Gerüchten zufolge verschob US-Präsident Donald Trump im vergangenen Jahr seine Zollankündigung am sogenannten Liberation Day um einen Tag auf den 2. April, damit sein verfassungswidriger „Handelsnotstand“ nicht wie ein Aprilscherz wirkte. In diesem Jahr trotzte Trump dem Kalender mit einer Ansprache an die Nation am 1. April, in der er für eine weitere verfassungswidrige Maßnahme warb: einen Krieg gegen den Iran ohne Zustimmung des Kongresses.

Beide Schritte haben viel gemeinsam. Sie missachten nicht nur das Gesetz, sondern versuchen auch, der Weltordnung einen Todesstoß zu versetzen. Der Zollschock des letzten Jahres richtete sich gegen das von den Vereinigten Staaten etablierte regelbasierte globale Handelssystem. Der militärische Schock dieses Jahres zielt auf den Nahen Osten, seit langem die volatilste Region der Welt.

Trump handelte so verantwortungslos ohne Rücksicht auf die wahrscheinlichen Folgen. Es überrascht nicht, dass beide nach hinten losgingen. Trotz himmelhoher „reziproker“ Zölle gegen die angeblich missbräuchlichen Handelspartner der USA erreichte das US-Handelsdefizit 2025 einen neuen Rekord. Und trotz aller großspurigen Ankündigungen über eine Auslöschung der militärischen Macht des Iran richten iranische Raketen und Drohnen weiterhin Verheerungen im Nahen Osten an. Zudem hält der Iran die Welt in einem strategischen Würgegriff durch die Blockade der Straße von Hormus, die zum weltgrößten Ölschock aller Zeiten geführt hat.

Angesichts dieser Misserfolge strebt Trump nun die Stabilisierung der Beziehungen und den Aufbau eines guten Verhältnisses zu China an, dem mächtigsten strategischen Konkurrenten der USA. Er gibt sich jede erdenkliche Mühe, sein bevorstehendes, derzeit für den 14. und 15. Mai geplantes Gipfeltreffen mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping zu retten. Nachdem er das Treffen bereits einmal wegen Komplikationen in seinem Angriffskrieg verschoben hatte, ist Trump jetzt so verzweifelt um einen Deal mit seinem „guten Freund“ bemüht, dass er kürzlich als Zeichen des guten Willens einen Drogenschmuggler und -händler an China ausgeliefert hat. Andere behaupten, das Gipfeltreffen sei verschoben worden, damit Trump triumphierend nach Peking reisen könnte, nachdem er den Sieg über den Iran erklärt hätte.

Trump braucht einen Erfolg mehr als Xi.

Was auch immer der Grund sein mag: Die USA werden bei dem Gipfeltreffen deutlich im Nachteil sein. Trump braucht einen Erfolg mehr als Xi. Dem chinesischen Staatschef reicht es vollkommen aus, sich zurückzulehnen und zuzusehen, wie sein amerikanischer Amtskollege sich erniedrigt.

Eine tiefere Perspektive findet sich in den Ratschlägen von Sun Tzu, dem berühmten Krieger-Philosophen des alten China. In Die Kunst des Krieges betonte er: „Wenn deine Strategie tiefgründig und weitreichend ist …, kannst du siegen, noch bevor du überhaupt kämpfst.“ Das ist mit Sicherheit auf Xi und dessen Bereitschaft anwendbar, seinen Gegner zu beobachten, statt ihm entgegenzutreten – und auch auf Trump und dessen Mangel an Weitsicht, als er einen nicht bestehenden Handelsnotstand ausrief und einen illegalen Krieg führte.

Der Iran seinerseits versteht die Bedeutung von Strategie. Trotz der Ausschaltung seiner Führung und erheblicher Schäden durch die Luftangriffe der USA und Israels bewahrt sich das Land mit seiner Kontrolle über die Straße von Hormus einen bedeutenden strategischen Vorteil. Die eigentliche Frage ist, warum die USA dies nicht erkannten.

Ein Blick auf die neue Nationale Sicherheitsstrategie, die die Trump-Regierung Ende letzten Jahres veröffentlicht hat, ist erhellend. Das Wort „Iran“ tauchte in dem 29-seitigen Dokument nur dreimal auf. Natürlich könnte auch Trumps kurzsichtige Fixierung auf Vernichtungstaktiken eine Rolle gespielt haben. Aber warum hat Trump, bevor er impulsiv handelte, keine strategischen Überlegungen angestellt?

Die Antwort findet sich in Sun Tzus Betonung der Bedeutung von Ratschlägen. Trump handelt auf der Grundlage persönlicher Launen. Er möchte von Speichelleckern umgeben sein statt von ehrlichen Beratern, die ihm die Wahrheit sagen. Trump verachtet Experten, und hat erklärt, der Krieg werde enden, wenn „ich es spüre, es in meinen Knochen spüre“. Sun Tzu schrieb in seinem Plädoyer für Disziplin und Vernunft: „Wäge die Vorteile ab, die sich aus Ratschlägen ergeben, und strukturiere dann deine Streitkräfte entsprechend … strategisch, basierend auf dem, was vorteilhaft ist.“

Der dealfokussierte Donald Trump verfügt nicht über einen Funken Strategie.

Der dealfokussierte Donald Trump verfügt nicht über einen Funken Strategie. Er betont die Anzahl der Kriege, die er angeblich beendet hat (zehn, laut seiner jüngsten Zählung), die Einnahmen aus Zöllen (die angeblich das Ausland zahlt) und übertriebene Investitionssummen, die andere Länder für den Wiederaufbau von US-Kapazitäten zugesagt hätten. Es spielt dabei keine Rolle, dass diese Behauptungen allesamt frei erfunden sind – sie sind mittlerweile tief im Evangelium von MAGA und seinem Anführer verwurzelt.

Im Gegensatz dazu steht Xi für eine Tradition, die bis auf Sun Tzu zurückreicht und die der Strategie oberste Priorität einräumt. Auch wenn das für China nicht immer perfekte Ergebnisse zeitigt – ich habe meine Bedenken hinsichtlich der Wirksamkeit der aktuellen Strategie zur wirtschaftlichen Neuausrichtung –, verdient die chinesische Führung enorme Anerkennung für den Stellenwert, den sie strategischem Denken beimisst.

Der Gipfel im Mai zwischen Xi und Trump dürfte sich entpuppen als historisch ungleiches Aufeinandertreffen zwischen einem strategisch denkenden, langfristig planenden Akteur und einem falschen Propheten, der seine angeblichen Erfolge verkündet. Trump wird wie immer eine Geschichte aus Lügen und Verzerrungen spinnen und damit den Kontrast zwischen seiner Kunst des Erfolgs und Sun Tzus Kunst des Krieges unterstreichen. Sun Tzus Perspektive würde besagen, dass „derjenige gewinnt, dem viele strategische Faktoren zugutekommen“.

Zwei Jahre in Folge hat Trump massive ungesetzliche politische Fehler begangen. Ich mache mir bereits Sorgen, was das Jahr 2027 bringen wird. Wenn die aktuellen Umfragen ein Indikator sind, werden Trumps MAGA-Anhänger bis dahin die Kontrolle über mindestens eine Kammer des Kongresses verloren haben, und die Autokratie amerikanischen Stils wird hoffentlich im Niedergang begriffen sein. Doch ein unpopulärer, wütender und rachsüchtiger Präsident wird seine Wunden lecken und darauf aus sein, vor dem Wahlzyklus 2028 Vergeltung zu üben.

Man sollte dieses Risiko nicht auf die leichte Schulter nehmen. Einer neuen Führung im Kongress wird es obliegen, den Kurs für die USA wieder in die richtige Bahn zu lenken. Lassen wir Sun Tzu, was diese Möglichkeit angeht, das letzte Wort: „Führung ist eine Frage von Intelligenz, Vertrauenswürdigkeit, Menschlichkeit, Mut und Ernsthaftigkeit.“

© Project Syndicate

Aus dem Englischen von Jan Doolan