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Das A und O (hio)
Ein Blick nach Ohio verrät bereits jetzt, wer die US-Wahl gewinnen wird.

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Die Erfahrung zeigt: Wer in Ohio gewinnt, zieht ins Weiße Haus ein.

Die Republikaner haben die US-Präsidentschaftswahlen bisher noch nie gewonnen, wenn sie nicht im Bundesstaat Ohio die Mehrheit der Stimmen bekommen haben. Wer diesen Staat gewonnen hat, ist fast immer auch Präsident der USA geworden. Ohio kann also als eine Art Indikator (oder „Barometer-Staat“) bezeichnet werden, als ein Staat, dessen Wahlergebnis das landesweite Ergebnis widerspiegelt. Diese Rolle von Ohio als Wahlkampfarena und Barometer bildet sich auch in seiner Bevölkerungsstruktur ab: Der Anteil älterer und jüngerer Wähler sowie der Anteil an afro-amerikanischen Bürgern liegt nahe an den nationalen Durchschnittswerten, und auch die Mischung von großen Städten mit ihren Vororten, ländlichen Gegenden und kleinen Orten ist gut.

Ohio kann als Indikator bezeichnet werden, dessen Wahlergebnis das landesweite Ergebnis widerspiegelt.

Doch in Ohio leben auch weniger Menschen mit hispanischem oder asiatischem Hintergrund oder anderen ethnischen Wurzeln als im nationalen Durchschnitt und als in vielen anderen Bundesstaaten. Außerdem liegt der Anteil an Bewohnern mit College-Abschluss etwas unter dem nationalen Durchschnitt und ist geringer als in vielen anderen Bundesstaaten. Diese beiden Unterschiede sind wichtig, um zu verstehen, warum die Unterstützung für Donald Trump in Ohio größer ist als in den meisten anderen umkämpften Staaten.

Ohio mit seinen 18 Wählerstimmen ist schon immer einer der umkämpften Swing States gewesen, von denen nur Florida (29) und Pennsylvania (20) mehr haben. Die Präsidentschaftswahlen waren hier in den letzten Jahren immer stark umkämpft: Barack Obama hat 2012 gegen Mitt Romney mit 50,7 gegen 47,7 Prozent gewonnen; der Unterschied zwischen den beiden Parteien lag in den drei vorhergehenden Wahlen zwischen 2,1 und 4,6 Prozent. In Ohio war der Wahlkampf immer besonders hart – die Ausgaben für Fernsehspots gehören landesweit zu den höchsten, die Kandidaten sind häufig vor Ort, und der Wahlkampf und seine Unterstützer sind besonders gut organisiert.

Nach der zweiten Fernsehdebatte vergrößerte sich Clintons Vorsprung weiter.

Auch im Jahr 2016 ist Ohio ein besonders umkämpfter Staat. Prognosen zeigten früh eine Führung von Hillary Clinton, im September lag Trump vorne und Anfang Oktober wendete sich die Prognose wieder zum Vorteil von Clinton. Nach der zweiten Fernsehdebatte zwischen Clinton und Trump vergrößerte sich dieser Vorsprung weiter. Beide Parteien setzen in Ohio Fernsehspots ein, Clinton derzeit stärker als Trump. Der Wahlkampf von Clinton hat die größeren Ressourcen: ein deutlich größeres Wahlkampfteam, mehr Wahlkampfbüros, die sich im ganzen Staat verteilen, und weitaus mehr Freiwillige vor Ort. Anstelle eines intensiven Straßenwahlkampfs vertraut Trump dagegen auf seine Sichtbarkeit und Rolle als Herausforderer.

Normalerweise unterstützen die Parteiorganisationen der Bundesstaaten ihre Präsidentschaftskandidaten vor Ort. Dieses Jahr hält sich die mächtige Partei der Republikaner in Ohio bei der Zusammenarbeit allerdings zurück, auch weil der Republikanische Gouverneur von Ohio die Kandidatur von Trump nicht unterstützt. In den letzten Jahren haben die Präsidentschaftskampagnen in den Swing States vor allem auf Fernsehwerbung und auf die Stimmenwerbung vor Ort gesetzt. Da Trump für diese Wahlkampfinstrumente relativ wenig Geld ausgegeben hat, wird es interessant sein zu sehen, wie wichtig sie für den Wahlkampf sind.

Wenn in den nächsten Tagen nichts Unvorhersehbares geschieht, scheint Ohio demokratisch zu bleiben.

Vor der zweiten Fernsehdebatte der Kandidaten hatte ich erwartet, dass der Wahlausgang in Ohio sehr eng sein wird, und dass es für Clinton entscheidend sein würde, ihre Wähler zu überzeugen, wählen zu gehen, obwohl Trump in Ohio kaum Werbung für sich macht. Denn die Wahlbeteiligung in Ohio liegt meist bei nur 60 Prozent. Die Ereignisse rund um das zweite Oktoberwochenende – Trumps Aussagen über seine sexuellen Übergriffe, woraufhin ihm viele Republikanische Politiker die Unterstützung entzogen; eine Fernsehdebatte, bei der er Clinton wegen der Untertreue ihres Mannes angriff und ihr drohte, sie ins Gefängnis zu bringen, wenn er die Wahl gewinnen würde – scheinen die Dynamik allerdings zu Clintons Vorteil verändert zu haben. Wenn in den nächsten Tagen nichts Unvorhersehbares geschieht, scheint Ohio in einem Wahlkampf voller Überraschungen demokratisch zu bleiben.

Eine längere, englische Fassung dieses Artikels ist hier zu finden.

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1 Leserbriefe

Ralph Richter schrieb am 25.10.2016
Guter Artikel, danke!
Allerdings verstärkt sich seit Monaten schon bei mir der Eindruck, das D. Trump als plumpe Steigerung der Tea - Party Bewegung, nur aufgestellt wurde, um einen Sieg für H. Clinton zu gerieren