„Rising Powers“. Wurde dazu nicht lägst alles gesagt? Könnte man meinen – ist aber nicht so. Denn Robert Kappel und Helmut Reisen befassen sich in „Die Neuvermessung der Welt und die deutsche Außenpolitik“ mit Aspekten, die eben nicht in jeder Publikation zu den BRICS-Staaten nachgelesen werden können.

Sicher, der relative Abstieg des Hegemon Amerika und der parallele Aufstieg Chinas und Indiens birgt an sich kein revolutionäres Potenzial – zumindest nicht für eine Publikation. Doch die Autoren arbeiten stringent vier Punkte heraus, die für die aktuelle Entwicklung bezeichnend sind: Die „Sogwirkung Chinas“, das über eine „groß angelegten Strategie“ an Bedeutung zunimmt; die abnehmende Strahlkraft der USA, die dennoch zumindest „die wichtigste militärische Weltmacht“ bleiben; die beginnende „Erosion“ der transatlantischen Partnerschaft und der einsetzende „Pivot to Asia“ der Europäischen Union. Dem gegenüber registrieren die Autoren jedoch auch unerbittlich die bislang begrenzten Fähigkeiten der EU, „globale öffentliche Güter zur Verfügung zu stellen und sich als Zivilmacht zu etablieren“.

Als Leit- (oder Leid-Frage?) durchzieht den Beitrag die Debatte um die Aufstellung Deutschlands in dieser Welt. Klare Position der Autoren: Vor allem in der Europäischen Union müsse Deutschland ein „upgrading seiner Außenpolitik vornehmen“. Die Schlussfolgerung, dass Deutschland mit seinen Verbündeten in der EU mehr Einfluss auf globale Entwicklungen nehmen sollte um auch in Zukunft als globaler Akteur ernst genommen zu werden, ist vor dem Hintergrund der globalen Machtumbrüche sicher wichtig und richtig. Aktiv darüber nachzudenken, was von Deutschland und Europa getan und erreicht werden kann, ist in der Diskussion um „Pax Americana“, BRICS und globale Weltordnung, die sich sonst eher um „die Anderen“ dreht, ein wichtiger Beitrag zur Debatte. Bleibt nur die Frage, wie dies am besten erreicht werden kann.