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Was ISIS wirklich will
The Atlantic über Ideologie und Organisation von ISIS.

Greame Wood legt im Atlantic erst einmal tüchtig  den Finger in die Wunde westlicher Reaktionen auf den Aufstieg (und momentanen Abstieg) des sogenannten „Islamischen Staates“. Für ihn hat „der Westen“ das Thema ISIS seit 2011 völlig falsch verstanden. Aktuelle Urteile des US-Präsidenten, ISIS sei  „un-islamisch“ knüpften an diese Fehlwahrnehmung lediglich unter veränderten Vorzeichen an. ISIS entstammt verbreiteten Gefühlen der kulturellen Erniedrigung, Ausgrenzung  und letztlich schlechter Regierungsführung in Ländern, die „nur wegen ihres Öls wertgeschätzt werden“? Sicher, konzediert Wood. Aber die vollständige Ausblendung des ideologischen Überbaus führt nicht weiter.

Für den Autor ist diese Ökonomisierung der Gotteskrieger letztlich nichts anderes als liebgewonnenes „westliches Vorurteil“. Denn „nur weil religiöse Ideologien in Berlin oder Washington nichts mehr zählen“, erlaube das noch lange keinen Rückschluss auf Befindlichkeiten in Raqqa oder Mossul. Dabei wird auch klar: Die von westlichen Islamkritikern und Apologeten im Dauerlauf debattierte Frage nach der Entstellung und Instrumentalisierung „des“ Islam ist unsinnig. Princeton-Professor  Bernard Haykel: „Manche wollen den Islam freisprechen. Das ist dieses 'Islam ist Friede' Mantra. Als ob es so etwas wie 'den' Islam gibt. Es kommt darauf an, was Muslime tun und wie sie ihre Texte interpretieren.“ Wohl wahr.

Bedauerlich, dass die Schlussfolgerungen Woods reichlich unausgegoren bleiben: Die Präsenz und Bedrohung durch ISIS wird uns noch Jahre begleiten. Denn es gibt keine schnellen Lösungen. Nun ja. Das hat man schon vor der Lektüre fast geahnt.

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