Populismus: Die Irrtümer der Linken

Um einen politischen Gegner erfolgreich zu bekämpfen, muss man ihn richtig verstehen. Dabei müssen auch liebgewordene Feindbilder aktualisiert werden.

Ganz klar: Das sind keine Windmühlen, sondern Riesen. Mit Flügeln. Peter O'Toole in "Der Mann von La Mancha".

Betrachtet man aktuelle Umfragen, dann lassen die Europawahlen wenig Gutes erwarten. Populistische Parteien liegen in einer Reihe von Ländern ganz weit vorne: Zurzeit rangiert UKIP in Großbritannien auf Platz Zwei, ebenso die Front National in Frankreich und die Movimento 5 Stelle in Italien. In den Niederlanden geben aktuelle Umfragen Geert Wilders Partij voor de Vrijheid einen doppelt so hohen Stimmanteil wie der sozialdemokratischen PvdA.

Damit sind rechtspopulistische Parteien immer noch keine europaweiten Massenphänomene. Ihr Stimmanteil kann die etablierte Ordnung der Dinge nicht wirklich gefährden, weder national noch europäisch. Aber ihr Wachstum geht auf Kosten traditioneller linker und sozialdemokratischer Parteien, denen sie Wähler abspenstig machen, die sich in der bestehenden Ordnung nicht mehr aufgehoben fühlen. Und in einer EU der Krisen und der Massenarbeitslosigkeit drohen das immer mehr zu werden. Um diesen Prozess zu stoppen, muss die Linke die Populisten und ihrer Wähler endlich ernst nehmen.

Die Linke hat die durch den Populismus artikulierte Unzufriedenheit niemals wirklich ernst genommen, sondern mit pädagogisierender Arroganz bei Seite gewischt.

Die bisherigen Artikel in diesem ipg-Schwerpunkt zum Rechtspopulismus haben die wachsenden Stimmanteile für rechtspopulistische Parteien im Wesentlichen als Alarmzeichen interpretiert: Als "politischen Hilferuf" sich marginalisiert fühlender Menschen (Laurent Baumel), als “Zeichen” für eine zunehmende Unzufriedenheit mit zentralen gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklungen (Anthony Painter), als Artikulation einer wachsenden Besorgnis gegenüber Art und Geschwindigkeit der europäischen Integration (André Gerrits).

Diese Interpretationen sind richtig und entsprechend wichtig. Denn allzu lange hat es sich die Linke bei der Interpretation des Wachstums populistischer Bewegungen viel zu einfach gemacht. Sie hat die durch den Populismus artikulierte Unzufriedenheit niemals wirklich ernst genommen, sondern mit pädagogisierender Arroganz bei Seite gewischt. Die Auseinandersetzung mit den Argumenten der Populisten wurde schlicht verweigert. Diese Haltung nützt nur einer Seite: Den Rechtspopulisten, die von Wahl zu Wahl stärker werden und immer tiefer in Wählerschichten der linken Mitte einbrechen.

 

Die Irrtümer der Linken

Der größte Irrtum der Linken war es lange Zeit, das Wachstum populistischer Parteien einfach im Sinne eines gesellschaftlichen „Rechtsrucks“ zu interpretieren. In Wahrheit findet die Expansion rechtspopulistischer Parteien in Europa in einem Umfeld statt, dass von einem weltweit einzigartig liberalen gesellschaftlichen Klima geprägt ist. Die Alltagskultur der säkularisierten Gesellschaften Europas ist tiefenliberalisiert, hedonistisch und antiautoritär. Viele Wähler der Rechtspopulisten sind bestenfalls „failed consumers“ im Sinne Zygmunt Baumanns: Sie wollen keine andere Gesellschaft, sondern endlich an der, die es gibt, teilhaben: als vollwertige Konsumenten, d.h. als vollwertige Bürger einer konsumistischen kapitalistischen Gesellschaft. Ein gutes Beispiel für diese Entwicklung (und deren schlampige Interpretation durch die politische Linke) ist das Schweizer Zuwanderungsreferendum. Am 9. Februar konnten die Schweizer nicht nur über die Zuwanderung abstimmen. Vielmehr standen drei Referenden an: Über die Begrenzung von Zuwanderung, über eine langfristige staatliche Grundfinanzierung höherer Investitionen in die Bahninfrastruktur und eine Entscheidung darüber, ob die Entschädigung von Abtreibungskosten durch die obligatorische Krankenversicherung abgeschafft werden soll. Das Ergebnis: Die Zuwanderungsinitiative ging ganz knapp durch, die staatlichen Investitionen in die Bahninfrastruktur wurden massiv unterstützt und die Abtreibungskosten werden weiterhin von der Krankenkasse übernommen. Ein gesellschaftlicher Rechtsruck sieht irgendwie anders aus.

Die Alltagskultur der säkularisierten Gesellschaften Europas ist tiefenliberalisiert, hedonistisch und antiautoritär. Viele Wähler der Rechtspopulisten sind bestenfalls „failed consumers“: Sie wollen keine andere Gesellschaft, sondern endlich an der, die es gibt, teilhaben.

Ein zweiter Irrtum der Linken war es lange Zeit, Rechtspopulismus als ein Phänomen von „Ewiggestrigen“ abzutun, das sich vermutlich biologisch erledigen würde. Ganz abwegig war diese Interpretation anfänglich nicht – zumal nicht im deutschsprachigen Raum, wo die braunen Wurzeln der FPÖ oder die SS-Vergangenheit Franz Schönhubers das Image etwa der „Republikaner“ prägten. Auch Jean-Marie Le Pen machte eine solche Interpretation leicht. Aber die Zeiten haben sich geändert. Die Rechtspopulisten werden nicht weniger, sondern sie werden mehr. Und sie gewinnen gerade auch bei jungen Menschen und Erstwählern dazu: Die Rentnerparteien sind heute andere. Und dabei geht es immer noch schlimmer. Die rechtsextreme Jobbik in Ungarn findet, so Umfragen, die Unterstützung von einen knappen Drittel der ungarischen Studenten.

Genauso wenig sind rechtspopulistische Parteien notwendigerweise autoritäre Phänomene im Sinne eines klassischen Rechts-Links-Schemas. Auch hier hat sich in den letzten Jahren eine Veränderung ergeben, die erheblich zum Erfolg dieser Bewegung beigetragen hat: Geert Wilders und Front National präsentieren sich zunehmend erfolgreich als Verteidiger „westlicher Werte“ von gesellschaftlicher Liberalität, sexueller Selbstbestimmung und religiöser Neutralität öffentlicher Einrichtungen, des laizistischen Charakters der Republik und der Gleichberechtigung der Geschlechter. In einer bitteren Ironie der Geschichte präsentieren sie sich als Verteidiger der Liberalität der hedonistischen post-68-Gesellschaften, die alltagskulturell von religiös-kulturellen Normen vor allem des Islam in Frage gestellt werden.

Die rechtspopulistischen Bewegungen sind nicht anti-demokratisch, ganz im Gegensatz zu den Bewegungen des klassischen Faschismus. Ihre Forderung ist nicht weniger Demokratie, sondern mehr.

Und die rechtspopulistischen Bewegungen sind nicht anti-demokratisch, ganz im Gegensatz zu den Bewegungen des klassischen Faschismus. Ihre Forderung ist nicht weniger Demokratie, sondern mehr. Erfolgreiche Rechtspopulisten präsentieren sich nicht mehr als Führerparteien, in denen charismatische Führer den Massen den Weg in den Himmel zeigen. Sondern sie präsentieren sich als Resonanzkörper des Denkens der kleinen Leute, das in der vermachteten Elitendemokratie der „Systemparteien“ keine politische Wirksamkeit mehr entfalten kann. Die Logik des Populismus ist bottom-up, nicht top-down. Daher die Forderung nach Referenden und Volksabstimmungen, etwa nach Vorbild der Schweiz oder wie bei den Volksabstimmungen zum Europäischen Verfassungsvertrag. Und es sind die klassischen Volksparteien, die sich von der allzu direkt ausgeübten Volkssouveränität zu distanzieren beginnen.

 

Nehmt den Gegner endlich ernst!

Die Linke täte sehr gut daran, sich von liebgewordenen Feindbildern zu verabschieden und die Rechtspopulisten in Europa als einen ernst zu nehmenden Gegner zu betrachten. Einen Gegner, der moderner und gesellschaftlich verankerter ist, als uns lieb sein kann. Er ist längst in Terrains und Milieus eingebrochen, die wir lange für unseren natürlichen Hinterhof gehalten haben. Und er artikuliert Probleme, die reell, und nicht herbeifantasiert sind. Laurent Fabius formulierte bereits 1984 als Premierminister den Satz, die „Front National stellt die richtigen Fragen, gibt aber die falschen Antworten“. Dreißig Jahre später finden immer mehr Franzosen, dass sie auch die richtigen Antworten gibt: Anfang 2014 erklärte ein gutes Drittel der Franzosen, dass sie die Positionen der FN teilten, ein neuer Rekord.

Irgendetwas ist in den vergangenen dreißig Jahren falsch gelaufen. Wenn das anders werden soll, müssen wir umgehend unser Feindbild aktualisieren.

Von: Ernst Hillebrand
Veröffentlicht am 22.04.2014
Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Bestellen Sie hier den Newsletter.
S_Stölting schrieb am 23.04.2014
Das Beste, was ich zum Thema seit Langem gelesen habe! Die weitgehende Abkoppelung der etablierten Parteien zeigt sich eben nicht nur im Verhältnis zum sympathisierenden politischen Umfeld, sondern auch und gerade im Konstrukt eines politischen Gegners, das - leider - längst nicht mehr den tatsächlichen Gegebenheiten entspricht. Um den Poplismus erfolgreich bekämpfen zu können muss jetzt zunächst einmal die Zielerfassung neu justiert werden. Die Alternative: Moralisierende Apelle, die das Problem nicht beheben, sondern durch politische Polarisierung nur vergrößern.
Hermann J.+Joerissen schrieb am 23.04.2014
Da sollten sich die "linken" Parteien einmal ernsthaft fragen, ob sie das, was sie im Regierungshandeln "ihren" Wählern anbieten (Schroeders Agenda 2010 mit dem Hartz-IV-Entwertung des Arbeits-Ethos und Aushöhlung des Renten-Umlage-Systems als Generalangriff auf den Sozialstaat, sowie die demokratiezerstörenden grossen Koalitionen, die nur der Postensicherung von Parteifunktionären, nicht aber aber der Vermeidung eines nicht vorhandenen Staatsnotstands, dienen) noch den Erwartungen der Wähler an einen demokratischen Sozialstaat entspricht. Offensichtlich nützt das totale Versagen der "linken" Parteien in dieser Hinsicht dem Erstarken der reaktionären Parteigruppierungen mit ihrem Gespür für einfache Fragen und noch einfachere Antworten darauf. Dass sie populistisch sind, ist wohl nicht das grösste Problem, wenn die "linken" Parteien mit den besseren Antworten und dem wirklichen Handeln populistisch wären, könnte man das ja nur begrüssen.
karsten d. voigt schrieb am 23.04.2014
Ernst Hillebrand beschreibt das Problem völlig korrekt: Die SPD sollte auch weiterhin für Liberalität, Modernisierung und die kulturelle, wirtschaftliche und soziale Offenheit Deutschlands für Einflüsse aus Europa und darüber hinaus stehen.
Es gibt aber in diesem Prozess auch ökonomische Verlierer und Menschen, die sich in ihrer Identität durch die Prozesse der Internationalisierung bedroht und überfordert fühlen. Die daraus entstehenden Ängste muss die SPD ernst nehmen, ohne sozialdemokratische Ziele preiszugeben. Dies ist nicht nur aus wahltaktischen Gründen wichtig. Ein ebenso wichtiger Grund für eine solche Politik ist es zu verhindern, dass Benachteiligte und schlechter Ausgebildete sich nicht mehr im demokratischen Prozess repräsentiert sehen und sich deshalb aus ihm zurück ziehen bzw. gegen ihn definieren.
Joaquin schrieb am 23.04.2014
Ich finde den Artikel wirklich hervorragend! Interessant fuer mich auch deshalb, weil ich seit Jahren in Argentinien lebe und immer wieder erstaunt bin, wie sogenannte "linkspopulistische" Regierungen Lateinamerikas (Von Argentinien, Bolivien, Ecuador, und Venezuela ganz besonders zu sprechen) insbesondere in der linken europäischen Presse immer wieder als antidemokratische und gar gefährliche Probleme dargestellt werden und oft als Kuriositäten unterentwickelter Demokratien abgetan werden. Dabei geschieht hier genau das: die Forderung nach starken Staaten, die es den Ausgeschlossenen ermoeglichen, an der Konsumgesellschaft und am demokratischen System überhaupt teilzuhaben. Daher auch ihre "Popularität" (sic).Ich finde hierzu den Beitrag des kürzlich verstorbenen Philosophen Ernesto Laclau sehr aufschlussreich.
Jochen Tholen schrieb am 24.04.2014
Sehr geehrter Herr Hillebrand,
ich bedanke mich ausdrücklich für Ihre Analyse, die ein Stück weit mit dazu beitragen kann, die in Deutschland ach so populären Denk- und Sprechverbote zu durchbrechen.
Mit freundlichen Grüßen
Jochen Tholen
Roter Rainer schrieb am 24.04.2014
Ich befürchte, dass die tatsächlichen Aussagen Ernst Hillebrands von Linken nicht verstanden werden. Die Linken, oder solche, die sich als links und liberal empfinden, hören einfach nicht zu.

Bei der ZEIT Online bspw. wird jeder Kommentar, der nicht in das Multikulti-Hurra-Zuwanderungs-Weltbild passt, nicht nur beschnitten, sondern allzu häufig ganz wegzensiert, also gelöscht, nicht ohne dass eine denunzierende 'Begründung' in der Form beigegeben wird, dass der Leserkommentar diskriminierend, fremdenfeindlich, rassistisch oder 'von der Argumentationsstruktur' her fremdenfeindlich sei, man dem Kommentar also seitens der Online-Redakteure intellektuell und argumentativ nicht gewachsen ist und nicht beikommt.

Wer also die deutsche Kultur nicht infrage stellt, sie nicht delegitimiert und verächtlich macht, oder gar angestammter Deutscher ist ['Bio-Deutscher' wie Cem Özdemir die Deutschen lächerlich macht] und sich dafür nicht rechtfertigt und schämt, der muss zwangsläufig fremdenfeindlich und rassistisch sein.

Die Linken machen die sogenannten rechtspopulistischen Parteien auf diese Weise tatsächlich stärker und indem sie der angestammten Bevölkerung jegliches Recht zur Selbstbestimmung absprechen und sie wie unmündige Kinder abkanzeln.

Und natürlich darf man einem Teil der Linken (SPD&Grüne) erst gar nicht mit Tatsachen kommen.

https://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2013/maerz/das-neue-elendzehn-jahre-hartz-reformen-0

Darauf reagieren sie ganz verstimmt. Oder sie beschönigen und verdrehen die Tatsachen. Auch wenn es da nichts schönzureden gibt.

2005 erstattete G. Schröder mit vor Stolz geschwellter Brust vor den [sic] europäischen Milliardären und Multimillionären in Davos seine Erfolgs- und Vollzugsmeldung: '... Wir müssen und wir haben unseren Arbeitsmarkt liberalisiert. Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt. ...'

http://www.gewerkschaft-von-unten.de/Rede_Davos.pdf

Ziel der SPD war es also, den bereits bestehenden Niedriglohnsektor (1996 ca. 16%) nicht zu verringern oder zumindest stabil zu halten - was eigentlich sozialdemokratische Politik gewesen wäre - sondern ihn massiv zu erweitern (2007 ca. 23%).

Unternehmer stellen demzufolge nicht mehr Leute ein, wenn aufgrund auskömmlicher Löhne & Gehälter der Arbeitnehmer viel bei ihnen gekauft wird, ihre Auftragsbücher voll sind und sie ihre Produktion ausweiten müssen, sondern weil man (SPD&Grüne) den Arbeitsmarkt in eine Kartoffelsackökonomie verwandelte, in der die Menschen eben auch so rumgeschubst werden können.

Wenn das Beschwichtigen und Schönreden nicht hilft, werden die Erklärungsmuster der Laissez-faire-Wirtschaftsliberalen ('Neoliberale') übernommen. Bei den so gescholtenen und uneinsichtigen Menschen muss es sich einfach um ängstliche und nicht anpassungsfähige 'Modernisierungsverlierer' handeln.

Das so gerade auch von SPD&Grünen vermittelte Bild einer Gesellschaft, die in 'Gewinner und Verlierer' aufgeteilt wird, ist natürlich kein ursprünglich linkes Menschen- und Weltbild, wird aber als ein solches verkauft. Die Menschen werden aus dieser Sicht in ihrer sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Existenz auch nicht tatsächlich bedroht und infrage gestellt, sie fühlen einfach nur so.

Weil diese Menschen nun so uneinsichtig sind, müssen sie bekämpft werden.

Paul Krugman fasste dies so zusammen:
'... Es gibt eine landesweite Bewegung, die Arbeitslosen zu bestrafen, und zwar beruht die auf der Prämisse, man könne die Arbeitslosigkeit dadurch beseitigen, dass man das Leben der Arbeitslosen noch erbärmlicher macht…

Aber der Kampf gegen die Arbeitslosen beruht nicht ausschließlich auf Grausamkeit, er ist eher eine Verbindung von schäbiger Gesinnung und wirtschaftlicher Fehleinschätzung…'

http://www.nachdenkseiten.de/?p=17836#h05

Bessere Botschafter dieser niederträchtigen und abgrundtiefen Menschenhasserei als SPD&Grüne findet man derzeit kaum. Das Ganze ist auch die eigentliche Begründung für die Agenda 2010.

Wie tatsächlich sozialdemokratische Politik aussah und heute aussehen könnte und müsste, ließt man in der Regierungserklärung Willy Brands vom 28. Oktober 1969

http://www.hdg.de/lemo/html/dokumente/KontinuitaetUndWandel_erklaerungBrandtRegierungserklaerung1969/
Ch. Christen schrieb am 24.04.2014
Der Beitrag ist in einigen allgemeinen Punkten zutreffend. Er bleibt aber substanz- und letztlich folgenlos, da nicht "Roß und Reiter" genannt werden. Wer ist denn die "Linke",die versagt hat? Will man den aufgestellten Anspruch nach Ernsthaftigkeit in der Debatte um den Rechtspopulismus einlösen, wäre genau hier ein Mindestmaß an Redlichkeit geboten.

Es war u.a. immer ein Teil der "Linken" in- und außerhalb von Parteien und Parlamenten, die auf die angesprochenen realen Probleme ständig hingewiesen hat. Etwa in den etablierten Regierungsparteien der "Linken", die in Europa als sozialdemokratische und sozialistische Parteien auftreten. Und aus diesen "linken" Parteien heraus - zumeist aus den Führungsgremien - gibt es bis heute genau die Reaktionen, die im Text kritisiert werden. Pädagogisierend und anmaßend wird behauptet, die Menschen würden nur nicht richtig zuhören und verstehen. Es hapert also nur an der Verkaufe ihre doch so guten Regierungspolitik dieses Teils der "Linken". Dieses endlose PR-Gelaber von Polit-Darstellern zielt stets darauf ab, die realen Ängste und Erfahrungen viele Menschen nie ernst nehmen zu müssen. Ansonsten müsste sich die "Linke" in Regierungsverantwortung selbstkritisch fragen, ob die verfolgte Politik der letzten Jahrzehnte so famos war, wie sie selbst und ihre schrumpfende Wählerschaft halluziniert. Oder ob es nicht doch mehr Grips und ganz andere Antworten bräuchte, um zu regieren.
KPD-Nürtingen schrieb am 24.04.2014
Der Artikel ist sehr gut. Hinzuzufügen bleibt, dass die SPD und Die Grünen, seit Ihrem Wahlbetrug durch Hartz IV ohnehin keine linken Parteien mehr sind. Zur eigenen Bereicherung kungeln Sie mit dem Kapital. Durch diese Verhöhnung Ihrer früheren Stammwähler, um nicht zu sagen "gezielter Verarschung", gehen viele Wähler erst gar nicht mehr zur Wahl. Rot-Grün ist somit der beste Förderer für die Rechtsparteien und den Faschismus in Europa.

Wer hat uns also verraten? Sozialdemokraten!
Michael Kraus schrieb am 25.04.2014
Der Text ist richtig in seiner Kritik an der "gemäßigten Linken" in Deutschland - parteipolitisch: SPD, Grüne, rechter Flügel der LINKEN - und deren autoritärer, rechter Wirtschafts- und Sozialpolitik. Diese führt maßgeblich zum Erstarken des (Rechts-)Populismus, der inzwischen auf traditionell "linkem Gebiet" wildert, weil die "gemäßigt Linken" lupenreine rechte Politik betreiben und damit einen bedeutenden Teil ihrer bisherigen Anhänger/innen - die von Abstieg(sängsten) bedroht sind - ins Unpolitische oder die Arme der (Rechts-)Populisten treibt.

Was leider fehlt, sind Ansatzpunkte für eine linke Gegenoffensive im Zeitalter des Finanzkapitalismus. Insbesondere wären die Fragen zu beantworten: 1) Wie sehen Konzepte für eine andere Politik aus, wenn im Parlamentarismus nachweislich jede Partei strukturell bestechlich ist? 2) Welche andere Wirtschafts- und Sozialpolitik soll betrieben werden bei offenen Grenzen fürs Kapital? 3) Wer ist das "revolutionäre Subjekt" in der heutigen Zeit, wo sich fast niemand mehr als Arbeiter verstehen will und die "Klasse an sich" keine "Klasse für sich" wird? Fragen über Fragen.
Patrick schrieb am 26.04.2014
Ich mag die sogenannten rechtspopulistischen Parteien europaweit fast immer mehr als die anderen Parteien, die etablierten, die die natürlich nicht populistisch sind.

Und ich werde auch weiter „rechtspopulistische Parteien“ wählen, egal wie sehr man sie als rechtspopulistisch beschimpft.
Lusru schrieb am 17.07.2014
Wenngleich ich den Text als "nicht fertig" sehe (bzgl. Vollständigkeit - und mit dem Problem Populismus), habe ich interessiert gelesen und sehr wohl auch verstanden, was gemeint ist, trotzdem es nicht immer dem entspricht, was gesagt wurde.
Insofern - was hier dargelegt gemeint wird - finde ich den Beitrag höchst interessant und hinweisend.

Allerdings stört der leider auch dabei benutzte Populismus, der sich darin äußert, daß von "der" Linken die Rede ist, obwohl wir heute wissen, daß es "die" Linke nicht gibt, nie gab. Da ist also eine höchst ungenaue Verallgemeinerung (Populistik) im Spiel, die nichts weiter besagt, als daß der Autor nicht "Linke" ist, nicht sich dazu zählen möchte, mehr nicht.

Das mit "der Rechten" wird adäquat behandelt mit der gleichen belanglosen Aussage, daß der Autor keiner davon ist.

Dann die nächste Leichtfertigkeit der gleichen Art:
"Der" Populismus
- als ob es nur einen gäbe, und:
als ob deshalb (warum wohl sonst?) Populismus etwas ganz Schlechtes ist, und anscheinend - so suggeriert der Text - Populismus deshalb eine Angelegenheit ist, die nur bei "den Rechten" und "den Linken" "angetroffen werden kann - was leider nicht der Realität unserer Gesellschaft entspricht:
Der Populismus ist geboren in der Mitte unserer Gesellschaft, es ist deren typisches Bild, typisches Selbstverständnis der Art, daß diese sogenannte "Mitte" nicht mehr in der Lage ist, den eigenen Populismus an sich selber zu erkennen (was gleichermaßen allen politischen Richtungen so geht und unsere heutige Politikart bestimmt, auf allen Feldern, als der Stil, in dem sich politische Gegner meinen, in der Öffentlichkeit begegnen zu müssen)

Nehmen wir unsere Bundesrepublik und allein die großen Print- und Funkmedien, die sogenannten Leitmedien (wenn nicht über die, wo sollte sich sonst Populistik finden?) - nichts als Populismus, neben Anderem vorherrschend, buhlend mit einem ungeheuren Eifer um das populistischere Erscheinen bei den Konsumenten mit einer eindeutig und wie von unsichtbarer Hand gesteuerten Ähnlichkeit der Themenauswahl, der Themenunterdrückung, der Themenbezeichnung, der Themenbewertung, der verwendeten Schlagwörter, der Textbausteine, der Behandlung der überall gleichen Gegner ( akt. Beispiel: Versuch mit "Putinversteher" diese zu schmähen) und überall gleichen "Guten" in der Welt, der unreflektierten Nachplapperei der anderen, der Unterschlagung von Fakten, Bildern, Tönen und der Aufbauschung anderer nebensächlicherer Fakten, Bilder, Töne und - ANDERER ANSICHTEN dazu
(Beispiel: Richard C. Schneider in längeren Passagen über die von Raketengefährdeten Schulwege der Schüler in Israel, mit den kurzen aus der Ferne gemachten Berichten über die gerade gezielt ausgebombten oder getöteten Leute in Gaza - die nicht gezeigt wurden, im Gustus: doch selber Schuld).

Ein gewisser Hansjoachim Friedrichs, den ich noch persönlich und in Aktion erleben durfte, würde sich im Grabe wälzen, könnte er sehen, was aus seiner populären (!) geradlinigen journalistischen Vorarbeit heute geworden ist, wie auch die kleinste Meldung, wo auch immer, wie "gebrieft" zur populistischen Propaganda daherkommt statt Journalismus, und das auch noch linkisch, naiv und kaum vor der Öffentlichkeit verborgen schlecht gemacht.

Wer die Medien der DDR mal erlebt hat, könnte da auf schlechte Gedanken kommen, obwohl dort der Zentraldirigismus ja als bekannte Doktrin offen betrieben wurde und heute wohl mehr die Schere der "Eliten" im eigenen Kopf dirigiert.

Und da wundern wir uns, wenn auf diese Selbstpräsentation unserer "Leitmedien" alle politischen Richtungen im gleichen Stile "antworten" wollen, nur noch populistische Effekte zum Maßstab der Wahl der Themen und Worte werden und das vom "Volk" nicht mehr akzeptiert wird, umgekehrt die Eliten meinen, die Volksmeinung nicht realisieren zu müssen??
Da wundern wir uns über Populismus - jeder natürlich nur über den angeblichen des anderen ...

Populismus ist weder "rinks" noch "lechts" (evtl. das mal googeln, falls unbekannt), sondern miserabel und mittendrin in unserer Gesellschaft, die dabei ist, sich konträre Ansichten stillschweigend wegen "Populistisiererei" abzugewöhnen, immer unfähiger wird, auf andere Sichten normal zu reagieren, sie offen (soll heißen gezielt diese) zu diskutieren

Es ist ein Irrtum des Autors, von den "Irrtümern der Linken" zu sprechen, denn:
"Um einen politischen Gegner erfolgreich zu bekämpfen, muss man ihn richtig verstehen. Dabei müssen auch liebgewordene Feindbilder aktualisiert werden."
Eben, eben - Ja, so ist das wohl, und dazu, verehrter Autor gehört z.B. das Feindbild, daß "Linke" populistisch zu sein haben, abgesehen davon, daß die Einteilung "links" und "rechts" eine der uralten Männer des vorigen Jahrhunderts ist, die in unserer heutigen Welt damit eh nicht mehr verstanden werden (können, ohne entspr. Studium ...) und diese Ansicht selber exaltierter Populismus ist, untauglich zur Bekämpfung des politischen Gegners, was ebenso in die "rechte" Richtung betrachtet gilt.

Sollten Sie darüber mehr und Substanzielleres erfahren wollen und nicht unbedingt sich an der Sicht eines (offensichtlich aber nicht nur) einzelnen Kommentars aufhalten wollen, dann empfehle ich, sich rechtzeitig die erforderlichen Haltegurte für bevorstehende Entwicklungen zu besorgen und nachzulesen bei
Uwe Krüger,
wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig:
MEINUNGSMACHT
Der Einfluß von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten - eine kritische Netzwerkanalyse.
(Herbert von Halem Verlag, Köln 2013, 380 Seiten, 29,50 €)

kurzer Auszug aus einem Interwiev mit Uwe Krüger zu dieser wissenschaftlichen Studie:
"Die Mehrzahl der führenden deutschen sogenannten "Alphajournalisten" ist verbandelt mit den Eliten aus Politik und Wirtschaft."
"... erkenne bestimmte Denkmuster, die auch in offiziellen Dokumenten auftauchen. Da werden dann Bedrohungskataloge abgespult, die in Doktrinen und Dokumenten der Bundesregierung, der NATO, der USA auftauchen und es wird regelrecht Werbung gemacht ..."
"Mein Ansatz war, zu prüfen, ob es eine Übereinstimmung zwischen einem personellen Millieu gibt und dem Meinungsbild einzelner Journalisten. Diese Übereinstimmung ist beim journalistischen Output der von mir untersuchten Journalisten sehr hoch."
(zu finden in: "M - Menschen Machen Medien" Nr.5 / Juli 2014, S.18-19)

Anmerkung
Wenn aus dieser inzwischen fast "geschlossenen Meinungsmacht", der Gesellschaft der Eliten in Politik und Wirtschaft incl. ihrer diversen bekannten Stiftungen und internationalen "Konferenzen" und den Alphajournalisten, die keinerlei Zentralkommitee benötigt, als Journalismus nur noch Kommentare der Elitendiskurse reproduziert werden, ohne diese zugleich kritisch zu beleuchten, dann haben wir den

"Allgemeinen Populismus" aus der Mitte unserer Gesellschaft,

möge mal jemand feststellen, was gefährlicher für Gesellschaft ist: "Linker", "Rechter" oder zentraler Populismus - den manche auch gern den "liberalen" nennen.
Fragwürdig ist das allemale, und recht demokratiefeindlich und -entwöhnend in der Wirkung obendrein

Nach dieser Lektüre dürfte die Frage nach Populismus und sein Erstarken in Europa völlig neu zu stellen sein: nach seinen eigentlichen Quellen und Ursachen aus der trägen bequemen Mitte der Läufer unserer Gesellschaft - und nach dem Wie der Behandlung von Populismus:
Beim Berichten "Überall dabei sein, ohne dazu zu gehören" der Leitsatz für populismusfreie Journalistik von Hanns-Joachim Friedrichs, den wir bis heute in keinem Kodex irgendwelcher journalistischen oder politischen Regelwerke finden, der wohl allzugern mal übersehen oder vergessen wird, und nicht nur als "Schwerpunkt des Monats" ...
Lusru schrieb am 17.07.2014
Wenngleich ich den Text als "nicht fertig" sehe (bzgl. Vollständigkeit - und mit dem Problem Populismus), habe ich interessiert gelesen und sehr wohl auch verstanden, was gemeint ist, trotzdem es nicht immer dem entspricht, was gesagt wurde.
Insofern - was hier dargelegt gemeint wird - finde ich den Beitrag höchst interessant und hinweisend.

Allerdings stört der leider auch dabei benutzte Populismus, der sich darin äußert, daß von "der" Linken die Rede ist, obwohl wir heute wissen, daß es "die" Linke nicht gibt, nie gab. Da ist also eine höchst ungenaue Verallgemeinerung (Populistik) im Spiel, die nichts weiter besagt, als daß der Autor nicht "Linke" ist, nicht sich dazu zählen möchte, mehr nicht.

Das mit "der Rechten" wird adäquat behandelt mit der gleichen belanglosen Aussage, daß der Autor keiner davon ist.

Dann die nächste Leichtfertigkeit der gleichen Art:
"Der" Populismus
- als ob es nur einen gäbe, und:
als ob deshalb (warum wohl sonst?) Populismus etwas ganz Schlechtes ist, und anscheinend - so suggeriert der Text - Populismus deshalb eine Angelegenheit ist, die nur bei "den Rechten" und "den Linken" "angetroffen werden kann - was leider nicht der Realität unserer Gesellschaft entspricht:
Der Populismus ist geboren in der Mitte unserer Gesellschaft, es ist deren typisches Bild, typisches Selbstverständnis der Art, daß diese sogenannte "Mitte" nicht mehr in der Lage ist, den eigenen Populismus an sich selber zu erkennen (was gleichermaßen allen politischen Richtungen so geht und unsere heutige Politikart bestimmt, auf allen Feldern, als der Stil, in dem sich politische Gegner meinen, in der Öffentlichkeit begegnen zu müssen)

Nehmen wir unsere Bundesrepublik und allein die großen Print- und Funkmedien, die sogenannten Leitmedien (wenn nicht über die, wo sollte sich sonst Populistik finden?) - nichts als Populismus, neben Anderem vorherrschend, buhlend mit einem ungeheuren Eifer um das populistischere Erscheinen bei den Konsumenten mit einer eindeutig und wie von unsichtbarer Hand gesteuerten Ähnlichkeit der Themenauswahl, der Themenunterdrückung, der Themenbezeichnung, der Themenbewertung, der verwendeten Schlagwörter, der Textbausteine, der Behandlung der überall gleichen Gegner ( akt. Beispiel: Versuch mit "Putinversteher" diese zu schmähen) und überall gleichen "Guten" in der Welt, der unreflektierten Nachplapperei der anderen, der Unterschlagung von Fakten, Bildern, Tönen und der Aufbauschung anderer nebensächlicherer Fakten, Bilder, Töne und - ANDERER ANSICHTEN dazu
(Beispiel: Richard C. Schneider in längeren Passagen über die von Raketengefährdeten Schulwege der Schüler in Israel, mit den kurzen aus der Ferne gemachten Berichten über die gerade gezielt ausgebombten oder getöteten Leute in Gaza - die nicht gezeigt wurden, im Gustus: doch selber Schuld).

Ein gewisser Hansjoachim Friedrichs, den ich noch persönlich und in Aktion erleben durfte, würde sich im Grabe wälzen, könnte er sehen, was aus seiner populären (!) geradlinigen journalistischen Vorarbeit heute geworden ist, wie auch die kleinste Meldung, wo auch immer, wie "gebrieft" zur populistischen Propaganda daherkommt statt Journalismus, und das auch noch linkisch, naiv und kaum vor der Öffentlichkeit verborgen schlecht gemacht.

Wer die Medien der DDR mal erlebt hat, könnte da auf schlechte Gedanken kommen, obwohl dort der Zentraldirigismus ja als bekannte Doktrin offen betrieben wurde und heute wohl mehr die Schere der "Eliten" im eigenen Kopf dirigiert.

Und da wundern wir uns, wenn auf diese Selbstpräsentation unserer "Leitmedien" alle politischen Richtungen im gleichen Stile "antworten" wollen, nur noch populistische Effekte zum Maßstab der Wahl der Themen und Worte werden und das vom "Volk" nicht mehr akzeptiert wird, umgekehrt die Eliten meinen, die Volksmeinung nicht realisieren zu müssen??
Da wundern wir uns über Populismus - jeder natürlich nur über den angeblichen des anderen ...

Populismus ist weder "rinks" noch "lechts" (evtl. das mal googeln, falls unbekannt), sondern miserabel und mittendrin in unserer Gesellschaft, die dabei ist, sich konträre Ansichten stillschweigend wegen "Populistisiererei" abzugewöhnen, immer unfähiger wird, auf andere Sichten normal zu reagieren, sie offen (soll heißen gezielt diese) zu diskutieren

Es ist ein Irrtum des Autors, von den "Irrtümern der Linken" zu sprechen, denn:
"Um einen politischen Gegner erfolgreich zu bekämpfen, muss man ihn richtig verstehen. Dabei müssen auch liebgewordene Feindbilder aktualisiert werden."
Eben, eben - Ja, so ist das wohl, und dazu, verehrter Autor gehört z.B. das Feindbild, daß "Linke" populistisch zu sein haben, abgesehen davon, daß die Einteilung "links" und "rechts" eine der uralten Männer des vorigen Jahrhunderts ist, die in unserer heutigen Welt damit eh nicht mehr verstanden werden (können, ohne entspr. Studium ...) und diese Ansicht selber exaltierter Populismus ist, untauglich zur Bekämpfung des politischen Gegners, was ebenso in die "rechte" Richtung betrachtet gilt.

Sollten Sie darüber mehr und Substanzielleres erfahren wollen und nicht unbedingt sich an der Sicht eines (offensichtlich aber nicht nur) einzelnen Kommentars aufhalten wollen, dann empfehle ich, sich rechtzeitig die erforderlichen Haltegurte für bevorstehende Entwicklungen zu besorgen und nachzulesen bei
Uwe Krüger,
wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig:
MEINUNGSMACHT
Der Einfluß von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten - eine kritische Netzwerkanalyse.
(Herbert von Halem Verlag, Köln 2013, 380 Seiten, 29,50 €)

kurzer Auszug aus einem Interwiev mit Uwe Krüger zu dieser wissenschaftlichen Studie:
"Die Mehrzahl der führenden deutschen sogenannten "Alphajournalisten" ist verbandelt mit den Eliten aus Politik und Wirtschaft."
"... erkenne bestimmte Denkmuster, die auch in offiziellen Dokumenten auftauchen. Da werden dann Bedrohungskataloge abgespult, die in Doktrinen und Dokumenten der Bundesregierung, der NATO, der USA auftauchen und es wird regelrecht Werbung gemacht ..."
"Mein Ansatz war, zu prüfen, ob es eine Übereinstimmung zwischen einem personellen Millieu gibt und dem Meinungsbild einzelner Journalisten. Diese Übereinstimmung ist beim journalistischen Output der von mir untersuchten Journalisten sehr hoch."
(zu finden in: "M - Menschen Machen Medien" Nr.5 / Juli 2014, S.18-19)

Anmerkung
Wenn aus dieser inzwischen fast "geschlossenen Meinungsmacht", der Gesellschaft der Eliten in Politik und Wirtschaft incl. ihrer diversen bekannten Stiftungen und internationalen "Konferenzen" und den Alphajournalisten, die keinerlei Zentralkommitee benötigt, als Journalismus nur noch Kommentare der Elitendiskurse reproduziert werden, ohne diese zugleich kritisch zu beleuchten, dann haben wir den

"Allgemeinen Populismus" aus der Mitte unserer Gesellschaft,

möge mal jemand feststellen, was gefährlicher für Gesellschaft ist: "Linker", "Rechter" oder zentraler Populismus - den manche auch gern den "liberalen" nennen.
Fragwürdig ist das allemale, und recht demokratiefeindlich und -entwöhnend in der Wirkung obendrein

Nach dieser Lektüre dürfte die Frage nach Populismus und sein Erstarken in Europa völlig neu zu stellen sein: nach seinen eigentlichen Quellen und Ursachen aus der trägen bequemen Mitte der Läufer unserer Gesellschaft - und nach dem Wie der Behandlung von Populismus:
Beim Berichten "Überall dabei sein, ohne dazu zu gehören" der Leitsatz für populismusfreie Journalistik von Hanns-Joachim Friedrichs, den wir bis heute in keinem Kodex irgendwelcher journalistischen oder politischen Regelwerke finden, der wohl allzugern mal übersehen oder vergessen wird, und nicht nur als "Schwerpunkt des Monats" ...
Resnüg schrieb am 25.04.2016
Ich empfinde das Wort 'populistisch' als Verhöhnung des Souveräns. Wenn der Wähler nicht so entscheidet wie erwartet, dann wird er als ( zu dummes) Opfer von Populisten disqualifiziert.
Leute, die so denken verwechseln Demokratie mit etwas, das man eigentlich 'Dummokratie' nennen müsste.
Ob linke oder rechte Arroganz, das macht wenig Unterschied!
Lusru schrieb am 27.04.2016
@Resnüg schrieb am 25.04.2016
"Ich empfinde das Wort 'populistisch' als Verhöhnung des Souveräns."
Richtig! Eine Form der unlauteren und unqualifizierten politischen Ausgrenzung unliebsamer Gegner aus dem Werkzeugkasten Agitation und Propaganda.

>Die Linke hat die durch den Populismus artikulierte Unzufriedenheit niemals wirklich ernst genommen, sondern mit pädagogisierender Arroganz bei Seite gewischt.<
Ein typisches Verhalten von - Populisten!
Sich und die eigene Denk- und Haqndlungsweise nicht als Populismus zu erkennen, ist der Beginn des Untergangs solcher Politik, weil er Ausdruck der Nichterfassung und willentlichen Nichtbeachtung von Realitäten ist.
Allerdings frage ich mich stets (wie auch hier in diesem Text), wer denn in welcher Populistik WAS unter dem Begriff "Die Linken" verstehen möchte. Bekanntlich werden dabei immer von einem Teil "der Linken" die anderen, sogar die völlig divergierenden, Teile schlicht unbefragt vereinnahmt und einfach der eigenen Populistik zugeordnet, samt vermutlicher Versäumnisse und Verfehlungen ...

>Sie ("wieder: DIE Linke") hat die durch den Populismus artikulierte Unzufriedenheit niemals wirklich ernst genommen, sondern mit pädagogisierender Arroganz bei Seite gewischt. Die Auseinandersetzung mit den Argumenten der Populisten wurde schlicht verweigert.<
Eventuell ist das der Beweis dafür, dass sie selber nur - ja, übervoll pädagogisierend - populistisch - nur eben auf dem anderen Ufer - agiert?
Der Vorwurf des Populismus ist stets das letzte hilflose weil inhaltsleere (vorwurfs-)Argument des Verlierenden, wird damit so selbst zum Typus des Populismus.
Lusru schrieb am 27.04.2016
@KPD-Nürtingen schrieb am 24.04.2014
Was für ein passendes wie zugleich unpassendes Beispiel für dieses Thema:
>Wer hat uns also verraten? Sozialdemokraten!<
Antwort:
Und wer hat die Sozialdemokraten verraten?
Und wen haben BEIDE verraten?
Darauf aber bitte mal antworten, denn in diesen "Verraten" ist hektoliterweise Blut geflossen und unsägliches Leid geschaffen - und WER bitte hat gewonnen?
So, wie KPD-Nürtingen sich die Welt zurecht interpretiert, ist anteilig eine Quelle zur Entstehung von Rechtsradikalismus damit bereits benannt: Das wollen die Menschen nicht, sie halten das für schlimmer als Populismus, vor allem für sehr sehr abgestanden, unbewiesen und unbrauchbar für gesellschaftliche Veränderungen.

>Der größte Irrtum der Linken war es lange Zeit, das Wachstum populistischer Parteien einfach im Sinne eines gesellschaftlichen „Rechtsrucks“ zu interpretieren. <

Es gibt keinen "gesellschaftlichen Rechtsruck" - wer oder was sollte das sein? Was ist das Subkjekt dabei?

Jede "gesellschaftliche Tendenz ("Ruck") kommt stets aus dem Objekt (Gesellschaft) als Subjekt (veränderte Gesellschaft) heraus, entsteht also AUSSCHLIESSLICH auf der Basis dessen, was Gesellschaft bis dahin lebte - oder vertrödelte.
Damit ist aus rein demokratischer Auffassung heraus ein " gesellschaftlicher Rechtsruck" nichts anderes, als eine Veränderung der gesellschaftlichen Sicht auf ihr Leben, damit ein demokratisch legitimer Ausdruck von Meinung.
Wenn das nicht gefällt, ist nie diese "Meinung" zu bekämpfen, das hatten wir bereits und führte zur unüberwindlichen Spaltung der Gesellschaften und zu den Weltkriegen, auch gegenwärtigen Kriegen, es ist die Wurzel zu bekämpfen, und das ist in der Regel in der Politik der etablierten, der "Herrschenden" zu suchen und: zu finden, in der Unterdrückung von Teilhabe.
Lusru schrieb am 27.04.2016
@Roter Rainer schrieb am 24.04.2014
>Ich befürchte, dass die tatsächlichen Aussagen Ernst Hillebrands von Linken nicht verstanden werden. Die Linken, oder solche, die sich als links und liberal empfinden, hören einfach nicht zu.<

Hm, aber sie hören doch alle gemeinsam jedem Sch… der sogenannten „Rechtspopulisten“ zu, sogar bevor diese sich überhaupt artikuliert haben, ja sie lesen sogar eifrig in der Glaskugel stets das hinein, was aus ihrer Sicht zum „Rechtspopulismus“ gehören müsste …?
Dazu rigoros zum Autor:
>Die Alltagskultur der säkularisierten Gesellschaften Europas ist tiefenliberalisiert, hedonistisch und antiautoritär. Viele Wähler der Rechtspopulisten sind bestenfalls „failed consumers“: Sie wollen keine andere Gesellschaft, sondern endlich an der, die es gibt, teilhaben.<
Und nun? Was gibt es dagegen zu sagen, was spricht dagegen gerade DORT genau zu zuhören??

Was bitte sollte daran verwerflich sein, ist es doch schliesslich genau das, was niemand sich derart zum Leitmotiv populistisiert (!) hat, wie (in diesem Falle) ALLE "Linken"? Oft nicht nur die, sondern auch der sich (falsch)vergoldet gebende Liberalismus gleichermassen wie auch religiöse Konservative - natürlich nach jeweils völlig anderen Rezepten.

Die Tatsache, dass es Aktivisten gibt, die sich zum Sprachrohr und Verstärker solcher Erscheinungen machen (und das auf i.d.R. allen Seiten in unnützer Populistik), ändert nichts daran.
Es ist stets der sture Versuch von Teilen der Gesellschaft, eigene Sichtweisen den anderen auf zu oktruieren und die Reaktionen darauf beschneiden zu wollen, die Verschiebungen in der gesellschaftlichen Sicht gebieren, und nicht etwa ein Ruck aus sich selbst heraus, der "rechts" macht..
Lusru schrieb am 27.04.2016
@Joaquin schrieb am 23.04.2014
>… weil ich seit Jahren in Argentinien lebe und immer wieder erstaunt bin, wie sogenannte "linkspopulistische" Regierungen Lateinamerikas … insbesondere in der linken europäischen Presse immer wieder als antidemokratische und gar gefährliche Probleme dargestellt werden und oft als Kuriositäten unterentwickelter Demokratien abgetan werden. Dabei geschieht hier genau das: die Forderung nach starken Staaten, die es den Ausgeschlossenen ermoeglichen, an der Konsumgesellschaft und am demokratischen System überhaupt teilzuhaben.<

Was wohl solche (von Teilhabe) „Ausgeschlossenen“ letztlich bewegt, wenn keine Aussicht auf Teilhabe entsteht? Ein „Rechtsruck“?
Es ist ja nicht nur dieser Irrtum „der Linken“, den Joaquin beschreibt, da gibt es parallel dazu noch diesen, den der Autor beschreibt:
>Ein zweiter Irrtum der Linken war es lange Zeit, Rechtspopulismus als ein Phänomen von „Ewiggestrigen“ abzutun, das sich vermutlich biologisch erledigen würde.<
Ja, wird er auch: Spätestens dann, wenn die Gegenpopulisten sich als solche erkennen und sich davon verabschieden, vom eigenen "ewig Gestrigem".

Der Autor gibt dazu zu bedenken:
>Die rechtspopulistischen Bewegungen sind nicht anti-demokratisch, ganz im Gegensatz zu den Bewegungen des klassischen Faschismus. Ihre Forderung ist nicht weniger Demokratie, sondern mehr.<
Und wieder:
Und nun?
Strassenkämpfe um "mehr Demokratie" , oder wie?
Oder so:
>Die Linke täte sehr gut daran, sich von liebgewordenen Feindbildern zu verabschieden und die Rechtspopulisten in Europa als einen ernst zu nehmenden Gegner zu betrachten.<
Hm, dann aber wohl als einen innerhalb des "demokratischen Spektrums", sonst funktioniert das nicht, vor allem nicht argumentativ.
Das beginnt schon damit, politisch Andersdenkende grundsätzlich als Populisten zu bezeichnen, was nichts anderes bewirken kann, als sich damit selber (!) aus dem Ring des möglichen Disputes auszugrenzen und politisch stumm und taub zu machen.
Lusru schrieb am 27.04.2016
@Ernst Hillebrand
Sie greifen – das wird schon deutlich – ein heisses aber wichtiges „Eisen“ an, das eben nicht nur „Die Linken“ sondern die gesamte politische KULTUR in Deutschland betrifft, lässt sich doch die gleiche Betrachtung für alle anderen politischen Gruppierungen, die sich selbst stets nur VOR ALLEN ANDEREN als demokratisch aber die Demokratie eben dabei NICHT (als AUSGLEICH) verstehen, auf.

Ja, ja:
>Irgendetwas ist in den vergangenen dreißig Jahren falsch gelaufen. Wenn das anders werden soll, müssen wir umgehend unser Feindbild aktualisieren.<
Gut, sicher ist das richtig, man könnte das auch anders formulieren, eventuell ohne "Feindbild" sondern mehr aus der Demokratie entlehnt, mehr wie im Sport: Dort hat man bekanntlich GEGNER und KEINE FEINDE, was den Umgang miteinander schlagartig ändern dürfte.
Es schadet auch mitnichten, wenn sich die Medien in Deutschland grundsätzlich wieder auf ihre (dieses darstellende) Aufgabe besinnen und es schlicht sein lassen, sich in ihr Medium missbräuchlich zu involvieren und die besseren Bürger wie die besseren Politiker politisch pädagogisierend und vormundschaftlich politisierend im verstaubten Stile einer „Gouvernante Anne Will“ spielen zu wollen, und so endlich wieder einen wichtigen Beitrag zum "Kampf gegen Rechtsextremismus" (nicht: -Populismus) zu leisten,.
Qualität, die nicht nur im Entertainment oder Ratgeber sondern endlich auch wieder in der politischen Berichterstattung und Themenbearbeitung erkennbar streitbar ohne Gesinnung- und Betroffenheitsjournalismus entfaltet werden muss.
Leserbrief schreiben

Bitte beschränken Sie sich auf max. 800 Zeichen und verlinken Sie nicht auf andere Websites, da wir den Leserbrief sonst ev. nicht veröffentlichen können.



Verfügbare Zeichen 800
* Wenn Sie Ihren Namen nicht angeben wollen, können Sie ein Pseudonym wählen. Ihre Emailadresse wird nicht veröffentlicht.
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Neuen Sicherheitscode generieren.


Bitte beachten Sie unsere Netiquette für Leserbriefe.