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Fisch statt Plastik
Saubere, widerstandsfähige Ozeane sind unsere Lebensversicherung.

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Im Nordpazifik treibt seit Jahrzehnten ein Müllstrudel, der mittlerweile so groß ist wie Zentraleuropa.

Die Bedeutung der Weltmeere kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie liefern 50 Prozent des Sauerstoffs, den wir atmen, sie ernähren Milliarden Menschen und bieten weiteren Millionen Menschen eine Existenzgrundlage. Die Ozeane funktionieren als große biologische Pumpe zur Regulierung von Atmosphäre und Temperatur sowie als Motor der Wasser- und Nährstoffkreisläufe. Und sie stellen eines der wirksamsten Instrumente zur Milderung der Auswirkungen des Klimawandels dar. Kurzum: Die Ozeane sind ein entscheidender Verbündeter und wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um sie zu schützen.

Die Versauerung und Erwärmung der Meere findet in einem alarmierenden Tempo statt.

Umso wichtiger wird diese Aufgabe angesichts der beispiellosen und unvorhersehbaren Bedrohungen, mit denen wir derzeit konfrontiert sind. Die Ozeane tragen zwar wesentlich zur Verlangsamung des Klimawandels bei – sie absorbierten über 30 Prozent der Treibhausgasemissionen und 90 Prozent der seit der Industriellen Revolution erzeugten überschüssigen Wärmeenergie – doch dies zu einem enormen Preis. Die Versauerung und Erwärmung der Meere findet in einem alarmierenden Tempo statt. Diese Entwicklung zeigt bereits gravierende Auswirkungen auf einige der wertvollsten unserer marinen Ökosysteme – und die Folgen werden sich nur noch weiter verstärken.

Große Teile der Welt erleben gegenwärtig das wohl stärkste El Niño-Phänomen seit Beginn der Aufzeichnungen. Diese  – ursprünglich im Pazifik auftretende, aber sämtliche Weltmeere betreffende – Wetterentwicklung verursacht widrige Witterungsverhältnisse, von denen 60 Millionen Menschen betroffen sein werden. Dadurch wird sich auch die bereits im Vorjahr verursachte Not noch weiter verschärfen. Das ist eine ernüchternde Erinnerung an unsere Verwundbarkeit gegenüber natürlichen und vom Menschen verursachten Schocks der Systeme dieser Erde. 

Aus Berichten geht hervor, dass in den Ozeanen bis 2025 auf drei Kilogramm Fisch ein Kilogramm Plastik kommen wird.

Doch trotz allem setzen wir die Schwächung unserer Ozeane durch die schonungslose Zerstörung von Lebensräumen und der Artenvielfalt, aber auch durch Überfischung und Verschmutzung, fort. Beunruhigenderweise geht aus jüngsten Berichten hervor, dass in den Ozeanen bis 2025 auf drei Kilogramm Fisch ein Kilogramm Plastik kommen wird. Grund dafür ist auch das chronische Versagen im Bereich globaler Ordnungspolitik. So wird beispielsweise ein Fünftel des aus den Ozeanen gewonnen Fischertrags illegal gefangen.

Es besteht also dringender Handlungsbedarf, aber nicht nur, um den Klimawandel im Allgemeinen durch die Senkung der Treibhausgasemissionen zu bekämpfen, sondern auch um die Gesundheit und Widerstandsfähigkeit unserer Ozeane zu verbessern. Glücklicherweise beschlossen führende Politikerinnen und Politiker der Welt im Jahr 2015 – einem entscheidenden Jahr hinsichtlich globaler Zusagen –, die Erhaltung und Wiederherstellung der Weltmeere zu einem bedeutenden Punkt der Agenda der Vereinten Nationen zu machen. Ihren Ausdruck findet diese Entscheidung in den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs).

SDG 14 verpflichtet die Staaten, der Überfischung ein Ende zu bereiten und die Verschmutzung durch Plastik einzudämmen.

Konkret verpflichtet SDG 14 die Staaten, der Überfischung ein Ende zu bereiten, illegale Fischerei zu unterbinden, mehr marine Schutzgebiete einzurichten, die Verschmutzung durch Plastik und andere Stoffe einzudämmen und die Resilienz der Ozeane gegenüber der Versauerung zu verbessern. Die Global Ocean Commission begrüßte diese tatkräftige Unterstützung dringender Maßnahmen zum Schutz der Meere, die auch mit jenen im Bericht der Global Ocean Commission aus dem Jahr 2014 unter dem Titel From Decline to Recovery: A Rescue Package for the Global Ocean über weite Strecken übereinstimmen.

Die Welt verfügt nun also über einen vereinbarten Fahrplan zur Erholung der Ozeane. Doch wie weit und wie rasch wir uns in Richtung dieses Zieles begeben, muss erst noch festgelegt werden. Und vor uns liegt eine immense Aufgabe, nämlich die großartigen und ehrgeizigen Zusagen in wirksame Zusammenarbeit auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene umzusetzen.

Erschwert wird diese Herausforderung bislang durch eine schwache und fragmentierte weltweite Global Governance in Bezug auf Ozeane. Im Gegensatz zu anderen SDGs – wie jene zu Gesundheit, Bildung oder Hunger –  gibt es in diesem Bereich keine internationale Institution, die sich hauptsächlich und ausschließlich um die Umsetzung des Meeres-SDGs kümmern soll. Aus diesem Grund ist auch nicht klar, wer für die Überwachung und die Messung des Fortschritts zuständig sein wird oder die Rechenschaftspflicht sicherstellen soll.

Im Juni 2017 wird eine hochrangige UN-Konferenz zum Thema Ozeane und Meere in Fidschi stattfinden.

Um sicherzugehen, dass SDG 14 nicht auf der Strecke bleibt, planen die Regierungen von Fidschi und Schweden die Einberufung einer hochrangig besetzten UN-Konferenz zum Thema Ozeane und Meere. Das Treffen soll mit schwedischer Unterstützung im Juni 2017 in Fidschi stattfinden. Dieser Vorschlag fand die Unterstützung von 95 Ländern und wurde am 22. Dezember 2015 in Resolution 70/226 der UN-Generalversammlung einstimmig angenommen.

Indem man die Aufmerksamkeit auf die Fortschritte in Richtung des Entwicklungsziels 14 lenkt und jene Bereiche herausstreicht, wo es an Ergebnissen mangelt, wird diese Konferenz ein dringend notwendiger „Moment der Rechenschaft” sein. Und weil man damit relevante Akteure an einen Tisch bringt, wird diese Konferenz gleichzeitig zu einer vertieften Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Zivilgesellschaft und Privatsektor beitragen.

Dabei handelt es sich um einen vielversprechenden Schritt nach vorn, in dem sich die enorme Dynamik widerspiegelt, die die Bemühungen zum Schutz der Ozeane in den letzten Jahren gewannen. Nun, da die Arbeit der Global Ocean Commission zu ihrem Abschluss kommt, werden ihre vielen Partner und Unterstützer alles daran setzen, diese Dynamik zu erhalten und sicherzustellen, dass resilienten Ozeanen weltweit so lange Priorität eingeräumt wird, bis diese Realität sind. Der Schlüssel zum Erfolg liegt laut dem Abschlussbericht der Global Ocean Commission in der Schaffung eines unabhängigen, transparenten Mechanismus zur Überwachung und Messung der Fortschritte sowie der Berichterstattung über die wichtigsten erforderlichen Maßnahmen, um die in SDG 14 formulierten Ziele zu erreichen. Darüber hinaus sollen zwischen heute und 2030 zusätzliche UN-Konferenzen stattfinden.

Gegenwärtige und zukünftige Generationen brauchen – und verdienen – gesunde und widerstandsfähige Ozeane. Das wachsende Bewusstsein für die Herausforderungen im Bereich des Schutzes der Meere – sowie das starke Bekenntnis zur Lösung des Problems – sind durchaus ermutigend. Aber das ist nur der Anfang. Es bleibt zu hoffen, dass 2016 sich als das Jahr erweisen wird, in dem ein neues Zeitalter der Regeneration der Ozeane eingeläutet wurde.

Der Artikel wurde verfasst von Isabella Lövin, Ratu Inoke Kubuabola und Trevor Manuel.

(c) Project Syndicate

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3 Leserbriefe

Konrad Kugler schrieb am 01.03.2016
Solange die Kassenbons und die abgebrochenen Salatblätter in den Einkaufswagen zurückgelassen werden, könnt ihr noch lange auf saubere Meere hoffen.
stadelmann paul schrieb am 03.03.2016
das traurige an der ganzen plastkabfall-sauerei ist, dass bis heut keine staatsführung es schaffte, diesesauerei zu stoppen. dasselbe gilt auch für einweg gebinde in glas oder plastik. dass man den pazifik mit so einer grässliche plastikinsel bestückt und niemand etwas unternehmen will, ja nich mal vor die uno gbracht hatte, zeigt den schlechten chrakter der politiker! irgendwann zerbröselt der plastik und wird von den meerestieren gefressen und dann............................... von uns............. und krankheiten?
Vadim schrieb am 14.03.2016
Das Problem sind die Menschen, die die Erde nicht als ihr Eigenes Zuhause betrachten, sondern als Haltestelle auf dem Weg ins Jenseits.

Wer sich für Immer auf der Erde einrichten würde, für sich und seine Kinder... der würde nicht wie ein Mieter, sondern Eigentümer handeln: Nachhaltig.