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Brexit in Las Vegas
Was das Referendum mit einer Vegas-Trauung gemein hat.

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Picture Alliance
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War das eine gute Idee? Wer war diese EU nochmal? Was für eine Nacht!

Brexit, das war die große Verheißung, das Jetzt-erst-recht, das Dampfablassen, das Nach-so-langer-Zeit-mal-wieder-dem-grauen-Leben-und-denen-da-oben-den-Mittelfinger-zeigen. Es war die rauschende Fahrt im Cabrio des Nationalismus – the Sky ist the Limit – das Versprechen auf Freiheit und den großen Gewinn. Doch nach der durchzechten Nacht sind viele jetzt aufgewacht. Und zwar wie jemand, der das „See EU later“-Tattoo im Vollrausch für eine ausgezeichnete Idee hielt. Natürlich: Der Kater hat gleich einen eigenen Namen bekommen: Von eben den Medien, die den Brexit auf schärfste befeuerten, und wie einige meinen sogar verantworten, heißt es jetzt: Bregret. Andere sprechen von Bremorse.

Dass die Brexiteers mit einem heftigen Filmriss zu kämpfen hatten, lässt sich allein deswegen schon vermuten, weil sie am Morgen nach der Entscheidung erstmal mehrheitlich googlen mussten, worüber sie da eigentlich abgestimmt hatten. „What is the EU“ wurde zur meist getippten Suchanfrage.

Jetzt ist erstmal nichts gegen ein rauschendes Fest zu sagen. Und sowieso, sang Tocotronic doch unlängst, dass die pure Vernunft niemals siegen dürfe!

Das Problem ist, dass die Party von einer Minderheit gefeiert wurde. Und auch nicht in jugendlicher Rebellion gegen die Ungerechtigkeit der Welt, sondern hauptsächlich von der alten Landbevölkerung, die Angst hat vor Migranten. Die Jugendlichen, die mit der folgenschweren Entscheidung am längsten leben müssen, haben mehrheitlich für einen Verbleib in der EU gestimmt.

Aber gibt es noch einen Weg zurück? Viele, die wütend sind, dass ihnen Papi die Zukunft versaut hat, hoffen schon, dass es doch noch einen Exit vom Brexit geben könnte. Da ist die Petition, die in kürzester Zeit bereits über drei Millionen Unterschriften sammeln konnte, oder die schottische Erste Ministerin, die dem Austrittsantrag zustimmen müsste, das aber keineswegs vorhat, da die Schotten mehrheitlich in der EU bleiben wollen.

Was bleibt? Man könnte jetzt ja auch mal beim Katerfrühstück nicht nur über EU-Mitgliedschaft ja oder nein, beziehungsweise mehr oder weniger EU diskutieren, sondern endlich mal darüber, welche EU man eigentlich will. Da gibt es Nachholbedarf.

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2 Leserbriefe

Stefan Siewert schrieb am 28.06.2016
Faktencheck: Suchanfrage bei Google zur EU verdreifacht, auf 1000 Anfragen, bei 30+ Millionen Wählern entspricht das einem von 30.000 der Wähler. Interessant, aber nicht relevant.
Ebenso, die Petition war wohl ein Hoax.

So nett der Versuch ist, so verbleibt er in alten Denkmuster.

Tatsache ist: Brexit hat stattgefunden. Bruchlinien gibt es viele, eine ist nun kritisch geworden. Eine neue Dynamik mit einer anderen Logik ist entstanden. Vielleicht hat GB das sinkendes Schiff EU als Erster verlassen, vielleicht werden nun die Reformen angestoßen, die die Rest EU wieder auf einen Wohlstandspfad führen, vergleichbar der Einigung des Westens mit der sozialistischen Bedrohung vor 70 Jahren. In wenigen Jahren werden wir den Ausgang wissen. Jetzt noch nicht.
E. Schwarze schrieb am 13.07.2016
Mir ist egal, ob UK aus der EU austritt oder nicht. Ich bin sicher, der Planet wird sich trotzdem weiterdrehen. Erstaunlich finde ich die totale Entfremdung zwischen Volk und Eliten, die durch das Referendum offenbar geworden ist. Offensichtlich waren die Meinungsführer der Ansicht, man könne diesem aus internen taktischen Gründen angesetzten Entscheid mit den üblichen Methoden aus Panikmache u. manipulierten Umfragen den richtigen Drall geben. Allgemein fassungslos am Morgen danach waren nicht nur einige bauchgesteuerte Voter. Und dass die Jugend merheitlich gegen Brexit gestimmt hat ist mir neu. Ich hatte verstanden, die Jugend wäre dieser absurden Veranstaltung merheitlich ferngeblieben.