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„Der Privatjet des lieben Gottes“
Die Welt-Sichten über Freikirchen in Nigeria und das ganz große Geld.

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Christen haben in puncto Glaubensausübung in der nigerianischen Hauptstadt Abuja die Qual der Wahl. „In Nigeria werden ständig Kirchen gegründet, verschwinden aber auch wieder“, beobachtet Katrin Gänsler in einem aktuellen Beitrag für die Zeitschrift Welt-Sichten. Selbst der Dachverband der christlichen Kirchen Nigerias hat da den Überblick verloren. Bei den Neugründungen handelt es sich um sogenannte „new generation churches“, also Pfingst- und Freikirchen, deren Pastoren mit rhetorischer  Überzeugungskraft und ausgeprägten Vermarktungskünsten glänzen. „Eine theologische Ausbildung erwartet niemand“, so die Autorin. Als Senatspräsident David Mark 2012 ein staatliches Zertifikat für Prediger einführen wollte, sah er sich sogar breitem Protest ausgesetzt. „Nun solle auch noch die Religion staatlich kontrolliert werden, lautete der Vorwurf“, erinnert sich Gänsler.

Ein Beispiel für diese Entwicklung ist die vor kurzem gegründete Kirche mit dem klingenden Namen „Shepard’s House of Assembly International“. Pastor Joshua Talena erkärt die Gründung mit dem göttlichen Ruf, den er erhalten habe. Wie viele Kirchengründer hatte auch er zu Beginn kaum finanzielle Mittel, doch „es reicht oft ein Wohnzimmer oder ein leerer Rohbau und eine überschaubare, aber begeisterte Anhängerschar“, so Gänsler. Talena predigt über böse Flüche, von denen er seine Anhänger befreien will, seinen Sprachstil beschreibt die Autorin bisweilen als diktatorisch. Mit den Worten „versucht, 3000 Naira zu bringen“ (etwa 14 Euro), fordert Talena zum Spenden auf. Der nigerianische Mindestlohn liegt bei knapp 86 Euro. Auch durch den Verkauf von Gottesdienst-DVDs und -CDs nimmt die Kirche Geld ein.

Kirchen erinnern in Nigeria durchaus an politische Parteien – sie konkurrieren nämlich untereinander. So setzt die „Commonwealth of Zion Assembly“ (COZA) auf Prediger und Gospel-Sänger, um Anhänger zu mobilisieren und ist zudem auf Facebook und Twitter präsent – die eigenen Homepage mit integriertem Spendenaufruf versteht sich von selbst. „COZA richtet sich an die junge, wirtschaftlich erfolgreiche Mittelschicht, die in die Hauptstadt drängt“, beobachtet Gänsler. So modern wie ihr Zielpublikum ist die Kirche selbst aber nicht: Kritische Berichterstattung, die über die Höhe und Verwendung der Spendengelder informieren will, ist ausdrücklich unerwünscht.

Das verwundert nicht, schaut man sich das Vermögen erfolgreicher Kirchengründer an: 30 bis 150 Millionen US-Dollar sind dabei keine Ausnahmen. Der Präsident der Christlichen Vereinigung Nigerias ließ sich zum 40-jährigen Jubiläum seiner Kirche bedenkenlos einen Privatjet schenken. Zumindest der katholische Bischof von Sokoto protestierte: „Das widerspricht der Moral der Kirche und dem Kampf gegen Korruption.“

Fazit: „Wer [in Nigeria] richtig gut verdienen möchte, muss ins Ölgeschäft einsteigen. Wenn das nicht klappt, muss man in die Politik gehen. Funktioniert auch das nicht, gründet man eine Kirche.“

Den vollständigen Beitrag von Katrin Gänsler lesen Sie hier.

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