Klar: In Amerika – und nicht nur dort – herrscht längst Anti-Obama-Stimmung: Weitgehend unerfüllte Wahlversprechen, der Pyrrhussieg der Krankenversicherung, eiskalte Drohnenkriege, die vermasselte Guantanamo-Schließung, der NSA-Skandal… Haben wir etwas vergessen? Wahrscheinlich ja. Und obwohl sich die Liste zweifellos fortsetzen ließe, will der Autor in Obama den „effektivsten Staatsmann der amerikanischen Zeitgeschichte“ erkennen – und zwar ohne einen Hauch von Ironie.

Tanenhaus meint nonchalant: „Auch die Versprechungen von Kennedy und Reagan blieben unverwirklicht“, was sie bekanntlich nicht daran gehindert habe, mit der Zeit „mythische Bedeutung“ zu erlangen. Mag sein. Doch auch die kritischsten Kritiker werden eingestehen, dass bei Obama nicht ALLES Scheitern war. Tanenhaus etwa stellt den misslungenen Projekten die Errungenschaften Obamas gegenüber. Er habe zumindest einige seiner hochgesteckten Ziele  erreicht. „Obwohl seine Wirtschaftspolitik gerne heruntergemacht wird, fiel die Arbeitslosigkeit gerade das erste Mal seit Juli 2008 um 6 Prozent.“ Immerhin.  

Sicher, der Wahlkampf-Slogan von 2004 „Hope and change“ stand für Obamas Einzigartigkeit und vereinte dabei gleich zwei Ideale, an deren Erreichen sich der Präsident nun messen lassen muss: Das Ende politischer Grabenkämpfe und die schrittweise Verarbeitung Amerikas rassistischer Vergangenheit. Wie das ausging, ist seit den jüngsten Unruhen hinlänglich bekannt. Und seit dem Shut-Down. Doch Tanenhaus meint: „Niemand hat je daran geglaubt, dass Obama den Rassenkonflikt lösen könnte“. Obamas Errungenschaft bestehe darin, die Idee eines nicht-kaukasischen Präsidenten normalisiert zu haben. „Amerika ist zu einem anderen Ort geworden und für Millionen von Bürgern zu einem toleranteren.“ Auch hier: Immerhin. Doch zu fragen wäre dabei: Was ist Wirkung und was Ursache?

Eine Bilanz der Präsidentschaft Obamas muss – so sie denn fair sein will – überzogene Erwartungen in Rechnung stellen. Das sieht auch Tanenhaus: „Das Ideal vom Präsidenten als kultureller Held und als politischer Führer führt zu der Annahme, dass eine einzelne Person die Nation neu erfinden kann.“ Selbst wenn das nicht vollends gelungen ist, sei „Obama diesem Ziel so nahe gekommen wie sonst niemand in der Moderne." Immerhin.

Den vollständigen Beitrag von Sam Tanenhaus lesen Sie hier.