussische Bündnis in Kiew konnte im Februar 2014 erfolgreich putschen, weil sich zu jeder Gewalttat bereite Faschisten an die Spitze der breiten sozialen Proteste auf dem Maidan gesetzt hatten. Ohne den „Rechten Sektor“ wäre, wie die New York Times feststellte, der Machtwechsel nicht gelungen. Zum Idol wurde der einstige Anführer der ukrainischen Hilfstruppen der Nazi-Wehrmacht im Krieg gegen die Rote Armee, Stepan Bandera. Die offen faschistischen Tendenzen auch in der Svoboda-Partei kamen durch eine Anfrage der Linken detailliert im Deutschen Bundestag zur Sprache. Aufgrund der Antworten der Bundesregierung wäre es für Journalisten ein Leichtes gewesen, darüber zu berichten. Aber die Medien gingen auf Einzelheiten nicht ein und hielten sich an die Regel, die Faschisten zu „Nationalisten“ oder „Rechtspopulisten“ aufzuhübschen.

Eine der grausigsten faschistischen Untaten war der Mord an mehr als 40 Menschen im Gewerkschaftshaus von Odessa. Es gibt Augenzeugenberichte und Fotodokumente, die eindeutig zeigen, wie und von wem das Haus in Brand gesteckt wurde und wie die Menschen gehindert wurden, sich zu retten. Die Tagesschau verschleierte das Verbrechen mit den Worten, das Haus sei „in Brand geraten“, als handelte es sich um ein Mißgeschick. Dann setzte sich die Sprachregelung durch, der Fall sei „noch nicht geklärt“. Damit war die Sache abgetan. Die Berichterstattung der auflagenstärksten deutschen Tageszeitung, der Bild-Zeitung, beschränkte sich auf die Wiedergabe von drei Sätzen des Putsch-Premiers Jazenjuk, der „Moskau“ für das Massaker verantwortlich machte. Denn „Moskau“, personifiziert in Putin, war und ist und bleibt an allem Schuld.

In der Süddeutschen Zeitung erschien  – bebildert mit einer Fotomontage, die einen von Tauben umflatterten Putin mit riesigem Stinkefinger zeigte – eine Geschichte über russische „Manipulateure“, die versuchten, im Internet weltweit die Meinung „in prorussischem Sinne zu beeinflussen“. Unerwähnt blieb, welche Nachrichten dank der russischen Internet-Aktivitäten Verbreitung gefunden hatten. Aus dem Internet war zum Beispiel zu erfahren, dass im Kiewer Hotel Ukraina eine mit US-Geldern wohlversehene Agentur die dort untergebrachten ausländischen Journalisten rundumbetreute, indem sie ihnen unter anderem Gesprächspartner zuführte, die alle gewünschten Original-Töne lieferten. Ebenfalls einer russischen Quelle war zu entnehmen, dass ein Schlägertrupp der Svoboda-Partei den Intendanten des staatlichen ukrainischen Fernsehens überfallen, misshandelt und zum Unterschreiben einer Rücktrittserklärung gezwungen hatte, und zwar mit dem Vorwurf, unter seiner Verantwortung habe der Sender eine Putin-Rede übertragen.

 

Faustregel: Putin darf nicht zu Wort kommen

Putin darf eben möglichst gar nicht zu Wort kommen. Über den ukrainischen Oligarchen Poroschenko, der im Sommer 2014 zum Präsidenten der Ukraine gewählt wurde, hatte das deutsche Medienpublikum hauptsächlich zu lesen bekommen, dass er Schokolade herstelle. Wie lieb! Dass zu seinen Produkten auch Waffen gehören und dass er sich einen Medienkonzern einschließlich Fernsehen zusammengekauft hat, wurde ebenso wenig thematisiert wie die Mitteilung der zuständigen Abteilungsleiterin des State Department, die USA hätten sich den ukrainischen „Regime Change“ fünf Milliarden Dollar kosten lassen.

Der Krieg, der mit Bombardements und dem Einmarsch schwerbewaffneter Milizen in den Osten der Ukraine begann, kam in manchen Medien wochenlang kaum vor. Kein Beschuss von Wohnvierteln, keine Geschosse auf Schulen und Kliniken, keine Toten, keine Verstümmelten, keine Zerstörung von Wasser- und Elektrizitätsleitungen, kein Flüchtlingsstrom nach Russland. Die von mir hauptsächlich studierten sogenannten Qualitätszeitungen zeigten kein Interesse am Ergehen der Bevölkerung. Absolute Gleichgültigkeit.

Über den ukrainischen Oligarchen Poroschenko, der im Sommer 2014 zum Präsidenten gewählt wurde, hatte das deutsche Medienpublikum hauptsächlich zu lesen bekommen, dass er Schokolade herstelle. Wie lieb!

Das gilt leider auch für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der dazu beiträgt, dass die für die Demokratie lebenswichtige Informationsvielfalt verloren geht. Mich erschreckt es, wenn sich auf Kritik an der Ukraine-Berichterstattung der Tagesschau  deren Chefredakteur Gniffke mit dem Argument zu rechtfertigen versucht, die Diktion der Tagesschau wie auch der Tagesthemen stimme mit dem „Wording“ der Nachrichtenagenturen und der „Qualitätszeitungen“ überein. Wording – das klingt gleich viel moderner als Sprachregelung...

Als wirksamste Waffe in diesem Krieg hat sich das Wort „Annexion“ erwiesen. Es hat aus dem Bewusstsein der Medienkonsumenten die Tatsachen verdrängt, dass das Parlament der Autonomen Republik Krim mit großer Mehrheit die Trennung von der Ukraine beschloss, die Bevölkerung sich dann mit noch größerer Mehrheit für den Beitritt zur Russischen Föderation entschied und Russland daraufhin sein Einverständnis erklärte – alles ohne Todesopfer. In fast allen Medien scheint dafür kein anderes Wort verwendet werden zu dürfen als eben dieses: „Annexion“, völkerrechtswidrig, so dass eine militärische Antwort folgen muss. Der Hamburger Rechtswissenschaftler Reinhard Merkel dagegen hatte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sofort schlüssig dargelegt, dass keine Annexion vorliegt, sondern eine „Sezession“, nicht völkerrechtswidrig. Die fürs Großbürgertum bestimmte FAZ kann es sich schon mal leisten, Wahrheiten zu verbreiten, vor allem im Feuilleton.

Inzwischen haben etliche Medien ihre Internet-Diskussionsforen zum Ukraine-Konflikt geschlossen, nachdem dort immer mehr um den Frieden besorgte Menschen ihre Empörung über antirussische Artikel und Sendungen bekundet hatten.

Ausführlicher behandelt der Autor dieses Thema in dem Sammelband „Spiel mit dem Feuer –Die Ukraine, Russland und der Westen“, hg. von Peter Strutynski.

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15 Leserbriefe

Karl-Hermann Niestädt schrieb am 16.12.2014
Hervorragend und Dank an Eckart Spoo, eine aufklärende und versachlichende Darstellung, die von den aufgeführten Medien definitiv manipulativ berichterstattend veröffentlicht werden. Worte und Begriffe können bzw. sind entlarvend!
Andreas von+Buelow schrieb am 16.12.2014
Sehr einverstanden. Das Verhalten unserer Medien kommt einem Anschlag auf die Demokratie gleich. Die ganze ältere Generation, die den Ausgleich mit der damaligen Sowjetunion ausgehandelt hat, Grobatschow und dessen Umgebung Zusagen gemacht hat, wird tot geschwiege. Die Warnungen und Proteste der Kanzler Schmidt, Kohl, Schröder, des Außenminister Genscher, des Kanzerlamtsminister Teltschik, des amerikanischen Außenministers Baker, des damaligen amerikanischen Botschafters in Moskau Matlock finden keinerlei Würdigung. Das Drängen der CIA-Veteranen an die Kanzlerin, den Lügen aus Washington keinen Glauben zu schenken findet nur noch im Internet Widerhall. Die Unterschrift der 60 Prominenten gegen das Feindestreiben gegen Russland, darunter des Bundespräsidenten Herzog, gibt unseren Medien keinen Anlass zur Reflektion! Ja wo ist denn unsere Demokratie gelandet? Man kann ja Zeitungen nur noch abbestellen, um wenigstens über den Geldbeutel der Verranntheit, bzw. der Gleichschaltung der Medien entgegen zu wirken. Sauerstoff kommt nur noch aus dem Internet, nicht zuletzt den USA! Sieht so das Ende der Verarbeitung unserer Schreckenszeit zwischen 1933 und 1945 aus? Armes mit russischer Unterstützung vereintes Deutschland!
Putinversteher schrieb am 16.12.2014
Bei der ganzen Diskussion hat man etwas vergessen: Wer hat seit dem 2.Weltkrieg unberechtigt und mit Lügen untermauert, Kriege geführt, Länder besetzt und Menschen gefoltert? Wer hat zur Schulung seoiner friedlichen Soldaten Nazi's aus Deutschland vor Gerichten geschützt?
Agneta schrieb am 16.12.2014
Wie recht Sie doch haben mit Ihren Ausführungen, Herr Spoo. Und wie absolut unverständlich ist es, dass Politik und Medien nach wie vor an einem Feindbild Russland festhalten, das Putin als den allein Schuldigen, den Schurken schlechthin hinstellt, das jegliche Mitverantwortung an der Eskalation der Ukraine-Krise ignoriert oder gar leugnet, obwohl die Tatsachen dagegen sprechen.

Geht es tatsächlich um die Ukraine, für deren Recht Frau Merkel so vehement eintritt, oder geht es nicht eher darum, Putin in die Knie zu zwingen. Russland hat die Forderungen des Westens zu erfüllen, ansonsten drohen weitere Strafmassnahmen. Das nennt man dann Dialog.

Zeigt man Verständnis für die Interessen Russlands, kommt man sofort in die Schublade der Putin-Versteher. Eine andere Sichtweite wird von Vorneherein abgewürgt. Es ist einfacher, einen unnachgiebigen Konfrontationskurs zu fahren als eigene Fehler einzugestehen. Nur, wohin soll das führen, wem ist damit geholfen? Den Menschen in der Ostukraine sicher nicht.

Noch unverständlicher wird dieser Kurs unserer Politiker, schaut man sich die Verfehlungen der USA in den letzten Jahren an, obwohl da wiederum jegliche Kritik sofort als anti-amerikanisch ausgelegt wird.Trotzdem sollte die Frage erlaubt sein, warum die ungerechtfertigten Kriege mit tausenden von Toten, die Drohnenkriege, der Rassismus, die Menschenrechtsverletzungen usw.hier kritiklos hingenommen werden, während man Putins Haltung im Ukraine-Konflikt als nicht hinnehmbare Aggression sieht, so dass man gar den Weltfrieden gefährdet sieht.

Es lässt einen zweifeln an der Lauterkeit und Wahrheitsfindung unserer Politiker.
Kpt. Uwe Koch schrieb am 16.12.2014
Sehr geehrter Herr Spoo.
Vielen Dank für die Ausführlichkeit und Mühe der Medienanalysen, man könnte sie noch weiterführen.

Zur allgemeinen Hintergrund-Einschätzung der Lage bleibt es erforderlich, diesen globastrategischen Glücksfall für die USA- den Ukraine-Konflikt- auf seinen gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Hintergrund zu betrachten, ich schicke voraus, ich bin kein Gegner und Feind der USA und der NATO, nur übersehe ich nicht bestimmte demokratiegefährdende Strukturen in diesem Land und der NATO.
Meines erachtens braucht die USA wegen ihrer dramatischen Verschuldung neue Absatzmärkte, langfristig gesicherte!

Die Entwicklung mit Cina ist bei dem schiefen Handelsbilanz- Saldo unsicher,
der Nahe Osten ist auf absehbare Zeit aller verläßlichen Strukuren entbombt,
Lateinamerika, allem voran Mexiko, bietet auf absehbare Zeit keine zukunftsträchtige Kaufkraft für den amerikanischen Export.
Südamerika zeigt nationale Eigenpostion gegenüber allzu aggressiver US-Wirtschaftsherrschaft.

So gilt es denn Europa über TTIPP zu sichern! Dafür ist die Reduzierung des Russlandhandels über Sanktionen eine herrliche US-Weichnachtsrute gegenüber Europa.

Denn in der Ukraine warten Getreide, Uran, Schwerindustrie und billige Arbeitskräfe.
Ideologisch stabilisiert die Russlandhatz im amerikanischen Volk und den Herrschaftseliten den immer noch starken "Weltherrschaftstraum" gepaart mit historisch nie überwundenem Antikommunismus. So können Republikaner alte Rechnungen mit den Demokraten begleichen, hilft ihnen beim nächsten Wahlkampf!
Die US-Herrschaftsideologie basiert auf "Großen Feinden", ohne dies Bilder gäbe es für viele Regirungshandlungen keine Rechtfertigung.

Sehr geehrter Herr Spoo, es ist an der Zeit, dass die gesellschaftlich-materielle Basis dieser westlichen Russlandhatz politisch und ökonomisch sauber analysiert wird.
Das kann der normale Tages-und Wochenb-Journalismus wohl kaum noch bewerkstelligen!
Dieses gilt es zu organisieren nicht nur zu lamentieren!
Da fehlen Kraft, Geld und gesellschaftliche Akzeptanz durch die offizielle Politik wo sind die alternativen Wirtschaftsinsitute von heute?.

Um so mehr ist Ihrer Arbeit zu dankenI
zur eigenen Person:
( Ich gehöre zu dem Genre, dass mit viel Investitionen und jahrzehntelanger Arbeit für die Ukrainische Fischerei-. und Handelsmarine auf der Krim, Odessa ,Kiew weltweit gearbeitet hat und dann, nachdem der Laden gut lief von Ministern und Staatssekretären der damaligen "Orange-Heiligen" in 2006 widerrechtlich enteignet wurden, ( Millionen!) - so ein ICSID-Spruch aus dem jahre 2010!

Mit freundlichen Grüßen
Kpt. Uwe Koch
Peter Schlaffer schrieb am 16.12.2014
Endlich einmal einer, der glaubhaft darstellt, wie die Lüge funktioniert: Man muss nur den Lügner einen Lügner nennen! und auf der Strecke bleibt einmal wieder die Wahrheit. Mir wird Angst und bange!
Hans-Ulrich Oberländer schrieb am 16.12.2014
Wo bleibt die Diplomatie - sind unsere Entscheidungsträger von allen guten Geistern verlassen?
Danke, Herr Spoo, für Ihren aufklärenden Beitrag.
Die gegenwärtige Fehlpolitik ist als Spiel mit der Apokalypse einzustufen, wie es der französische Philosoph Rene Girard im Buch "Im Angesicht der Apokalypse" schlüssig darlegt. Er schließt aus seiner mimetischen Theorie, dass einmal entfesselte Gewalt gleichsam einem planetarischen Gesetz zum Äußersten führt, folgerichtig zum Einsatz auch der Massenvernichtungswaffen, über die jemand verfügt.
Nicht nur nach Einschätzung von Lee Buster, Chef der amerikanischen Atomstreitkräfte, kam es einem Wunder gleich, dass es während der 40 Jahre kalten Krieges nicht zur Vernichtung der Menschheit kam.
Der Overkill von Russlands Atomwaffenarasenal reicht hierzu aus, möglich am Ende eines aus Versehen ausgelösten militärischen Konfliktes zwischen NATO und Russland.
Manfred Quiring schrieb am 16.12.2014
Lieber Herr Spoo,
Sie haben akribisch zusammengetragen, was gegenwärtig von den „Russland-Verstehern“ (ursprünglich übrigens eine ironische Bezeichnung für Leute wie Krone-Schmalz oder Platzeck, die selbst glauben, sie hätten Russland verstanden) zu Markte getragen wird. Es ist schon bemerkenswert, wie Sie sich gegen den deutschen Mainstream stemmen und dabei überhaupt nicht merken, wie Sie kritiklos dem russischen Mainstream anhängen. Das an sich wäre ja nicht unbedingt ein Fehler, wenn er denn glaubwürdig wäre. Das aber ist er keineswegs. Wir haben es hier mit ganz brutaler Propaganda zu tun, die auf Leute abzielt, die offensichtlich nur wenig oder kein Russisch sprechen und lesen und folglich auf russische Quellen in deutscher Sprache angewiesen sind. Ich kann Ihnen versichern, dass diese Quellen in einem Maße der staatlichen zentralen Kontrolle unterworfen sind, von denen sich einige deutsche Medienpolitiker offenbar nicht die geringste Vorstellung machen.
Zur Illustration: seid über 15 Jahren wird an der Jurfak (Journalistik-Fakultät) der Moskauer Lomonossow-Universität gelehrt, es gebe überhaupt keinen Journalismus, sondern lediglich einen Informationskrieg, in dem sich ein russischer Journalist zu positionieren hat. Zur Ehrenrettung meiner russischen Kollegen muss ich sagen, dass es trotzdem noch immer viele Kollegen in der russischen Föderation gibt, die sich dem übermächtigen Druck des Kreml nicht beugen. Das ist riskant, kostet manchmal die Gesundheit oder auch das Leben. Es ist beklemmend, wenn man in der Redaktion der Nowaja Gaseta in Moskau sitzt und die Tafel mit den Namen ermordeter Kollegen sieht.
Sie haben in Ihrem Artikel ein großes Bukett von Vorwürfen erhoben, die ich weitgehend für emotional und sachlich anfechtbar halte. Ich möchte mich in meinem Widerspruch auf zwei Aspekte beschränken, die in der Debatte in Deutschland eine zentrale Rolle spielen.
Das ist erstens die Nato-Osterweiterung.
In den Abkommen von Jalta und Potsdam wurde 1945 die Aufteilung Europas festgeschrieben, der Osten Deutschlands und ganz Osteuropa gerieten unter sowjetische Herrschaft. Nach der Befreiung Europas vom Hitlerfaschismus wurden wurden indes aus den Befreiern.
45 Jahre lang herrschte Moskau über den Osten Europas, militärisch und politisch, aber auch ideologisch und kulturell. Die sowjetische Lebensweise sollte das Bewusstsein der Menschen in den „Bruderstaaten“ prägen, sie im Sinn des „großen Bruders“ erziehen. Die Sowjetunion hatte eine zumindest theoretische Chance, sich hier Verbündete auf lange Zeit zu schaffen.
Diese Chance wurde grandios vertan. Das Ergebnis dieser sowjetischen Oberhoheit war - anders als im Westen Deutschlands, wo die amerikanische Lebensweise damals zumindest zunehmend als anziehend empfunden und die demokratischen Institute nach und nach verinnerlicht wurden – aus sowjetischer Sicht verheerend: während sich die jeweiligen Partei-Eliten der sowjetischen Herrschaft willig unterordneten, wuchs in der Bevölkerung der osteuropäischen Staaten der Widerstand. Die Aufstände von Berlin, Budapest, Prag und in Polen belegen das anschaulich.
Ab 1988/89 begannen der DDR die Bürger massenhaft davonzulaufen. Dieser Prozess mündete in der Wiedervereinigung, die Nato-Mitgliedschaft von Gesamtdeutschland wurde schließlich auch von der Sowjetunion anerkannt.
Auch für die osteuropäischen Staaten begann eine neue Zeitrechnung. Am 1. Juli 1991 löste sich der Warschauer Pakt, die sowjetisch dominierte Militärorganisation der Ostblock-Staaten, widerstandslos auf und im Dezember des gleichen Jahres beendete die Union der sozialistischen Sowjetrepubliken ihre Existenz.


Die russischen Eliten sehen die Ursachen für den Untergang der Union nicht in deren eigenen Defiziten, in ihrer Unterdrückung Osteuropas oder der eigenen Wirtschaftsschwäche. „Schuld“ sei vielmehr eine Verschwörung des Westens, angeführt von den USA, die nach Meinung russischer Hardliner selbst die sowjetische Führungsebene eingeschlossen haben soll.
Die nachfolgende Entwicklung geriet ihnen folgerichtig nur als Fortsetzung dieser Unterwanderungspolitik. „Wortbrüchig“ breite sich die Nato immer weiter nach Osten aus, indem die einstigen Mitglieder des Warschauer Paktes in die westliche Allianz aufgenommen werden.
Dieses Bild stimmt nicht.
Es waren vielmehr die Osteuropäer selbst, die, getrieben von ihren Erfahrungen mit der sowjetischen Herrschaft und dem weiterhin wirkenden Grundmisstrauen in Moskaus Politik, selbst in die EU und ins nordatlantische Bündnis drängten. Sie glaubten, nur so Stabilität und Sicherheit vor eventuellen großrussischen Ambitionen erlangen und an der wirtschaftlichen Prosperität des Westens teilhaben zu können. Die Hoffnungen haben sich teilweise als überzogen erwiesen, waren aber im Grundsatz wohl begründet.

Zitat SZ, 14.11 2014
Estnischer Verteidigungsminister Sven Mikser: "Es ist nicht so, dass die Nato uns angelockt hätte. Wir sind nicht rekrutiert worden. Wir mussten Amerikaner und Westeuropäer von unserer Entschlossenheit überzeugen und davon, dass wir die Werte der Organisation teilen."
Für mich ist deshalb das, was gemeinhin als Nato-Osterweiterung bezeichnet wird, im Kern eine Bewegung der osteuropäischen Staaten nach Westen. Im übertragenen Sinne vergleichbar mit der „Abstimmung mit den Füßen“, wie sie die damaligen DDR-ler vornahmen, als sie die Grenze zwischen Ungarn und Österreich überwanden oder in die deutschen Botschaften in Prag und Warschau flüchteten. Weder Polen noch Ungarn, Tschechen oder Slowaken verschwendeten damals auch nur einen Gedanken daran, im sowjetisch dominierten Warschauer Vertrag zu verbleiben.
In dem Zusammenhang hat sich ein Mythos herausgebildet, der heute eine zentrale Rolle in der russischen Propaganda spielt und der erstaunlicherweise auch in der deutschen Öffentlichkeit als Tatsache kolportiert wird. Doch die angeblich „heilige Verpflichtung der Nato“, so eine ansonsten von mir sehr geschätzte Kollegin in der FAZ, sich nicht weiter nach Osten auszudehnen, hat es nie gegeben.
In den ersten Monaten des Jahres 1990, während der ohnehin schwierigen Verhandlungen über die deutsche Wiedervereinigung und die Mitgliedschaft des vereinten Deutschlands im nordatlantischen Bündnis sah niemand die dringende Notwendigkeit, mögliche Entwicklungen in Osteuropa zu erörtern. Wohl gibt es einige Hinweise (Baker, Genscher), dass das Thema beiläufig angesprochen wurde. Für Gorbatschow und Schewardnadse waren derlei Überlegungen völlig indiskutabel, wie sie später bekannten. Beide hätten jede ernsthafte Vereinbarung mit der Nato über das künftige Schicksal der sowjetischen Verbündeten oder gar der noch existierenden Unionsrepubliken schon deshalb ablehnen müssen, weil sie andernfalls indirekt einen möglichen Zerfall des sowjetischen Imperiums zur Grundlage der Geschäftsordnung gemacht hätten. Das widersprach nicht nur ihrer eigenen Überzeugung, sie hätten sich mit einem solchen Papier auch in Moskau nicht sehen lassen dürfen.
Jahre später (23.11.09) erklärte Gorbatschow seinen Verzicht auf eine schriftliche Zusage in einem Spiegel-Interview mit den Worten: „Anfang 1990 bestand noch der Warschauer Pakt. Allein die Vorstellung, die Nato würde sich auf Länder dieses Bündnisses ausdehnen, klang damals vollkommen absurd."
Das Märchen vom „Betrug“ wird indes immer wieder aufgewärmt. Es lässt sich aus russischer Sicht trefflich verwenden, um westliche Politiker, besonders die schuldbeladenen Deutschen, in die Defensive zu drängen.
WISU162 schrieb am 16.12.2014
Sehr geehrter Herr Spoo!

Ich weiss nicht, wie Sie dazu kommen, die deutschen Medien so der konspirativen und verächtlichen Berichterstattung in Sachen Russland zu beschimpfen. Jeder kann in Deutschland seine Meinung schreiben, auch Sie. Passende Medien finden sich. Versuchen Sie mal etwas pro-ukrainisches in Moskau zu publizieren. Finden Sie Gehör, Pulizität, dann gibt es gesiebte Luft in Sibirien, oder man wird irgendwo begraben.
Wenn die Mehrheit der Medien Russland kritisch sieht, vielleicht ist da vielleicht was dran?

Damit wir in Frieden und Sicherheit auf der Erde leben können, ist es erforderlich, dass es Spielregeln gibt. Ansonsten gibt es Mord und Totschlag.
Wo kommen wir hin, wenn die Deutschschweizer in Berlin anklopfen, und sagen:sie werden unterdrückt? Kommen dann unsere Soldaten mit Waffen aus der Bundeswehr im Urlaub vorbei?
Die Ukraine ist ein unabhängiger Staat, mit von Russland vertraglich akzeptierten Grenzen. Zu den Spielregeln gehört auch, dass man akzeptiert, dass eine Mehrheit des Volkes die korrupte Vasallenregierung satt hatte.
Das ein paar durchgeknallte Faschisten und sonstige Chaoten lautstark die Gelegenheit genutzt haben, war kaum vermeidbar.
Die letzte Wahl aber zeigte, dass diese Leute nicht gewählt wurden. Auch Janukowitchs Partei nicht. Vielleicht wären es mehr Prozentpunkte gewesen, wenn die Separatisten diese Wahlen auch im Donetzk zugelassen hätten. Dann wäre aber vielleicht herausgekommen, dass es vielleicht nur 50% Zustimmung gab für die Separation. Dort gab es eigene Wahlen, mit nur 2 prorussischen `Parteien`. 4700 Menschen sind tot, auch deswegen, weil Putin sich der Zustimmung von Leuten wie Ihnen sicher weiss.
Putin hat Gesocks gesendet, die Menschen auf der Krim und im Donetzk waren ein frustriertes Proletariat und leicht zu verführen.
Ich will aber auch nicht verhehlen, dass auf ukrainischer Seite schräge Vögel unterwegs sind und waren. Das war aber auch in den von Ihnen beschimpften Medien zu lesen.
Es gibt in der Ukraine keine demokratischen Führungsstrukturen, keine entsprechenden Führungspersönlichkeiten. Auf der anderen Seite stand eine von Russland organisierte Elite, die das Volk ausgeplündert hat. Die Strukturen reichten bis zu den kleinen Polizisten, Grenzbeamten, alle haben sich bereichert. Rechtssicherheit gab es nicht.
Vielleicht ging der Maidan in einem kleinen Kaff los, wo ein besoffener Polizist ein Mädchen vergewaltigt hatte, und von der Obrigkeit gedeckt wurde. Da ging es los. Das Volk hatte es satt.
Was Janukowich erledigt hat, waren nicht unsere Medien, sondern das Internet. Smartphones mit Kameras. Nebenbei: wird in Russland gerade unter Kontrolle gebracht. Ausländische Presse wird dort gerade ausradiert, während Russland gerade einen Sender hier gestartet hat.
Hören Sie mir noch zu? Herr Spoo?

Die Russen fühlen sich als Herrenvolk. Ein Herrenvolk muss sich nicht benehmen, nimmt sich, was es gerne möchte. Bei den Russen kommt nun auch noch eine gewisse Brutalität dazu, dazu Intoleranz und vor allem fehlt die Fähigkeit zur Selbstreflektion.
In der modernen Welt sind die Russen nicht besonders erfolgreich. Keine Technologie, keine Friedensnobelpreisträger. Der vom Himmel gefallene Reichtum in Form von Öl und Gas hat dazu geführt, dass das Land seine eigenen Ressourcen, und dazu gehört auch das Potential der Menschen nicht genutzt und ausgebaut wurde. Der Lebensstandard stieg sogar, aber nicht durch eigene Anstrengung, Arbeit oder Engagement. Russland hat es soar verlernt, Landwirtschaft zu betreiben. Die Bevölkerung wurde träge,ein Großteil lebt in Moskau und anderen Metropolen. Jobs in staatsnahen Unternehmen, in Behörden. Was Dienstleistungen angeht: Hotels, Restaurants sind teuer, weil überall Ineffizienz herrscht. Trotzdem bestand die Gefahr, dass einige Leute auch Freiheit und Demokratie forderten.
Es gab durchaus schon Demos, Unzufriedenheit machte sich breit.
Zum Selbstverständnis der Russen gehört auch ein ausgeprägter Patriotismus, etwas uns Deutschen inzwischen abgeht.

Ich war auf dem Maidan. Es war dort friedlich. Viele Ukrainer haben russische Verwandte. Die sind inzwischen so indoktriniert, dass sie den Kontakt mit ihren russischen Verwandten unter Beschimpfungen abbrechen.
Ich bin Insider.
Es ging nicht gegen Russland. Man wollte eine korrupte und von Moskau ferngesteuerte Regierung los werden.

Putin konnte eine weitere Demokratie vor der Haustür nicht zulassen. Da hat der Westen, auch die Amis schon gepennt.
Zuhause häuften sich die Probleme, die Unzufriedenheit.

Die Geschichte mit der Krim hätte Putin auch anders lösen können. Angesichts 90% Russen hätte er auch eine Volksabstimmung initisieren können. Warum nicht? Warum sofort die Brechstange? Ein von Russland organisierter Putsch.
Warum? Er wolte als Macher und Kümmerer und als Held dar stehen. Und so eine Revolution natürlich nicht zuhause.
Die Menschen auf der Krim haben nun die Arschkarte. Die meisten Touristen kamen aus der Ukraine. Dazu das Trinkwasser, der meiste Strom, fast alle Lebensmittel. Geologisch nicht gerade logisch mit Russland verbunden.
Ökonomischer Selbstmord. Wie ist das möglich, dass man Menschen so aufputschen kann? Die Erlösten haben sich dann gleich mit den Krimtartaren beschäftigt, und mit dem Eigentum der Ukrainischen Minderheit, die fliehen musste.
Alles wegen Sewastopol? Meine Meinung: eine Show für die Russen, und dieses Volk mag das.

Sie, Herr Spoo finden anscheined das auch ok..

Die Russen benehmen sich nicht zivilisiert. Und nicht besonders intelligent.

Keine Freunde. Unsympathisch.

Putin mag ein gerissener, militärischer Taktiker sein. Und sich darauf verlassen, das Menschen wie Sie ihm moralisch den Rücken frei halten und ihn moralisch legitimieren.

Wir brauchen uns nicht groß schrubbeln. Die Märkte für Öl und Gas erteilen Russland gerade eine Lektion.1 Jahre noch, dann wird Putin lernen, dass es noch etwas andere Argumente als Kalschnikows gibt. Leere Taschen. Keiner wird Russland noch einen Kredit geben, vielleicht noch die Chinesen. Aber nur gegen Verträge für Gas. Zu so schlechten Konditionen, dass das ein Verlustgeschäft ist. Die anderen Freunde kosten schon jetzt Geld: Belarus, Kuba und russische Menschen in Moldavien, Armenien, Georgien. Überall in der Welt ist Russland destruktiv unterwegs, nirgendwo ist etwas, was Zukunft hat, aufgebaut worden

Russland gleicht einem aufsässigen Jungen, der alle vor die Schienenbeine tritt. Was ist, wenn plötzlich das Selbstbewusstsein weg ist, weil man auf Taschengeldentzug ist und keine Freunde hat?

Es sind Fakten geschaffen worden. Poroschenko sollte den Donetzk aufgeben, und die Krim. Die Menschen dort sind es nicht wert dafür zu kämpfen. Sie haben gewählt. Wenn dann plötzlich keine Rente mehr aus der Ukraine kommt, oder Gehalt für Lehrer, Ärzte und Beamte, und die gleichen Menschen ihre proukrainsichen Nachbarn weggemobbt haben,
für Dummheit muss man halt bezahlen. Der Donetzk war keineswegs die Elite der Ukraine. Es gleicht mehr dem Ruhrgebiet, wo die Zukunft verschlafen wurde. Und nun wird Solidarität einfordert.

Ihnen, Herr Spoo, empfehle ich: fliegen Sie mal hin. Also den warmen Sessel verlassen, und die Lektüre von den bösen Zeitungen. Dann sprechen Sie mal mit einer Frau, die in Kiev arbeitet, und ihre behinderte Mutter aus dem Donetzk abgeholt hat. Ausdrücklich empfehlen möchte ich Ihnen ein Gespräch mit den Separatisten, ihren Anhängern und finden heraus, wie simpel sie gestrickt sind, und voller Hass. Schauen sie nach!
Und dann sprechen Sie mit Ukrainern in Kiev, Czernowitz,L`viv.
Interlektuell und menschlich ist das ein anderes Level.

Bilden Sie sich vor Ort eine Meinung. Nicht aufregen, weil die Zeitungen nicht ihre Meinung erzählen.
Gehen Sie hin.

Machen Sie ein Interview mit Putin. Da müssen Sie sich aber beeilen. 2015 wird es ihn wegfegen.
Der Rubel fiel heute um 10%. Gestern auch.

Der nächste Maidan wird auf dem roten Platz sein. Und zwar nicht wegen Freiheit und Demokratie. Russland verarmt und fällt in die Bedeutungslosigkeit. Und so haben sich das die Russen nicht vorgestellt.
Es rächt sich nun, dass Putin kein Interesse an Ökonomie hat, und nun auch noch Pech.

Kalaschnikows sind heute keine Argumente. Aufgedrehter Patriotismus auch nicht. Wer kein brauchbares Geschäftsmodell hat, keine Freunde, hat keine Zukunft.

Dumm gelaufen ......
...worüber schreiben SIe morgen?

PS: die Amis stehen moralisch und interllektuell im gleichen Raum. Nur halt an der anderen Wand, 180° ich verteidige hier nicht unsere Werte.
Ich möchte halt, dass es Spielregeln gibt ...
Fabian Buschtrommel schrieb am 17.12.2014
Es hat gut getan das zu lesen.
Rüdiger Weigel schrieb am 17.12.2014
Was soll man glauben?

Leider werden viele Fakten/Behauptungen aufgestellt ohne Namen oder Quellen zu nennen. Für jemanden, der sich nicht im Detail mit den Vorkommnissen auskennt ist das ärgerlich.

Welche Medien sind denn außer Bild und B.Z. noch gemeint? Bei den öffentlich-rechtlichen gibt es nicht nur die Tagesschau – wobei die Kritik an der Berichterstattung gerechtfertigt ist – sondern auch Formate, die tiefer analysieren: http://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/krisenkatalysator100.html (hier wird auch die Regime Change – Hilfe der USA thematisiert).

Das Parlament der Krim stimmte meines Wissens für ein Referendum, nicht über die Abspaltung ab. Allerdings unter dubiosen Umständen. So waren wohl nicht genug Abgeordnete anwesend. http://in.reuters.com/article/2014/03/13/ukraine-crisis-russia-aksyonov-idINL6N0M93AH20140313
Auch die Abstimmung selbst erbrachte mitnichten einen Beschluss der noch größeren Mehrheit der Bevölkerung der Krim: http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-05/ukraine-putin-wahlfaelschung

Auch das ist für mich Propaganda: korrekte mit nicht-korrekten Fakten oder Halbwahrheiten zu mischen.
Insgesamt ist es äußerst schwierig, eine Darstellung in den Medien zu finden, die die Geschehnisse und Lage einigermaßen objektiv darstellt. Mir ist es noch nicht gelungen.
WIESO schrieb am 26.12.2014
Sehr geehrter WISU,

es har gar nicht gut getan, über eine Leichenfeier für Kalaschnikovs zu lesen. Die Schuld an 4700 Toten auf einen abzuwälzen war ebenso einseitig wie DDR-Bürger durch sowjetische Propaganda an sich zu binden. Russland ist eben etwas anderes als Sowjets und hat kein Land bombardiert im Unterschied zu westlichen Demokratien. Während Sie in Kiew waren, hat sich EU-Abegeordneter Stadler auf der Krim umgesehen und das Referendum erlebt http://www.youtube.com/watch?v=AoouMLNZfxA

William Engdahls "Krieg in der Ukraine. Chronik einer geplanten Katastrophe" ist auch empfehlenswert.
Otto Kern schrieb am 04.01.2015
Also lieber WISU162,

nett auch so mal eine Meinung zu hören. Und ich finde es auch prima, dass Sie auf dem Maidan waren. Es gibt hierzu eben auch unterschiedliche Meinungen. Frau Nuland (Fuck the EU) war auch auf dem Maidan und hat Süßigkeiten verteilt.

Schade, dass Sie Ihre sehr persönlichen Beobachtungen, die durchaus zutreffen mögen, verbinden mit Charakteraussagen über "die Russen". Damit entwerten Sie Ihre Eindrücke und geraten in eine Situation, die man in der Psychologie mit Projektion bezeichnet.

Sie sprechen richtigerweise an, welche Probleme die Krimbewohner jetzt haben. Es wird sich zeigen, ob Russland in der Lage sein wird, diese Probleme zu meistern.

Sie haben sicherlich Verständnis dafür, dass ich als Deutscher mich vor allem für die dort lebenden 2.500 Krimdeutsche interessiere und die haben sich nun mal für die Zugehörigkeit für Russland ausgesprochen. Und ich kenne selbst Russlanddeutsche, die auf die Krim übersiedeln wollen. Leider hat die Bundesregierung die Unterstützung eingestellt. Wenn ich böswillig sein wollte, dann könnte ich sagen, Frau Merkel verrät die Krimdeutschen wie Hitler die Südtirolerl. Das tue ich aber nicht.

Ich sage in meinem Bekanntenkreis, zu denen auch ukrainische Esperantofreunde gehören, Leute, Donezk ist nur 300 Kilometer von Stalingrad entfernt (Ich habe in den 80ern u.a.Kiew und Wolgograd besucht während einer Wolga-Don-Kreufahrt), da wollen wir uns nicht mit Russen anlegen, schon gar nicht, wenn dazu keine völkerrechtliche Verpflichtung besteht.

Im übrigen ein kleiner Tipp, da sie sich so gut mit Ökonomie auskennen:
Kaufen Sie jetzt russische Aktien, denn man soll Aktien kaufen, wenn die Kanonen donnern. Spätestens wenn der saudiarabisch-amerikanische Erdölpreissenkungskrieg zu Ende ist und die chinesischen Investitionen in Russland und insbesondere auf der Krim voll angelaufen sind, werden Sie steigen.

Im Übrigen macht der gesunkene Rubelkurs russische Produkte konkurrenzfähiger. Das gilt natürlich auch für ukrainische Produkte, da die Griwna noch stärker gesunken ist.

Ansonsten hoffe ich, dass es zu einer friedlichen Lösung des Konflikts kommt.

Herzlich

Otto Kern
37412 Herzberg-die Esperantostadt

P.S. Unterschreiben Sie doch das nächste Mal mit Ihrem vollem Namen. Wir leben doch nicht in dem von Ihnen beschriebenen Russland. Sie kommen nicht nach Sibirien oder in den Hochsicherheitstrakt nach Stammheim.
Sigmund schrieb am 05.01.2015
Zum Brand des Gewerkschaftshaus in Odessa möchte ich noch hinzufügen, das Christian Neef vom Spiegel in einer Podiumsdiskussion zu genau diesem Thema (einseitige Berichterstattung) ernsthaft behauptete, man wisse ja noch nicht, wer das Haus in Brand gesteckt hat, also könne man da auch nicht urteilend berichten.
Umdenker schrieb am 05.01.2015
Ich kann dem letzten Kommentar (also von Hr. Weigel) nur zustimmen. Und das ist nicht nur in der Ukraine/Krim Frage so, sondern auch in zig anderen Themen. Die Kommentare von Quiring und WISU162 sind auch ziemlich gut geschrieben und haben mich doch wieder ein wenig in die andere Richtung gedrängt.

Mich nervt dieser Hang zum Dramatisieren, Überspitzen und Einfliessen von subjektiven/emotionalen Elementen in vielen Medien (und zwar egal aus welchem Teil der Welt). Vielleicht war das auch schon immer so und das Spektrum der vielen unterschiedlichen zur Verfügung stehenden Quellen verstärkt dieses Gefühl einfach nur. Aber das Niveau ist halt teils so unterirdisch. Anstatt von Regierungskreisen oder Parteien zu sprechen, steht oft "USA" oder "Russland" da, oder eben Obama/Putin. Als ob ganze Nationen oder einzelne Staatsoberhäupter die kompette Verantwortung tragen.

Vielleicht ist es ja einfach nur logisch und menschlich, dass so gehandelt wird. Jeder verteidigt quasi sein Weltbild und wo anfangs noch Argumente und Fakten fliessen, wirds irgendwann immer dogmatischer und alle werfen mit Propaganda um sich. Man weiss auch nie genau, ob das wirklich aus Überzeugung geschieht oder um an den Futtertrögen zu bleiben oder ... keine Ahnung, was in deren Köpfen vorgeht (obwohl es simpel und pauschalisierend ist, aber in Polen gibts den Spruch "wenn du nicht weisst um was es geht, dann gehts meistens um Geld". Die Erfahrungen der letzten Jahre haben mir aufgezeigt, dass dies ziemlich oft der Wahrheit entspricht. Naja, irgendwie auch logisch. Geld=Macht und vice versa.).

Dabei bewegen wir uns international eigentlich immer noch auf Kindergarten Niveau. Egal welches System, die mit den negativ ausgeprägtesten Eigenschaften wie Gier, Fehlen von Moral und Ethik, schwachem Gewissen, usw. (ja ich weiss, dies unterscheidet sich natürlich auch in vielen Kulturen. Doppelmoral und Heuchlerei sind aber oft ein guter Indikator, dass man seine eigenen Werte nicht wirklich wahrnimmt) sind irgendwie meist die Gewinner auf diesem Planeten. Hier trifft wohl die Redewendung "der Klügere gibt nach" leider zu, denn die wirklich Intelligenten sind nicht an der Macht (beginnend damit, dass sie freiwillig auf viel Macht verzichten würden, da ihnen die Gefahr dessen ganz bewusst ist). Demut, Selbstreflexion sowie Kritik, Bescheidenheit, Prinzipientreue (also damit meine ich nicht diese dogmatisch zu verteidigen, sondern sie nicht aus niederen Gründen aufzugeben, also die typische Fahne im Wind) ... scheinbar zählen diese Werte nichts in der heutigen Zeit. Das zeigt sich schon daran, dass wir im 21. Jh. immer noch den grössten Fokus auf ökonomische Logik legen (und dabei hinken unsere sozialwissenschaftlichen Prinzipien mindestens ca. 100 Jahre den Erkenntnissen hinterher. Sieht man ja schon an den seichten Kapitalismus vs Sozialismus Debatten. So als könnte man nicht beides in die Tonne treten und was komplett Neues entwickeln). Naja, ich schweife ab. Dennoch Danke für die vielen guten Kommentare und den Artikel. Hilft wieder mal der "Wahrheit" bisschen näher zu kommen.