Wie würden Sie das Abkommen von Lausanne beurteilen? Sehen Sie eine Parallele zwischen dem Durchbruch mit dem Iran und der Öffnung Chinas unter Präsident Nixon?

Die Auswirkungen des Abkommens von Lausanne auf die iranische Perspektive können sehr bedeutsam sein. Denn das Abkommen untergräbt die Sichtweise, die das offizielle Teheran in den vergangenen zwei Dekaden beherrscht hat. Es verweist dabei auch auf die Möglichkeit, dass die iranische Elite sogar einige Formen der Kooperation mit den Vereinigten Staaten ernsthaft in Erwägung ziehen könnte.

Doch zwischen dieser Öffnung und der früheren Öffnung Chinas gegenüber den Vereinigten Staaten bestehen Unterschiede. Die Öffnung Chinas wurde zunächst von Nixon und Kissinger betrieben und dann durch Präsident Jimmy Carter in eine formellere Beziehung umgeformt. Das geschah zu einer Zeit als die Chinesen nicht nur der Sowjetunion zunehmend feindselig gegenüber standen, sondern in der sie auch besorgt waren, die Sowjets könnten durchaus direkte Maßnahmen gegen sie ergreifen. Die Öffnung nach Amerika war somit dringlich. Zumindest anfänglich war sie dabei hauptsächlich auf Wirtschaftsfragen ausgerichtet und auf einige informelle Signale möglicher politischer Zusammenarbeit. Unter Deng Xiaoping entwickelten sich die Beziehungen dann in ein förmlicheres Übereinkommen mit einer starken und offenen antisowjetischen Note.

Wie beurteilen Sie die strategischen Auswirkungen auf der US-Seite? Manch einer spricht bereits von Obamas „Pivot nach Persien“?

Die kurzfristigen strategischen Folgen sind eine Verringerung der Möglichkeit, dass die Vereinigten Staaten in einen Krieg mit dem Iran getrieben werden. Ein solcher würde zu einem größeren Gewaltsausbruch und zu mehr Unordnung in der Region beitragen. Sehr wenige Länder in der unmittelbaren Nachbarschaft des Iran wollen wirklich, dass so etwas passiert. Und auch die etablierten großen Länder, die mit den Vereinigten Staaten hinter dieser vorläufigen Übereinkunft stehen, wollen das nicht.

Denn es ist doch offensichtlich, dass die Alternative derzeit eskalierendes Chaos wäre...

Falls dieser Versuch erfolgreich ist, Stabilität und Kontinuität durch eine weitere und tiefere Übereinkunft mit dem Iran zu fördern, wird dies einen bedeutenden Beitrag zur Einhegung von Konflikten in der Region sein. Denn es ist doch offensichtlich, dass die Alternative derzeit eskalierendes Chaos wäre, möglicherweise verkompliziert durch einen weiteren und möglicherweise noch größeren regionalen Krieg. Einige der Kritiker des Abkommens scheinen einem solchen das Wort zu reden, ohne sich um die Konsequenzen zu kümmern.

Die Auseinandersetzungen um das Abkommen haben bislang ausgeklammert, dass auch China die Übereinkunft garantiert. China hat mit Washingtons auch in Bezug auf Nordkoreas Nuklearambitionen zusammengearbeitet und jüngst ein Abkommen zum Klimawandel unterzeichnet.

Das ist ein wichtiger Punkt: China ist eine Großmacht und hat das Abkommen als Garantiemacht des Prozesses mit unterschrieben. Genau so bedeutsam ist, dass Russland im Wesentlichen dasselbe getan hat. In anderen Worten: Die Großmächte vertreten ein gemeinsames Verständnis über die Bedeutung von Stabilität und die Vermeidung von rücksichtslosen Abenteuern.

Sofern das Abkommen hält, vergrößert es auch die Möglichkeit, das amerikanisch-chinesische Verhältnis substanzieller zu gestalten. Ich sage dass trotz des aktuellen Missmanagement in Bezug auf die Chinesisch geführte Asian Infrastructure Investment Bank, wo enge US-Verbündete wie Großbritannien, Frankreich und Italien der Bank beigetreten sind, und sich über US-Warnungen hinweggesetzt haben.

All das ist nicht so bedeutend wie die größere strategische Zusammenarbeit. Auf die müssen beide Länder setzen und sie fördern. Man muss sich einfach verdeutlichen, dass sowohl Nonproliferation als auch Klimawandel Langzeitprobleme sind. In beiden Feldern steht die amerikanisch-chinesische Zusammenarbeit erst ganz am Anfang. Die Entwicklung kann in beide Richtungen gehen und dürfte in jedem Fall in nächster Zeit kaum wirklich produktiv sein. Vor diesem Hintergrund ist die chinesische Entscheidung mit den Vereinigten Staaten in Bezug auf den Iran zusammenzuarbeiten momentan eine der wichtigsten Aspekte der Entwicklung der amerikanisch-chinesischen Beziehungen.