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Militär gegen Ebola
Vier Fragen an Tankred Stöbe, Präsident von „Ärzte ohne Grenzen“

Deutsche Medien sprechen mittlerweile von zu erwartenden 500.000 Ebola-Toten. Ist das realistisch?

Genaue Vorhersagen sind schwierig, aber wir wissen, dass diese Epidemie, so grausam sie schon jetzt ist, sich noch weiter ausbreiten und weitere unzählige Menschen infizieren und töten wird. Wir rennen dem Ausbruch wohl noch lange hinterher.  Mit mehr als 600 Behandlungsbetten und über 2.000 Mitarbeitern in den betroffenen Ländern arbeiten unsere Kollegen Tag und Nacht, aber unsere Frustration nimmt zu, weil viel zu viele infizierte Patienten keine Behandlung mehr finden.

Nachdem die US-Regierung die Entsendung von Soldaten zur Seuchenbekämpfung  angekündigt hat, prüft nun auch die Bundeswehr einen möglichen Freiwilligen-Einsatz. Liegt die Lösung hier ausnahmsweise tatsächlich beim Militär?

Ja, auch wenn wir meistens zivile Hilfe bevorzugen, haben wir in dieser unpolitischen Krise alle Akteure aufgerufen, diese Katastrophe eindämmen zu helfen. Wir bitten staatliche, nicht-staatliche und militärische medizinische Einheiten, in Westafrika tätig zu werden. Nur wenn tausende qualifizierte Helfer schnell in den von Ebola betroffenen Ländern mithelfen, haben wir eine Chance.

Was kann die Bundesregierung noch tun, um schnell zu helfen?

Wir freuen uns, dass die deutsche Regierung den Ernst dieser Seuche nun erkannt hat. Es ist viel kostbare Zeit verloren gegangen. Jetzt hoffen wir, dass die angekündigten Hilfsmaßnahmen schnellstmöglich umgesetzt werden und in den betroffenen Ländern ankommen. Mehr Hilfe wird von der internationalen Staatengemeinschaft sicher nötig sein.

Ärzte ohne Grenzen warnt seit Monaten vor der Verschlimmerung, die nun eingetreten ist. Wurde die Gefahr schlicht unterschätzt? Welche Schlüsse sind aus dem bisherigen Krisenmanagement zu ziehen?

Seit Juni warnt Ärzte ohne Grenzen öffentlich, dass die Ebola-Epidemie außer Kontrolle geraten ist, auch die WHO hat das enorme Ausmaß leider nicht rechtzeitig erkannt. Wenn diese Katastrophe einmal gebannt sein wird, kommen wir nicht umhin, sie kritisch aufzuarbeiten und daraus zu lernen. Jetzt gilt aber alle unsere Anstrengung und Konzentration, den leidenden Menschen in Westafrika schnell und  wirkungsvoll zu helfen. Dabei zählt jeder Tag!

 

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2 Leserbriefe

Wilfried Hoffer schrieb am 23.09.2014
Ein Problem liegt in der Abhängigkeit von den Medien. Da es nur wenige Medien gibt, die nicht mit dem Mainstream schwimmen, beherrscht dieser die Öffentlichkeit und dann wird wochenlang nur über die Ukraine oder tagelang über Schottland berichtet - Afrika ist weit weg, aber wenn es einen von "uns" trifft, wird Ebola schnell zum Thema. Der normale Bürger weiss auch nicht, wann die zuständigen Botschaften was berichtet haben; vielleicht haben sie ja rechtzeitig reagiert aber das AA hielt anderes für wichtiger.
Ulrich Schulze schrieb am 23.09.2014
Die Gefahr, die von Ebola ausgeht, wurde lange unterschätzt, die Gründ dafpr heir mehrfach genannt. Aber jetzt besteht die Gefahr, dass Zahlen in Umlauf kommen - 500.000 Ebola-Opfer - die weder verifizierbar noch plausibel sind: siehe auch 130.00 Flüchtlinge aus Syrien nach der Türkei an einem, in zwei Tagen. Wer die Gegend kennt, ahnt, dass da kräftig manipuliert wird. Medien: bleibt wie die Schuster, bei Eurem Leisten, bitte.