In Saudi-Arabien wurden die Gemeinderäte gewählt, beziehungsweise – und das ist die Nachricht – zum ersten Mal auch Gemeinderätinnen. Und erstmals durften dabei auch Frauen wählen, wenngleich in getrennten Wahllokalen. Ob es sich hierbei um einen echten Anstoß für gesellschaftliche Gleichstellung zwischen Mann und Frau handelt oder nur den Versuch des saudi-arabischen Königshauses, das eigene Image aufzupolieren, wird derzeit heiß debattiert. In den sozialen Netzwerken kursiert ein Vergleich zwischen den Strafkatalogen des sogenannten „IS“ und dem von Saudi-Arabien, veröffentlicht vom Nahost-Blog "Middle East Eye", welcher erschreckend viele Ähnlichkeiten aufzeigt: Steinigung als Strafmaß für Ehebruch, Peitschenhiebe als Strafmaß für Sex vor der Ehe und die Todesstrafe für Homosexualität.
Passend dazu veröffentlichte die BBC gerade rechtzeitig vor der Wahl nun ein Quiz: „Testen Sie Ihr Wissen über die Situation von Frauen in Saudi-Arabien!“ Dass Frauen in Saudi-Arabien das Autofahren verwehrt wird, ist allgemein bekannt. Aber wussten Sie, ob saudische Frauen trotz des Gebots der Verhüllung öffentlich Unterwäsche kaufen können?
Klick, klick, klick, so lernen die Leserin und der Leser quasi spielerisch etwas über die Frauenrechtssituation in Saudi-Arabien. Aber ist das Quiz – die kleine, unterhaltende Prokrastinationsfreude – das richtige Mittel im Umgang mit diesem ernsten Thema? Interessanter wäre es, einen Schritt weiterzugehen und einen Blick in die Zukunft zu richten: Können die wenigen Frauen, die nun in den Gemeinderäten vertreten sind, tatsächlich einen gesellschaftlichen Wandel anstoßen? Und wie werden sie Politik machen, wenn ihnen der Kontakt in der Öffentlichkeit zu ihren männlichen Kollegen und zu ihren Wählern verwehrt ist? Fragen über Fragen, die in einem Quiz-Format nicht beantwortet werden können und sollen. Der Hinweis, der einem bei schlechtem Abschneiden mit auf den Weg gegeben wird, ist aber in jedem Fall aufheiternd: „Keine Sorge, es ist nun mal ein großes und komplexes Gebiet!“




