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Die Freiheit geb ich Dir

Warum wir ein bedingungsloses Grundeinkommen brauchen.

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„Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist eine revolutionäre Lösung, ohne dass Blut fließen muss.“

In Finnland wurde Anfang 2017 ein wegweisendes Pilotprojekt gestartet. Die Regierung wird einer zufällig ausgelosten Gruppe von 2000 Erwerbslosen ein monatliches Einkommen von 560 Euro auszahlen. Die Auszahlung ist an keinerlei Bedingungen gebunden, und die Empfänger müssen über die Verwendung des Geldes keine Rechenschaft ablegen. Die Finnen wollen testen, ob ein solches Programm, das sich Grundeinkommen nennt und in früheren Pilotprojekten an anderen Orten auf der Welt funktioniert hat, durchführbar ist.

Das Grundeinkommen ist ein geringer Betrag, der jeder Bürgerin und jedem Bürger in gleicher Höhe ausgezahlt wird, ohne dafür ein bestimmtes Verhalten einzufordern. Es verringert nachweislich Ungleichheit und erhöht die wirtschaftliche und soziale Freiheit. Und: Seine Zeit ist gekommen.

Im alten Einkommenssystem des 20. Jahrhunderts war die Verteilung von Kapitalerträgen und Gewinnen sowie von Löhnen und Lohnersatzleistungen immer relativ stabil. Dieses System gibt es aber nicht mehr. Heute bedroht wachsende Ungleichheit die Demokratie und schürt Angst, Entfremdung, Anomie und die Wut der Verlierer. Diese Mischung führt dazu, dass unanständige Zeitgenossen für das Versprechen, die Uhr in ein goldenes Zeitalter zurückzudrehen, immer mehr Zuspruch finden.

Heute bedroht wachsende Ungleichheit die Demokratie und schürt Angst, Entfremdung, Anomie und die Wut der Verlierer.

Der Zusammenbruch des alten Einkommensverteilungssystems äußert sich in einem dramatischen Anstieg der Renten- und Zinseinkommen aus finanziellem, physischem und intellektuellem Eigentum. Gleichzeitig beobachten wir eine schnell wachsende soziale Klasse, die ich das „Prekariat“ nenne. Das Prekariat besteht aus Millionen von Menschen, die mit sinkenden Gehältern, unbeständigen Einkommen und ohne Beschäftigungsidentität und -sicherheit leben. Das politische Establishment hat das Prekariat bisher ignoriert und zahlt nun einen hohen Preis.

Die nahe politische Zukunft sieht finster aus. Aber es gibt Hoffnung. Schon der amerikanische Dichter Theodore Roethke schrieb: „In dunkler Zeit beginnt das Auge zu sehen.“ Die Antwort auf diese sich verdüsternden Zeiten muss sein, ein neues Einkommensverteilungssystem zu entwerfen und für seine Umsetzung zu werben.

Es gibt viele moralische und pragmatische Gründe für diesen Weg. Das Grundeinkommen ist zu einem politischen Imperativ geworden. Solange die Neuverteilung der Einkommen nicht diskutiert wird, werden die Rechten immer mehr Zuspruch bekommen. Die grundsätzliche Rechtfertigung für ein Grundeinkommen ist moralischer Natur: Es ist ein Instrument für mehr Freiheit und eine solide Absicherung. Ohne sie kann nicht erwartet werden, dass Menschen sich altruistisch verhalten oder verantwortungsbewusst wählen.

Als jemand, der seit 30 Jahren ein Grundeinkommen fordert, freue ich mich über die in letzter Zeit wachsende Unterstützung. Die größte Herausforderung wird darin liegen, es richtig einzuordnen und zu benennen. Das Grundeinkommen ist kein Allheilmittel: Es darf nicht alle Sozialleistungen ersetzen und es sollte nicht darauf hinauslaufen, dass ein Teil der Bevölkerung den anderen Teil allein durch seine Steuern finanziert. Das Grundeinkommen sollte Bestandteil eines neuen Verteilungssystems sein – eines das anerkennt, dass das Einkommen nicht ausschließlich an Leistung und individueller Produktivität bemessen werden kann.

Die grundsätzliche Rechtfertigung für ein Grundeinkommen ist moralischer Natur: Es ist ein Instrument für mehr Freiheit und eine solide Absicherung.

Skeptiker bringen immer wieder die altbekannten Einwände vor, die jedoch bereits wiederholt entkräftet wurden. Mut macht aber die zunehmende Unterstützung durch Liberale und Konservative, die an verschiedenen Orten zu nationalen und regionalen Pilotprogrammen geführt hat: Im kanadischen Ontario wird demnächst ein von der Provinzverwaltung organisiertes Pilotprojekt starten. In Kalifornien ist für dieses Jahr ein ehrgeiziges Projekt geplant, das zu großen Teilen vom Start-up-Gründerzentrum „Y Combinator“ finanziert wird. Weitere Projekte werden in etwa zwei Dutzend niederländischen Gemeinden ins Leben gerufen, und es gibt Pläne für Pilotprojekte in Schottland und Spanien.

Ich bin an einigen der Projekte beteiligt und hoffe, sie können dazu beitragen, die Idee des Grundeinkommens zu legitimieren. Von 2011 bis 2013 habe ich an einem frühen Pilotprojekt der „Self Employed Women’s Association“ in Indien mitgearbeitet, das hauptsächlich von UNICEF Indien finanziert wurde: 6000 Männer, Frauen und Kinder aus neun Dörfern in Madhya Pradesh, einem Staat in Zentralindien, haben für 18 Monate ein geringes bedingungsloses Grundeinkommen erhalten. Die Entwicklung ihrer Lebensumstände wurde mit den Lebensumständen von Menschen in zwölf ähnlichen Dörfern verglichen. In den Dörfern mit Grundeinkommen verbesserten sich der Gesundheitszustand und die Ernährung, und auch die Teilnahme am Schulunterricht stieg an. Die Empfänger haben häufig einen Teil des Geldes genutzt, um ein eigenes Unternehmen zu gründen oder voranzubringen, und haben damit geholfen, die örtliche Wirtschaft anzukurbeln und einige Einkommen zu erhöhen.

Parallel zu dem größeren indischen Projekt haben wir zwei kleinere Projekte durchgeführt: Bei einem sollten die Familien entscheiden, ob sie Essens- und Benzinrationen bekommen wollten oder ein gleichwertiges Grundeinkommen. Die Mehrheit zog die Geldzahlungen vor, und nach einem Jahr konnten wir beobachten, dass ihre Ernährung vielseitiger war und sich der Gesundheitszustand verbessert hatte. Davor war ich an einem kleineren Projekt in Namibia beteiligt, das ähnliche Ergebnisse hervorbrachte. Aktuell gibt es spannende Pläne der kapitalstarken amerikanischen Wohltätigkeitsorganisation „GiveDirectly“, die im ländlichen Gebiet Kenias ein Langzeitprojekt durchführen will. Hinzu kommen immer häufiger kleinere Versuche mit Grundeinkommen in Industrie- und in Entwicklungsländern. Vor diesem Hintergrund lohnt ein Blick auf die vier wichtigsten Auswirkungen des Grundeinkommens.

1. Das Grundeinkommen bewirkt positive Veränderungen

Es wurde nachgewiesen, dass das Grundeinkommen Leben verändert. Die Pilotprojekte in Indien haben mehrere positive Ergebnisse hervorgebracht. Erstens hat sich das Sozialwesen verbessert; es entstanden bessere Sanitäranlagen; die Kinder waren besser ernährt, gesünder und gebildeter. Gleichzeitig sank der Verbrauch von Genussmitteln (meist Tabak und Alkohol). Zweitens hat sich das Grundeinkommen positiv auf die Verteilungsgerechtigkeit ausgewirkt. Menschen mit Behinderungen, Ältere und Frauen sowie Menschen aus niederen Kasten haben stärker davon profitiert als andere. Drittens waren auch die wirtschaftlichen Auswirkungen positiv: Die Menschen haben mehr gearbeitet, die Produktivität stieg und die Einkommen glichen sich an.

Natürlich ist Indien nicht die USA oder Großbritannien. Aber die menschliche Natur ist überall auf der Welt ähnlich. Die Menschen wollen ihr Leben und das Leben ihrer Kinder und Angehörigen verbessern. Die Behauptung, dass Menschen mit Grundeinkommen faul werden, ist ein Vorurteil, das vielfach und vielerorts widerlegt wurde.

2. Das Grundeinkommen führt zu mehr Freiheit

Die Pilotprojekte zum Grundeinkommen in Indien hatten große emanzipatorische Auswirkungen, vor allem für die Frauen, die ihr Selbstbestimmungsrecht und die Kontrolle über ihr Leben erweitern konnten. Auch die Zwangsarbeit ist zurückgegangen. Durch das Grundeinkommen werden die Empfänger, vor allem Frauen, unabhängiger von Personen und Mechanismen willkürlicher Herrschaft. Es unterstützt Menschen in schwierigen Lebensumständen in ihrem anstrengenden und unwürdigen Kampf mit der Bürokratie, von deren Wohlwollen sie abhängen. Zweckgebundene Leistungen untergraben die Freiheit.

3. Das Grundeinkommen bietet eine wirtschaftliche Grundsicherung

Das Grundeinkommen kann Armut nicht beseitigen, aber es kann eine grundlegende wirtschaftliche Absicherung bieten. Es gibt unzählige Nachweise, dass die soziale und wirtschaftliche Unsicherheit gestiegen ist. Dadurch verschlechtert sich der allgemeine geistige Gesundheitszustand, das Denken ist nicht mehr offen, an die Stelle von langfristigem, strategischem Planen treten opportunistische Entscheidungen, und Mitgefühl, Altruismus und der Ethos gesellschaftlicher Solidarität werden untergraben.

4. Das Grundeinkommen fördert ökologische Gerechtigkeit

Derzeit werden fossile Brennstoffe in den meisten Teilen der Welt als ein Instrument gegen Armut subventioniert. Sie führen aber zu Umweltverschmutzung und globaler Erwärmung. Aus ökologischen Gründen wäre es wünschenswert, die Subventionen einzustellen und die Steuern auf fossile Brennstoffe zu erhöhen, um die sozialen Kosten zu decken. Allerdings wären die Armen besonders davon betroffen. Ein Grundeinkommen könnte als eine notwendige Gegenleistung betrachtet werden für etwas, das in hohem Maße wünschenswert wäre.

Diese vier grundlegenden Punkte erklären, warum das Grundeinkommen unterstützt werden sollte. Die meisten Begründungen und Erklärungsansätze kommen heute allerdings aus einer anderen Richtung. Viele prominente Menschen, auch im Silicon Valley, sind überzeugt, dass der Vormarsch der Roboter und der künstlichen Intelligenz zu Massenarbeitslosigkeit und Verarmung führen wird. Aus diesem Grund betrachten sie das Grundeinkommen als unabdingbar.

Was wir mit Sicherheit sagen können, ist, dass die technologische Revolution zu größerer Ungleichheit führt – vor allem durch Mechanismen, die die freien Märkte beschränken. Damit einher geht ein zerstörerischer Wandel, der die Unsicherheit noch vergrößern und tatsächlich zu Arbeitsplatzverlusten in großem Stil führen könnte. Das Grundeinkommen kann hier wie ein vorbeugendes Sicherungssystem wirken und zu einem stabilisierenden Wirtschaftsfaktor werden, wenn die Beträge des Grundeinkommens bei Rezessionen ansteigen und in Zeiten des Aufschwungs fallen.

Doch woher kommt das Geld? Das Grundeinkommen wird bezahlbar, wenn alle Subventionen für Unternehmen und Empfänger höherer Einkommen gekürzt würden, eine Abgabe auf alle Formen von Mieteinnahmen erhoben und Steuern erhöht würden sowie ein unabhängiger Wohlfahrtsfonds gegründet würde, ähnlich dem Staatlichen Pensionsfonds in Norwegen, in den die Überschüsse der norwegischen Öleinkommen fließen.

Thomas Paine, ein Vordenker der Amerikanischen und Französischen Revolution, hat argumentiert, dass der Wohlstand einer Gesellschaft das Ergebnis gemeinsamer Bemühungen über Generationen hinweg sei, und dass alle Staatsbürger das Recht auf eine gleiche soziale Dividende erhalten sollten. Im 21. Jahrhundert fließen Zinseinkommen aber zunehmend an Grundstückseigentümer, die in den seltensten Fällen dafür gearbeitet haben. Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist eine revolutionäre Lösung, ohne dass Blut fließen muss. Politikerinnen und Politiker auf der ganzen Welt sollten es jetzt einführen, bevor der zornige Mob sie aus ihren Ämtern jagt.

© 2017 The World Post/Global Viewpoint Network

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19 Leserbriefe

NoComment schrieb am 25.01.2017
In einer Gesellschaft, die nicht in der Lage oder nicht willens ist, Massenarbeitslosigkeit zu beseitigen, ist das BGE wohl das letzte Mittel, die Aussortierten wieder an die Gesellschaft heranzuholen und die Auswüchse von Hartz-IV, insbesondere das menschenunwürdige Sanktionsregime, außer Kraft zu setzen.
Das BGE ist m.M. KEIN linkes Projekt. Die Linken wollen eine grundsätzlich egalitäre Gesellschaft. Sie wollen eine Emanzipation, die sich über Arbeit definiert. Die Rechten brauchen die Armut als Keule gegen die weniger Armen.
Grundgedanke des BGE ist eine Gesellschaft freier Individuen, letztlich von individuellen Klein-Unternehmern.
Es geht darum, dass Teile der Gesellschaft nicht in eine soziale und politische Parallelgesellschaft wechseln. Mit hohen Folgekosten.
andreas losert schrieb am 25.01.2017
Die Bemessungsgrundlage für Volkswirtschaften auf den solide gerechneten Sockel eines Grundeinkommens zu stellen, ist eine vernünftige Investition zur Zukunftssicherung und Stabilisierung der jeweils zu betrachtenden Volkswirtschaft. Ausgehend von einem stabilen Binnenmarkt wie EUROPA , würde ein Grundeinkommen über die Zeit sogar zur Reduktion bisheriger volkswirtschaftlicher Subventions-/System-/Sozialkosten beitragen. Im Zeitalter Industrie 4.0, brauchen die Menschen auch in den G20 Nationen wieder die in den 4 Punkten des Artikels beschriebene Lebenssicherheit, die in den ärmsten Ländern dieser Welt, leider als bisher bestehende soziale, wie ökologische Finanz-/ Wirtschaftsdefizite besonders negativ deutlich werden. Das Grundeinkommen ist überfällig.
Erik schrieb am 27.01.2017
Ist dieses Thema möglicherweise ein Wahlkampfgag der SPD, die sich heute noch für die Agenda 2010 und die Demontage der gesetzlichen Rente feiert? Der Abbau von Sozialsystemen und die Einführung des Niedriglohnsektors sind doch Folgen politischer Entscheidungen. Folglich sollten auskömmliche Löhne/ Renten und Sozialleistungen genauso wie sinnvolle Beschäftigung möglich sein, wäre der politische/ gesellschaftliche Wille nur vorhanden. Stattdessen wird die enorme Ungleichheit als eine Art Naturgesetz verkauft und die Aussortierten mit Almosen ruhiggestellt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas für die Entwicklung unserer Gesellschaft von Vorteil ist.
Reinhold Schramm schrieb am 27.01.2017
Das “BGE“-Modell finnischer Prägung dient vor allem der Absenkung der bisherigen Sozialleistungen. Nur das wird damit ausgetestet. Ob man damit erfolgreich die bisherigen durchschnittlichen Kosten von mtl. 1.500 Euro absenken kann? Mit diesem Versuchsballon von mtl. 560 Euro bemüht man sich die dafür freiwilligen Helfer und Illusionisten einzuspannen. Es handelt sich um ein Versuchsprojekt für den weiteren Sozialabbau in Finnland! Die große Mehrzahl der weniger stark motivierten Menschen bleibt dabei auf der Strecke! Das ist hinter der sozialen Fassadenmalerei damit auch erwünscht! Merke: Im Kapitalismus gibt es kein gesellschaftliches „bedingungsloses Grundeinkommen“.
Rolf schrieb am 27.01.2017
Reset.

Eine realistische Alternative zum Grundeinkommen - nicht notwendig vollkommen bedingungslos - ist der vierte Weltkrieg. Ausgelöst durch eine verzweifle, politisch indoktriniere Masse mit verantwortungslosen Führern. Die Superreichen sollten sich klar machen, dass auch sie den Folgen nicht entgehen. Bei der Verteilung der Vermögen ist er so etwas wie ein Reset.
Jürgen schrieb am 31.01.2017
Das Selbstwertgefühl und das Selbstbewusstseins des arbeitenden Menschen geht davon aus, dass er/sie seine Existenz gesellschaftlich durch eigen Arbeit und gesellschaftliches Engagement absichert. Viel Empfinden es als würdelos, Empfänger staatlicher Transferleistungen zu sein (die man ihm vorher als Steuer entzogen hat).
Diese "Allmachtsphantasien der Staatsfetischisten" uns alle zu gepamperten Menschen machen, weil es bei dem Prekariat soziale Nöte gibt hat im Kern etwas Totalitäres.
Ich will nicht zu dem Gefühl gezwungen werden, von staatliche "Almosen" zu leben!
Dustin schrieb am 31.01.2017
Letztlich ist Hartz IV bereits eine Art Grundeinkommen, um die Ärmsten am Leben zu erhalten und entspricht summenmäßig auch dem Vorgeschlagenen. Insofern mag diese Idee für Indien etc ohne soziales Netz eine Option sein, westliche Sozialstaaten haben dafür keinen weiteren Bedarf. Denn die Zahlung von Geld ohne Leistung würde die Idee der Meritokratie aushebeln - ein essentieller Grundsatz unserer liberalen, marktkapitalistischen Gesellschaft: sozialer Status ist an individuelle Leistung geknüpft, sonst können wir ja gleich eine kommunistische Kommune aufmachen.
Außerdem bleibt die Frage: wem stünde solch ein Grundeinkommen zu? Wo werden die Grenzen der Bedürftigkeit gezogen? Dies geht wieder mit endlosen Streitigkeiten der Exklusion einher und würde nur noch mehr sozialen Unmut erzeugen.
HORST schrieb am 31.01.2017
Grundsätzlich will es mir nicht gefallen, dass man irgendetwas völlig umsonst bekommt. Teil einer gemeinschaft von menschen zu sein, heisst auch, etwas für diese gemeinschaft zu tun. Ok, führen wir ein bedingungsloses grundeinkommen ein, kann die wohlfahrtsstaatsbürokratie total zurückgefahren werden. Zigtausende jobs in den staatl. verwaltungen werden überflüsssig. Steuern können gesenkt werden. Keine schlechte idee! Wer vom bedingungslosen grundeinkommen lebt, sollte keine sonstigen öffentl. zuwendungen bekommen. Gut, freie schulbildung, freier universitätszugang, aber NULL wohngeld etc. Wo sollen diese bezieher wohnen?
Das lohnniveau wird ansteigen.
Diese pilotprojekte sind nicht stichhaltig . Erst wenn es für alle bürger gleichzeitig eingeführt , sind brauchbare resultate zu erwarten
Dietlinde schrieb am 31.01.2017
Die Begründung der silicon valley-Denker für die Notwendigkeit eines Grundeinkommens wegen der Veränderung der industriellen Produktion 4.0 ist für mich die überzeugendere. Unsere Sozialsysteme müssen bei abnehmender menschlicher Arbeitnehmerzahl kollabieren. Das Grundeinkommen würde aber tatsächlich durch alle Steuerzahler finanziert.
Ob es nun jedem zufließen muss oder Menschen mit gutem Einkommen davon ausgenommen werden, kann ja noch überlegt werden. Es fehlen noch Berechnungen, wie diese Zahlungen steuerlich finanziert werden könnten.
An einer Änderung der Abgaben auf Gehälter und Wertschöpfung eines Betriebs kommen wir nicht vorbei. Ansonsten konzentrieren sich die Vermögen nur noch auf Unternehmer und Aktionäre und wenige wahrscheinlich gut bezahlte menschliche Spezialisten.
manfred fischer schrieb am 31.01.2017
Weil für viele künftig in der BRD eine gesetzliche Renten-Situation zukommt, die geradewegs ins soziale Elend im Alter hinführt.
Und die zuständigen PolitikerInnen bis heute nicht aufgearbeitet haben bzw das wollen.
Wie so in vielem, man(n) frau wartet ab.
" Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er zerbricht " ........so ein altes Sprichwort.....
Soziale Unruhen sind so vorprogrammiert ...

Manfred Fischer
Heinz Köberl schrieb am 31.01.2017
Mir war das BGE schon immer suspekt. Dann habe ich nach mehreren Artikeln es wirklich zu verstehen versucht. Und ich bin auf eine Parallele gestoßen. Im Bildungswesen. Stets wird da die "Chancengleichheits-Keule" geschwungen. Die Argumente liegen auf der Hand und sind schlüssig: Chancengleichheit im Angebot, mehr Geld für sozial Benachteiligte, Randgruppen usw. Doch niemand -weil die Wahrheit zu schmerzlich ist- erwähnt je, dass die Ungleichheit in den Ergebnissen auch auf einen zweiten größeren Faktor zurück zu führen ist: Nämlich dass Wissen eine HOLSCHULD ist. Und wer sich nun mal nicht bilden WILL, dem kann auch kein Angebot helfen. Letzlich auch beim BGE: Der Minimalismus ist es, der mich am BGE weiter zweifeln lässt. Leichteres Leben? Ja! Abstumpfung zur Bequemlichkeit: Nein.
Ralf Krämer schrieb am 31.01.2017
Der Text reflektiert die ökonomischen, sozialen und politischen Bedingungen, Risiken und Folgen, die der Versuch der Umsetzung einer solchen Idee bringen würde, völlig unzureichend. Die Erwerbsarbeit wird nicht verschwinden, und die Lohnquote zu stabilisieren oder gar zu erhöhen ist vielfach realistischer als die Vorstellung, man könnte sinkende Löhne durch ein BGE kompensieren, das ja irgendwoher finanziert werden müsste, also dann aus einer massiv erhöhten Besteuerung der Gewinne und Vermögenseinkommen. Die aber heute steuerlich viel weniger erfasst und herangezogen und sogar begünstigt werden. Außerdem sind die Proportionen und Größenordnungen der Umverteilung anscheinend gar nicht klar.
Klara schrieb am 31.01.2017
Ich bin entschieden für eine Neuverteilung der Einkommen und ebenso entschieden gegen ein sogenanntes bedingungsloses Grundeinkommen. Damit entlastet sich Politik und Wirtschaft von der Pfllicht, für ALLE einen sinnvollen produktiven Platz auch nur anzustreben. Mag sein, dass es in der Entwicklungshilfe oft sinnvoller ist, Menschen Geld statt Sachleistungen in die Hand zu geben. Die Versuche in Industriegesellschaften sind bezeichnenderweise alle solche für langfristig Arbeitslose, denen man damit signalisiert, dass sie überhaupt nicht mehr gebraucht werden. Was für ein zynisches Menschenbild!
Kistat schrieb am 31.01.2017
Unsere Arbeitsmoral leidet heute unter den krankmachenden Bedingungen, unter denen Millionen von Menschen in den Reproduktionsbranchen arbeiten... Ob in Pflege-,Reinigungs-, Erziehungsberufen - Menschen werden buchstäblich "ausgepresst" und sollen glauben, daß Arbeit als Ideal Lohn genug ist für ihren gesellschaftlicher Beitrag . Wer hinterfragt den heutigen Arbeitsbegriff ? welche gesundheitl Opfer müssen wir bringen, wenn wir in diesem System mithalten wollen.? ?Der Zorn der Kranken, Benachteiligten, Erniedrigten ist immer noch nicht groß genug - wenige haben die Kraft rechtzeitig die Bremse zu ziehen bzw sich neu zu orientieren -aus Angst vor Abstiieg, Statusverlust etc - Ein BGE wäre Grundstein für eine neue Arbeitswelt-,verteilung , die Arbeitsmoral könnte neu definiert werden.
Heinrich Triebstein schrieb am 01.02.2017
Friedrich von Hayek befürwortete schon in den 1930er Jahren das Grundeinkommen. 1997 fand auf Einladung Michail Gorbatschows eine Tagung in San Francisco statt. Ergebnis: 20 Prozent der Arbeitsfähigen werden gebraucht, um die notwendige Arbeit zu erledigen, die übrigen 80 Prozent werden mit Brot und Spielen ("tittytainment") abgespeist. Die Denkakrobaten übersehen in ihrer Überheblichkeit, dass in den Bereichen Familienarbeit und gesellschaftsbezogene Arbeit bisher unentgeltlich dafür gesorgt wird, dass unsere Gesellschaft überhaupt funktioniert. Folgen wir der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB), die die "Triade der Arbeit" vorschlägt, neben den 56 Milliarden Stunden Erwerbsarbeit die 96 Milliarden Stunden in den anderen beiden Bereichen finanziell zu entgelten. Na, Partei der Arbeit?
Heinz Köberl schrieb am 01.02.2017
@Klara
Genau diesen Hintergrund sehe ich auch. Man hat manchmal auch den Eindruck, dass ein gewisser Ideologenkreis sich um die Menschen grundsätzlich nicht mehr kümmern will, sondern alle Antworten in der Heilsbringung durch Gleichmacherei sieht.

@Kistat
In Opposition zu meiner eigenen Meinung räume ich ein, dass auch ich selbst in diesem klassischen Wertschöpfungskreis denke. Was Sie schreiben, ist sehr real. Doch müsste man dann anstatt dem BGE eine komplette gesellschaftliche Neuordnung der Arbeitswelt diskutieren? Gerade wenn ich jetzt Keynes bemühe, halte ich den gezeichneten Kreislauf für das Funktionieren des BGE unter den derzeitigen ökonomischen Regeln für utopisch.
Da müsste doch ein kompletter Neubeginn stehen, allein schon wegen der Schuldenkralle. Oder?
Kistat schrieb am 02.02.2017
@Heinz
Ein kompletter Neubeginn wäre für mich nur durch eine Revolution denkbar - wenn wir die Urgeschichte bemühen, mußten erst ganze Arten aussterben, bevor eine neue Intelligenz und neue Systeme entstehen konnten - also doch ein 4. Weltkrieg ? Die Wertediskussion ist an versch Stellen der Welt schon voll im Gange..und es gibt noch (o wieder) Kreise, Gruppen, Lebensgemeinschaften mit anderen Denkmodellen u Werteregelwerke - viel demokratischer, als all das hier, was sich in unseren Breitengraden "demokratisch" schiimpft. Einfach suchen.
Auch ich bin skeptisch, ob ein BGE wie ich mir es in etwa vorstelle ( Modell Norweg mit seinen Pensionskassen z B ) als Standardmodell funktionieren würde.. aber in Ländern mit geringer Population (Skandinavien) ,best Regionen Dtls könnte es klappen.
Heinz Köberl schrieb am 02.02.2017
@Kistat
Da könnten Sie Recht haben. Denn wenn man von Guy Standings Perspektive ausgeht: "....Das Prekariat besteht aus Millionen von Menschen, die mit sinkenden Gehältern, unbeständigen Einkommen und ohne Beschäftigungsidentität und -sicherheit leben. Das politische Establishment hat das Prekariat bisher ignoriert und zahlt nun einen hohen Preis..." Ob sich Herr Standing bewusst ist, dass das kein hoher Preis war, der da jetzt gezahlt werden muss? Ich sehe bisher überhaupt keinen Preis. Gerade in der Zeit unter Obama hatten wir z.B. eine Vermögensvervielfachung der Reichsten wie nie zuvor. Das, obwohl man schon seit 7-8 Jahren ständig von Wutbürgern schreibt. Stimmen die angewandten Eckpunkte der Ökonomie nicht? Oder geht er von einem unveränderbaren System aus, obwohl er es voraussetzt?
Heinz Köberl schrieb am 03.02.2017
Korrektur des letzten Satzes und Sorry:
"Oder geht er von einem unveränderbaren System aus, obwohl er eine Veränderung voraussetzt?"

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