Den typischen Dschihadisten? Gibt es nicht. Diese Feststellung stellen die Autoren einer Studie des „Centre on Religion and Geopolitics“ ihren Ergebnissen voran. Denn: Dschihadisten haben unterschiedliche sozio-ökonomische Hintergründe, Bildungsniveaus und sie haben unterschiedliche religiöse Erziehungen durchlaufen. So weit, so erwartbar.
Doch die Studie des zur Tony Blair Faith Foundation gehörenden Think Tanks zeigt auch: Prominente Dschihadisten haben nicht nur studiert (jedenfalls zu 46 Prozent) sondern 65 Prozent von ihnen saßen oder sitzen in Gefängnissen ein, bevor sie zur größeren Ehre Gottes ein One-Way-Ticket in die Levante buchen. Der offenbar in Gefängnissen reifende Wunsch, sich nach der Haftabbüßung unverzüglich dem IS oder sonst einer apokalyptischen Sekte anzuschließen, sagt nicht nur etwas aus über die charakterliche Deformation ideologisierter Insassen, sondern auch über die Beschaffenheit und Resozialisierungskompetenz zeitgenössischer Justizvollzuganstalten. Statt einer Schule des Lebens haben wir es offenbar mit einer Schule des Sterbens zu tun, die laufend neue Abschlussjahrgänge hervorbringt. Wenn Resozialierung ausgerechnet in Haftanstalten unter den Argusaugen von Sicherheitsbeamten auf eine faktische Sozialisierung in den Islamismus hinausläuft, geht ganz offenbar so einiges gründlich schief.
Als Reaktion auf die Ergebnisse, die auf einer Analyse der Lebensläufe von 100 Dschihadisten beruht, schlagen die Autoren deshalb vor, in Gefängnissen „senior jihadis“ voneinander getrennt unterzubringen und verpflichtenden Religionsunterricht und ein Mentoringprogramm anzubieten. Diese Vorschläge erscheinen sinnvoll aber sie kommen ein bisschen spät. Im Gefangenenlager Camp Bucca, das von Briten und Amerikanern im Irak errichtet wurde, saß und netzwerkte bekanntlich unter anderem ein gewisser Abu Bakr al-Baghdadi, der jetzige selbsternannte Kalif des „Islamischen Staates“.
Die Studie finden Sie hier.





2 Leserbriefe
Was würde wohl in Ihnen vorgehen wenn Ihr Land in dem Sie wohnten von fremden Mächten völkerrechtswidrig zerstört wird und Ihr Präsident ermordet (erhängt) wird ?
Und so kommt das Böse was der Westen angerichtet hat wie ein Bummerang zurück,oder nicht ?