In diesem Monat vor 20 Jahren kamen die Außenminister Brasiliens, Russlands, Indiens und Chinas zum ersten Treffen der BRIC-Staaten zusammen. Seitdem wurde der Zusammenschluss formalisiert – der erste BRIC-Gipfel fand im Juni 2009 statt – und die Gruppe erweitert: Südafrika trat 2011 bei, und später kamen noch weitere Länder entweder als Vollmitglieder oder als offizielle Partner hinzu. Heute stellt die BRICS-Gruppe ein enorm bedeutsames Experiment internationaler Zusammenarbeit dar, das die allmähliche Verschiebung des globalen Machtgleichgewichts weg vom Westen und die Entstehung einer multipolaren Weltordnung verkörpert.
Nur wenige Akronyme haben eine derart dramatische Entwicklung durchlaufen wie BRICS. Die von Jim O’Neill, damals bei Goldman Sachs, im Jahr 2001 geprägte Bezeichnung „BRICs“ zur Zusammenfassung von vier schnell wachsenden Schwellenmärkten hat sich zur BRICS entwickelt – einer politischen und wirtschaftlichen Koalition aus elf Ländern und einer zunehmend einflussreichen Stimme für den globalen Süden.
Seit der Aufnahme Ägyptens, Äthiopiens, Indonesiens, Irans, Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate in die BRICS-Gruppe in den Jahren 2024–25 entfallen auf die BRICS fast die Hälfte der Weltbevölkerung und etwa 40 Prozent des globalen BIP (nach Kaufkraftparität). Im Gegensatz dazu entfallen auf die G7 weniger als 10 Prozent der Weltbevölkerung und unter 30 Prozent des globalen BIP. Und während der Anteil der BRICS-Staaten an der Weltwirtschaft weiter wächst, hat sich das Produktivitäts- und Wirtschaftswachstum in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften seit den 1990er Jahren stetig verlangsamt.
Diese Verschiebung der wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse findet zunehmend ihre Entsprechung im geopolitischen Bereich, wo die globale Dominanz des Westens einer diffuseren Verteilung von Macht und Einfluss weicht. Inmitten dieses Wandels – wie er nur einmal alle 50 bis 100 Jahre stattfindet – haben die BRICS-Staaten die Annahme infrage gestellt, dass die Gestaltung der internationalen Ordnung weiterhin auf den nach dem Zweiten Weltkrieg ins Leben gerufenen, vom Westen geführten Institutionen basieren sollte.
Für nicht-westliche Länder stellt die BRICS-Gruppe eine Absicherung gegen wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheit dar.
Für nicht-westliche Länder stellt die BRICS-Gruppe eine Absicherung gegen zunehmende wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheit dar, die nicht zuletzt daraus resultiert, dass die USA offenbar entschlossen sind, sich aus ihrer globalen Führungsrolle zurückzuziehen. Und sie bildet eine institutionelle Plattform zur Förderung strategischer Autonomie und zur Ausweitung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Kein Wunder, dass die Beitrittsbegeisterung derart groß ist: Mehr als drei Dutzend Länder haben offiziell einen Antrag gestellt oder Interesse an einer Mitgliedschaft bekundet, darunter das NATO-Mitglied Türkei und Bahrain, das als wichtigstes operatives Drehkreuz der US-Seestreitkräfte im Nahen Osten dient.
Die BRICS-Gruppe hat zudem zehn „Partnerländer“ – Belarus, Bolivien, Kasachstan, Kuba, Malaysia, Nigeria, Thailand, Uganda, Usbekistan und Vietnam –, die an den Gipfeltreffen teilnehmen können. Dieser Rahmen trägt dazu bei, das Kooperationsnetzwerk der Gruppe zu erweitern und ihre Fähigkeit zur Vertretung des globalen Südens zu stärken, ohne dabei ihren Zusammenhalt zu gefährden.
Die BRICS-Gruppe ist weit mehr als ein symbolischer Zusammenschluss, eine bloße Botschaft an die Welt, dass die Ära westlicher Vorherrschaft sich dem Ende zuneigt – sie hat auch greifbare Fortschritte beim Aufbau von Institutionen erzielt. Die Neue Entwicklungsbank (NDB) ist die erste ausschließlich von Schwellenländern konzipierte und geleitete multilaterale Entwicklungsbank mit globaler Reichweite, und die BRICS-Gründungsmitglieder halten jeweils gleiche Anteile und verfügen über gleiche Stimmrechte. Im Gegensatz dazu sind die USA sowohl bei der Weltbank als auch beim Internationalen Währungsfonds die größten Anteilseigner und verfügen dort über ein faktisches Vetorecht. Und anders als diese US-geführten Institutionen knüpft die NDB ihre Infrastrukturfinanzierung nicht an politische Auflagen, wodurch sich die Kreditnehmer größere politische Handlungsspielräume bewahren können.
Die BRICS-Staaten arbeiten zudem daran, Schwachstellen im internationalen Finanzsystem abzubauen. Trotz dahingehender Spekulationen steht eine einheitliche BRICS-Währung nach dem Vorbild des Euro nicht auf der Tagesordnung. Beim jüngsten Gipfel in Neu-Delhi standen stattdessen unter anderem die Ausweitung der Handelsabwicklung in nationalen Währungen und die Weiterentwicklung grenzüberschreitender Zahlungssysteme im Mittelpunkt. Das Ziel besteht nicht darin, das globale Finanzsystem auf den Kopf zu stellen und den US-Dollar zu verdrängen, der nach wie vor etwa 57 Prozent der Devisenreserven der Zentralbanken weltweit ausmacht, sondern vielmehr darin, die Widerstandsfähigkeit gegenüber externen Finanzschocks zu stärken.
Die BRICS-Gruppe sieht sich mit Herausforderungen konfrontiert, die nicht zuletzt in ihrer außergewöhnlichen Vielfalt begründet liegen.
Allen Fortschritten der BRICS-Staaten in den letzten 20 Jahren zum Trotz sieht sich die Gruppe allerdings auch mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert, die nicht zuletzt in ihrer außergewöhnlichen internen Vielfalt begründet liegen. Zu den BRICS-Staaten gehören liberale Demokratien und autoritäre Staaten, führende Energieexporteure und große Energieimporteure, Industriemächte und Rohstoffländer. Die Gruppe umfasst zudem geopolitische Rivalen: China und Indien, Iran und Saudi-Arabien sowie Ägypten und Äthiopien. Selbst unter den Gründungsmitgliedern bestehen Meinungsverschiedenheiten: Brasilien und Indien treten im Allgemeinen für eine Reform bestehender internationaler Institutionen ein, während China und Russland bestrebt sind, die von den USA angeführte Weltordnung infrage zu stellen.
Vielfalt bringt unterschiedliche Ideen und Stärken mit sich, und ideologische Einheit und eine enge strategische Abstimmung sind nicht unbedingt Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit. Doch wird eine äußerst vielfältige Gruppe mit stark divergierenden Prioritäten und geopolitischen Anliegen stets Schwierigkeiten haben, einen Konsens zu finden. Jede Erweiterungsrunde verschärft diese Herausforderung, auch wenn sie zugleich das Profil der BRICS-Gruppe als breit aufgestellte internationale Koalition stärkt.
Zwanzig Jahre nach dem ersten Treffen der BRIC-Außenminister stellt sich die Frage, ob die Gruppe ihrem ursprünglichen Versprechen gerecht geworden ist. Wenn dieses Versprechen in der Schaffung einer Währungsunion, eines Binnenmarktes oder eines eng integrierten politischen Bündnisses bestand, so lautet die Antwort ganz klar: nein. Bestand es jedoch in der Neugestaltung der internationalen Beziehungen, der Erweiterung des Handlungsspielraums der Schwellenländer auf der Weltbühne, der Stärkung der Süd-Süd-Zusammenarbeit und der Erhöhung des Drucks zur Reform der bestehenden internationalen Institutionen, so haben die BRICS die Erwartungen übertroffen.
Grundlegender noch: Die BRICS-Staaten haben eine Idee etabliert, die einst undenkbar schien – nämlich, dass Schwellenländer miteinander kooperieren, eigene Institutionen aufbauen und die Struktur der internationalen Ordnung verändern können. Das ist eine beachtliche Leistung.
Aus dem Englischen von Jan Doolan
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