Die am 12. Februar anstehenden Wahlen in Bangladesch finden nur 18 Monate nach dem Sturz der Regierung der Awami-Liga statt, die von einer von Universitätsstudenten angeführten Volksbewegung erzwungen wurde. Nach 16 Jahren autoritärer Führung unter Sheikh Hasina Wajed, der ältesten Tochter des Staatsgründers Sheikh Mujibur Rahman, wächst die berechtigte Hoffnung im Land, dass die schlimmsten Auswüchse des Autoritarismus der vorherigen Regierung der Vergangenheit angehören.

Obwohl die Studentenbewegung der unmittelbare Auslöser für den Sturz der Regierung war, hatte sich zuvor bereits seit Jahren Unzufriedenheit in der Bevölkerung aufgebaut. Die Awami-Liga war zunehmend zu einer autoritären Partei geworden und hatte ihre politische Kontrolle über Polizei, Gerichte und andere wichtige Institutionen gefestigt. Wurde sie 2008 noch mit überwältigender Mehrheit gewählt, wurden die folgenden Wahlen in den Jahren 2014, 2018 und 2024 weithin als manipuliert kritisiert oder von den großen Oppositionsparteien boykottiert. Willkürliche Verhaftungen und Verschleppungen wurden zu gängigen Mitteln zur Unterdrückung abweichender Meinungen, und Meinungsfreiheit sowie unabhängige Medien gerieten unter anhaltenden Druck. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Hasinas Rücktritt von der Öffentlichkeit mit großer Freude aufgenommen wurde.

Bei den kommenden Wahlen stehen sich die beiden verbliebenen großen politischen Kräfte gegenüber.

Bei den kommenden Wahlen stehen sich die beiden verbliebenen großen politischen Kräfte gegenüber: die Mitte-rechts-Partei Bangladesh Nationalist Party (BNP), seit langem der Hauptkonkurrent der Awami-Liga, und die islamistische Jamaat-e-Islami, die als Juniorpartner in Oppositionsbündnissen bis vor kurzem nur eine zweitrangige Kraft war.

Unter der Führung von Tarique Rahman, der kürzlich nach 17 Jahren im britischen Exil nach Bangladesch zurückgekehrt ist, galt die BNP zunächst als klarer Favorit. Allerdings ist die Partei keineswegs eine reformistische Kraft und in vielerlei Hinsicht ein Spiegelbild der in Ungnade gefallenen Awami-Liga. Nach dem Sturz der Regierung im August 2024 hofften viele, dass die mit der Liga verbundenen Erpressungsnetzwerke und Korruptionsgeschäfte verschwinden würden. Doch Berichten zufolge wurden diese in zahlreichen Fällen einfach von lokalen BNP-Persönlichkeiten übernommen.

Rahman ist sowohl der größte Trumpf der Partei als auch ihre Achillesferse. Seine Rückkehr wurde von der Öffentlichkeit positiv aufgenommen. Er profitierte zudem von einer Sympathiewelle nach dem Tod seiner Mutter, der ehemaligen Parteivorsitzenden, die kurz nach seiner Ankunft starb. Doch man erinnert sich auch an die letzte BNP-Regierung, als er weithin der Korruption und des Machtmissbrauchs bezichtigt wurde.

Die Erfolgsaussichten der BNP werden zudem durch das dramatische Wiedererstarken der Jamaat-e-Islami getrübt. In der Vergangenheit waren ihre Wahlaussichten aufgrund ihres islamischen Fundamentalismus und ihrer Unterstützung des pakistanischen Militärs während des Unabhängigkeitskrieges 1971 begrenzt. Ihre mutmaßliche Beteiligung an Kriegsverbrechen führte nach umstrittenen Prozessen unter der Regierung der Awami-Liga zur Hinrichtung mehrerer hochrangiger Führer. Die Partei hat auf nationaler Ebene nie mehr als zwölf Prozent der Stimmen erreicht, und das war 1991.

Seit August 2024 hat sich die politische Landschaft jedoch verändert. Die Rolle der Jamaat im Jahr 1971 hat nicht mehr das gleiche Gewicht wie früher, insbesondere bei jüngeren Wählern. Für diese liegt der Befreiungskrieg weit zurück; er wird mit den aktuellen wirtschaftlichen und politischen Problemen kaum noch in Verbindung gebracht.

Zudem wird die Jamaat im Gegensatz zur BNP allgemein nicht mit Korruption auf lokaler Ebene oder mit Erpressungsnetzwerken in Verbindung gebracht. Am wichtigsten ist vielleicht, dass sie sich um Mäßigung bemüht und den Schwerpunkt ihrer Öffentlichkeitsarbeit auf Regierungsreformen, institutionelle Rechenschaftspflicht und soziale Gerechtigkeit legt, anstatt auf offen islamistische Rhetorik.

Unmittelbar nach Hasinas Rücktritt erwarteten viele, dass eine neue „Studentenpartei“ als bedeutende politische Kraft entstehen würde. Tatsächlich wurde im Februar 2025 die National Citizens Party gegründet. Doch zu diesem Zeitpunkt war ein Großteil der anfänglichen Sympathie für die studentische Führung bereits verflogen, da sie als politisch unreif, unerfahren und in einigen Fällen als nicht weniger korruptionsanfällig angesehen wurde als die Politiker, die sie ersetzen wollte. Meinungsumfragen deuten darauf hin, dass sie nur mit Mühe mehr als fünf Prozent der Stimmen erreichen könnte. Die Entscheidung, sich bei den bevorstehenden Wahlen mit der Jamaat zu verbünden, könnte ihr Image als echte Alternative weiter untergraben haben. Das hat dazu geführt, dass viele ihrer weiblichen Führungskräfte die Partei verlassen haben.

Dennoch sind die aus dem Aufstand im Juli hervorgegangenen Studentengruppen während der Übergangsregierung von Muhammad Yunus einflussreich geblieben. Im Mai 2025 führten Straßenproteste dazu, dass die Übergangsregierung, an der drei ehemalige Studentenführer beteiligt sind, die politischen Aktivitäten der Awami-Liga unter Strafe stellte, weil diese an den Morden während der „Julirevolution“ 2024 beteiligt gewesen sein soll. Diese Entscheidung schloss die Partei effektiv von den Wahlen aus und löste eine Debatte über die Legitimität von Wahlen aus, die ohne eine der größten politischen Kräfte des Landes stattfinden sollen. Befürworter des Verbots argumentieren, dass die Führer der Awami-Liga es versäumt hätten, ihre Verantwortung für die Gewalt im Juli anzuerkennen, und verweisen auf die Verurteilung hochrangiger Parteimitglieder wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die internationale Gemeinschaft scheint sich weitgehend mit dem Ausschluss der Liga abgefunden zu haben.

Obwohl Umfragen darauf hindeuten, dass die Bangladesh Nationalist Party vorne liegt, wird die Jamaat-e-Islami stärker sein als jemals zuvor.

Obwohl Umfragen darauf hindeuten, dass die BNP weiterhin vorne liegt, wird die Jamaat-e-Islami nach dieser Wahl mit Sicherheit stärker sein als jemals zuvor in ihrer Geschichte. Das Endergebnis wird wahrscheinlich davon abhängen, wem die Anhänger der Awami-Liga ihre Stimme geben, oder ob sie sich enthalten.

Die Wähler werden auch über ein Paket von 47 Verfassungsreformen abstimmen, das von der Übergangsregierung nach umfangreichen Konsultationen mit den politischen Parteien ausgearbeitet wurde. Sie haben dabei nur die Wahl zwischen Ja und Nein. Nehmen sie das Referendum an, wird das neu gewählte Parlament 180 Tage lang als Verfassungsrat tagen, um die in der July National Charter dargelegten Änderungsvorschläge zu verabschieden, auf die sich die Vertreter von 30 Parteien und die Übergangsregierung 2025 geeinigt haben.

Da alle Parteien den Reformen grundsätzlich zugestimmt haben, scheint eine Zustimmung sehr wahrscheinlich. Die BNP steht jedoch bestimmten Elementen – insbesondere den Vorschlägen zur Wahlmethode für eine zweite Parlamentskammer – wenig enthusiastisch gegenüber und könnte im Falle eines Wahlsiegs versuchen, bestimmte Aspekte des Reformpakets zu verwässern oder neu zu interpretieren.

Die Wahl wird nicht nur die politische Richtung Bangladeschs bestimmen, sondern auch das Vermächtnis von Muhammad Yunus und seiner Übergangsregierung. Seine Regierung wurde dafür kritisiert, dass sie die willkürliche Verhaftung zahlreicher Anhänger der Awami-Liga nicht verhindert hat und sich weigert, gegen politische Mob-Aktionen vorzugehen. Wenn die Wahl jedoch allgemein als frei und fair empfunden werden und wenn es eine hohe Beteiligung geben sollte, dann könnte Yunus’ Amtsführung letztlich positiver bewertet werden.

Für viele Wähler entspricht die Auswahl der zur Wahl stehenden Parteien jedoch bei weitem nicht den Hoffnungen, die nach dem 5. August 2024 geweckt wurden. Auf der einen Seite steht die gemäßigte, aber kaum erneuerte BNP, die wichtige Regierungsreformen wahrscheinlich verhindern wird; auf der anderen Seite eine islamistische Partei, die zwar als weniger korrupt gilt, die aber als eine religiös-fundamentalistische Bewegung eigene Risiken birgt.

Um mit einer positiven Note zu enden:  Es scheint sicher, dass die Wahl zu einem funktionierenden Parlament und einer starken politischen Opposition führen wird, die zum ersten Mal seit vielen Jahren frei agieren kann.