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Konfrontation aus der Hölle
Die Eskalation zwischen Iran und den USA droht in einem unkontrollierbaren regionalen Inferno zu enden.

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AFP
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Militärparade in Teheran im September 2017.

Die frühere US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen Samantha Power hat zu Völkermord führende Kriege einmal als „Problem aus der Hölle“ bezeichnet. Nun, da die Regierung von US-Präsident Donald Trump die Spannungen mit dem Iran verschärft, muss sich die Welt auf eine „Konfrontation aus der Hölle“ zwischen beiden Ländern gefasst machen.

Sowohl die USA als auch der Iran sagen, dass sie keinen Krieg wollen. Doch bewegen sich beide Schritt für Schritt unaufhaltsam auf einen Kollisionskurs zu. Die USA haben ihre Truppenpräsenz in den Nachbarländern des Iran deutlich ausgeweitet und den Kampfverband um den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln sowie eine Bomberschwadron in den Nahen Osten entsandt, um das iranische Regime vor Drohmaßnahmen abzuschrecken. Die iranische Führung hat den Schritt derweil als psychologische Kriegsführung angeprangert; sie betrachtet ihn als Provokation, die darauf abzielt, ihr Land in einen Militärkonflikt hineinzuziehen.

Seit seiner Amtsübernahme hat Trump den Iran unaufhörlich als Quelle allen Übels in der Region und darüber hinaus dargestellt.

Seit seiner Amtsübernahme hat Trump den Iran unaufhörlich als Quelle allen Übels – einschließlich des internationalen Terrorismus – in der Region und darüber hinaus dargestellt. Er hat die Politik des Dialogs seines Vorgängers Barack Obama rückgängig gemacht und setzt das iranische Regime unter maximalen Druck. Dabei hat er drei Ziele im Hinterkopf. Zu allererst will die Trump-Regierung einen Regimewechsel oder zumindest eine Verhaltensänderung des Regimes herbeiführen. Sie ist zudem bestrebt, die Wirtschaft des Iran zu schädigen, damit das Land nicht mehr als einflussreicher regionaler Akteur auftreten kann. Und sie will Israels Position als Amerikas treuester und mächtigster Verbündeter im Nahen Osten stärken und enge strategische Beziehungen zwischen dem jüdischen Staat und den gegen den Iran ausgerichteten arabischen Ländern – den von Saudi-Arabien angeführten Golfstaaten und Ägypten – schmieden.

Um diese Ziele zu erreichen, hat Trump den Rückzug der USA aus dem offiziell als „Gemeinsamer umfassender Aktionsplan“ (JCPOA) bezeichneten Atomabkommen des Jahres 2015 mit dem Iran vollzogen. Seine Regierung hat harte Sanktionen gegen den Iran verhängt, die jeden Sektor der iranischen Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen und dazu geführt haben, dass einige ausländische Unternehmen keine Geschäfte mit dem Land mehr machen. Und in einem beispiellosen Schritt hat Trump im vergangenen Monat die zentrale Einheit der iranischen Streitkräfte, die Revolutionsgarden, zur Terrororganisation erklärt. Trumps falkenhafter Nationaler Sicherheitsberater John Bolton hat, unterstützt von Außenminister Mike Pompeo, kürzlich geäußert: „Die Vereinigten Staaten suchen keinen Krieg mit dem iranischen Regime, aber wir sind völlig darauf vorbereitet, auf jeden Angriff – sei es durch Stellvertreterkräfte, die Revolutionsgarden oder die regulären iranischen Streitkräfte – zu reagieren.“ Dies führt die USA und den Iran einen Schritt näher in Richtung einer militärischen Konfrontation, die entweder vorsätzlich oder durch eine Fehlkalkulation ausgelöst werden könnte.

Der Iran verfügt im Falle eines Krieges nicht über die militärischen Fähigkeiten, um Amerikas Feuerkraft zu widerstehen. Die USA können die iranischen Militäranlagen, Nuklearstandorte und wichtigen Infrastrukturanlagen sehr rasch vernichten. Auch könnten sie den Iran an einer Blockade der Straße von Hormus hindern, durch die etwa 30 Prozent des weltweiten Öls verschifft werden.

Der Iran ist in der Lage, einen – egal ob mit oder ohne Unterstützung Israels und Saudi-Arabiens geführten – US-Militärschlag für Amerika und die Region sehr teuer zu gestalten.

Doch ist der Iran in der Lage, einen – egal ob mit oder ohne Unterstützung Israels und Saudi-Arabiens geführten – US-Militärschlag für Amerika und die Region sehr teuer zu gestalten. Das iranische Regime ist möglicherweise in der Lage, einige Schiffe am engsten Punkt der Straße von Hormus – dort, wo die Schifffahrtslinien in beide Richtungen nur 3,2 km breit sind – zu versenken, um diese zu blockieren. Wichtiger ist, dass der Iran eine Strategie zur asymmetrischen Kriegsführung entwickelt hat, die sowohl auf Hard Power als auf Soft Power beruht. Obwohl der Iran zum Beispiel keine moderne Luftwaffe für den Kampf an vorderster Front hat, hat er beträchtliche Fortschritte bei der Entwicklung und Produktion von Kurz-, Mittel- und Langstreckenraketen gemacht, die Ziele bis hin nach Israel treffen können. Darüber hinaus könnte das Regime Wahrzeichen wie die Burj Khalifa in Dubai – das höchste Gebäude der Welt ‒ ins Visier nehmen, um eine regionsweite Finanzkrise auszulösen.

Selbst wenn die Präzision der iranischen Raketen nicht garantiert werden kann, könnten viele von ihnen doch den bestehenden Verteidigungssystemen ausweichen. Israels hochmodernes Raketenabwehrsystem Iron Dome etwa war nicht einmal in der Lage, alle der primitiven von Gaza aus abgeschossenen Raketen zu neutralisieren. Zudem hat das iranische Regime ein regionsübergreifendes Netz von Stellvertreterkräften geschmiedet. Syrien und der Irak haben sich zu entscheidenden Gliedern in einem vom Iran geführten strategischen schiitischen Bogen entwickelt, der von Afghanistan bis in den Libanon reicht. Zu den Stellvertreterkräften des Regimes gehören Teile der schiitischen Bevölkerung Afghanistans, irakische Schiitenmilizen und die Hisbollah, die den Südlibanon kontrolliert und tausende von Raketen in Bereitschaft hält, um damit Israel ins Ziel zu nehmen. Tatsächlich ist die Hisbollah aus ihrem Krieg mit Israel im Jahr 2006 stärker denn je hervorgegangen.

Darüber hinaus kann der Iran tausende von extrem entschlossenen Selbstmordattentätern dazu mobilisieren, sich für die Sache des schiitischen Islams und des Nationalismus, die das Regime erfolgreich gefördert hat, zu opfern. Diese Bombenattentäter sind in die iranischen Sicherheitskräfte und regionsübergreifend eingebettet. Das iranische Regime hat hart daran gearbeitet, seine nationale Sicherheit innerhalb eines stützenden regionalen Rahmens zu stärken. In einem Konflikt mit den USA wäre der Iran daher kein leichtes Opfer. Im Gegenteil: Ein größerer militärischer Angriff könnte zu einem unkontrollierbaren regionalen Inferno führen. Beide Seiten haben gute Gründe, keinen Krieg zu beginnen.

Aus dem Englischen von Jan Doolan.

(c) Project Syndicate

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