Das Unglück eines Gegners kann wie ein Segen erscheinen. Zweifellos schien Moskau in den letzten Wochen davon zu profitieren, dass sich die Vereinigten Staaten in einem Krieg im Iran festgefahren haben. Der Ölpreis ist deutlich gestiegen, einige Sanktionen gegen russisches und iranisches Öl wurden vorübergehend ausgesetzt, und die Aufmerksamkeit des Westens ist abgelenkt. Russlands Staatskasse füllt sich wieder. Die von den Vereinigten Staaten moderierten russisch-ukrainischen Friedensgespräche sind unterbrochen, weil „die Amerikaner eine Menge anderer Dinge zu erledigen haben, wenn Sie wissen, was ich meine“, wie Kreml-Sprecher Dmitri Peskow Berichten zufolge diese Woche gegenüber russischen Staatsmedien sagte.

Bis letzte Woche ein begrenzter Waffenstillstand verkündet wurde, hatte der Iran wochenlang durchgehalten und dabei enorme Kosten für die Weltwirtschaft verursacht. Die iranischen Behörden mögen diesen fragilen Waffenstillstand als strategischen Sieg verkünden, doch selbst wenn er hält: Das Land ist völlig erschöpft und ärmer und isolierter als zuvor. Sollte der Krieg wieder aufflammen, könnte die kumulative Last aus Militärschlägen, Sanktionen und inneren Unruhen den Iran in Richtung Zersplitterung oder Implosion treiben.

Der Iran ist ein russischer Partner, der den USA schon vor diesem Krieg Kosten verursacht hat, ohne dass Russland sich exponieren musste.

Beide mögliche Szenarien sollten dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu denken geben, und tun dies wahrscheinlich auch. Der Iran ist ein russischer Partner, der den USA schon vor diesem Krieg Kosten verursacht hat, ohne dass Russland sich exponieren musste. Aus Sicht des Kremls ist er so gut wie unersetzbar.

Als iranische Shahed-Langstreckendrohnen 2022 erstmals über ukrainischen Städten auftauchten, schien dies eine neue Phase in den Beziehungen zwischen Russland und dem Iran einzuläuten. Jahrzehntelang hatte Teheran Moskau nicht als vertrauenswürdigen Partner, sondern eher als zynische Großmacht angesehen, die – wie bereits 2010 – UN-Sanktionen gegen das iranische Atomprogramm unterstützte, wenn es den russischen Interessen diente. Doch die Zusammenarbeitsroutinen, die sich im Laufe des Syrien-Krieges ab etwa 2015 eingespielt hatten, entwickelten und verfeinerten sich bis zum Zeitpunkt des russischen Einmarsches in die Ukraine zu einer Partnerschaft.

Die beiden Regime verbindet derselbe Groll, nämlich die Überzeugung, dass die US-dominierte internationale Ordnung darauf ausgelegt sei, sie einzudämmen. Diese geteilte Überzeugung hat zu einer Zusammenarbeit in den Bereichen Geheimdienste und Finanzen sowie zu einer ausgeklügelten Architektur zur Umgehung von Sanktionen geführt. Der Iran hat Lehren aus dem Krieg in der Ukraine – Masseneinsatz von Drohnen, elektronische Kriegsführung, die Schwachstellen gepanzerter Kolonnen – in seine eigenen militärischen Operationen integriert. Russland hat beobachtet, wie der Iran gleichzeitig auf mehreren Schauplätzen irregulär Krieg führt, indem er seine Macht durch Stellvertreter projiziert, und wie er sich dabei die Möglichkeit bewahrt, glaubwürdig die Verantwortung abzustreiten.

Im Januar 2025 unterzeichneten die beiden Länder ein Partnerschaftsabkommen, das große Teile ihrer bestehenden Zusammenarbeit festschrieb. Der Vertrag enthält allerdings keine gegenseitige Verteidigungsklausel. Moskau hat nie versprochen, im Namen des Iran gegen die Vereinigten Staaten zu kämpfen, und auch der Iran hat sich umgekehrt nicht verpflichtet. Jeder wollte sicherstellen, dass der andere über das verfügte, was er brauchte, um länger auf eigene Faust zu kämpfen.

Beide Regime basieren auf der Prämisse, dass jede Opposition ein Feind sei, der vernichtet werden müsse. Der Austausch über Instrumente der Unterdrückung – Überwachung, Internetkontrollen und Taktiken zur Eindämmung von Menschenmengen – ist ebenso wertvoll wie der über Waffensysteme. Als im Januar im gesamten Iran Proteste ausbrachen, war die Internetsperre laut unabhängigen Beobachtern strenger und ausgefeilter als frühere Sperren. Das Regime nutzte dafür ähnliche Methoden wie Russland in der Ukraine. Etwa zur gleichen Zeit schienen Videoaufnahmen in den sozialen Medien zu zeigen, dass der Iran russische Panzerfahrzeuge einsetzte, um die Proteste zu unterdrücken. Kurz gesagt geht es bei dieser Beziehung um weit mehr als nur um Drohnen. Sie ist eng, vielfältig und in wichtigen Aspekten selbstverstärkend – jede Ebene der Zusammenarbeit macht den Aufbau der nächsten Ebene einfacher und ihren Wiederabbau schwieriger.

Im Jahr 2015 entsandte Putin russische Kampfflugzeuge nach Syrien, um Präsident Baschar al-Assad vor einem Bürgerkrieg zu retten, den Assad trotz seiner Brutalität nicht mehr unter Kontrolle halten konnte. Moskau sicherte sich einen Verbündeten, dessen Überleben von äußerer Macht abhing. Sein Nutzen lag hauptsächlich darin, Russland Einfluss, Stützpunkte und einen Fuß in der Region zu bewahren. Doch als Assad Ende 2024 der Sturz drohte, ließ Putin ihn fallen. Der Krieg in der Ukraine hatte eine Intervention logistisch erschwert, doch diese Entscheidung war auch eine Abwägung, ob die Kosten für die Rettung eines Klienten wie Assad dessen Wert überstiegen. Sein Staat war durch die Jahre des Krieges und der Korruption ausgehöhlt worden, und was übriggeblieben war, war zu schwach, um Einfluss auszuüben, und zu abhängig, um strategischen Nutzen zu bieten.

Der Iran ist kein Klient Russlands. Er ist eigenständig dazu bereit, der amerikanischen Macht die Stirn zu bieten.

Der Iran ist kein Klient Russlands. Er ist ein Staat mit seiner eigenen revolutionären Logik und regionalen Reichweite. Er ist eigenständig dazu bereit, der amerikanischen Macht die Stirn zu bieten. Während dieses Krieges hat er durch die Militarisierung der Straße von Hormus gezeigt, dass er Aktivitäten entfalten kann, die weltweit schnell und deutlich zu spüren sind. Iran kann Druck auf die Vereinigten Staaten ausüben, anders als Russland, das in der Ukraine feststeckt. Die vergangenen Wochen haben den Wert des Iran für Russland noch einmal stärker deutlich gemacht.

Wenn die Kämpfe wieder aufgenommen werden, sinken die Chancen des Iran, den Krieg zu akzeptablen Bedingungen zu beenden. Wenn die Kämpfe lange andauern, könnte dies ganz unmöglich werden. Fällt die Islamische Republik, kann kein anderes Land im Einflussbereich Russlands ihre Rolle übernehmen. China ist zu stark in die Weltwirtschaft integriert. Nordkorea, das Russland in der Ukraine mit Waffen und Soldaten versorgt hat, kann seine Macht nicht weit über die koreanische Halbinsel hinaus ausdehnen.

Putin verfügt vier Jahre nach Kriegsbeginn in der Ukraine nicht über die Kapazitäten für eine russische Militärintervention im Iran. Doch selbst wenn er sie hätte, eine derart sichtbare Eskalation würde Konsequenzen in den Bereichen riskieren, in denen Russland am verwundbarsten ist: Waffenlieferungen nach Kiew, verschärfte Sekundärsanktionen und ein verstärkter Austausch von Geheimdienstinformationen. Jede zusätzliche Unterstützung für den Iran muss gegen die möglichen Kosten in der Ukraine abgewogen werden.

Für den Kreml ist die Frage vielmehr, wie man weiterhin handeln kann, ohne dabei gesehen zu werden. Moskau verfügt über Einflussmittel jenseits konventioneller militärischer Gewalt: Private Militärdienstleister können Akteure, deren Überleben den russischen Interessen dient, ausbilden oder schützen. Waffenlieferungen können über die Netzwerke zur Umgehung von Sanktionen erfolgen, die Iran und Russland über Jahre hinweg aufgebaut haben. Russland leistet bereits jetzt nachrichtendienstliche Unterstützung und Hilfe bei der elektronischen Kriegsführung, wenn auch in begrenztem Umfang. Und europäische Geheimdienstberichte über russische Drohnenlieferungen an den Iran zeigen die Art von Unterstützung, die bedeutend genug ist, um eine Rolle zu spielen, und zugleich zweideutig genug, um sie zu leugnen.

Putin hat Jahre damit verbracht, eine Koalition der Unzufriedenen aufzubauen. Sie gründet auf der Prämisse, dass autoritäre Staaten dem westlichen Druck standhalten können und dass auf Ausdauer angelegte Regime – die jahrzehntelange Sanktionen verkraften, ihre Bevölkerung überwachen und Dissens unterdrücken – nicht zu Fall gebracht werden können. Der Iran, der den größten Druck ertragen und am längsten durchgehalten hat, ist Putins Beweis für die Richtigkeit seines Konzepts. Scheitert der Iran jedoch, würde er schleichend zur Belastung für ihn werden.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der New York Times.