Der Ausgang des aktuellen Irankrieges ist noch ungewiss, doch eine Folge zeichnet sich bereits ab: Er hat die Fähigkeit der USA zur globalen Machtprojektion deutlich geschwächt. Viele fragen sich, wer gewonnen hat. Die wichtigere Frage ist jedoch möglicherweise, welchen Preis dieser Krieg hatte.

Die geoökonomische Lage des Golfs sorgt dafür, dass dieser Krieg – historisch betrachtet ein relativ kurzer und begrenzter – langfristige globale Auswirkungen haben wird. Eine der wichtigsten betrifft die künftige Fähigkeit der USA zur Machtprojektion. Ein kurzer Blick auf die bisherige Bilanz zeigt, wie sich dies auswirken könnte.

Zu den allgemeinen Kosten des Krieges zählen natürlich die Schäden an der Umwelt sowie die Folgen für die Menschen im Iran und in den Golfstaaten. Auch weit über die Region hinaus werden die Auswirkungen spürbar sein: In anderen Teilen der Welt dürfte die Ernährungsunsicherheit zunehmen, besonders für die Ärmsten.

Auf geopolitischer Ebene gibt es hingegen auch Profiteure. Russland unter Wladimir Putin hat am Rande des Konflikts davon profitiert, mehr Öl verkaufen zu können. Seine Unterstützung für Iran dürfte Moskau jedoch Freunde und Investitionskapital aus den Golfstaaten kosten. Gleichzeitig hat auch die Ukraine profitiert, weil mehrere Golfstaaten an ihren Drohnen und ihrer technischen Expertise interessiert sind.

Für die eigentlichen Kriegsparteien fällt die Bilanz jedoch gemischter aus. Israel hat etwas mehr Handlungsspielraum in Gaza und im Libanon gewonnen. Zugleich häuft das Land jedoch Probleme für die Zukunft an – ähnlich wie nach der Eskalation im Libanon Anfang der 1980er Jahre. Der Iran hat gewissermaßen gewonnen, indem er nicht verloren hat. Umgekehrt verlieren die USA, indem sie nicht gewinnen. Das wird in den kommenden Jahren erhebliche Auswirkungen auf ihre Fähigkeit haben, Macht zu projizieren.

Dabei sind zwei Dimensionen zu unterscheiden. Die eine ist materieller Natur und betrifft die Fähigkeit, den eigenen Willen zur Not mit Zwang durchzusetzen; die andere ist immateriell und betrifft Einfluss. Der materielle Aspekt wäre selbst dann von Bedeutung, wenn der Krieg erfolgreicher verlaufen wäre.

Die USA griffen während der 39 Kriegstage mehr als 13 000 Ziele im Iran an. Dabei verbrauchten sie mehr als die Hälfte ihrer Tarnkappen-Marschflugkörper. Beim derzeitigen Produktionstempo wird es fünf bis sechs Jahre dauern, diese Bestände wieder aufzufüllen. Zudem setzten sie so viele Tomahawk-Marschflugkörper ein, wie sie in zehn Jahren produzieren, sowie Patriot-Abfangraketen im Umfang von rund zwei Jahresproduktionen.

Der Iran hat gewissermaßen gewonnen, indem er nicht verloren hat.

Es überrascht daher nicht, dass viele davon ausgehen, dass die militärische Fähigkeit der USA, auf eine weitere Krise zu reagieren, geschwächt wurde. Ebenso wenig überrascht es, dass hochrangige US-Militärs und Regierungsvertreter Verbündeten wie Gegnern versichern, die USA könnten weiterhin auf jede denkbare Entwicklung reagieren und ihre Macht nach Belieben ausüben.

Kritiker betonen das enorme Ausmaß des eingesetzten Waffenarsenals, weil sie darin keinen erkennbaren Gewinn für die USA sehen. Doch selbst wenn der von Präsident Trump immer wieder ausgerufene Sieg tatsächlich real wäre, die Waffen sind weg. Wenn verringerte Waffenbestände ein Problem darstellen, dann tun sie das unabhängig vom Ausgang des Krieges.

Sowohl die Besorgnis als auch die Selbstzufriedenheit sind jedoch übertrieben. Die Vereinigten Staaten verfügen weiterhin über enorme militärische Fähigkeiten. Allerdings könnten sie gezwungen sein, diese künftig anders einzusetzen, sollte der Präsident einen neuen Bedarf oder eine neue Gelegenheit für militärisches Handeln sehen. Sicherlich: Die USA bleiben eine militärische Supermacht – allerdings fortan mit geringeren Spielräumen, schwierigeren Abwägungen und weniger Freiheit, gleichzeitig auf Krisen in verschiedenen Weltregionen zu reagieren.

Die immaterielle Dimension ist sogar noch bedeutender. Einfluss kann viele Formen annehmen – politische, wirtschaftliche oder kulturelle. Eine Quelle politischen Einflusses ist militärische Überlegenheit. Staaten, die als überwältigend mächtig wahrgenommen werden, gewinnen häufig Verbündete und können Gegner zum Einlenken bewegen. Der Krieg am Golf hat jedoch die Grenzen dieser Logik offengelegt.

Präsident Trump hat nicht Unrecht, wenn er die militärische Stärke der USA lobt. Doch seine Prahlereien während des Irankrieges haben die Aufmerksamkeit auf den äußerst begrenzten Nutzen all dieser Gewalt gelenkt. Irans militärische Fähigkeiten wurden zwar geschwächt, und die Wirtschaft des Landes befindet sich in einem desolaten Zustand. Das Regime ist jedoch weiterhin an der Macht – nun mit einer härteren Linie und noch strafferer Kontrolle. Als die Waffenruhe in Kraft trat, verfügte es noch über 70 Prozent seines Vorkriegsbestands an Raketen und es hat inzwischen zweifellos weitere produziert.

Die USA sind hingegen heute ihrem Ziel, Irans angereichertes Uran außer Landes zu schaffen, keinen Schritt näher als am Tag vor Kriegsbeginn. Erreichen können sie es nur mit Zustimmung Teherans – ein Prozess, der Zeit erfordern und amerikanische Zugeständnisse bei den Sanktionen voraussetzen wird. Und während die Schifffahrt vor dem Krieg die Straße von Hormus frei passieren konnte, ist das heute nicht mehr der Fall. Iran hat daraus ein politisches Druckmittel gemacht.

Die Lehre daraus lautet: Überlegene militärische Macht kann Zerstörung anrichten und Menschen töten. Sie verleiht ihrem Besitzer jedoch nicht automatisch die Fähigkeit, politische Ziele zu erreichen. Dies zeigt sich im Übrigen derzeit auch in einem anderen Operationsgebiet. Im amerikanischen Kampf gegen Drogenhändler in der Karibik und im Pazifik gab es mehr als 60 Angriffe auf kleine Boote, bei denen über 200 Menschen getötet wurden. Den jüngsten Studien zufolge hatte dies jedoch keinerlei Auswirkungen auf den Straßenpreis oder die Verfügbarkeit von Kokain in amerikanischen Städten.

Das Problem im Fall Iran besteht darin, dass Trump seine Regierung in eine Lage manövriert hat, aus der kaum ein Ausweg erkennbar ist. Eine solche Situation haben wir in der Vergangenheit bereits erlebt. Es handelt sich um das klassische Dilemma einer Großmacht, die einem widerstandsfähigen Gegner gegenübersteht. Man denke nicht nur an Iran, sondern auch an die Ukraine. Oder an Vietnam.

Es handelt sich um das klassische Dilemma einer Großmacht, die einem widerstandsfähigen Gegner gegenübersteht.

Im März 1968, auf dem Höhepunkt des Vietnamkrieges, als sich die amerikanische Öffentlichkeit zunehmend gegen den Krieg wandte, beschrieb Theodore Sorensen, der frühere Redenschreiber von Präsident Kennedy, die Lage der USA als Gefangenschaft in einer „sechsseitigen Box“ – einer ausweglosen strategischen Konstellation –, die er in drei einfachen Sätzen zusammenfasste. Erstens: Die militärische Vormachtstellung Amerikas konnte keinen Sieg herbeiführen, während seine politische Führungsrolle einen Rückzug demütigend erscheinen ließ. Zweitens: Die USA konnten weder Südvietnam ihren Willen aufzwingen noch den Willen Nordvietnams brechen. Drittens: Eine Eskalation drohte eine chinesische oder sowjetische Intervention auszulösen, während ernsthafte Verhandlungen die Möglichkeit eines kommunistischen Südvietnams hätten akzeptieren müssen.

Es fällt nicht schwer, diese Analyse mit einigen Anpassungen auf die amerikanische Konfrontation mit dem Iran zu übertragen: Der Krieg ist nicht zu gewinnen, doch ein Rückzug wäre demütigend; kein Verbündeter leistet nennenswerte Hilfe, und der Gegner ist zu widerstandsfähig; eine vollständige Eskalation ist undenkbar, während ernsthafte Verhandlungen bedeuten würden, einzugestehen, dass der Krieg von Anfang an ein Fehler war.

Den USA gelang es in Vietnam nie, aus dieser „Box“ auszubrechen – und wahrscheinlich wird ihnen das auch am Golf nicht gelingen. Dieses Scheitern – ein anderes Wort dafür gibt es nicht – untergräbt die Fähigkeit der Vereinigten Staaten zu strategischer Führung. Ihre Verbündeten sehen sich mit leichtfertigem Handeln, wiederholter Missachtung und Geringschätzung seitens der US-Regierung konfrontiert. Sie sollen Maßnahmen unterstützen, zu denen sie nicht konsultiert wurden und denen sie auch nicht zugestimmt haben. Hinzu kommen widersprüchliche und irreführende Erklärungen sowie ein Krieg ohne Strategie, ohne rechtliche Grundlage und ohne moralische Legitimation.

Es ist schwer vorstellbar, wie die USA das moralische Kapital und die Führungsfähigkeit zurückgewinnen wollen, die sie in diesem Jahr verloren haben. Noch mehr martialische Rhetorik wird daran sicherlich nichts ändern. Ebenso wenig eine Wiederaufnahme des Krieges oder ein Abkommen, das Iran weitreichende Zugeständnisse macht. Und derzeit ist nicht erkennbar, warum Iran seinerseits den Vereinigten Staaten überhaupt Zugeständnisse machen sollte.

Die USA bleiben der mächtigste militärische Akteur der Welt. Doch selbst das stärkste Militär der Welt kann seine Überlegenheit nicht automatisch in politischen Erfolg ummünzen. Die Gefahr besteht jedoch darin, dass künftige Entscheidungsträger weiterhin das Gegenteil glauben. Möglicherweise wird in Zukunft wieder ein strategisch kluger Präsident ins Amt kommen, der Verbündete nicht beiläufig beschimpft und bedroht. Doch da die amerikanischen Wähler sich zweimal für einen solchen Kurs entschieden haben, können sie es auch ein drittes Mal tun – wenn nicht mit Trump (dagegen sprechen sein Alter und die Verfassung), dann mit Vance, Rubio, Hegseth oder jemand anderem.

Deshalb wird die Absicherung gegen die Unzuverlässigkeit der Vereinigten Staaten auf Jahre hinaus – vielleicht sogar dauerhaft – Teil der Politik Europas und anderer amerikanischer Verbündeter sein. Je unabhängiger sie von den USA werden, desto weniger werden sie sich ihren Wünschen fügen. In einigen Jahren können die Vereinigten Staaten einen Großteil ihrer materiellen Macht wiederherstellen. Ihr Verlust an Einfluss und Glaubwürdigkeit wird sich hingegen, wenn überhaupt, nur langsam beheben lassen.

Darin liegt das größte Risiko: dass Trump oder ein künftiger Präsident trotz aller gegenteiligen Erfahrungen weiterhin glaubt, militärische Gewalt sei gleichbedeutend mit Macht – und sie destruktiv, verzweifelt und letztlich sinnlos einsetzt.