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Lasst sie gehen
Warum die Europäische Union vom Brexit profitieren würde.

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Sovereignty is coming home, is coming home, is coming. Or is it?

Die Diskussion um den Brexit ist bislang um die Frage gekreist, ob es im nationalen Interesse Großbritanniens ist, in der EU zu bleiben oder sie zu verlassen. Da die britische Öffentlichkeit in dieser Frage derzeit offenbar gespalten ist, steht das Ergebnis der Volksbefragung nach wie vor in den Sternen.

Weniger intensiv diskutiert wird die Frage, ob es im Interesse der EU ist, dass Großbritannien Mitglied bleibt. In Brüssel wird diese Frage gemeinhin positiv beschieden. Großbritannien solle Mitglied der EU bleiben. Ein Brexit wäre der Zukunft der Europäischen Union höchst abträglich. Aber stimmt das auch?

Früher glaubte ich auch, es sei gut für die EU, wenn das Vereinigte Königreich Mitglied bliebe. Mittlerweile habe ich meine Meinung geändert und glaube, es wäre besser für die EU, wenn eine Mehrheit des britischen Volks für einen Brexit stimmen und Großbritannien die Union verlassen würde.

In den britischen Medien und in großen Teilen der politischen Elite herrscht eine tiefe Feindseligkeit gegenüber der Europäischen Union. Diese Feindseligkeit fand in der Brexit-Bewegung ihren politischen Ausdruck. Ihre Verfechter können nicht akzeptieren, dass Großbritannien in Bereichen, in denen Zuständigkeiten auf die EU übergegangen sind, an Souveränität eingebüßt hat. Sie finden es grauenhaft, dass Großbritannien Entscheidungen, die in Brüssel getroffen werden, akzeptieren muss, auch wenn ihr Land dagegen gestimmt hat. Für das Brexit-Lager gibt es nur ein großes Ziel: die volle Souveränität nach Westminster zurückzuholen.

Wer meint, dass das Thema nach einem Referendum erledigt wäre, liegt falsch.

Wer meint, dass dieses Thema nach einem Referendum erledigt wäre, liegt falsch. Nehmen wir an, das Brexit-Lager unterliegt, und das Vereinigte Königreich bleibt in der EU. Das wird an der feindseligen Haltung derer, die das Referendum verloren haben, nichts ändern. Auch das Bestreben, Großbritannien seine volle Souveränität wiederzugeben, wird bestehen bleiben.

Wenn im Brexit-Lager klar ist, dass man die EU nicht verlassen kann, wird man sich auf eine andere Strategie verlegen, um die Macht wieder nach Westminster zu verlagern. Man wird sich eines trojanischen Pferdes bedienen und die Europäische Union einfach von innen aushöhlen. Diese Strategie zielt darauf ab, den Bereich, in dem Mehrheitsentscheidungen getroffen werden, zu verkleinern und durch eine rein zwischenstaatliche Zusammenarbeit zu ersetzen. Die britischen EU-Gegner werden darauf hinarbeiten, die EU langsam zu dekonstruieren.

Man mag einwenden, dass das Brexit-Lager, wenn es das Referendum verliert, an Einfluss verlieren wird. Das ist jedoch durchaus nicht sicher. Die Vereinbarung, die Cameron mit dem Rest der EU getroffen hat, holt keinerlei Souveränität nach London zurück. Das Brexit-Lager wertet das als großen Misserfolg, in dessen Folge es seine Dekonstruktionsstrategie intensivieren wird.

Für mich folgt daraus, dass die EU kein Interesse daran haben kann, ein Land in der Europäischen Union zu halten, das dem „acquis communautaire", dem Gemeinschaftlichen Besitzstand, weiter ablehnend gegenübersteht und ihn systematisch zu unterminieren versucht.

Die EU wird gestärkt aus dem Brexit hervorgehen.

Daraus wiederum ergibt sich für mich, dass es für die Europäische Union besser ist, wenn das Brexit-Lager das Referendum gewinnt. Geht Großbritannien, kann es die Europäische Union nicht weiter untergraben. Die EU wird gestärkt aus dem Brexit hervorgehen.

Ich will damit nicht behaupten, dass es die EU ohne das Vereinigte Königreich leicht haben wird, ihren Zusammenhalt zu bewahren. Vor allem die Eurozonen-Krise und die jüngste Migrations-Krise haben starke Auflösungskräfte innerhalb der Union entfesselt. Doch ich behaupte, dass die Briten, wenn sie in der EU bleiben, es vor allem darauf anlegen werden, die Macht Brüssels zu beschneiden; das würde die Bewältigung der anstehenden Aufgaben weiter erschweren.

Man hört bisweilen, wenn Großbritannien die EU verlasse, bestünde das Risiko eines Dominoeffektes, und auch andere Länder könnten ihren Austritt beschließen. Es steht zu bezweifeln, dass dies geschieht. In den meisten Ländern herrscht die Einsicht, dass viele wirtschaftliche Probleme (Handelsabkommen, Umwelt, Sicherheit) nur gemeinsam auf europäischer Ebene gelöst werden können. Doch wenn einige Länder entscheiden, es Großbritannien gleichzutun und die EU zu verlassen, dann sei es so. Die verbliebenen Mitgliedstaaten werden eine Koalition der Willigen bilden, statt Teil einer Koalition zu sein, deren Partner einander nicht ausstehen können.

Wenn die Briten für den Brexit stimmen, wird Großbritannien dadurch geschwächt, und es wird bei der EU anklopfen müssen, um ein Handelsabkommen auszuhandeln. Dann aber hat es jegliche Druckmittel eingebüßt. Die EU wird den Briten ein Abkommen auferlegen können, das sich nicht grundsätzlich von dem unterscheidet, was Großbritannien heute als EU-Mitglied hat. Das Land, dem so daran gelegen ist, den Zusammenhalt der Union zu schwächen, wird dadurch an Macht verlieren.

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44 Leserbriefe

Bernhard Georgius schrieb am 19.04.2016
Eine Brexit dürfte einerseits eine "Wanderung" von der EU in den EWR mit sich bringen; Großbritannien würde insofern ähnlich wie Norwegen und die Schweiz mit der EU verbunden bleiben. Andererseits würde die "City von London" etwas unbehelligter die Verbindungen zum großen Kranz seiner steuer-paradiesischen Overseas Territories and Crown Dependencies pflegen.
DHL schrieb am 19.04.2016
Endlich einmal jemand, der sagt, wie es ist! Also England: fort mit Schaden, wenn es sein muß.
Roland Eisen schrieb am 19.04.2016
Professor DeGrauwe trifft meines Erachtens den Punkt: Bisher war es üblich, dass die EU englischen Sonderwünschen entgegen kam, schon unter Maggy Thatcher (I want my money back). Eine Entscheidung für den Brexit würde GB schwächen und bei den nächsten Verhandlungen, die kommen müssen, die EU stärken, aber leider wissen das die meisten Briten schon!
Arno schrieb am 19.04.2016
Egal wie die Abstimmung ausgeht: Wir bekommen danach eine europaweite Debatte über das Fortbestehen der europäischen Institutionen. Und vermutlich wird es im Ergebnis eine Regelung betreffend eines Europas der unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Integration geben.
Wie so eine Art konzentrische Kreise, unterschiedlich tief zusammenarbeitender Staaten ( wie wir es ja z.B. schon bei dem Euro und Schengen haben ). Und ich nehme jede Wette an, dass Großbritannien in einem äußeren Ring verbleiben wird.
Galgenstein schrieb am 19.04.2016
Der Autor übersieht hier etwas ganz Wesentliches: das andere Staatsverständnis im angelsächsischen Raum. Freiheit wird dort immer noch mit Freiheit vom und nicht Freiheit durch den Staat verstanden. Was der Markt oder die Gemeinde vor Ort besser regeln kann, gehört nicht in die Domäne des Herrschers. Der Staat hat dafür zu sorgen, dass Frieden zwischen den Bürgern herrscht, dass es fair zugeht. Aber die gerade in sozialdemokratischen Kreisen gepflegte die Idee der Gleichmacherei um der Gerechtigkeit willen, macht das Subjekt zum Objekt des Staates in britischen Augen.
Vielleicht sollte man sich einmal mehr darüber Gedanken machen ob die EU in dieser Hinsicht nicht ein wenig britischer werden sollte. Es würde ihr und ihrem Bestand sicherlich nicht schaden.
Ralf Resch schrieb am 19.04.2016
Gratulation, endlich einmal ein Beitrag, der "die andere Seite" beleuchtet. Es wäre spannend zu erörtern, welche Vorhaben nach einem Brexit umsetzbar wären, die in der Vergangenheit am Widerstand UK's und derer, die sich eng mit seinen Interessen verbünden, gescheitert sind, Ich denke da besonders an die Vergemeinschaftung der Fiskal-, Wirtschafts- und Sozialpolitik zumindest in den Ländern der Eurozone.
Hans Möller schrieb am 19.04.2016
Paul De Grauwe vernachlässigt in seinem Artikel völlig, dass die eklatanten Demokratidefizite der EU ein Grund für die Abkehr weiter Teile der britischen und auch der Bevölkerung anderer Staaten der EU vom europäischen Gedanken sind.
Dr. J. Range schrieb am 19.04.2016
Ich sehe keinen einzigen Beweis geliefert, dass es der EU nach einem Austritt der Briten besser geht. Es ist die Frage, ob es für die Bürger der EU nicht besser ist, wenn ein dem Liberalismus verpflichtetes Land in der EU ein Gegengewicht bildet gegenüber Ländern, die einen sehr starken Staatsinterventionismus bevorzugen. Es ist aus meiner Sicht nicht wünschenswert, wenn immer mehr Kompetenzen in eine bürokratische, nicht demokratisch legitimierte Zentrale in Brüssel verlagert werden. Als kleine augenfällige Beispiele für eine zentrale Regelungswut seien hier die Glühbirnenregelung oder die Bestrebungen zum Verringern des Durchflusses von Duschen sowie der Leistungsbegrenzung von Staubsaugern genannt. Auch die angestrebte Bankenhaftung EU-weit ist zumindest nicht in deutschem Interesse.
U. Walter schrieb am 19.04.2016
Der Artikel widerspricht völlig dem, was Europa ausmacht. GB gehört zur EU. Den Gegern ist nicht bewußt, was ein Austritt für ihr Land bedeutet. Die Austrittsverhandlungen werden sich über Jahre hinziehen. Einen Status wie die Schweiz oder Norwegen wird es nicht geben. Was wird aus Schottland? Denn die Schotten wollen unbedingt weiter in der EU bleiben und sie werden ein Votum herbeiziehen, indem diesmal die Abspaltung vollzogen wird. Aus Großbritannien würde dann Kleinbritannien werden. Das kann nicht im Interesse Großbritaniens sein. Deshalb ist der Artikel völlig dümmlich.
Dr. Klaus schrieb am 19.04.2016
Eine gute und wertvolle Gedankenführung, vielen Dank! - Wobei man natürlich an Vernunft und Einsicht bei den Briten "hofft", denn es ließe sich ja auch (vorsichtig!) argumentieren: Siehst Cameron, Dein Volk steht doch hinter EU, also .... DANK + BG!
paul schrieb am 19.04.2016
was um himmelswillen könnte ein england der EU bringen, wenn es denn die mitgliedschaft von anfang her ehrlich angegangen wäre?
die tatsache ist, dass england und die EU in jeder hinsicht profitiert hätten, wenn england nicht noch immer in ihren EMPIREGEDANKEN hängengeblieben wäre, und für jedes und alles immer noch eine extrawurst herausschinden musst. dass man sie so lang gewähren lies, grenzt schon bald an ein wunder..... oder an die schwäche der restlichen EU.
das einzig schöne an einem brexit wäre doch die tatsache, dass die briten erst dann merken, was sie weggeschmissen haben, wenn sie wieder in ruhe auf ihrer insel ihren alten bräuchen hinterherleben können und sich keine gedanken mehr über die eu machen müssen, höchstens über ihre bilateralen verträge mit der EU! fragt die schweiz
Mark Merz schrieb am 19.04.2016
Natürlich waren die Briten im Kern schon immer anti-europäisch. Aber die britische Kritik geht viel tiefer, bis an die Substanz der EU. Denn die Übertragung nationaler Souveränität auf eine demokratisch kaum legitimierte EU ist nicht im Interesse der Bürger Europas. Das Trauerspiel um TTIP&Co. (Geheimverhandlungen, geheime Inhalte, die Weigerung zum Dialog mit Millionen Bürgern, die sich gegen die Abkommen engagieren und das Festhalten an Klauseln, die eine Selbstentmachtung der Nationalstaaten gegenüber multinationalen Konzernen darstellen) zeigt wes Geistes Kind dieses Europa ist. Und wer hat Konzernen noch gleich 20 Jahre Steuerflucht in Luxemburg ermöglicht?
Ein Brexit wäre ein Glücksfall für die Bürger Europas - weil es ein NEIN zu einem Europa der Herrschaft des Geldes wäre.
Klaus-D.Glismann schrieb am 19.04.2016
Richtig! Lasst sie gehen. Wir brauchen keine EU-Mitglieder, die sich nicht beteiligen, aber mitentscheiden wollen. Wobei die wirtschaftlichen Folgen für GB verheerend sein dürften, wenn zum Beispiel die verhätschelte "City" London schneller verlassen dürfte, als die sprichwörtlichen Ratten das sinkende Schiff.
Dipl.-Kfm. Otto Kramer schrieb am 19.04.2016
Paul De Grauwe hat recht. Was nützt uns ein Europa von britischen bzw. englischen Gnaden, das trotz Sondermitgliedsbedingungen entweder Obstruktion betreibt oder alle Nase lang eigene Wege geht. Vielleicht ginge es mit Schottland einfacher. Einem Bundesstaat "Europa" würde man jenseits des Ärmel-Kanals (Welch ein Meisterstück von Diplomatie!) niemals beitreten wollen.
Frage: Sollte Englisch mit seinen vielen Dialekten weiterhin Amtssprache bleiben?
U. Walter schrieb am 19.04.2016
Keiner hier ernsthaft, welche Kosten auf alle zu kommen. Die dritt größste VW fällt weg und GB wird in seiner biherigen nicht mehr geben. Wieviele mögliche Totengräber gibt es denn hier?
Galgenstein schrieb am 19.04.2016
Ein wenig erschreckend finde ich die Kommentare hier nun doch. Kommt das Thema auf Putin zu sprechen, fehlt es nicht an Kommentaren die um Verständnis heischen. Geht es um die mithin älteste Demokratie, einen über die Jahrhunderte gewachsenen Rechtsstaat, macht niemand sich die Mühe die Probleme der Briten mit der EU näher zu durchleuchten. Ich versteh das nicht.
Friedrich Grimm schrieb am 19.04.2016
"Der Staat hat dafür zu sorgen, dass Frieden zwischen den Bürgern herrscht, dass es fair zugeht. Aber die gerade in sozialdemokratischen Kreisen gepflegte die Idee der Gleichmacherei um der Gerechtigkeit willen, macht das Subjekt zum Objekt des Staates in britischen Augen."
So schreibt Galgenstein in seinem Beitrag. Doch zunächst einmal Zustimmung zu dem Beitrag von Paul De Grauwe. Und nun noch ein paar Worte für "Galgenstein". Es geht der SPD nicht um Gleichmacherei sondern um etwas mehr Gerechtigkeit. Und da ist Großbritanien das denkbar schlechteste Beispiel. Wer die Sache mit den Panama Papers verfolgt muss sich nicht darüber wundern, dass bis in die Kreise Camerons betrogen wird. Und ich bin neugierig ob wir auch einmal erfahren dürfen, wer von den Deutschen da mit drin steckt.
Bernhard Georgius schrieb am 19.04.2016
Ein EWG-Status wäre nun wahrlich kein Weltuntergang - weder für die EU noch für GB, das UK oder das Commonwealth. Weder die Demokratie auf der Insel noch die in Europa würden dabei Schaden nehmen. Die Britten ziehen ein paar Straßen weiter - sie sind dann alles andere als "aus der Welt" bzw. "aus Europa".
Gerard Guldner schrieb am 20.04.2016
Ziemlich dummdreist, diesen ausgezeichneten Artikel als dümmlich zu bezeichnen.
Das Interesse Londons besteht darin, Rosinen zu picken und durch andauernde Erpressungsmanöver fragwürdige Vorteile auszuhandeln. Das Ergebnis, das Cameron jetzt erzielt hat, ist ein Witz, wird beim EuGH scheitern.
Dem Euro nicht beizutreten, aber über sein Schicksal mitentscheiden zu wollen, ist eine Frechheit.
Möge die Debatte nicht auf Skandinavien übergreifen, und möge uns Schottland, wo der Skandinavische Sozialstaat populär ist aus dem UK ausscheiden.
Dem Ex-Empire bleibt dann die Politik, als Vasall des grossen Bruders aus Übersee weiterzumachen.
Viel Vergnügen mit Trump!
Der würde - bei allem, was er an Irrem produziert, einem Schnösel wie Cameron die Hammelbeine langziehen.
Gerard Guldner schrieb am 20.04.2016
Ausgezeichneter Beitrag.
Lasst sie gehen, damit die ewigen Erpressungsmanöver aufhören.
Kulturell gehören sie nach Übersee.
Über den Euro mitentscheiden zu wollen, ohne der Zone beizutreten, ist ein Ausbund an Dreistigkeit.
Schottland kann ja dann - in seiner Orientierung am skandinavischen Sozialstaat drinbleiben.
Von oligarchischem Neoliberalismus haben wir dank Schäuble, Merkel und leider auch Gabriel ohnehin zuviel in Europa.
malte schrieb am 20.04.2016
Ein Brexit könnte zum Anlaß genommen werden, Regeln für den EU-Austritt aufzustellen. Mit Scheuklappen, daß nicht sein kann was nicht sein darf, ist der Austritt bisher überhaupt nicht vorgesehen, wenn auch Grönland den Schritt schon vor Großbritannien gegangen ist.
Positiv wäre, daß sich der Einfluß der City auf die Europapolitik verringern düfte - das oben von Herrn Range genannte Argument würde ich umdrehen: Es ist dringend notwendig, daß Europa aus dem Gefängnis liberaler Schwachsinnsideologie herauskommt. Allerdings hätten wir auch nach dem Brexit dann leider immer noch mit Holländern, Esten, Tschechen und Deutschen zu tun :-)
Etwas ernster: Die Einzigen, die - außer den Briten, aber die werden das dann ja gewollt haben - ganz schlimm unter einem Brexit leiden werden, sind die Iren.
U.Walter schrieb am 20.04.2016
Ich bleibe dabei, GB gehört in die EU. Es hat ihnen gut getan, sonst wäre ihre VW zu deutschen VW noch stärker nach unten geritten. Das die Briten hin und wieder Sonderformen haben, war 1973 schon beim Beitritt gewesen, dies immer mal wieder kam auch. Manche Hinweise von Premierminister Cameron waren völlig in Ordnung und teile ich. Ich kann nur hoffen, dass der Premier und die Labour-Opposition, die ja den Verbleib will, am Ende gewinnen. Denn es gewinnt letzendlich, EUROPA. Und das meine Vorschreiber ist das wichtigste. Wenn nicht wäre Krieg und ähnlich, wieder denkbar und möglich. Warum wird das immer wieder vergessen?
Jannis Sakellariou schrieb am 20.04.2016
Herzlichen Glückwunsch an Paul De Grauwe für diesen ausgezeichneten Artikel.
Es ist absolut wichtig, zu sehen, ob ein Verbleib GB im Interesse der EU sein könnte und diese Frage ist für mich seit vielen Jahren beantwortet: GB ist seit seinem Beitritt das strukturelle Entwicklungshemmnis der EU, um nicht zu sagen der strukturelle Fehler für die Integration Europas.
Ob nach einem Brexit auch andere Mitgliedsstaaten ebenfalls die EU verlassen, sehe ich genau so gelassen, wie der Autor: Niemand soll gegen seinen Willen in einer Gemeinschaft bleiben, die nur auf einem Integrationswille, Solidarität und gemeinsame Werte aufbaut.
Wenn sich also der Brexit durchsetzt, müsste man sich überlegen, wie man Herrn Cameron für seine hervorragende Verdienste um die europäische Integration ehren kann.
hettmann schrieb am 20.04.2016
Ich teile ausdrücklich die Überlegungen des Autors. 2 Anmerkungen: An den Domino-Effekt glaube ich nicht, der ist schon in Ostasien ausgeblieben. - Ich glaube auch nicht an den Brexit: Trotz aller Feindseligkeit wird sich eine Art 'Pragmatismus' durchsetzen: Wenn die europäische Integration wieder Fahrt aufnimmt, wäre das zu unserem (britischen) Schaden. Allein um das zu verhindern, müssen wir Mitglied bleiben. - Wer wettet gegen mich?
Hans-Georg Tillmann schrieb am 21.04.2016
Manchmal überkommt einen das Gefühl, dass die Lust am Untergang immer mehr um sich greift.
Einverstanden: Das Vereinigte Königreich Camerons ist hässlich.
Die Herrschaft der Londoner City ist hässlich.
Aber das gegenwärtige Europa des Kapitals ist auch hässlich.
Wenn wir aber ein Europa der Bürger etablieren wollen, ein soziales Europa, dann geht das nur mit einer großen, starken Gemeinschaft, die dem Wall Street Kapitalismus die Stirn bieten kann. Und vielleicht ist es gar nicht so utopisch, dass ein Antony Corbyn Einfluss in GB gewinnt.
Vielleicht geht dann von den Briten sogar die Initialzündung aus, um ein die letzten Reste von sozialer Gerechtigkeit vor der Zerstörung zu bewahren und die zerstörten Teile der 70er Jahre zu erneuern.
Prof. Dr. Lutz Götze schrieb am 21.04.2016
Ein Austritt Großbritanniens brächte nichts, schon überhaupt nicht dem Vereinigten Königreich. Wir sollten vielmehr die europanahen Strömungen dort unterstützen:die neue Labour Party um Jeremy Corbin, aber auch die Schotten, Waliser und Nordiren.Sie wissen, dass ein Europa der Werte, zumal der sozialen Gerechtigkeit, ansonsten nie geschaffen werden kann.
Hans-Georg Tillmann schrieb am 22.04.2016
Sorry, eine Korrektur zu meinem Kommentar vom 21.4.2016 ist notwendig: Es muss natürlich Jeremy Corbyn heißen.
Ich hatte wohl noch den 2. Briten im Kopf, der Hoffnung macht, den Ökonom Antony Atkinson aus Oxford, der den Gedanken propagiert, dass man zu der sozialen Marktwirtschaft der 70er Jahre zurückgehen sollte.
reginald rinaldini schrieb am 22.04.2016
dieser Beitrag gefällt mir ob seiner Deutlichkeit in der Aussage! Bei allem Demokratiemangel, den die €uropäische Union heute immer noch aufweist, mit grossem Respekt vor der Souveränität der Völker:
Ja, lasst die Engländer ziehen, wenn sie wollen! Lasst uns aber auch die Schotten willkommen heissen, wenn sie bleiben wollen (so wie es sich abzuzeichnen scheint)!
Nur: dann geht der Spaltpilz in Spanien um (wg. Katalonien), oder.......?!?!?
Und: was sollen wir von den Beitrittsgesuchen der Türkei, Ukraine, Georgien halten, wenn wir immer noch auf die friedliche Wiedervereinigung Zyperns warten (müssen)?
Die vielen Flüchtlinge werden Antworten auf diese Frage auch nicht leichter machen.....
Klaus-D. Glismann schrieb am 24.04.2016
zu reginald renaldini: Dann lasst uns ein förderales Europa der Regionen mit einer gewählten Zentrale schaffen.
Ullrich Walter schrieb am 25.04.2016
Es ist gut das der US-Präsident in London und in Hannover gesprochen hat. Allen Unkenrufen auch hier zum Trotz. Europa ist das beste, was dieser Erdteil hervor gebracht hat.
HaDe schrieb am 03.05.2016
An dem Text gefällt mir, dass er die Verhandlungsmacht der EU gegenüber GB herausstellt: Wir haben weniger zu verlieren als die Briten. Da das die meisten Briten auch wissen, werden sie für den Verbleib stimmen.
Wir werden es also auch in Zukunft mit einem Partner zu tun haben, der die polit. Union EU nie wollte, auch dafür anders als die Zentraleuropäer nach dem 2. Weltkrieg keine Notwendigkeit sah. Und der die integrationswilligen Europäer seit Thatcher "I want my money back" immer wieder mit Vergünstigungen für GB erpresst hat. Und damit dem heutigen nationalen Egoismus (s. Polen, Ungarn) kräftig Vorschub geleistet hat.
Dieses harte Urteil fällt mir schwer, weil ich die Briten und ihre Lebenskunst eigentlich mag - aber nicht so gern als ewige Bremsklötze in der EU.
KarelVanOost schrieb am 05.05.2016
Leider gehen die Argumente nicht zu Wurzeln der Probleme. Die Briten sind nicht einfach nur so "feindselig", sondern haben Grund für ihre Unzufriedenheit. Sie ist nicht nur britisch, sondern in vielen Ländern der EU zu spüren. Zuerst sollte gesagt werden, das vieles in der EU falsch läuft und das wir vor allem Reformen brauchen. Mehr Demokratie schweizer Art und weniger Alleingangentscheidungen Merkel-Art. Die EU ist in einer Krise und wer aufrichtig will, diese Krise zu beseitigen, muss auf die Wurzeln blicken und keine "Last sie gehen" Parolen bieten. Die lösen nichts und beseitigen die EU-Krise auch nicht. Den einzelnen, der ernsthaft Reformen verlangt, gehen lassen, ist einfach falsch. Das Problem kehrt zurück, wieder und wieder, es muss gelöst und nicht verschoben werden.
HaDe schrieb am 07.05.2016
KarlVanOost fordert demokratische Reformen der EU, zB nach schweizer Vorbild, also mehr Volksentscheide.
Ja, aber wie denn ? Wenn die Grundvorstellungen über eine EU so weit auseinander liegen: Briten und andere wollen möglichst viel nationale Souveränität und die EU als bessere Freihandelszone. Da passen doch bindende Volksentscheide auf europ. Ebene überhaupt nicht. Die Deutschen und andere waren und sind überwiegend auch noch für schrittweise Aufgabe nat. Souveränitäten zugunsten gesamteurop. Kompetenzen. Genau deshalb das Drängen der dt. Kanzlerin auf eine europ. Lösung der Flüchtlingsfrage.
Nein, die Grundfrage nach der Art von Union steht zur Debatte. Und nicht die Frage nach Reformen oder "Reförmchen".
Vadim schrieb am 08.05.2016
@KarelVanOost
»Den einzelnen, der ernsthaft Reformen verlangt, gehen lassen, ist einfach falsch«
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Schwebt Ihnen eine Zwangsehe vor? Sind wir im Mittelalter? Wollen Sie eine untreue Frau mit Gewalt festhalten?
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Was bringt das Festhalten wollen? - das genaue Gegenteil: sich befreien wollen!
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Zusammen bleibt das, was aus freien Stücken zusammen sein Will. Freiheit bringt zusammen!
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Denn nur da, wo man in Gemeinschaft seine Freiheit nicht einbüßt - da will man sein.
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Europa ist ein nicht gewaltsam gebildeter loser Staatenbund.
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Nicht alle Mitglieder haben Freiheit im Sinn, in vielen Köpfen sind Egoismus und Eigennutz, Herrschaft und Unterdrückung noch sehr lebendig.
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Lasst die gehen, die nicht bleiben wollen, denn alles andere wäre Zwang.
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Scheiden tut weh: umparken im Kopf.
Vadim schrieb am 10.05.2016
@KarelVanOost
»Mehr Demokratie schweizer Art und weniger Alleingangentscheidungen Merkel-Art«
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Ja. Hier haben Sie "teilweise" Recht. Direkte Demokratie bringt mehr Freiheit und weniger Herrschaft von Oben.
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Auch wenn man das richtige befohlen bekommt, tut man es nur widerwillig, wenn man weiß was Freiheit ist.
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Jeder Einzelne sollte Selbst Entscheiden und für die Folgen bezahlen. Nur eigenständiges Denken, Entscheiden und Vollbringen: Eigenverantwortung, macht mündig und frei.
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Was können wir von der Schweiz lernen?
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Weg mit der Bestimmung von Oben herab, weg mit eigener Delegitimation [Entmachtung] durch Übertragung eigener Stimme auf Parlamente und Co., her mit Selbstbestimmung in Anlehnung an die Regeln der Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden.
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Was braucht man dafür? - Wissen.
U.Walter schrieb am 11.05.2016
Herr van Oost,
ihre Gedanken haben einen Fehler, die EU hat 510 Mill. Einwohner, in 24 Nationen. Wieviel hat die Schweiz?
Und zweitens, es geht hier um Großbritanien und deren hoffentlich nicht Austritt aus der EU. Denn Europa braucht GB und GB braucht Europa.
Vadim schrieb am 11.05.2016
Wohin geht die Reise?
Eine Erde - Eine Menschheit.
Die Schweiz ist ein Vorbild für EU. Aber die EU muss noch viel lernen um so weit wie die CH zu kommen.
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Was machen in der Zeit die Schweizer?
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Ich hoffe, dass die tapferen Switzer die Parteien abschaffen und Ihr Land Selbst verwalten. Aus Politikern werden Angestellte, die Bürgerverwaltung.
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Nicht das Denken in Unterschieden [Politik] und Macht über das zerstrittene Volk, sondern Umsetzung gemeinsamen Entscheidungen aller mündigen Bürger.
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Wenn die Vernunft einkehrt, wird der Bürger sein Land regieren und nicht vom Land regiert.
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Was muss getan werden, damit das Volk sich selbst regieren kann?
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Das Volk braucht Wissen über Gut und Böse, damit es das Böse lassen und das Gute tun kann.
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Es ist leicht zu entscheiden wenn man weiß.
Vadim schrieb am 11.05.2016
@U.Walter
»die EU hat 510 Mill. Einwohner, in 24 Nationen. Wieviel hat die Schweiz?«
28 Staaten und 24 Amtssprachen hat die EU. Und?
Die Schweiz hat Vorbildfunktion.
Der EU fehlen noch viele Errungenschaften der CH. Der Schweizer darf mitbestimmen, der EU-ler wird regiert.
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»Und zweitens, es geht hier um Großbritanien und deren hoffentlich nicht Austritt aus der EU«
Briten dürfen selbst entscheiden ob sie eine Friedlichere und Gerechtere Welt ohne Grenzen mitgestalten wollen, oder abwarten und sogar stören, damit andere dabei scheitern
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»Denn Europa braucht GB und GB braucht Europa«
Tja, bringen Sie es doch den Briten bei, an der Zukunft der Menschheit mitzuwirken und sich nicht in ein Schneckenhaus zurückzuziehen. Wir atmen alle die gleiche Luft, alle 7,3Mrd. Eine Erde - eine Menschheit
U.Walter schrieb am 11.05.2016
Na ob die Errungenschaften so gut sind in CH darf in der Tat bezweifelt werden. Siehe Ausländervotum 2015.

Wer nicht regiert, dem blüht Chaos und Anarchie. Die EU hat eine respräsentative Demokratie, auch wenn sicherlich nicht alles gut ist. Die Schweiz eine sog. direkte. Bitte erklären Sie mir doch mal, warum die CH, was nicht so bekannt ist, fast alle EU-Gesetze in nationales Recht umwandelt. Dazu gehören Norwegen und Island auch. Soviel zu den vollständigen Tatsachen. Und warum hatte die Entkoppelung des Schweizer Franken vom Euro so verherrende Auswirkung für die Schweizer Wirtschaft? Warum kaufen soviele Schweizer im Grenzgebiet in Deutschland ein?
U.Walter schrieb am 11.05.2016
Was GB betrifft? Sie waren neben Dänemark und Irland, die zweite Runde, die in die EU aufgenommen wurde 1973. Und beide Seiten profitieren heute noch. Also dieses dummes Geschwätz, über Austritt ist absoluter und fataler Blödsinn.
Selbst die amerikanische Regierung sieht das so. Deshalb sollte die Zeit nicht vergeudet werden für Austritt, sondern dafür Europa wieder ganz hübsch zu machen. Dazu gehört GB mit dazu.
Vadim schrieb am 11.05.2016
@HaDe
»demokratische Reformen der EU,, mehr Volksentscheide.
Ja, aber wie denn ? Wenn die Grundvorstellungen über eine EU so weit auseinander liegen«
Liegen etwa die Vorstellungen hier eng beieinander?
Warum wird über Unterschiede diskutiert und nicht das Gemeinsame gesucht?
Wann stellt jemand die Frage: Warum EU, Wozu, Womit und Wie? Wohin soll die Reise gehen? Wo sehen wir uns in 10-100-1000Jahren?
Wären wir uns Einig über Wozu und Wohin, könnten wir auch über das Wie abstimmen
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»Da passen doch bindende Volksentscheide auf europ. Ebene überhaupt nicht«
Jetzt schon. Wenn Freiheit, Sicherheit, Frieden, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit des Lebens das Ziel der Abschaffung von Grenzen und Abschottung wären - könnten wir uns auch dahin entwickeln.
Das Ziel ist erreichbar und aller Mühen Wert.
Vadim schrieb am 11.05.2016
@U.Walter
Die Schweizer bestimmen über sich weitgehend selbst. Sie zeigen damit der ganzen Menschheit: Es ist Möglich!
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Ob man Fehler machen kann, wenn man Probleme löst???
Aber sicher!!! Aber Sie können diese auch Selbst korrigieren, sie brauchen keinen Sündenbock für Fehlentscheidungen: Selbst entschieden - Selbst verantworten!
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Das geht aber nicht, wenn man von "Königen" regiert wird. Man wirft böse Könige weg..
Kann man Sich Selbst wegwerfen? Oder muss man bezahlen für Eigene Fehlentscheidungen?
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Das nennt man Verantwortung: Korrelation zwischen Wollen und Haben. Wer Will - Muss auch Zahlen. Also Arbeiten und Eigene Vorhaben Umsetzen.
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So ist es bei uns nicht: Einer sagt an - andere müssen tanzen. Herren und Knechte. Kameltreiber und Kamele.
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Selbständigkeit ist die Lösung.
reginald rinaldini schrieb am 17.06.2016
an Vadim & Walter: die Schweiz dünkt mich mit ihrer direkten Demokratie ein gutes Vorbild für EU-€uropa zu sein: eine Willensnation mit 4 offiziellen Sprachen, welche sich leider gegenwärtig auf schlechtes Englisch als Verkehssprache zwischen Deutschschweiz und Romandie zu einigen scheint ... aber der Gotthardtunnelbau ist, besonders seit dem Durchstich 4 Wochen nach der Prügelorgie "Stuttgart 21" ein Beweis für ein gelingendes Großprojekt und stellt trotz direkter Demokratie das deutsche Vorgehen in den Schatten, welches, wie wir jetzt erfahren, ein weiteres Milliardengrab ergibt. Für den Gotthardtunnel hat das Schweizer Wahlvolk 2 Mal direkt abgestimmt..... klar ist natürlich, daß bei einem "Brexit" die Rosinenpickerei der Eidgenossen in der EU schwerer werden kann ;-)
U.Walter schrieb am 20.06.2016
reginald: Das Thema heisst zum x-mal nicht Schweiz und ihre sog. dierkte Demokratie, sondern Großbritanien. Abstimmen über jeden Punbkt, kann die Schweiz, was sich wohl etwas bewährt hat machen, aber eben auch nicht siehe Ausländerabstimmung 2015. Anderseits, ja, gebe ich Recht zum Gotthardttunnel vom Zeitfaktor, der sich von 6 Mill.€ auf 12 Mill€ verdoppelt hatte. Also schön mal die Kirche im Dorf bzw. Schweiz lassen.