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Die plötzliche Rückkehr des Heroischen

Herfried Münkler in der FAZ über Drohnen und ihre aus der Zeit gefallenen Kritiker.

„Drohnenangriffe“, „hybride Kriege“ und die Diskussionen um den Ukraine-Russland-Konflikt sind medial omnipräsent – und das ist gut so. Zu wichtig sind die Themen, die sich im Kern mit Fragen von Krieg und Frieden beschäftigen. Denn dieser Friede  ist vor allem auch unser Friede.

Herfried Münkler, der als Professor nicht nur in Berlin lehrt, sondern auch im Alleingang ungefähr so viel publiziert wie ein mittelprächtiger US-Think Tank deckt in seinem Gespräch mit der FAZ all diese Themen ab und würzt sie mit einem (zunächst vielleicht befremdlich klingenden) historischen Vergleich: „Soldatischer Ethos“ der geächteten Kriegswaffe Gas vs. Drohnen des 21. Jahrhunderts.

Befremdlich weshalb? Weil der Begriff „Kriegsethos“ irgendwann nach 1945 irrelevant geworden ist. Vielleicht ist das auch gut so. Doch darum geht es Münkler nicht. Sondern: Während dem Kampf „Mann gegen Mann“ immerhin noch etwas soldatisches, männliches, gar heroisches zugeordnet worden sei, sei Gas schon im Ersten Weltkrieg als „gemeine und hinterhältige Waffe“ betrachtet worden. Genau hier sieht er die Verbindung zur Drohne.

Deshalb ist es schlicht falsch, mit gestrigen Argumenten neue Waffensysteme kritisieren zu wollen...

Für den Autor ist die Kritik an der „hinterhältigen Drohne“ erstaunlich. Denn plötzlich verwendet die „postheroische Gesellschaft“ doch wieder Argumente des „Heroischen“. Das aber sei nicht zulässig, da „die Kritiker der Drohne mit dem Ethos des 19. Jahrhunderts gegen die Waffen des 21. Jahrhunderts“ argumentierten. Die heutige Gesellschaft habe weder die „demographische Reproduktionsraten“ noch sei ein „Sich-selbst-Darbringen“ gesellschaftlich auch nur akzeptabel. In der Folge wird die Effektivität der „Gefechtsfeldbewirtschaftung“ zentral. Deshalb ist es schlicht falsch, mit gestrigen Argumenten neue Waffensysteme kritisieren zu wollen. So zumindest Münkler.  

Sicher ist diese Nüchternheit schmerhaft. Denn folgt man dieser Logik, ist die Drohne nur die Antwort auf die (neue) Asymmetrie des Krieges. Eine „Asymmetrie der Zeit“, wie Münkler das nennt. Ultimativ sind Drohnen dann das westliche „Äquivalent zu terroristischen Selbstmordattentätern“, da sie eine Art „Resymmetrierung“ erzeugen. Geschuldet ist das einer Welt, die eben nicht, um mit Fukuyama zu sprechen, am „Ende der Geschichte“ angekommen ist, sondern viel mehr gerade damit beginnt, ein neues Zeitalter einzuleiten. Eines des totalen Verschmelzens des schwarzen Krieges und des weißen Friedens zu irgendeiner Graustufe dazwischen. Münkler kann das natürlich prägnanter formulieren: „Der hybride Krieg ist längst ein ständiger Begleiter unseres Friedens geworden“.

Das gesamte Interview finden Sie hier.

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