Brexit, das war die große Verheißung, das Jetzt-erst-recht, das Dampfablassen, das Nach-so-langer-Zeit-mal-wieder-dem-grauen-Leben-und-denen-da-oben-den-Mittelfinger-zeigen. Es war die rauschende Fahrt im Cabrio des Nationalismus – the Sky ist the Limit – das Versprechen auf Freiheit und den großen Gewinn. Doch nach der durchzechten Nacht sind viele jetzt aufgewacht. Und zwar wie jemand, der das „See EU later“-Tattoo im Vollrausch für eine ausgezeichnete Idee hielt. Natürlich: Der Kater hat gleich einen eigenen Namen bekommen: Von eben den Medien, die den Brexit auf schärfste befeuerten, und wie einige meinen sogar verantworten, heißt es jetzt: Bregret. Andere sprechen von Bremorse.

Dass die Brexiteers mit einem heftigen Filmriss zu kämpfen hatten, lässt sich allein deswegen schon vermuten, weil sie am Morgen nach der Entscheidung erstmal mehrheitlich googlen mussten, worüber sie da eigentlich abgestimmt hatten. „What is the EU“ wurde zur meist getippten Suchanfrage.

Jetzt ist erstmal nichts gegen ein rauschendes Fest zu sagen. Und sowieso, sang Tocotronic doch unlängst, dass die pure Vernunft niemals siegen dürfe!

Das Problem ist, dass die Party von einer Minderheit gefeiert wurde. Und auch nicht in jugendlicher Rebellion gegen die Ungerechtigkeit der Welt, sondern hauptsächlich von der alten Landbevölkerung, die Angst hat vor Migranten. Die Jugendlichen, die mit der folgenschweren Entscheidung am längsten leben müssen, haben mehrheitlich für einen Verbleib in der EU gestimmt.

Aber gibt es noch einen Weg zurück? Viele, die wütend sind, dass ihnen Papi die Zukunft versaut hat, hoffen schon, dass es doch noch einen Exit vom Brexit geben könnte. Da ist die Petition, die in kürzester Zeit bereits über drei Millionen Unterschriften sammeln konnte, oder die schottische Erste Ministerin, die dem Austrittsantrag zustimmen müsste, das aber keineswegs vorhat, da die Schotten mehrheitlich in der EU bleiben wollen.

Was bleibt? Man könnte jetzt ja auch mal beim Katerfrühstück nicht nur über EU-Mitgliedschaft ja oder nein, beziehungsweise mehr oder weniger EU diskutieren, sondern endlich mal darüber, welche EU man eigentlich will. Da gibt es <link schwerpunkt-des-monats europa-am-abgrund artikel detail europapolitiker-hoert-die-signale-1342>Nachholbedarf.