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Am 8. November wird zurückgeschossen

Donald Trump und die Lehren der Nazi-Demagogie.

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Vielleicht ist es einfacher für einen großsprecherischen Ignoranten, große Mengen von Menschen zu überzeugen, deren Wissen über die Welt so gering ist wie sein eigenes.

Die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten in den USA, Hillary Clinton, hat die Anhänger ihres Gegners Donald Trump kürzlich als „einen Haufen Erbärmliche“ bezeichnet. Das war weder taktvoll noch elegant formuliert, und Clinton hat sich später dafür entschuldigt. Aber sie hatte eher Recht als Unrecht. Trump zieht eine Vielzahl von Unterstützern an, deren Ansichten beispielsweise zur Rasse sehr wohl erbärmlich sind. Das Problem ist, dass viele dieser erbärmlichen Wähler zugleich relativ ungebildet sind, was Clintons Bemerkung snobistisch aussehen ließ. Beklagenswerterweise gibt es in den USA zu viele relativ ungebildete Menschen.

Unter den entwickelten Ländern nehmen die USA, was die Lese- und Schreibfähigkeit, die Allgemeinbildung und die naturwissenschaftlichen Kenntnisse angeht, einen niedrigen Platz ein. Japaner, Südkoreaner, Holländer, Kanadier und Russen weisen konsequent höhere Werte auf. Dies beruht zumindest teilweise darauf, dass man in den USA die Bildung zu stark dem Markt überlässt: Wer Geld hat, ist hochgebildet, und wer nicht über ausreichende Mittel verfügt, ist nicht gebildet genug.

Clinton scheint bisher eindeutig die gebildeteren städtischen Wähler anzusprechen, während Trump überwiegend für die weniger gebildeten weißen Männer attraktiv ist, von denen viele in früheren Generationen demokratisch wählende Berg- oder Industriearbeiter gewesen wären. Bedeutet dies, dass es eine Verknüpfung zwischen Bildung bzw. Bildungsmangel und der Attraktivität eines gefährlichen Demagogen gibt?

Besonders bemerkenswert in Bezug auf Trump sind das Ausmaß seiner eigenen Unwissenheit (trotz seines hohen Bildungsabschlusses) und die Tatsache, dass er davon zu profitieren scheint, dass er damit prahlt. Vielleicht ist es einfacher für einen großsprecherischen Ignoranten, große Mengen von Menschen zu überzeugen, deren Wissen über die Welt so gering ist wie sein eigenes.

Viele von Trumps Anhängern scheinen nicht viel Wert auf sachliche Argumente zu legen – dies ist etwas für „liberale“ Snobs.

Doch beruht diese Annahme darauf, dass Tatsachen in der Rhetorik eines populistischen Agitators eine Rolle spielen. Viele von Trumps Anhängern scheinen nicht viel Wert auf sachliche Argumente zu legen – dies ist etwas für „liberale“ Snobs. Was mehr zählt, sind Emotionen, und die wichtigsten Emotionen, die Demagogen in den USA und anderswo manipulieren, sind Furcht, Ressentiments und Misstrauen.

Dies war auch in Deutschland der Fall als Hitler an die Macht kam. Doch fand die NSDAP die Masse ihrer Unterstützer in ihrer Frühphase nicht unter den am wenigsten gebildeten Teilen der Bevölkerung. Deutschland war im Durchschnitt gebildeter als andere Länder, und zu den begeistertsten Nazis gehörten Lehrer, Ingenieure und Ärzte sowie, auf dem Land, Kleinunternehmer, Angestellte und Landwirte.

Die städtischen Fabrikarbeiter und konservativen Katholiken waren insgesamt weniger anfällig für Hitlers Einflüsterungen als viele hochgebildete Protestanten. Geringe Bildungsstandards bieten keine Erklärung für Hitlers Aufstieg.

Furcht, Ressentiments und Misstrauen waren nach der Schmach der Niederlage im Ersten Weltkrieg und inmitten einer verheerenden Wirtschaftsdepression groß in der Weimarer Republik. Doch die von den Propagandisten der Nazis geschürten rassischen Vorurteile waren andere als die, die heute bei vielen Trump-Anhängern erkennbar sind. Damals wurden die Juden als unheilvolle Kraft betrachtet, die die Eliteberufe dominierte: als Banker, Professoren, Anwälte, in den Nachrichtenmedien oder in der Unterhaltungsbranche. Sie waren die Verräter aus der „Dolchstoßlegende“, die den Wiederaufstieg Deutschlands verhinderten.

Die Anhänger Trumps zeigen einen ähnlichen Groll gegen die Symbole der Elite, wie etwa Wall-Street-Banker, die etablierten Medien und Washingtoner „Insider“. Ihre Fremdenfeindlichkeit jedoch richtet sich gegen arme mexikanische Einwanderer, Schwarze oder Flüchtlinge aus dem Mittleren Osten, die als Schmarotzer wahrgenommen werden, welche ehrliche (sprich: weiße) Amerikaner um den ihnen zustehenden Platz in der sozialen Hackordnung bringen. Relativ unterprivilegierte Menschen in der zunehmend multikulturellen Welt der Globalisierung grollen jenen, die noch weniger Privilegien genießen.

In den heutigen USA haben die Aufgebrachten und Ängstlichen wie einst in der Weimarer Republik so wenig Vertrauen in die bestehenden politischen und wirtschaftlichen Institutionen, dass sie einem Führer folgen, der verspricht, das System im größtmöglichen Maße durcheinanderzurütteln. Wenn der Stall ausgemistet wird, so ihre Hoffnung, wird das Land wieder groß werden. In Hitlerdeutschland bestand diese Hoffnung in allen gesellschaftlichen Schichten, der Elite ebenso wie im Plebs. In Trumps Amerika herrscht sie überwiegend bei letzterer.

Für die wohlhabenderen und gebildeteren Wähler in den USA und Europa, die von offenen Grenzen, billigen eingewanderten Arbeitskräften, der Informationstechnologie und einer breiten Palette kultureller Einflüsse profitieren, nimmt sich die heutige Welt weniger furchteinflößend aus. Genauso haben Einwanderer und ethnische Minderheiten, die ihr Leben verbessern wollen, kein Interesse daran, einer populistischen Rebellion beizutreten, die sich vor allem gegen sie selbst richtet, und werden daher für Clinton stimmen.

Die Tatsache, dass ausreichend viele unzufriedene Menschen so empfinden und einen derart ungeeigneten Präsidentschaftskandidaten tragen, ist eine Anklage gegen die US-Gesellschaft.

Trump muss sich auf die unzufriedenen weißen Amerikaner stützen, die das Gefühl haben, abgehängt zu werden. Die Tatsache, dass ausreichend viele unzufriedene Menschen so empfinden und einen derart ungeeigneten Präsidentschaftskandidaten tragen, ist eine Anklage gegen die US-Gesellschaft. Dies hat etwas mit Bildung zu tun – nicht, weil gebildete Menschen gegen Demagogie immun wären, sondern weil ein kaputtes Bildungssystem zu viele Menschen benachteiligt.

In der Vergangenheit gab es ausreichend Arbeitsplätze in der Industrie, so dass sich die weniger gebildeten Wähler einen angemessenen Lebensunterhalt verdienen konnten. Heute, wo diese Arbeitsplätze in den postindustriellen Gesellschaften verschwinden, haben zu viele Menschen das Gefühl, nichts mehr zu verlieren zu haben. Dies ist in vielen Ländern so, aber ist in den USA von größerer Bedeutung, denn wenn hier ein bigotter Demagoge ins höchste Amt gewählt würde, würde dies nicht nur den USA selbst, sondern allen Ländern, die versuchen, in einer immer gefährlicheren Welt an ihren Freiheiten festzuhalten, großen Schaden zufügen.

(c) Project Syndicate

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4 Leserbriefe

Inge schrieb am 11.10.2016
Hallo, der Artikel ist sehr gut. Meine Frage: der Artikel stammt von einem US-Prof. und sollte daher als ORIGINAL in englischer Sprache VERFÜGBAR. SEIN.
GIBT ES GENERELL DIE MÖGLICHKEIT, DIE IPG-VERÖFFENTLICHUNGEN IN ENGLISCHER SPRACHE ZU ERHALTEN? DarN WÄRE ICH INTERESSIERT UM SIE MEINEN VIELEN INTERNATIONALEN FREUNDEN WEITER LEITEN ZU KÖNNEN.
BITTE UM NACHRICHT.
Inge Hagemann
weissammer schrieb am 17.10.2016
So ein amerikafeindlicher Amerikaner aber auch! Aber selbst wenn Clinton gewinnt, bleibt Amerika, wie es ist. Das Schlimme dabei ist,
das die Europäer dieser so gearteten Führungsmacht stumpfsinnig hinterher trotten. Einem Land, in dem es die Todesstrafe gibt, in dem fast jede Woche irgendwo eine Schießerei stattfindet, in dem über 2 Millionen Menschen in Gefängnissen sitzen, das im Vietnamkrieg Agent Orange eingesetzt hat, das mit Drohnen und Streubomben (Afghanistan) Krieg führt, dem wir die Finanzkrise und unsere derzeitige Flüchtlingskrise verdanken, das in allen Konflikten dieser Welt die Hände im Spiel hat, und zwar nicht als Konfliktlöser, sondern als -Verursacher. God bless Amerika und Europa gleich mit. Vielleicht steht beim nächsten Mal Mickey Mouse zur Wahl und Europa folgt.
Galgenstein schrieb am 18.10.2016
So schlecht ist das, was man gemeinhin als Bildung bezeichnet, in den USA nun auch wieder nicht. Wer die Highschool absolviert hat, sollte Lesen und Schreiben und manch anderes können. Doch auch hier gilt: man kann die Pferde zur Tränke führen, saufen müssen sie selber. Es ist Kennzeichen bildungsferner Schichten, dass sie zwar gerne beklagen keinen Anschluss zu haben, aber bereits die Schaltstelle für zukünftigen Erfolg links liegen lassen. Nun sind die Aussichten in Deutschland vielleicht besser, doch auch hier kann kaum geleugnet werden, dass selbst Menschen mit Studium und Abitur einen bisweilen befremdlichen Hang zu obskuren Theorien aufweisen. Man will nicht etwas wissen, gar besser wissen, sondern man will wieder glauben dürfen. Dagegen kommt auch Bildung schwerlich an.