Wer braucht schon Umfragen? Danebenliegen mit politischen Prognosen kann man schließlich auch ganz alleine. Zumal die Verlässlichkeit der Meinungsforschung in den vergangenen Monaten stetig neue Tiefpunkte erreicht hat. Dann schon lieber den Blick auf etwas Handfestes richten – zum Beispiel auf: Geld. Vorhang auf für politische Wettbüros. Der Vorteil: Hier meinen die Beteiligten nicht einfach nach Lust und Laune drauf los, sondern verknüpfen ihr politisches Gespür mit ureigenen finanziellen Kerninteressen. In der Vergangenheit – etwa was die zurückliegenden Wahlen zum britischen Unterhaus anging – hatten die Buchmacher in Sachen Prognosefähigkeit damit gegenüber den Meinungsforschern deutlich die Nase vorn. Wie also sieht das politische Wettgeschäft den aktuellen Politzirkus?
Betrachten wir mal Paddy Power, einen der größten Buchmacher auf den Britischen Inseln. Dort wurde schließlich nicht nur Fair Play, sondern offenbar auch Fair Pay in Punkto Wetteinsatz erfunden.
Frage Eurozone: Wer geht als erstes? (Wohlgemerkt ohne Griechenland, das sozusagen außer Konkurrenz läuft.) Hier ist das Meinungsbild klar: Zypern, Malta und Lettland. Und zwar in dieser Reihenfolge. Am Ende der Liste (erwartbar) Deutschland. Für den Fall eines Euroaustritts der Bundesrepublik erwarten den so disponierten Wett-Visionär stolze 50 Pfund für jede eingesetzte Münze. Der hohe Gewinn aber verdeutlicht: So richtig wahrscheinlich ist dieses Ereignis auch in Zeiten eines möglichen Brexits nicht.
Auch ansonsten sprechen die Bookis eine deutliche Sprache, wenn man geringe Gewinnmargen mit erwarteten Ergebnissen gleichsetzt. So wissen die Wettexperten: Das Vereinigte Königreich bleibt in der EU. Beweis: Für fünf eingesetzte GBP winken zwei lumpige Quids als Gewinn. Auch jenseits des Kanals greift ihre Prognosefähigkeit. Krise in Frankreich? Alain Juppé zieht als Nachfolger Hollandes in den Elysée Palast. Und ins Weiße Haus kommt natürlich Hillary (ebenfalls: 5/2). Denn am Ende, das beweisen die nüchternen Zahlen, wird sie sich gegen Trump durchsetzen (1/6). Weit abgeschlagen liegt übrigens Bernie Sanders. Die Wahrscheinlichkeit seines Sieges wird so gering eingeschätzt, dass auf mutige Wetter eine Rendite vom Faktor 10 wartet...
Ach ja. Die Einsätze sind zwar in Britischen Pfund zu hinterlegen, aber der Euro wird nicht totgesagt. Im Gegenteil: Ihn gibt es noch im Jahre 2020 – jedenfalls legt das die magere Rendite von 8/1 für den Fall seines Ablebens nahe…
Mitfiebern und Wetten abschließen kann man hier. Doch davor ist natürlich in jeder Hinsicht zu warnen. Mindestens ebenso deutlich wie vor einem Brexit oder vor Donald Trump.




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