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Reanimation 'Made in Russia'
Der Economist über die Zukunft der NATO in Zeiten der Ukrainekrise.

Der Kampf der NATO gegen Aufständische in Afghanistan geht seinem Ende zu – das Ringen um die Daseinsberechtigung des Militärbündnisses jedoch hat gerade erst begonnen. So schien es zumindest bis vor kurzem. Nun hat unmittelbar vor dem 65. NATO-Jahrestag ausgerechnet Russlands Annexion der Krim die Identitäts- und Existenzkrise des Bündnisses augenscheinlich beendet. Der Economist hat zu diesem Thema einen erhellenden Beitrag mit dem Titel „The Future of NATO“ in die Diskussion eingebracht.

„Die NATO suchte zuletzt nach ihrer Bedeutung, da sich die meisten Europäer nie sicherer fühlten als heutzutage“, so die britische Wochenzeitschrift. Doch Russlands Bereitschaft, das Militär für vermeintliche russische Interessen einzusetzen, hat das Bündnis nun offenbar zurück ins Spiel gebracht. Putins Machtpolitik haben die Hoffnung einer konfliktfreien – nahen – Zukunft in Europa erschüttert. „Niemand spricht von einer Rückkehr zu den Tagen des Kalten Krieges als die NATO das Bollwerk Europas gegen einen Feind war, dessen expansionistische Ideologie durch militärische Stärke unterstützt wurde“, beteuert The Economist. Und doch scheinen die Versuche der NATO, Moskau als Sicherheitspartner zu gewinnen vorerst gescheitert. „Russland äußert und verhält sich eher als Gegner denn als Partner“, meinte zuletzt der ausscheidende NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen. Das ist wohl kaum in Frage zu stellen.

Die Herausforderung für die NATO ist dabei keine kleine: Es geht darum, die Auswirkungen russischer Politik richtig einzuschätzen, eine gemeinsame Strategie zu entwickeln und den osteuropäischen Mitgliedsstaaten zu versichern, dass ihre Sicherheit gewährleistet ist. Trotz aller Unkenrufe: Dies ist bis dato erstaunlich harmonisch geschehen.

Am Mittwoch wurde bekannt, dass die NATO ihre Präsenz an den Außengrenzen Osteuropas nun signifikant verstärken wird. Das dürfte vor allem Polen, Rumänen und die baltischen Staaten erfreuen, die wiederholt um militärische Unterstützung gebeten hatten.

Dabei sollte jedoch eines nicht vergessen werden: Die Entwicklung einer effektiven Abschreckungsstrategie, die nicht das klassische Sicherheitsdilemma verursacht, ist durchaus komplex. Den Beitrag im Economist finden Sie hier.

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