Fast schon ketzerisch scheint die Frage, die Youngwan Kim und Peter Nunnenkamp in der aktuellen Ausgabe von Development and Change stellen: Macht es sich für NGOs bezahlt, wenn sie sich in Kriegsgebieten engagieren?

Relevant wird die Frage speziell vor dem Hintergrund der zunehmenden Auslagerung staatlicher Hilfsleistungen an NGOs. Mit Blick auf US-Hilfsgelder bedeutet dies, dass inzwischen etwa 40 Prozent der Auslandshilfen an NGOs gehen. Ein enormes Volumen, um das auf dem Markt der humanitären und Entwicklungshilfe ein intensiver Wettbewerb entstanden ist. An diesem Punkt setzen die Autoren an und versuchen mit empirischen Mitteln Hinweise darauf zu bekommen, ob ein Engagement in Krisengebieten die Ausgangslage der NGOs im Kampf um staatliche Mittel verbessert. Eine wichtige Konsequenz, die ebenfalls aus dem Outsourcings of Aid resultiert: Formal unabhängige NGOs laufen durch die verstärkte Einwerbung staatlicher Mittel Gefahr, in Abhängigkeitsstrukturen zu geraten. Die mögliche Folge: Sie werden für politische Vereinnahmung anfällig. All das mag nicht völlig neu klingen, dennoch hilft es, die zunehmend restriktive und ablehnende Politik einiger Staaten gegenüber ausländischen NGOs zumindest teilweise zu erklären.

Im Fokus der Untersuchung stehen US-NGOs mit und ohne Engagement während der Kriege in Afghanistan und Irak. Hier war das Niveau der Hilfsgelder aus den USA vor der militärischen Intervention praktisch bei null. Mit Beginn der militärischen Intervention erreichten sie schlagartig 370 Millionen USD in Afghanistan bzw. 1,5 Milliarden USD im Irak. Unglaubliche Summen unglaublich lohnenswert für die NGOs.

Jedoch: Die Analyse der Autoren kann schließlich nicht klar nachweisen, dass ein Engagement von NGOs in US-Interventionsgebieten gleichbedeutend mit einem besseren Zugang zu Geldern ist. Hinsichtlich der in Afghanistan aktiven NGOs verdichten sich allerdings Hinweise, die auf eine Chancenverbesserung im Konkurrenzkampf um staatliche Geldtöpfe schließen lassen. Die Autoren folgern daraus, dass sich NGOs stärker auf ihre Kompetenzen und ihren Altruismus konzentrieren sollten als auf die Verlockungen verfügbarer Finanzmittel.