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Die Widersprüche des Wohlstands-Separatismus
Wie tickt die katalanische Unabhängigkeitsbewegung?

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Für die Unabhängigkeit gehen in Katalonien immer wieder Hunderttausende auf die Straße

In EU-Europa scheinen Sezessionen etwas Altertümliches an sich zu haben. Sie erinnern an die Zeit der Herausbildung und Konsolidierung von Nationalstaaten, die in der Europäischen Union zwar nicht verschwinden sollen, deren Bedeutung aber durch die europäische Integra­tion relati­viert wird. So jedenfalls das jahrzehntelang vorherrschende Paradigma. Die Wel­le von Se­zessionen, die Jugoslawien zerriss, stieß in EU-Europa auf Verwunderung, konn­te aber (eher zu Unrecht als zu Recht) mit den besonderen ethnischen Verhältnissen auf dem Bal­kan er­klärt wer­den. Doch auch innerhalb der EU sind separatistische Kräfte in den letzten Jah­ren stär­ker ge­worden: In Norditalien, Schottland, Flandern und Katalonien for­dern sie die Sezes­sion ihres Landesteils aus dem übergeordneten Staatsverband. Drei dieser vier sezes­si­ons­wil­ligen Regionen sind dabei reicher – in ihrer Selbstinterpretation: wirt­schaftlich lei­stungs­­fähiger – als der Staat, den sie verlassen wollen. Sie transferieren unfreiwil­lig einen Teil ihrer Ein­kom­men an ärmere Landesteile. Die geforderte Separa­tion ist also in drei von vier Fällen gleich­­be­deu­tend mit der of­fe­nen Auf­kündigung der materiellen Solidarität mit den ärmeren Bürgern des Gesamtstaates.

In gewisser Hinsicht se­hen sich viele Katalanen sogar als die „eigentlichen“ Europäer auf der Iberischen Halbinsel.

Die Umverteilung zwischen reicheren und ärmeren Regionen findet nicht nur in vielen demo­kra­tischen Staaten statt, sie ist auch ein Prinzip der EU, in der die regionalen Lebens­ver­hält­nis­se „gleichwertig“ sein sollen (was immer das heißt). Für Katalonien ist daher bemer­kens­wert, dass auf der einen Seite die geforderte Separation von Spanien wirtschaftlich be­grün­det wird: mit den „Fiskalsalden“ zwischen Region und Zentralstaat, also dem Verhältnis der ge­zahl­ten Steuern und bezogenen Leistungen. Für Katalonien soll dies negativ sein und zurzeit fünf Pro­zent des katalanischen Sozialprodukts ausmachen. Auf der anderen Seite ist die Unab­hängigkeitsbewegung (bis jetzt) aktiv pro-europäisch: Auf den großen Demonstrationen ist die euro­pä­ische Fahne fast ebenso allgegenwärtig wie die katalanische. In gewisser Hinsicht se­hen sich viele Katalanen sogar als die „eigentlichen“ Europäer auf der Iberischen Halbinsel. Ihre Re­gion gehörte zum Frankenreich, als Spanien noch von arabischen Herrschern regiert wurde.

Diese demonstrativ pro-europäische Haltung scheint mit dem offenen Wohlstands-Separatismus nicht recht zusammenzupassen. Und doch macht gerade diese innere Widersprüchlichkeit den Charakter der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung aus. Auf der einen Seite ist sie durch ein kleinkariertes Aufrechnen von Steuern und Infrastruktur-Kosten und auf der anderen Seite durch Massendemonstrationen und Menschenketten gekennzeichnet, de­nen ein genuin de­mo­kratischer Impuls kaum abgesprochen werden kann. Motto ist das „Recht auf Entschei­dung“ – auf die Entscheidung der Bürger darüber, in welchem Land sie leben wollen. Allerdings wird damit auch das Recht in Anspruch genommen, über eine radikale Veränderung der Lebens­­wirklichkeit anderer zu entscheiden. Nämlich über die Lebenswirklichkeit der wahrscheinlich starken Min­der­heit der Unab­hän­gigkeitsgeg­ner in Katalonien und der Spanier, Basken und Ga­li­zier in Spanien, deren ge­meinsamer Staat mit der Sezession Kataloniens um einen lebenswichtigen Teil am­pu­tiert wür­de.

 

Ein Produkt der Krise

Die katalanische Unabhängigkeitsbewegung in ihrer jetzigen Form ist jüngeren Datums – ob­wohl deren Protagonisten 300 Jahre der Ausbeutung durch „Kastilien“ beklagen. Sie ist ein Re­sultat der wirtschaftlichen Krise, in der Solidarität mit den ärmeren Regionen Spaniens ein untragbarer Lu­xus zu sein scheint. So wie Spanien in der Krise jede Ent­wicklungshilfe einstellte, so stellt Katalonien in der Krise die Hilfe für die weniger entwickel­ten Regionen Spaniens ein. Doch die Krise ist nicht allein wirtschaftlicher Natur, sie hat fast alle In­stitutionen und Akteure des Landes erfasst, von der Monarchie bis zu den bei­den gro­ßen, auf nationaler Ebene agierenden Parteien, von der Justiz bis zu den Medien. In einer generellen Glaubwürdigkeitskrise verlagert sich die Loyalität fast auto­ma­tisch auf neue Ak­teurs­gruppen, die nicht dem etablierten „System“ zuzurechnen sind. Die katalanische Unab­hän­gig­keits­be­we­gung ist nur eine dieser neuen Akteursgruppen. Andere sind die Jugendbewegung der „Empörten“, deren Partei aus dem Stand heraus zur viertstärksten Kraft wurde, oder die sogenannten „Ma­reas“, die oppo­si­tio­nellen „Ein­­punktbewegungen“, die Veränderungen im Gesundheits- oder Bil­dungswesen erzwin­gen wol­len. Zu erwähnen sind hier auch die sich radika­li­sierenden Nachbarschaftsorganisationen, Vereine, die sich unter normalen Umständen um die öffentlichen Belange des Stadtteils kümmern, 2014 aber mehrfach gewaltsamen Protest organisierten.

Für die Protagonisten der Unabhängigkeit können die Auseinandersetzungen kein anderes Er­geb­nis haben als eben die uneingeschränkte Unabhängigkeit – was Verhand­lun­gen im Grunde über­flüs­sig macht.

Zweitens ist die Unabhängigkeitsbewegung das Produkt zweier einander aufschaukelnder Na­tionalismen: des katalanischen und des spanischen. Katalysator der Bewegung war ein Urteil des spanischen Verfassungsgerichts, das Teile des im katalanischen und spanischen Parlament verab­schie­deten und durch ein Referendum in Katalonien bestätigten Autonomie-Status für ver­fassungs­widrig erklärte. Den Prozess eingeleitet hatte die die selbsternannte Verkörperung des spanischen Zentralstaats: die regierende konservative Volks­partei (PP). Auf das Urteil re­agierten die Katalanen mit der ersten großen Massendemonstration, an der sich am 10. Juli 2010 zwischen ei­ner und ein­einhalb Millionen Menschen beteiligten. Damit wurde eine Spirale der kontinuier­lichen Selbstüberbietung in Bewegung gesetzt: Immer mehr Menschen in immer längeren Men­­­schenketten und auf immer höheren Menschentürmen, immer mehr Fahnen, immer radi­ka­lere Forderungen.

 

Verhandlungen oder Zusammenstoß?

Am 9. November werden die Katalanen im Rahmen eines Referendums oder einer vorgezoge­nen Wahl entscheiden müssen, ob Katalonien ein Staat ist und ob dieser Staat unab­hängig sein soll. Das Referendum oder die Wahl schaffen keinen neuen Staat, sie sind eine Willens­kund­ge­bung und damit – im besten Fall – der Ausgangspunkt von Verhandlungen über den Austritt oder den Verbleib im spanischen Staatsverband. Doch das Klima für konstruktive Ver­handlungen ist denkbar schlecht. Für den Zentralstaat liegt der Verfassung eine „unteilbare spanische Na­tion“ zugrunde, die eine Sezession – und Verhandlungen über eine Sezession – grundsätzlich nicht zulässt. Und für die Protagonisten der Unabhängigkeit können die Auseinandersetzungen kein anderes Er­geb­nis haben als eben die uneingeschränkte Unabhängigkeit – was Verhand­lun­gen im Grunde über­flüs­sig macht.

Völlig offen ist, was geschieht, wenn es zu keiner Verhandlungslösung kommt, weder zu einer verhandelten Sezession nach dem Muster der Tschechoslowakei, noch zu einem verhandelten Verbleib Kataloniens in Spanien im Rahmen einer föderalen oder konföderalen Ordnung. Wird der Zentralstaat die Armee einsetzen, die Regional­regie­rung auflösen und die Autonomie au­ßer Kraft setzen? Werden die Protagonisten der Unabhängigkeit nach deren einseitiger Aus­ru­fung Straßen, Bahnhöfe und Grenzen be­setzen? Dann könnte sich das oft beschworene Bild des Ver­hältnisses zwi­schen Spanien und Katalonien als das zweier aufeinander zurasender Züge als an­­gemes­sene Beschreibung erweisen.

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50 Leserbriefe

Karl.D schrieb am 07.07.2014
Irgendwann werden auch deutsche Sozialdemokraten begreifen, dass das Selbstbestimmungsrecht auch für die Katalanen gilt. Ich hätte mir grade von einem sozialdemokratischen Medium zumindest rudimentäres Verständnis erhofft. Schade!
Loli R schrieb am 07.07.2014
Herr Ehrke,

Ich denke, Sie haben die katalanische Unabhängigkeitsbewegung nicht ganz begriffen. Es ist kein Produkt der Krise. Die Wurzeln liegen weit zurück und es ist hauptsächlich eine Frage der Identität, der Würde und der inakzeptablen Haltung Spaniens gegenüber Katalonien. 95% der Katalanen, die für die Unabhängigkeit sind, wären sogar bereit aus der EU rauszukommen solange Katalonien nicht mehr zu Spanien gehört. Es ist viel tiefer als nur Geld und politische Interessen....
Marta Salvador schrieb am 07.07.2014
Hallo Herr Ehrke,
Vielen Dank für Ihre Artikel über die aktuelle Situation in Katalonien. Durch die Macht im Ausland des spanischen Staates ist es für uns Katalanen besonders schwierig unsere Situation dort schildern zu können.
Als in Deutschland lebende Katalanin, lassen Sie mir aber zu einen paar Punkten meine Meinung äußern.
Sie meinen, die Nationen hätten im Rahmen der EU an Bedeutung verloren. Wie viele Deutschen würden auf ihre Staat verzichten und ein einem Megastaat (sagen wir einen französisch-deutschen Staat) eintreten? Obwohl immer mehr macht an der EU gegeben wird, würden nicht die Deutsche weiterhin ihre Schulsystem selbst bestimmen wollen? Oder ihre eigene Stimme in diesem neuen Machtzentrum Europa haben wollen?
Sie meinen, die Katalanen wollen nicht mehr solidarisch sein. Sollte Solidarität per Definition nicht eine eigene Entscheidung sein? Katalonien ist an sich solidarisch, wie Sie wohl in Bezug auf den Willen in der EU bemerken. Das oll sich aber in Massen halten und nach eine eigene Entscheidung stattfinden.
Schon in der Einleitung sprechen Sie von Gewalt... Im Text ist aber den Nachbarschaftsbewegungen zugeordnet. Warum ist diese Zuordnung in der Zusammenfassung nicht so klar? Die Katalanischeunabhängigkeitsbewegung ist zur 99,99999% absolut und radikal friedlich! Ich selbst war in der Demo am 11. September 2012 in Barcelona mit meinem 2 Monaten Baby. Es waren um die 1,5 Millionen Menschen auf der Straße. Wissen Sie wie viele Schaufenster gebrochen? Wie viele Mülleimer gebrannt? Wie viele Gewaltaktionen durch die Demostranten? 0, 0 und 0.
Damit will ich nicht sagen, dass wir Katalanen besser als jemanden wären. Wir sind nur ein Volk, der ein Willen hat: die Verantwortung für seine Zukunft selbst zu haben, die Werkzeuge selbst in der Hand zu haben, um die kommende Herausforderungen überwinden zu können. Nichts mehr und nichts weniger als viele andere Nationen, wie die Deutsche.
Und am Ende nur zu Erinnerung: für uns sind Katalanen alle Menschen die in Katalonien leben und Arbeiten, also auch hier nichts ethnisches, keine sprachliche Abgrenzung, keine Spür von abgrenzendes Nationalismus.
Vielen Dank nochmal für Ihren Beitrag und für die Möglichkeit, unsere Stimme über diesem Raum in Deutschland hörbar zur machen.
Mit freundlichen Grüßen,
Marta Salvador
Pro Minderheitenrechte schrieb am 07.07.2014
Ich bin eher zufällig in eine der Großdemonstretionen in Barcelona (11.9.2012) hineingeraten. Mein Eindruck war, dass sich eine Bevölkerungsgruppe dabei ist, sich zu emanzipieren, aufhören sich als Untergebene zu verstehen. Die Stimmung war durchaus mit der beim Fall der Mauer zu vergleichen. Das bisher Undenkbare scheint (historisch gesehen) plötzlich zum Greifen nahe. Seither verfolge ich interessiert die Entwicklung und habe mich auch einigermaßen mit den Hintergründen beschäftigt. Insgesamt finde ich es bedauerlich, dass die Bürgerbewegung als insoldarisch/egoistisch dargestellt wird. Wenn man es so sieht, waren auch die DDR-Bürger insolidarisch mit der Sowjetunion, die Gründerväter der USA auch höchst insolidarisch mit der britischen Krone, und erst recht Gandhi insolidarisch mit dem Empire etc. Nur ein Aspekt, worauf viel zu wenig hingewiesen wird: Wenn es dem spanischen Zentralstaat (d.h. PP, PSOE und auch UPyD) daum ginge die Katalanen zu überzeugen, el lohnt sich in Spanien zu bleiben, hätte er auf die Katalanen zukommen sollen (eine echte konföderative Lösung mit mehr Steuergrechtigkeit anbieten, z.B. Katalanisch als landesweit ofizielle Sprache, Zustimmung zu Katalanischem Auftritt bei internationalen Sportturnieren u.ä.) nichts davon ist passiert, vielmehr werden katalanischsprachige Fernsehsender geschlossen, der Madrider Bildungsminister setzt die Abschaffung der international gepriesenen katalanischen Bildungssystems ab, Die Regionalregierung muss den Spanischunterricht der Kinder, die es wünschen mit über 6000 €/Schuljahr dotieren und und und. In einem Land in dem Minderheitenrechte geachtet werden sieht es komplatt anders aus (s. Kanada oder Finnland).
Mein Eindruck ist, dass Spanien seine Conquista.Mentalität immer noch nicht überwunden hat. Es geht eben nicht um Werben um Einheit sondern um erzwingen dieser. Ich hoffe sehr, dass dies im 21. Jh. in der EU nicht mehr zu machen ist.

Sollen doch die Katalanen demokratisch entscheiden.

Wir, Europa sollten das Votum Kataloniens (wie auch des Baltikums oder Sloweniens) respektieren
D. Strauß schrieb am 07.07.2014
Ich stimme Karl D. zu. Es scheint immer wieder das Gleiche: die ausländischen Berichterstatter haben ihren Sitz in Madrid. Basis ihrer Berichterstattung sind die spanischen Medien oder Informationen auf Spanisch. Die allermeisten Journalisten sprechen offenbar kein katalanisch und können sich daher nicht aus erster Hand informieren. Das ist immer grenzwertig!
Mich würde interessieren, ob der Autor dieses Artikels katalanisch spricht? Denn nur anhand Quellen aus erster Hand ist es doch möglich, sich die grundlegenden Informationen anzueignen, um die Lage vor Ort einigermaßen sachlich darzustellen!
Für ein besseres Verständnis rund um das Thema Katalonien empfehle ich für alle, die kein katalanisch sprechen, die auf deutsch veröffentlichten Werke des renommmierten Professor Tilbert Stegmann. Ganz schnell liest sich das erst kürzlich veröffentlichte kleine Büchlein: "Katalonien. Der diskrete Charme der kleinen Staaten" von Tilbert Stegmann, Martí Sancliment-Solé (Hg.). Sehr empfehlenswert für einen schnellen und verständlich dargestellten Überblick über die Situation in Katalonien und die Intention der Katalanen, die Loslösung von Spanien zu fordern.
Jan Oliete schrieb am 07.07.2014
Ich kann mit der Beschreibung der Situation nicht zustimmen. Kann sein, dass die Krise die Unabhängigkeitsbewegung etwas verstärkt hat, aber die richtige Ursache ist die Lust der katalanischen Bevölkerung (oder eine Merhrheit von den) auf Selbstregierung. Es wurde mehrmals durch das legale Verfahren versucht, mit der Reform des Autonomiestatus, aber es schien verfassungswidrig zu sein. Die Mitteilung Spaniens an die katalanische Bevölkerung war deutlich: So wie sich die Katalanen in Spanien wohlfühlen würden geht einfach nicht. Die Reaktion der Bürger war dann ganz deutlich, und der Institutionelle Konflikt hat selbstverständlich eskaliert, aber man kann nicht sagen, dass es von der katalanischen Seite keine Versuche gegeben haben um aus dieser Situation mit einer sinnvollen Lösung rauszukommen.
Jan Oliete schrieb am 07.07.2014
Ich kann mit der Beschreibung der Situation nicht zustimmen. Kann sein, dass die Krise die Unabhängigkeitsbewegung etwas verstärkt hat, aber die richtige Ursache ist die Lust der katalanischen Bevölkerung (oder eine Merhrheit von den) auf Selbstregierung. Es wurde mehrmals durch das legale Verfahren versucht, mit der Reform des Autonomiestatus, aber es schien verfassungswidrig zu sein. Die Mitteilung Spaniens an die katalanische Bevölkerung war deutlich: So wie sich die Katalanen in Spanien wohlfühlen würden geht einfach nicht. Die Reaktion der Bürger war dann ganz deutlich, und der Institutionelle Konflikt hat selbstverständlich eskaliert, aber man kann nicht sagen, dass es von der katalanischen Seite keine Versuche gegeben haben um aus dieser Situation mit einer sinnvollen Lösung rauszukommen.
Bettina G. schrieb am 07.07.2014
Eine oberflaechliche Annaeherung an das Thema. Fuer die Bewegung massgebliche Fakten werden aussen vor gelassen.
Ann-Katrin G. schrieb am 08.07.2014
Als interessierter Leser bin ich verwirrt und frage mich, was Ihre Analyse wert ist, wenn hier im Forum so einhellig und so offensichtlich fundiert Zweifel an den Voraussetzungen und der umfassenden Betrachtung der Situation seitens des Autors angemeldet werden.
CLUSIUS schrieb am 08.07.2014
Ich verstehe gar nicht, warum sich manche Kommentaristen hier so aufregen, der Artikel diffamiert oder vereinfacht hier meiner Meinung nach die Unabhängigkeitsbewegung gar nicht! Es wird lediglich die schwierige bis aussichtslose Konstellation zwischen Zentralstaat und Regionalregierung dargestellt, dass die Bewegung älter ist als 2009 wird doch zu keinem Zeitpunkt bezweifelt!
J.R.! schrieb am 08.07.2014
Das katalanische Volk (und seine Regierungen) können nicht als unsolidarisch geschildert werden.
Ein Beispiel davon sind die jährlichen Spende-Aktionen die in Catalunya statt finden, wo mehr Spenden eingesammelt werden als in der Rest Spaniens.
Die Auseinandersetzung wird eher in der Form der Selbstfinanzierung und Selbstkontrolle der Staatskasse.
Es ist in sich widersprüchlich 5% des eigenes PIB nach Spanien zu "spendieren", und gleichzeitig in Catalunya das Bildungs- und Gesundheitssytems heftig kürzen zu müssen.
Bernd schrieb am 08.07.2014
Als Deutscher (Unternehmer) der in Katalonien lebt kann ich nur sagen, diese Art der Berichterstattung ist hochgradig tendenziös und bleibt sehr oberflächlich. Was Sie Separatismus nennen ist für mich das Recht zur Selbstbestimmung eines Volkes. Die Kommentare zu diesem Artikel scheinen deutlich besser recherchiert zu sein. Schlichtweg falsch ist, den Katalanen zunehmenden Radikalismus und Nationalismus vorzuwerfen. Radikale und faschistische Uebergriffe der Spanischen Polizei (insbesondere der Guardia civil, die in Katalonien zur Zeit Francos eine besondere Rolle gespielt hat ) sind leider häufig und Sie können sich gerne dazu die entsprechenden Videos auf Youtoube ansehen.
Das einzige was diese Leute verbrochen haben, war in der Oeffentlichkeit katalanisch zu sprechen.... (ich würde gerne ihre Beispiele für zunehmenden Radikalismus in Katalonien sehen, ......). Tatsächlich wird die katalanische Unabhängigkeitsbewegung von allen führenden Parteien von rechts nach links unterstützt. Es sind keineswegs radikale und faschistische Terroristen, sondern Familien, Arbeiter, Angestellte, Unternehmer, Arbeitslose, Lehrer, etc. All diesen Parteien ist der Wunsch nach Verbesserung und deutlich mehr Demokratie zu eigen und ich persönlich ziehe meinen Hut vor dieser friedlichen Bewegung die selbst auf Drohungen (nicht nur gegen katal. Politiker), Uebergriffe der Rechtsorgane, oder das bewusste Zurückhalten dringend benötigter Gelder für Katalonien sehr gelassen reagiert und dennoch in Ihrer Zielsetzung und ihre parteiübergreifende Zusammenarbeit für die Unabhängigkeit nicht aus dem Auge lässt.
Sie sehen den Grund für Ihren „Separatismus“ ind den wirtschaftlichen Folgen der Krise.
Dies ist nur eine sehr begrenzte Sichtweise, ich empfehle dringend einigen Recherechen zu folgenden Themen:

-Bombardierung katalanischer und baskischer Städte im Bürgerkrieg durch faschistische Allierte.
- Katalanen in Konzentrationslagern
- Bücherverbrennung und Verbot der katalanischen Sprache unter Franco
- Dazu passt dann auch sehr gut die Bildungsreform des Bildungsminister Wert und der erneute Versuch die katalanische Sprache aus den katalanischen Schulen zu verbannen.
- Tägliche Neuigkeiten zu den Korruptionsaffären der spanischen Regierung.
- Ein spanischer König der als Präsident des WWF Elefanten in Botswana schiesst.
- Drohungen, Beleidigungen und plumpe Gewaltanwendungen, durch Leute die für das Europaparlament kandidieren (i. einem Fall vorbestrafter Bombenattentäter), oder die den Rechtsorganen angehören.
- Zurückhalten dringend benötigter Gelder für Katalonien, um Druck auf die katalanische Regierung auszuüben.
- Todesdrohungen gegen katalanische Politiker.
- Seit Franco ein wirtschaftlicher Aderlass den keine Region in Europa in diesem Außmass je erfahren musste, dazu kommt dann oft der Hinweis einiger Politiker in Madrid das die Katalanen nicht solidarisch sind. Dies kann von einem Menschen der einen Taschenrecher benutzen kann nur als schlechter Witz verstanden werden.
- Eine immerweitere Zurückdrängung der grundlegenden demokratischen Rechte zur Versammlungsfreiheit und dem Recht auf freie Meinungsäusserung von der die Menschen in ganz Spanien betroffen sind.
- Das Vorhandensein einer nationalen Identität und der permanente Versuch der Unterdrückung dieser Identität.

Ich denke das der Wunsch nach Unabhängigkeit und Selbstbestimmung deutlich vielschichtiger und auch viel älter als ihr oben genannter Erklärungsversuch ist.
Geben Sie einem freien und demokratischem Katalonien eine Chance und schützen Sie das das Selbstbstimmungsrecht eines Volkes.
Loli R schrieb am 08.07.2014
Clusius,

Ich denke, es ist durchaus legitim Kritik zu üben. Soweit waren alle Kommentare ganz korrekt. Nichtsdestotrotz, als Katalanin muss ich bedauern, dass ein Politologe wie Herr Ehrke keinen besseren Artikel geschrieben hat. Sein Artikel widerspiegelt ganz und gar nicht die Realität Kataloniens.

Es wäre schön, wenn die IPG auch Artikeln von Katalanen (für oder gegen die Unabhängigkeit Kataloniens) und/oder von anderen Experten veröffentlichen würde.
Michael Mustermann schrieb am 08.07.2014
"Zuweilen wird auch Gewalt als Mittel zum Zweck eingesetzt"? Was meint oder was deutet Herr Ehrke damit an? Die Katalanische Bewegung ist friedlich und demokratisch, und sie deckt das gesamte politische Spektrum von rechts nacht links. Der Artikel scheint mir einseitig und oberflächlich. Ich habe höhere Erwartungen von der FES.
Walter schrieb am 09.07.2014
Lieber Herr Ehrke: wie so viele andere hier schon geschrieben haben bin ich davon überzeugt dass Sie leider nicht ein Unabhängigen Artikel geschrieben haben. Zu viele Meinungen von Presse und Medien aus Madrid haben ihnen eine Perspektive aus der Hauptstadt gegeben, aber in Wirklichkeit haben sie nichts von Katalonien und diese Bewegung erfasst und noch weniger verstanden.
Der Anfang von allem müssen sie in der Geschichte, um nicht 1000 Jahre zurück zu greifen, um 1714 und der "Decreto de Nueva Planta" vom König Felipe V zuordnen. Katalonien war in Wirklichkeit ein Staat im inneren der Spanischen Krone. Ein Beispiel von dem können sie in Ulm an der Fassade des Rathauses finden. Dort schon, erkennen sie die Fahne Katalonien mit der Beschriftung Catalunya. Aber gut. Seit Jahrzehnte und Jahrhunderte versucht Katalonien einen Platz im spanischem Staat zu finden in dem seine Kultur, Sprache, Traditionen und Strukturen geachtet und respektiert werden. Aber leider bis heute ist es nie so gewesen. Die Katalaner waren immer bereit auf vieles zu verzichten um geachtet zu werden. Aber immer ist es das Gegenteil. Im Bildungswesen hat Katalonien seit vielen vielen Jahren ein System aufgebaut das sowohl das Kenntnis der Katalanischer als auch Spanischen Sprache sichert. Ein System das Lob aus der ganzen Welt bekommen hat. Und doch versucht die Regierung jetzt dieses System zu boykottieren. Es gibt keine Spanische Sprache. Spanien hat 4 Hauptsprachen: Kastilianisch (aus Kastilien), Katalanisch (aus Katalonien), Galizisch (aus Galizien) und Baskisch (aus Baskenland). Aber man versucht immer wieder die Katalanische Sprache zu unterdrücken, die Bevölkerung so zu beeinflussen das es mit der Zeit verschwindet. Schon in der Region von Valencia ist es passiert, man versucht es mit grossem Nachdruck in den Balearen Inseln und in Katalonien. Diese Sprache hat 1000 Jahre überlebt, es gibt 8,5 Millionen Menschen die sie sprechen aber der jetzige Bildungsminister Wert will die Katalanischen Kinder hispanisieren. Der aktuelle President von Katalonien, her Artur Mas ist der Nummer 129. Sagen sie mir bitte, wie viele Saaten und Nationen der Welt können behaupten so viele gehabt zu haben? Spanien respektiert uns nicht. Im Gegenteil, die unterschätzen uns immer wieder und tun alles mögliche damit das immer weiter und weiter so geht. Vor einigen Jahren hat die Katalanische Regierung und Parlament ein neues Status (so zu sagen eine Art Grundgesetz von Katalonien) verabschiedet. Das Spanische Parlament in Madrid hat es verändert und einiges wichtiges dabei gestrichen. Dan wurde es modifiziert vom Spanischem Parlament (Bundestag) mit grosser Mehrheit verabschiedet und zum Ende und durch Volksabstimmung in Katalonien abgezeichnet. Einige Jahre später hat Spanische Gerichtshof entschieden das teile davon nicht rechtmässig seien. Ein Gerichtshof das Mehrheit von Nominierten Richter der Partei PP waren (diese Partei hatte dieses Status vor dem Gerichtshof gebracht). Wie kann es sein das ein Grundgesetz von Katalonien, das von der Bevölkerung abgezeichnet worden ist vor irgend welchem Gericht verändert wird? Das ist Demokratie? In der Schweiz, wenn eine Abstimmung gegen das Grundgesetz stimmt, muss dieses Grundgesetz verändert und adaptiert werden. Aber in Spanien wird es einfach so gemacht das alles was die Katalaner entscheiden einfach nicht von Bedeutung ist. Diese Entscheidung war massgebend um der Unabhängigkeitsbewegung so einen Schub zu geben das es Heute nicht mehr aufzuhalten ist. Es ist die Geringschätzung eines Grundgesetzes die die Katalaner abgestimmt haben. Un diese Geringschätzung gegen über alles was nach Katalonien riecht ist in Spanien sehr verbreitet weil dieses Land weiterhin ein Zentralstaat ist. Katalonien hat 16% der Bevölkerung, 20% der BIP Spaniens und bezahlt 25% aller Einnahem des Staates. dafür bekommt Katalonien gerade mal 13% Ressourcen. Jedes Jahr gehen daher rund 15 bis 18 Milliarden Euro verloren, als Solidarität. Das entspricht zwischen 7 und 9% jährlich des BIP von Katalonien. Es gibt Kinder in Schulen von Regionen die mehr erhalten als die bezahlen, die haben jedes einzelne einen Notebook von der Regionalregierung gekauft. Hier in Katalonien kann man dies nicht tun da die Mitteln dafür fehlen, da diese zu diesen anderen Regionen geflossen sind. Wie kann es sein das die fehlenden Mitteln vom spanischem Staat an Katalonien fliessen und dafür Zinsen verlangt werden, wo doch dieser Staat 15 Milliarden von den Katalaner behalten hat...?
Herr Ehrke: Ich empfehle Ihnen einige Jahre in Katalonien zu leben, in Barcelona oder irgend eine andere Stadt oder Dorf. Sich mit unserer Kultur, Geschichte, Traditionen und Strukturen bekannt zu machen. Leider ist Ihr Artikel absolut auf Falschem Grund gebaut, weil sie leider diesen aus Madrid geschrieben haben, ohne sich im geringsten dafür zu interessieren was eigentlich in Katalonien wirklich los ist. Sie sind von denen die meinen das 1,5 oder 2 Millionen in der Strasse eigentlich eine Minderheit ist. Sagen sie mir mal eines: Wann hat es in Deutschland eine Demonstration gegeben die solche Zahlen vorzuweisen hatten? Un dass in einer Nation die etwas über 7,5 Millionen Einwohner hat!!
Pere Grau schrieb am 10.07.2014
Karl D. bedauert dass ein sozialdemokratisches Medium so ein mangelhaftes Artikel veröffentlichen kann. Ich nehme an, dass der Autor von den spanischen Sozialisten der PSOE sehr beeinflusst wurde, die (in eine Linie mit der konservativer PP) sich gegen die Wünsche der Mehrheit der Katalanen (auch von immer mehr der spanischsprechenden) positioniert hat. Als Ergebnis: der katalanische Ableger der PSOE (die PSC) hat zwei Drittel ihrer Wähler verloren und ist in einen unaufhaltsamer Spaltungsprozess geraten.
Simon schrieb am 10.07.2014
Na, das sind ja offenbar hier alles ganz spontane Leserzuschriften...
Marta Salvador schrieb am 11.07.2014
@Simon und M.Woydt:
Ich habe in meinem Brief für mich gesprochen (wie man gut aus den Anzahl der Typos und gramatikalischen Fehlern herzuleiten ist) und bin überzeugt, dass die andere Leserbriefe (auch wenn sie formell korrekter sind) auch den gleichen Charakter haben.
Das ist letztendlich die Stärke des katalanischen Independentismus: es ist aus dem "Volk" geboren, es ist die normale Leute, die es treibt. Die Politiker machen nichts mehr, als den Willen der Leute zu folgen (nur im Rande: so sollte es immer sein, oder?).
Bernd schrieb am 11.07.2014
@ M.Woydt
Dies ist eine sehr kuriose Verwendung des Begriffs "Lobbyismus".
5,5 Millionen Lobbyisten bei 7,5 Mill Einwohnern......

Aber für Menschen die wirklich interessiert sind empfehle ich
https://www.youtube.com/watch?v=65dkCds920I&list=PLB4A0E90E8EA2D772&index=3

Hier wird deutlich besser die Situation von englischer Seite analysiert. (video englisch)
Loli R schrieb am 11.07.2014
Ich finde es armseeling, dass man unsere Kommentare als ¨gut geölte Lobbymaschine¨ bezeichnet. Ich bin ein ganz normaler Mensch, kein Politiker und ich arbeite für niemanden. Ich bin eine in Deutschland aufgewachsene Katalanin, die gerne ihre Meinung äussern möchte. Wenn niemand schreiben würde, dann würde man behaupten, das katalanische Volk interessiert sich nicht für die Unabhängigkeitsbewegung. Wenn man schreibt, dass sind wir Lobbyisten. Ganz ehrlich, egal was wir tun, es wird immer falsch sein, weil manche Leute uns gar nicht verstehen wollen, was an sich bedauernswert ist. Herr Ehrke spricht kein Katalanisch und lebt nicht in Katalonien. Er kennt die aktuelle Lage Kataloniens nicht aus erster Hand. Die meisten Kommentaristen schon. Wer ist glaubwürdiger? Der Kommentar ist respektlos und unpassend.
Antonio schrieb am 26.07.2014
Unglaublich, obwohl der spanische Staat die Katalanen soooo schlecht behandelt, haben diese es geschafft eine der wohlhabendsten Regionen Spanien aufzubauen...
Katalonien ist übrigen reicher als die angrenzenden südfranzösischen Departements, so sehr werden die armen Katalanen ausgebeutet...
Dass ihr Reichtum gerade auf Grund ihrer Integration in Spanien möglich wurde, auf die Idee kommt in Katalonien anscheinend niemand.

Spanien ist sooo intolerant, und trotzdem gibt katalanische Abgeordnete im spanischen Parlament die die katalanische Unabhängigkeit befürworten, trotzdem wird an katalanischen Schulen und Universitäten fast ausschließlich auf katalanisch gelehrt (obwohl nach 36 Jahren Autonomie immer noch Spanisch die Sprache Nr. 1 ist in Katalonien), trotzdem gibt es sehr viele katalanische Radio- und Fernsehsender und Zeitungen.

Das "Recht zu entscheiden": Alle Parteien die seit 1978 in Spanien (Zentralregierung) an der Macht waren sind auch in Katalonien zur Wahl angetreten und haben auch dort Stimmen und Abgeordnete erreicht.
Seit 1978 haben nationalistische katalanische, baskische, galicische und kanarische Parteien Minderheitsregierungen (von PP und PSOE) unterstützt und so mindestens 15 Jahre Spanien mitregiert.
So funktioniert eine Demokratie. Demokratie, das ist Selbstbestimmung.
Das Referendum ist reiner Populismus.
Seit Jahren wird den Bürgern in Katalonien vermittelt Spanien sei für alles Schlechte verantwortlich. Für alles was in Spanien vor und während der Krise schiefgegangen ist sind angeblich nur die großen gesamtspanischen Parteien verantwortlich. Die nationalistischen katalanischen, baskischen, galicischen und kanarischen Parteien haben ja immer geschickt mitregiert aber ohne Regierungsverantwortung zu übernehmen...

Dass die katalanische Polizei eine Vielzahl von gerichtlich festgestellten Menschenrechtsverletzungen anhäuft (Gewalt bei Festnahmen und während des Polizeigewahrsams), daran ist offensichtlich kein katalanischer Politiker Schuld...

In der zukünftigen unabhängigen Katalanischen Republik soll alles viel besser sein. Höhere Löhne, niedrigere Steuern, mehr Gleichheit für Frauen, schnellere Einbürgerung der Ausländer, alles populistische Versprechen...

Und jetzt das Seltsamste: In anderen mehrsprachigen Regionen in Spanien (mit Ausnahme des Baskenlands) gibt es kaum Unabhängigkeitsbestrebungen. Wahrscheinlich fehlt es an machthungrigen und korrupten Politikern die über steuersubventionierte Regionalmedien seit Jahrzehnten Stimmung gegen die Zentralregierung und den Rest Spaniens machen. Davon gibt es in Katalonien genug.
Marta schrieb am 28.07.2014
Antonio, nur ein paar Punkte zu deinem Kommentar.

Die Attacke an TV3 (der offentliche katalanische TV Sender). Wenn man Zuschauerzahlen schaut, sind die spanisch Sprechenden Sender, die meist gesehene. Was ist dann los? Wenn wir annehmen, dass die Umfragen recht haben und mehr als die Hälfte der Bevolkerung für die Unabhängigkeit ist (ich würde nur all zu gerne, die Umfragen über eine Abstimmung prüffen lassen!), heißt es, dass Leute die spanische Sender anschauen, auch diese Meinung sind (!!!). also, doch nicht alles Manipulation!

Und das Wohlgehen Kataloniens... stellen Sie sich vor, Katalonien würde nicht über 1.000 Millionen Euro jedes Jahr unbegrundet an Spanien "schenken", wie von der von spanischen Regierung von kurzem veroffentlichten "Balanzas Fiscales" zugegeben. Wie würde es dieser Region gehen? Katalonien hat eine sehr starke Industrie, viel Tourismus und eine weltweit annerkannte Stadt-Marke mit Barcelona, und das ganze TROTZ der Maßnahmen der spanischen Regierung!!

Abgesehen davon, geht es nicht nur um Geld. Der Druck auf die katalanische Kultur und Sprachen ist der Grund, warum die ganze Bewegung nicht nur mit dem Kopf dabei ist, sondern mit dem Herz!

Die katalanische Republik wird kein Paradies sein, das ist klar. Noch viel klarer und eindeutiger ist aber, dass das bleiben in Spanien mit Erniedrigungen unsere Kultur und Ungerechtige Behandlung auf ökonomische wie diplomatische Seite verbunden wäre.

Sagen Sie mir nur: warum sollten wir bleiben wollen?
Antonio schrieb am 28.07.2014
Liebe Marta,
das Fernsehen ist wichtig, bestimmt aber nicht allein die Meinungsbildung.

Sie behaupten es werden 1 Milliarde Euro jedes Jahr unbegründet geschenkt. Das nennt man Solidarität.
In jeder Gesellschaft gibt es Einkommensunterschiede, auch territorial gesehen, auch in Italien oder in den USA. Oder im Zentralstaat Frankreich, wo es auch sprachliche Minderheiten mit sehr viel weniger Rechten und Autonomie gibt. Wenn das ein Grund wäre für Separatismus, dann müsste sich Madrid auch ganz schnell für unabhängig erklären, die Madrilenen zahlen nämlich noch mehr als die Katalanen! Aber auch Bayern und Baden-Württemberg, der Süden Englands mit London.
Die Reichen stoßen also die Armen ab, super, das wird ja eine tolle Republik! Dann sollten auch chronisch Kranke aus der allgemeinen Krankenversicherung ausgeschlossen werden und Menschen ohne Berufsausbildung aus der Arbeitslosenversicherung. Solidarität und Umverteilung ist ja sooo schlecht...
Sollte der Osten Deutschlands auch abgestoßen werden? Die erhalten ja auch "unbegründet" Geld geschenkt...

Der Tourismus in Katalonien ist also nur den Katalanen zu verdanken? Und der auf den Balearen, in Murcia, auf den Kanaren, in Andalusien und Valencia? Und der Jakobsweg in Nordwestspanien? Wer hat die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen? Der schlechte spanische Staat, der übrigens die Olympischen Spiele in Barcelona vorbehaltslos unterstützt hat, so wurde die Marke "Barcelona" weltbekannt und nebenbei die ganze Stadt auf Vordermann gebracht.

Druck auf katalanische Sprache und Kultur? Wer versucht denn in Katalonien eine rein katalanischsprachige Gesellschaft zu schaffen und so die ganze Gesellschaft umzukrempeln? Das ist typisch für totalitäre Regime!
Spanischsprachige Kleinstunternehmer in Katalonien werden mit Bußgeldern überzogen wenn sie in ihrem Geschäft nicht katalanisch benutzen.
Die katalanische Regionalregierung benutzt kaum spanisch in ihren Medien und subventioniert nur katalanischsprachige Medien obwohl für die Hälfte der Bevölkerung spanisch die Umgangssprache ist!!

Sind das die Anfänge einer besseren Gesellschaft, die dann in einer Katalanischen Republik vollendet werden soll? NEIN DANKE

Separatismus als Allheilmittel, das ist reiner Populismus. Die Probleme einer Gesellschaft löst man so nicht.
Weil der reiche Teil einer Gesellschaft sich nicht vom ärmeren Teil lösen kann, deshalb werden Sie bleiben und weil komplexe Probleme komplexe Lösungen verlangen, deshalb sollten Sie bleiben wollen.
Marta schrieb am 28.07.2014
Lieber Antonio,

Ich könnte zu jeder Ihre Argumente ein Contra schreiben. Ich hatte es eigentlich gemacht, aber ich glaube nicht, dass es uns weiter bringt.
Sie werden Ihre Meinung nicht ändern, ich meine auch nicht (und ich glaube, dass keiner anderer diesen alten Artikel heute noch liest ;) )

Und das bringt mir zum 9. November:
Warum nicht die Leute fragen, wie sie es empfinden?
Warum nicht jede Seite seine Argumente grundlich vorstellen lassen?
Bernd schrieb am 28.07.2014
Sehr geehrter Antonio
Sie bezeichnen Katalonien als reichste Provinz von Spanien,
dies ist keider die Unwahrheit !. Katalonien ist wie Sie eigentlich wissen sollten mit
44 Mrd (Stand: April 2014 ) die Region mit der höchsten Verschuldung innerhalb von Spanien und sicherlich auch auf Einwohner gerechnet europaweit. Um zu behaupten dies sei die reichste Region Spaniens muss man schon ein schlechter Oekonom oder ein verrückter Bänker sein. Unter einer solch verqueren volkswirtschaftlichen Sichtweise werden wir in Europa vermutlich auch zukünftig zu leiden haben, diese hier betriebene Dialektik ist für einen wirtschaftlich denkenden Menschen aber eine Beleidigung (oder einfach die Unwahrheit). Tatsache ist, das Katalonien die exportstärkte Region Spaniens ist (z.B. ueber 60 % deutscher Unternehmer in Spanien haben ihren Sitz in Katalonien), aber das hier verdiente Geld aber nicht in Katalonien verbleibt und nur spärlich und in einem viel zu geringen Umfang zurückfliesst. Gleichzeitig wird Katalonien immer wieder fehlende Solidarität vorgeworfen dies ist nicht nur Ignoranz....das ist Sarkasmus.
Ironischerweise hatten Sie tatsächlich einen guten Einfluß auf die katalonische Wirtschaft,
als in Spanien 2005 zum Boykott katalanischen Cava (Sekt) aufgerufen wurde, haben sich die katalanischen Unternehmer verstärkt auf den innereuropäischen Export konzentriert. Heute finden Sie den katalanischen Cava nicht nur europaweit in jedem Supermarkt.
Erwarten Sie hierfür ein Dankeschön von den katalanischen Unternehmern ?
Auch heute wird wieder zum Boykott katalanischer Produkte aufgerufen, aber es sind durchaus auch zahlreiche europäische Unternehmer betroffen die ihren Sitz in Katalonien haben. (Sende auf Wunsch die dementspr. Quellen)
Aber es sind nicht nur finanzielle Aspekte ich bin mir sicher das allen Katalanen klar ist, das Sie die in spanische Rentenversicherung eingezahlten Beiträge nie mehr wiedersehen sollte es zur Unabhängigkeit kommen.
Ein wesentlicher Bestandteil einer Demokratie ist der Schutz der Minderheiten, es gibt dazu durchaus Beispiele in Europa die gut funktionieren, aber diese basieren immer auf gegenseitigem Respekt. Um es mal „sooo“ zu sagen:
Wo waren die spanischen Demokraten denn als baskische und katalanische Städte von fasch. Allierten von Franco zerbombt wurden ? (Gab es je eine Entschuldigung ?)
Wo waren die spanischen Demokraten als es verboten wurde katalanisch zu sprechen und katalanische Bücher verbrannt wurden. Das Verbot in Katalanisch zu publizieren wurde bis
1978 (3 Jahre nach dem Tod Francos) aufrechterhalten.
Wo waren die spanischen Demokraten als die Verwendung der katalanischen Sprache ausreichender Grund war um im Gefängnis zu verschwinden.
Wo sind die spanischen Demokraten denn wenn es in Fusballstadien Hakenkreuzfahnen erlaubt sind, aber Besitzer katalanischer Fahnen eingesperrt werden (ihre Fälle von Widerstand gegen die Staatsgewalt ?)
Wo sind die spanischen Demokraten denn wenn in Katalonien der wirtschaftliche Aderlass die Region vernichtet und offz. Quellen von mangelnder Solidarität reden. (Das ist in der Tat der von Ihnen kritisierte Populismus, denn ich durchaus als Propaganda bezeichnen würde)
Wo sind die spanischen Demokraten denn wenn grundsätzliche demokratische Rechte bis zur unkenntlichkeit eingeschränkt werden (Recht auf Privatspähre, Versammlungsfreiheit und freie Meinungsäußerung).
Nein wehrter Antonio ihre Sichtweise von Wirtschaft und Demokratie deckt sich nicht mit der meinen und auch ich bin mir sicher, Sie nicht zu überzeugen, aber ich kann an die demokratisch orientierten Kräfte in Europa nur appellieren sich selbst zu informieren und sich nicht vom plumper Propaganda einlullen zu lassen.
Antonio schrieb am 28.07.2014
Genau, und hat denn die Landesregierung aller Katalanen allen Seiten diese Möglichkeit gegeben (ihre Argumente gründlich darzustellen) oder bevorzugt sie nicht immer eine Seite? Schließlich ist CiU die ganze Sache aus dem Ruder gelaufen und am Ende wird doch nur um mehr Geld und Macht verhandelt werden...
Antonio schrieb am 29.07.2014
Sehr geehrter Bernd,
offensichtlich sind Sie längerer Zeit der katalanisch-nationalistischen Propaganda ausgesetzt gewesen, deshalb fehlt es Ihnen an gesamtspanischer und gesamteuropäischer Perspektive.
Reich, leistungsstark oder exportstärkste Region (nicht PROVINZ), Sie betreiben Haarspalterei und am Ende geben Sie zu, dass ich Recht habe, nur dass der Rückfluss der katalanischen Steuergelder zu gering ist.

In der Tat ist die katalanische Regionalregierung ein Beispiel dafür wie unverantwortlich Steuergelder verschwendet werden und dann für die Finanzmisere andere verantwortlich gemacht werden.
SIEBEN öffentlich-rechtliche Fernsehsender und VIER öffentlich-rechtliche Radiosender für ca. 7,5 Millionen Menschen. Kein Wunder, dass so die Verschuldung hoch ist. Dazu kommen Landesvertretungen in Berlin, London, New York, usw.
(Der Etat der katalanischen öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Radiosender ist dem des spanischen öffentlich-rechtlichen Fernsehens praktisch ebenbürtig, allerdings ist letzteres auf 45 Millionen Bürger ausgerichtet und in ganz Lateinamerika als neutrale Informationsquelle geschätzt.)

Tatsächlich haben sich viele ausländische Unternehmen in Katalonien angesiedelt. Super! Bestimmt weil alle politischen Machtzentren (von der Zentralregierung, über die Regionalregierung bis zu den Gemeinden) dies gefördert haben oder sich zumindest nicht quergestellt haben. Barcelona ist übrigens DIE STADT weltweit (einschließlich Lateinamerika) für Bücher und Zeitschriften die in SPANISCHER Sprache herausgegeben werden.
Katalonien ist ein Topstandort für ausländische Unternehmen die die in ganz Spanien präsent sein wollen. Und die spanische Zentralregierung hat kein bisschen dazu beigetragen? Unglaublich...

Zum Franco-Regime (hier merkt man leider, dass Sie große Wissenslücken haben):
Der Diktator Franco (der aus Galicien stammt, also selber einer Sprachminderheit angehörte) hat Menschenrechtsverletzungen gegen alle Menschen in Spanien begangen, vor allem gegen Personen die sich links der Mitte positionierten. Und er hat auch die baskische, galicische und katalanische Sprache unterdrückt.
Deshalb werden auch in unserer Verfassung von 1978 diese Regionalsprachen anerkannt und geschützt. Die Verfassung wurde auch in Katalonien mit über 85 % angenommen. (So nebenbei: Über unsere Verfassung hat das Volk abgestimmt. Das deutsche Grundgesetz wurde durch die Bundesländer angenommen. So viel zur unterschwelligen Behauptung Referendum=Demokratie, die einige Leser geäußert gehaben. Auch die Verfassung der USA und die nicht kodifizierte "Verfassung" des Vereinigten Königreichs wurden NIE dem Volk vorgelegt, trotzdem sind es vollwertige Demokratien).

Als die Franco-Truppen in Katalonien ankamen, wo waren da die spanischen Demokraten?
Franco hatte sich fast DREI Jahre lang durch den Rest Spaniens durchgekämpft, als er letztendlich in Katalonien ankam (Ihre Fragestellung suggeriert, dass Franco direkt in Katalonien eingefallen ist und der Rest Spaniens nichts dagegen unternommen hat).
Viele Demokraten waren bereits tot. Andere waren in Konzentrationslagern in anderen Teilen Spaniens. Andere sind mit den republikanischen Truppen nach Katalonien geflohen und haben dort weitergekämpft. Andere haben Widerstandszellen gegründet und haben das Francoregime bis Ende der 40er Jahre zum Teil militärisch bekämpft. Andere wiederum sind zuerst nach Frankreich und dann nach England und Nordafrika geflohen und haben unter de Gaulle mitgekämpft und Frankreich befreit. So viel zu den spanischen (einschließlich den katalanischen) Demokraten.
Hier merkt man leider, dass Sie ein Opfer der katalanisch-nationalistischen Geschichtsverfälschung und -vereinfachung sind.

Dass das demokratische Spanien die Minderheitenrechte respektieren würde, dass war in der Opposition des Francoregimes übrigen Konsens.
Von den neun Verfassern der spanischen Verfassung von 1978 waren übrigens 7 Katalanen (Kommunisten, Sozialisten, Konservative, gemäßigte Nationalisten).

Sie rügen die Versammlungsfreiheit in Spanien: Anders als in Deutschland, kann die Polizei in Spanien keine Platzverweise aussprechen und den vorläufigen Gewahrsam gibt es in Spanien auch nicht.

Wie gesagt, mehr pluralistische Information und weniger Propaganda, da haben Sie ganz Recht, nur zu, lesen Sie ruhig Medien die nicht von katalanischen Nationalisten subventioniert werden!
Bernd schrieb am 29.07.2014
Sehr geehrter Herr Antonio
Ein weiterer typischer Populismus (und wissentlich die Unwahrheit), „Der Grund der katalanischen Verschuldung liegt in der katalanischen Steuerverschwendung“ glücklicherweise sind die Gründe von führenden Finanzzeitungen FT, Handelsblatt und auch von unabhängigen internationalen Instituten untersucht worden. Es gibt denke ich auch die dementspr. Untersuchungen in Madrid (bevor Sie wieder von katalanischen Nationalisten reden)
Dort können Sie so etwas nachlesen.
„......weil nach dem jetzigen Finanzmodell Katalonien jährlich 8 bis 10 Prozent seines Bruttoinlandproduktes an den spanischen Staat abgeben muss, was in Katalonien zu einem jährlichen Verlust von rund 22 Milliarden Euro führt und einer wirtschaftlichen Erstickung des Landes gleichkommt. „

Ich denke das viele Katalanen folgendes Gefühl haben
-Es ist nicht nur das die Kuh gemolken wird, sie wird auch noch beleidigt.

Sehr schön das es im übrigen Spanien keine Steuerverschwendung gibt und sich
Die Medien die Korruptionsaffären der Regierungspartei nur ausdenken.
Pro Minderheitenrechte schrieb am 29.07.2014
Wie kommt es, wenn es sich um nationalistische Propaganda handeln soll von Seiten der Katalanen, dass ausländische Intellektuelle und Künstler diese Überzeugender finden als Ihre "soooo" demokratische Position. Schauen Sie sich an wer sich alles beteiligt hat an der Concert per la Llibertat 2013 (Basken, Galizier, Palestinenser, Amerikaner, Deutsche, Italiener.....) Wohl alles hirngewaschene indoktrinierte katalanische Nationalisten. Auf der anderen Seite gibt es Institutionen, die die "spanische Demokratie" hochhalten, wie FAES oder gar die Stiftung Francisco Franco (undenkbar in Deutschland eine Stiftung Adolf Hitler). Ich frage mich als einer, der von außen aufs Ganze schaut, wer ist (viel mehr) indoktriniert? Ich halte es mit Matthew Tree, der sagt, viele Spanier, anscheinend auch Sie Hr. Antonio geraten an die Grenzen Ihrer Vorstellungskraft, wenn es darum geht, dass es Katalanen als eigenständiges Volk gibt, die es sehr wohl selbst bestimmen dürfen was sie wollen. Als würde man mit streng religiösen Menschen reden die bei jeglichen Argumenten nur die eigene Litanei abspulen können. Mir zumindest fehlt das Verständnis dafür, wieso sollte Spanien die älteste Nation überhaupt sein? Wieso sollte Katalonien immer spanisch bleiben müssen? Meiner Ansicht nach ist das Problem, dass viele Spanier denken Katalonien wäre Spanien, und wenn es den Katalanen nicht gefiele, mögen sie gehen. Was die übersehen ist, dass das Land der Bevölkerung gehört (Allen, die dort leben!) = Demokratie.
Marta schrieb am 30.07.2014
Bernd, ich würde es noch weiter drehen:

Wir sind nicht nur die Kuh, die beleidigt wird, wir werden auch noch extrem gemolken und es wird erwartet, dass wir dabei lächeln und bedanken.

Ich weiss, ich hatte mich schon zurückgezogen... aber:

Zu dem Kommentar zu offentlichen Sender:
Unsere Medien sind eine Wiederspiegelung unserer Kultur, die (Ja) unterstützt werden soll. Spanien hätte gerne regionalistische Fernsehersender, in der man nur Sardanes und Havaneres gezeigt werden würde.
Katalonien hat sich aber für einen weltoffenen Programm mit höhster Qualität entschieden und das mit großem Erfolg.

Zu der Landesvertretung im Ausland:
http://www.dondevanmisimpuestos.es/ccaa/
Katalonien ist beim weiten nicht in der Spitze dabei...

Zu der (nach den spanishen Geschmack gekochte) Cuentas Territorializadas, lesen Sie Artikeln wie folgenden:
http://elpais.com/elpais/2014/07/23/opinion/1406136555_279109.html
http://www.ara.cat/en/to-Hide-Huge-Deficit_0_1183081869.html
Selbst Herr de la Fuente gibt zu, Ungerechtigkeit in der Verteilung endeckt zu haben. Und dabei hat er alles mögliche Tricks benutzt, um diese zu verstecken...

In bestimte Punkten kann man einer oder einer anderer Meinung sein, aber Fakten sind Fakten.
Antonio schrieb am 30.07.2014
An Pro Minderheitenrechte:

Ausländische Intellektuelle und Künstler nehmen an einem Konzert teil? Was soll das bitte belegen oder beweisen? Doch nur dass Lobbyarbeit gemacht wurde und dass die sogenannten "Völker ohne Staat" zusammenarbeiten...
Und viele haben die auch bitter nötig (siehe Gaza). Die gemäßigten katalanischen und baskischen nationalistischen Parteien hätten dies aber nicht nötig, denn sie sind Regierungsparteien, in der eigenen Region und über viele Jahre auch in der Zentralregierung (als Mehrheitsbeschaffer). Dass sie sich als Unterdrückte und Opfer darstellen, das wird ihnen nur noch im Ausland abgenommen.
In Spanien gibt es auch noch andere mehrsprachige Regionen, aber ohne nennenswerte Unabhängigkeitsbefürworter. Warum?

Die Stiftung Francisco Franco hat in Spanien Null Relevanz, wird von allen seriösen Medien in ganz Spanien ignoriert und soweit ich weiß hat diese Stiftung auch keine nennenswerten Beiträge zur gegenwärtigen Debatte gemacht. Bis 1992 gab es übrigens in Deutschland eine "Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der Angehörigen der ehemaligen Waffen-SS", in Österreich gibt es immer noch eine "Kameradschaft IV der Waffen-SS" und was beweist das? Die NPD im Europaparlament: Heißt dies das die BRD auf einmal keine Demokratie mehr ist und dass sich Bayern oder Ostfriesland abspalten sollten?

Dass alle Gegner der katalanischen Nationalisten Faschisten sind, dass ist übrigens eins der Hauptargumente der katalanischen Nationalisten und auch ein gängiges Schimpfwort für deren Gegner in Katalonien... So viel zu deren Demokratieverständnis. Alle guten Katalanen müssen ja Nationalisten sein.

1978 haben katalanische Politiker aus allen politischen Richtungen an der spanischen Verfassung mitgeschrieben, die Verfassung wurde mit 85 % in Katalonien angenommen und auf ein Mal sind die Katalanen ein eigenständiges Volk und nicht mehr an die Verfassung gebunden? Offensichtlich eine ganz spontane Entwicklung...

Was ist übrigens mit den Rechten der spanischsprachigen Mehrheit in Katalonien? Die werden ja bald zur Minderheit in der unabhängigen Republik Katalonien, wenn das ideologische Umformen der Gesellschaft so weitergeht.
Wie werden übrigens Regimekritiker wie Albert Boadella (katalanische Theatergruppe Els Joglars) in Katalonien behandelt? Zuerst musste er vor dem Francoregime flüchten, jetzt ist er durch das Regime in Katalonien geächtet, wirklich sehr pluralistisch und demokratisch.
Eine neue Gesellschaft, bessere und neue Menschen, dass wollten im 20. Jahrhundert viele totalitäre Regimes auch...
Was ist mit der expansionistischen Politik der katalanischen Nationalisten in Valencia, den Balearen, dem Ostteils Aragons, Andorra und dem Roussillon (Südfrankreich!)? Wehret den Anfängen...

Sie sagen: "Mir zumindest fehlt das Verständnis dafür, wieso sollte Spanien die älteste Nation überhaupt sein? Wieso sollte Katalonien immer spanisch bleiben müssen? Meiner Ansicht nach ist das Problem, dass viele Spanier denken Katalonien wäre Spanien, und wenn es den Katalanen nicht gefiele, mögen sie gehen. Was die übersehen ist, dass das Land der Bevölkerung gehört (Allen, die dort leben!) = Demokratie."

Das habe ich weder gesagt noch angedeutet.
Spanien gehört allen Spaniern, auch den Katalanen. Und die jetzige Situation ist das Ergebnis von 36 Jahre Wahlen und Politik. Jetzt mit einer Volksabstimmung einen Schlussstrich ziehen zu wollen, das ist reiner Populismus!
Jahrzehntelang waren die Nationalisten Mehrheitsbeschaffer im spanischen Parlament, und nach 36 Jahren sind viele Katalanen nicht mit dem Ergebnis zufrieden, als ob sie damit nichts zu tun hätten und nicht aktiv mitgespielt hätten. Das ist doch ein Witz!

Genau, das Land (Spanien) gehört der Bevölkerung (Allen, die dort leben!) = Demokratie. ALLEN, nicht nur einem Teil!
Die katalanischen Nationalisten wollen sich die Rosinen aus dem Teig rauspicken. Den Rest Spaniens als Markt und Arbeitskräftereservoir, das wollen sie beibehalten.

Im Übrigen stellen hier einige Leser einen Gegensatz Spanier-Katalanen dar, der so überhaupt nicht existiert! Die meisten Katalanen definieren sich selber als "Katalanen und Spanier".
Viele Katalanen wollen doch nur abstimmen, damit endlich Ruhe ist und weil sie es leid sind, dass sich die Nationalisten, nach vielen Jahren mitregieren (mit linken und rechten gesamtspanischen Parteien), immer noch als Opfer darstellen.
Pere Grau schrieb am 30.07.2014
Ich wollte mich nicht in eine vergebliche Diskussion einlassen mit jemandem der so von der Propaganda und die Vorurteile des spanischen Nationalismus "imprägniert" ist. Aber ich möchte doch an Herrn Antonio nur folgendes sagen: die Zeit wird zeigen wer Recht hat und wer verblendet ist. Und nicht auf lange Sicht sondern ziemlich bald. In der Moment, dass es (auf welchen Weg auch immer) sich zeigen wird, dass die Katalanen mehrheitlich und ohne wenn und aber für die Unabhängigkeit sind, und sie kein von radikalen Träumer irregeleitetes Volk, hoffe ich, dass dann die spanische Bevölkerung sich fragen wird, wieso sie jene sind (und nicht die Katalanen) die von ihren Politikern getäuscht wurden.
Marta schrieb am 31.07.2014
An Antonio,

Sie schreiben "Viele Katalanen wollen doch nur abstimmen, damit endlich Ruhe ist und weil sie es leid sind, dass sich die Nationalisten, nach vielen Jahren mitregieren (mit linken und rechten gesamtspanischen Parteien), immer noch als Opfer darstellen. "
Sie dürfen es aber Ihrer Meinung nach nicht!
Eine Abstimmung wird da sein, damit alle (auch die, die nicht für die Unabhängigkeit sind) ihre Meinung sagen können. Nur dann wird sich zeigen ob Sie recht haben...

Sie benutzen oft und gern den Katalanen gegenüber das Wort Nationalisten, das wir alle wissen, in Deutschland nicht unbedingt die gleiche tiefere Bedeutung als in Spanien hat. Das zu klären wäre eine andere Diskussion (meiner Meinung nach, sind wir Deutschen genauso Nationalisten wie die Katalanen oder die Spanien: keiner sagt, einer wäre besser als der anderer, es geht nur darum die eigene Würzeln, Kultur und Werte zu schätzen)
Lassen Sie mir nur sagen, dass Sie genauso (spanischer) Nationalist sind, wie ich, Hr. Mas oder die über 1,5 Millionen Menschen letzten 11S auf der Straße in Katalonien katalanische Nationalisten sind.

Und zu den Sprachen. Spanisch ist natürlich auch die Sprache Katalonien. Wir schätzen und pflegen sie! Wie Sie sagten, größenteils de spanische Verlage sind in Katalonien, sie wird breit benutzt, im katalanischen Parlament wird problemlos angewandt (was im spanischen Congreso mit dem Katalanisch nicht erlaubt ist) und z.B. als "objektives Kennzahl" haben die katalanische Schülern im Durchschnitt bessere Noten im Fach Spanisch als die Schülern der Rest der spanischen Staates. Der sprachliche Konflikt wird leider fast ausschließlich außerhalb Katalonien "gefuttert".
Wir alle haben genug Probleme, um noch unexistierenden Themen sich auszumalen.
Loli R schrieb am 28.08.2014
@ Antonio

Die spanische Verfassung wurde nicht in einem demokratischen Land abgestimmt. Spanien war 1978 noch keine richtige Demokatrie und die Rolle des Militärs und der Angst, wieder in eine Diktatur zu kehren, darf man nicht unterschätzen. Man muss alles in seinem historischen Zusammenhang analysieren.

Aber selbst wenn die Katalanen 1978 von der Verfassung total begeistert gewesen wären, das war vor 36 Jahren. Die spanische Bevölkerung von damals hat wenig zu tun mit der Bevölkerung von heute. Ausserdem, nur diejenigen Menschen, die älter sind als 57 Jahren haben abgestimmt. Jüngere Menschen waren entweder noch nicht geboren oder sie waren zu jung zu wählen. Dies bedeutet, dass 64% der heutigen Wählerschaft gar nicht an der Abstimmung der Verfassung mitbeteiligt war. Ist das bedeutungslos? Für Sie vielleicht, für mich nicht.

Antworten Sie mir nur eine Frage? Ist es demokratisch, ein Volk nicht abstimmen zu lassen? Wie kommt es, dass Quebecois und Schotten es dürfen aber wir nicht? Wir wollen ja nur befragt werden, damit wir, als Volk, über unsere Zukunft entscheiden können. Wie können wir wissen, ob die meisten Katalanen für oder gegen die Unabhängigkeit sind, wenn wir sie nicht fragen? Sollen wir es etwa raten?! Was schlagen Sie vor? Gerne können auch Spanier befragt werden, solange auch Katalanen befragt werden. Aber haben Sie gesehen, dass die spanische Regierung einen solchen Vorschlag gemacht hat? Nein, oder? Warum? Weil die spanische Regierung kein Interesse daran hat. Wenn ganz Spanien befragt wird, dann würde man endlich mal wissen, was auch die Katalanen wollen. Und dann hätte Spanien ein Problem. Daher, am Besten niemanden wählen lassen. Tolle Lösung....

Und noch was, Spanien hat es nie versucht, uns zu integrieren. Wir haben uns kaum als Teil einer Gemeinschaft gefühlt. Allein Kleinigkeiten wie die Tatsache, dass in der Schweiz Verpackung immer dreispraching sind. In Spanien nicht. Es gibt keinen Gesetz. Warum? Verpackungen sollten hier in 4 Sprachen sein: Spanisch, Katalanisch, Baskisch und Galicisch. Es ist respektlos, die anderen Sprachen Spaniens zu ignorieren. Spanien war noch nie stolz auf Ihre Nationen, ganz im Gegenteil. Wir sind ein Störfaktor. Spanien hat immer versucht, uns zu assimilieren (wie Wert sagte: españolizar a los catalanes). Es gibt einen Riesenunterschied zwischen Integrieren und Assimilieren....

Wie dem auch sei, wie Herr Grau sagte, die Zeit wird zeigen, wer Recht hatte. Let´s wait and see.
Marc O. schrieb am 02.10.2014
Als ein in Katalonien geborener Deutscher kann ich nur denjenigen, die mit dem Unabhängigkeitsprozess Kataloniens nicht einverstanden sind, empfehlen, nach Katalonien zu kommen und sich örtlich über die mehr und mehr unerträglichen lokalen Situation Madrid gegenüber zu informieren.
Katalonien wurde nie respektiert; zwar gab es in der Vergangenheit Annährungen mit politischen Hintergründen, aber seitdem die zur Zeit führende Rechtspartei mit eigener Mehrheit in Spanien regiert, ist Katalonien uninteressant geworden.
Mich wundert eines: Katalonien wird weitgehend mehr von den ausländischen Einwanderern respektiert als nicht von den spanischen Nichtkatalanen.
Grösstenteils der ausländischen Einwanderer bemühen sich innerhalb einer kurzen Zeit Katalan zu sprechen. Bei den meisten Nichtkatalanen (natürlich gibt es Ausnahmen) ist das nicht der Fall...merkwürdig, nicht?
Nanni schrieb am 07.10.2014
Ich finde, dass Antonio die Realität in Katalonien perfekt beschrieben hat. Seit über 30 Jahren werden die Enwohner dort schon im Kindesalter mit der nationalistischen Ideologie indoktriniert und Spanien als Feindbild dargestellt. Es ist eine verkappte Diktatur und derjenige, der nicht mitzieht, wird marginalisiert und ausgeschlossen. Die Generalitat wird von den Nationalisten kontrolliert und instrumentalisiert. Der FC Barcelona wird als Propagandamaschine des Regimes und dessen Interessen benutzt. Imperialistische Bestrebungen wie die Anexión von der Comunidad Valenciana, Teile von Aragons, die Balearen und Teile des Languedoc werden auf Sportveranstaltungen wie auf Heimspielen des FC Barcelona offen durch Mosaike und Bildern gargestellt. Nur in totalitären Régimen war dies der Fall! Ich kann aus Erfahrung sprechen, da ich von 1996 bis 2004 in Barcelona für eine deutsche Firma dort gearbeitet habe. Un in den Jahre danach ist es noch radikaler geworden wie mir Ex Arbeitskollegen berichtet haben. Es ist doch ein Witz, dass sich die Nationalisten als schlecht behandelt fühlen und die Zentralregierung als fachistisch betitelt. 24 Resolutionen wegen Verstösse gegen das spanische Grundgesetz wurden von den Nationalisten und der Generalitat bis heute regelrecht ignoriert. In Deutschland undenkbar! Die spanische Regierung ist viel zu lasch damit umgegangen und häte viel fruher das Gesetz anwenden müssen und durchgreifen müssen. Ein Artur Mas und ein Herr Oriol Junqueras (natürlich beide MOLT HONORABLE!!) wäre in jedem modernen demokratische Staat bereits inhabilitiert und rechtsmässig verurteilt worden aber nur in Spanien nicht.
Bernd schrieb am 11.10.2014
Sehr geehrte Nani
das bisher noch niemand auf ihren Leserbrief geantwortet hat liegt vermutlich daran, daß Sie damit ein so niedriges Nivieu erreicht haben, daß eine ernsthafte Diskussion wohl kaum noch möglich ist.
Dass ich mir dennoch die Mühe mache auf ihren Leserbrief zu antworten, liegt einerseits daran, das mich Ignoranz schon immer geärgert hat, und andererseits das hier genau die Meinungsmache vertreten wird die man üblicherweise aus Madrid hört. Sie benutzen in ihrem Leserbrief folgende Begriffe um die Realität in Katalonien zu beschreiben: “ nationalistischen Ideologie indoktriniert” , “verkappte Diktatur”, “marginalisiert und ausgeschlossen”, “ von den Nationalisten kontrolliert und instrumentalisiert”, “ Propagandamaschine des Regimes”, “ Imperialistische Bestrebungen”, etc. .Dies alles weil Sie ja Informationen aus zweiter Hand haben ( Ex Arbeitskollegen) .
1. Als Ausländer der seit 6 Jahren in Katalonien lebt (sicher nicht im Kindesalter indoktriniert) und der zu meiner Schande immer noch besser spanisch spricht als katalanisch, möchte ich Ihnen versichern das “Ihre beschriebene Realität” nicht existiert. (Freut Sie das jetzt ?) .Die katalanische Unabhängigkeitsbewegung wird von 70- 80 % der demokratischen gewählten Parteien in Katalonien getragen, von links nach rechts und mit sehr unterschiedlichen politischen Meinungen. Es gibt auch eine schöne Gruppe auf Facebook “Hablamos castellano y queremos la independencia” , vielleicht schauen Sie da mal rein.
2. Wenn ich Katalane wäre, würde mich ihre Begriffswahl zu tiefst beleidigen, dies ist in der Tat einfach nur eine miese “Propagandasprache”. Aber die Katalanen scheinen Beleidigungen recht gelassen hinzunehmen. Aber ich glaube es wird sie entschiedener machen auf dem Weg zur Unabhängigkeit.
3. Katalanischer Imperialismus – Klar die Katalanen fallen in Spanien ein, verbieten die kastillianische Sprache, schaffen neue Gesetze um demokratische Wahlen im Rest von Spanien zu verhindern, ja dies würde ich in der Tat als Imperialismus verstehen. Aber im Ernst haben Sie da nicht eine etwas verdrehte Version von Realität und Geschichte ?
Oder sprechen Sie vom katalanischen Wirtschaftsimperialismus ?
Die Katalanen sitzen wie ein Kraken in der spanische Wirtschaft, die Gelder fliessen nach Barcelona und die anderen Regionen müssen bluten ? Oder ist auch hier das Gegenteil der Fall ?

4. Sie reden von einer Regierungspartei die mit über 100 Korruptionsaffären Europameister ist. Einer Partei die mal ganz kurzerhand Gesetze ändert um ein demokratisches Referrendum zu verhindern.
5. Ich würde Sie bitten sich mal das folgende Video im Netz anzusehen:
http://www.vilaweb.cat/noticia/4214454/20141010/policia-protegeix-grup-nazis-demanaven-dassassinar-mas.html
Vielleicht heben Sie dann Ihre blumige Begriffswahl für ganz andere Leute auf. Ich finde es schon ein starkes Stück wenn in der Oeffentlichtkeit geschriehen wird “Artur Mas, cámara de gas” - “Mas in die Gaskammer” und dies ungeahndet bleibt.
Morgen treffen werden sich übrigens die Freunde Spaniens am 12. Okt. In Barcelona
“Fiesta Nacional de España” ich bin mir sicher das wir da in den folgenden Tagen wieder einige interresante Videos dieser Freunde auf Youtoube sehen können. Wer es nicht abwarten kann, kann sich ja mal ein einige aus dem Vorjahr ansehen.

Ich kann nur jeden auffordern sich selbst ein Bild zu machen, fast jede katalanische Familie hat spanische Familienangehörige, auf Festen wird gemischt katalanisch und kastillianisch gesprochen man respektiert die Herrkunft egal ob Leute aus Südamerika ,Andalusien oder dem Baskenland kommen wenn die Unterhalung leichter auf kastillianisch ist (Ich habe hier noch nie etwas anderes erlebt !) .Viele Menschen die aus den unterschiedlichsten Regionen Spaniens kommen und hier in der ersten oder zweiten Generation leben fühlen sich berechtigterweise als Katalanen. Ich habe das Gefühl, es ist nicht die “Außgrenzung” die Ihnen Angst macht, es ist die Integration.
Herr Artur Mas wird in Katalonien von 80 % der Bevölkerung in seiner Durchführung eines Referendums unterstützt, ich vermute das der Anteil der hier lebenden Ausländer ähnlich hoch ist.
Wussten Sie das über 50 % der Wahlberechtigten in Katalonien kastillianische oder baskische Nachnamen haben. Wie erklären Sie sich dann eine Unterstützung von 80 % der Bevölkerung ?
Außgrenzung ? Marginalisiert ?
Ich denke es ist wohl eher die Integration.

Grundsätzlich geht es um die Frage “Ob ein Volk ein Selbstbestimmungsrecht hat oder nicht ?”
oder ein interessanter Aspekt “Wenn uns ein Selbstbestimmungsrecht nützt (Aufweichung des Ostblocks) bejubeln wir es, wenn wir es nicht so genau wissen sprechen wir schnell von Separatismus”

Aber eines ist klar, wenn es ein Recht auf Selbstbestimmung eines Volkes gibt, kann dieses beim besten Willen nicht in Madrid entschieden oder verhindert werden. Aus guten Gründen (damit würden Sie nämlich jedem Volk das sich in einer Minderheit befindet dieses Recht streitig machen) sollte so etwas wohl eher auf einer völkerrechtlichen Ebene ablaufen. Das Verbot eines demokratisches Referendums, ist der Verbot der freien Meinungsäußerung.
Niemand der demokratische Grundsätze ernst nimmt kann dies letztendlich hinnehmen.

Geben Sie einem freien und demokratischem Katalonien eine Chance und respektieren Sie das Recht auf Selbstbestimmung und freie Meinungsäußerung.
Nanni schrieb am 17.10.2014
Sehr geehrter Bernd,

Sie haben wohl übersehen, dass ich von 1996 bis 2004 in Barcelona gelebt habe. Also keine Information aus zweiter Hand! Zur Info: Ich komme gerade von einer Geschäftsreise aus Barcelona und habe mit sehr vielen Menschen dort gesprochen, die sich sowohl als Katalanen als auch als Spanier fühlen.
Alles was ich in meinem Leserbrief beschrieben habe, entspricht der Realität.

Ich respektiere Ihre Meinung aber Sie scheinen wohl nicht in der Realität zu leben.

Beste Grüsse
Nanni schrieb am 17.10.2014
Realität in Katalonien:

Akquisition“ unentschlossener Bürger für ihre Ideen, über Jahre eine Kampagne der Lüge, Verleumdung, Agitation sowie der Demontage des spanischen Staates und dessen Institutionen organisiert und vorangebracht hat; aus Steuergeldern finanziert wohlgemerkt. Dazu noch die politische und ideologische Zweckentfremdung einer sportlichen Institution wie dem FC Barcelona. Eine(r) ganze(n) Generation ist auf diese Weise geprägt, agitiert und dogmatisiert, quasi Separatismus in die Wiege gelegt worden. Als „Auswärtiger“ sind Sie willkommen, sofern Sie diese Doktrin mitmachen oder gutheißen, wenn nicht, werden Sie sofort als Faschist oder Franquist beschimpft. Durch die Gesellschaft geht ein Riss, sie ist gespalten; Familien zerstreiten sich, Freundschaften gehen kaputt, es kommt immer mehr zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. In der Zeit, in der wir dort gelebt haben, konnten wir nicht beobachten, dass man von Madrid aus wirklich versucht, kulturelle, sprachliche oder gar politische Entwicklung des Landes zu torpedieren.
Ich habe lange genug mit meiner Familie in Katalonien gelebt und gearbeitet, um mir hier nicht irgendetwas aus den Fingern ziehen zu müssen. Wir haben in unserem eigenen Umfeld Erfahrungen sammeln können, die die beschriebenen Szenarien bestätigen. Darüberhinaus sind uns auch viele Vorfälle, die meine Darstellungen unterlegen, zugetragen worden. Und es sind schon lange keine Einzelfälle mehr. Lassen Sie mich noch eine persönliche Erfahrung schildern: Mein Sohn ( 14 Jahre alt ) wurde in der nordkatalanischen Kleinstadt Vic am 2 August 2012 von radikalen Separatisten attackiert weil er das Trikot der spanischen Nationalmannschaft ( mit der Rückennr. von Xavi Herandez ) trug. Er wurde angerempelt und gegen ein Schaufenster gedrückt. Ich finde es einfach unerträglich wie die katalanischen Separatisten sich immer als friedliche und demokratische Saubermänner und alles Spanische als undemokratisch, violent, unterdrückend und bedrohlich darstellen. Sie liegen einfach falsch !
Wenn man dort lebt, erhält man ein ganz anderes Bild von Katalonien und der katalanischen Gesellschaft als das, das was von den Separatisten propagiert wird. Man nimmt ein anderes Stimmenverhältnis wahr: das eines gespaltenen Katalonien, das wahre Katalonien, in dem ein Konglomerat aus machtgierigen, korrupten Politikern, einem ideologisiertem Erziehungs- und Schulsystem ( ich empfehle Ihnen, ein katalanisches Geschichtsbuch der Oberstufe mit einem Geschichtsbuch aus einer anderen Region Spaniens zu vergleichen ), mit subventionierten dogmatisierten Medienorganen ( TV3, die Zeitungen Ara, Avui u.a. ), derivativen politischen Organisationen wie z.B. die CAC ( eine Zensur-Agentur, die soeben eine Reihe von katalanisch-kritischen Journalisten und Medienorgane auf eine „Schwarze Liste“ gesetzt hat ) oder als Bürgerinitiative getarnte politische Zweckorganisationen wie z.B. die ANC, die keiner anderen Aufgabe nachkommen, als der Verbreitung von pro-separatistischer Propaganda.
Die Autonomie, die Katalonien heute genießt, ist umfassender als vor dem Bürgerkrieg. Katalonien verfügt über eine sehr weitläufige Selbstverwaltung. Bis auf die Steuerhoheit, die ( zum Teil ) noch vom Staat verwaltet wird, sind alle Ressorts in der Hand der Regionalregierung. Der spanische Staat interviniert nur wenn gegen bestehendes Gesetz im Rahmen der spanischen Verfassung verstoßen wird ( beispielsweise wenn mann dem Wunsch von Eltern nicht entspricht, ihre Kinder mit Spanisch als Hauptsprache und nicht als Fremdsprache zu unterrichten ). Spanien ist kein Zentralstaat wie z.B. Frankreich. Die spanische Territorialstruktur setzt sich aus sog. autonomen Regionen ( Comunidades autonomas ) zusammen. Bis auf wenige Nuancen ist es einem Föderalsystem sehr ähnlich. Spanien ist alles andere als ein "Völkergefängnis".
Katalonien war schlichtweg noch nie eine unabhängige Nation sondern, wenn überhaupt , "Juniorpartner" des Königreichs Aragon. 1714 verlor es lediglich sog. "forale Privilegien."

Beste Grüsse
Marta schrieb am 20.10.2014
Sehr geehrte Nanni,

Jeder lebt in seiner Realität. Ich vermute, wenige Menschen können wirklich die Meinung aller Menschen in Katalonien wiedrgeben.
Dafür sind Wahlen und Urnen da!
Lasst das Volk sprechen und nachher können wir darüber sprechen, was die Realität ist!

Beste Grüße
Nanni schrieb am 20.10.2014
Sehr geehrte Marta,

ich bin da voll Ihrer Meinung. Aber alle Spanier sollten die Gelegenheit haben zu wählen, um über die Zukunft einer spanischen Región zu entscheiden. Ob es Ihnen gefällt oder nicht, Katalonien ist eine Comunidad, die zu Spanien gehört. Der Rahmen unserer Demokratie ist die Verfassung und wenn man etwas an diesem Rahmen ändern möchte, dann sollten ALLE Spanier befragt werden. Das ist Demokratie!! Alles andere ist verfassungswidrig und antidemokratisch.

Beste Grüsse
Marta schrieb am 20.10.2014
Sehr geehrte Nanni,

Dann wählen wir! Haben Sie irgendwelchen spanischen Politiker gehört, der diesen Vorschlag gemacht hätte?
Aber, falls wir alle wählen, was passiert dann wenn, sagen wir, 70% der Katalanen für ihre Unabhängigkeit sind und 70% der Spaniern Katalonien "behalten" wollen?
Sollen die Katalanen gegen ihren Willen in Spanien bleiben? Meinen Sie, dass das beste für Katalonien und Spanien ist?

Wir können über Verfassungswidrigkeit, Legalität und Demokratie diskutieren, aber ich bin sicher, es tut keinem gut, einen Volk gegen seines Willens gefangen zu halten.
Bernd schrieb am 20.10.2014
Hallo Nani,
Sie scheinen Demokratie nicht richtig zu verstehen. Die Selbstbestimmung eines Volkes (insbesondere wenn es sich in der Minderheit befindet) kann wohl kaum durch Abstimmung im Mutterland entschieden werden. Dann hätte für die Unabhängigkeit von Slowenien und Kroatien in Belgrad abgestimmt werden müssen. Für die Unabhängigkeit von Litauen, Estland und Lettland hätten demnach alle Russen abstimmen müssen. Halten Sie dies für Demokratie ?
Glauben Sie das die Kurden endlich einen eigen Staat erhalten, wenn darüber in Istanbul abgestimmt wird ?
Die Anzahl der Beispiele der jüngsten Geschichte ist schier endlos. Aber in keinem mir bekannten Fall könnte ein Volk seine Unabhängigkeit durch Abstimmung im Mutterland erreichen. Eine solche Vorgehensweise ist weder sinnvoll noch demokratisch.
Und noch ein letzter Satz zu ihrer "Ausgrenzung" wenn ich hier alle Kommentare lese und sehe in welcher Weise Sie von Katalanen reden, welche Wortwahl Sie benutzen, wie beleidigend und diffamierend Sie sind, glaube ich Sie grenzen sich wohl selber aus......
Und wenn man dann eben ein Gesetz beschliesst um eine demokratische Wahl bei Strafe zu verbieten....
Dann sind wir wohl auf dem Gipfel der Demokratie angekommen.
Nanni schrieb am 20.10.2014
Hallo Bernd,

haben Sie sich eigentlich meine Kommentare richtig durchgelesen?
Ist eines der vielen Beispiele mit denen ich die Realität von Katalonien beschreibe falsch? Nennen Sie mir eins? Sie reiten nur auf Ihrem Lieblingsthema der Selbstbestimmung rum aber gehen auf keines meiner Beispiele und Erfahrungen ein!
Hat die Generalidad nicht 24 Beschlüsse des Verfassungsgerichtes praktisch ignoriert? Wird der FC Barcelona nicht zweckentfremdet und als Propaganda Maschine der Nazionalisten benutzt? Was sagen Sie zu der Sprachpolitik in Katalonien? Haben Sie sich auch mal mit Nicht- Nazionalisten unterhalten und deren Erfahrungen kennengelernt? Korruption?? Gibt es nur bei der Zentralregierung korrupte Politiker oder auch in Katalonien? Was sagen Sie zum TV Sender TV3? Oder zu Ara und Avui?? Sehr objektive Berichterstattung nicht wahr? Die Situation Kataloniens mit dem Zusammenbruch des ehemaligen Jugoslawiens, der ehemaligen UDSSR oder gar mit den Kurden zu vergleichen ist ja der blanke Hohn! In diesen totalitären Staaten wurden Menscherechte unterdrückt usw. Wie man dies mit der aktuellen Situation in Katalonien vergleichen kann, ist mir schleierhaft.
Nanni schrieb am 20.10.2014
Sehr geehrte Marta,

ich bin überzeugt, dass eine grosse Mehrheit der Spanier für die Unabhängigkeit Kataloniens stimmen würde. Ein Referendum in ganz Spanien würde eine grössere Mehrheit hervorbringen, davon bin ich überzeugt.
Und mal ganz ehrlich, werden die Katalanen von den "bösen" Spaniern wirklich gefangen gehalten? Das ist doch nicht Ihr ernst, oder?

Beste Grüsse
Pro Minderheitenrechte schrieb am 21.10.2014
Liebe Leute, Liebe Spanier, Liebe Katalanen, Liebe Pro Spanier, Liebe Pro-Katalanen,

ich fand zwischenzeitig die Diskussion etwas lästig, vermutlich, weil man sich eher schwer über paar Grundannahmen einigen kann.
Ich teile die Meinung von @ Bernd (schrieb am 20.10.2014).
Wenn man sich über diese (auch meines Erachtens basale) demokratische Grundsätze nicht einigen kann, dann wird's fruchtlos in der Diskussion.
Ich persönlich wäre gespannt wie hoch die jeweiligen Anteile der Demokraten respektive Legalisten/Postmodern-Conquistadores/ Imperialisten in Katalonien bzw. in Restspanien sind.
(wäre auch bzgl. anderer Länder interessant zu erfahren, wie die Bevölkerung zu diversen Themen denkt! )

Von meinem Pseudonym, meiner Wortwahl, meinen bisherigen Beiträgen kann man sich sicher ableiten welcher Seite ich die Daumen drücke :)! Nichtsdestotrotz ist mir bewusst, dass die Demokratie nicht die einzige politische Organisationsform ist, d.h. es werden nie alle Menschen über solche Themen einig sein. Ich bin allerdings Demokrat und drücke demokratische(-re-)n Kräften die Daumen!

Liebe Grüße

P.M.
almabu schrieb am 21.03.2015
Was ich bisher als Begründung für eine katalanische Unabhängigkeit gelesen habe, beruhte auf falschen, z.T. gefälschten, historischen "sogenannten Tatsachen" und im übrigen auf einer hinterwäldlerischen Neid- und Hass-Kampagne, manchmal unterlegt mit einem Schuss Rassimus.
Ich denke Artur Mas sprang in der Not, der durch seine(!) neoliberalen Kürzungen im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich der Autonomie Catalunya ausgelösten Proteste der Bevölkerung, spontan auf den Separatisten-Zug und ist seitdem ein Getriebener seiner eigenen falschen Versprechungen und seines Oppositions-Partners ERC. Es hat überdies den Anschein, als hätte die Bewegung ihren Zenith überschritten? Die Wahl am 27-S ist noch nicht garantiert!
Pere Grau schrieb am 22.03.2015
Herr oder Frau Almabu: Sie haben nichts, aber auch gar nichts verstanden, aber eine Diskussion darüber würde zu nichts führen. Wie ich vor Monate auch an "Antonio" sagte: im Laufe dieses Jahres werden wir wissen wer kurzsichtig bzw. verblendet ist und wer nicht. Nur aber eine kurze Bemerkung zu Ihren Behauptungen: die (wie Sie es nennen) "neoliberale Kürzungen" der katalanischen Regierung . Diese wurden durch die Politik der spanischen Regierung verursacht, die das größte Gewicht der notwendigen Sparmaßnahmen auf die Autonomien aufbürdete. Das ist, in Spanien und in Ausland hinreichend bekannt.