Es überrascht kaum, dass sich das im Juni in Islamabad unterzeichnete Memorandum of Understanding zwischen Iran und den Vereinigten Staaten als wenig belastbar erwiesen hat. In diesem Konflikt wurde nie etwas gelöst, sondern immer nur vertagt. Nicht, weil eine der beiden Seiten unfähig zur Diplomatie wäre, sondern weil keine der anderen je wirklich vertraut hat. Für die Menschen im Iran bedeutete die Nachricht jedoch wie so oft vor allem eines: Das Leben wird noch härter.
Beide Länder haben ihre eigene Erklärung für die Eskalation – das Ergebnis ist jedoch dasselbe: Der Krieg ist in die südlichen Provinzen des Iran zurückgekehrt. Allein die Orte der Angriffe haben für viele Iraner eine besondere psychologische Bedeutung, vor allem für jene, die alt genug sind, sich an den Iran-Irak-Krieg zu erinnern. Die Bilder der Luftangriffe auf den Süden des Landes haben Erinnerungen wachgerufen, von denen viele glaubten, sie längst hinter sich gelassen zu haben.
Für meine Generation hat das eine ganz besondere Bedeutung. Man nannte uns die „verbrannte Generation“, weil wir in einem Land aufwuchsen, das sich nach acht Jahren Krieg mühsam wieder aufzurichten versuchte. Wir wuchsen mit Kriegsfilmen auf, hörten Lieder über die Front und schliefen mit Geschichten über junge Männer ein, die zu Märtyrern wurden, bevor sie alt genug waren, irgendetwas anderes zu werden. Viele Menschen – ich eingeschlossen – verloren Familienangehörige in diesem Krieg und besuchten Familienangehörige, die gezeichnet von schwersten Traumata zurückkehrten. Im Rahmen von Schulausflügen wurden wir sogar auf Minenfelder gebracht. So wuchsen wir mit der kollektiven Erinnerung auf, dass ein fremdes Land mit Unterstützung der USA unsere Grenzen verletzt und unsere Kinder getötet hatte. Ob wir die politischen Zusammenhänge vollständig verstanden oder nicht – wir haben das Trauma geerbt.
Die Iraner haben über mehrere Generationen hinweg viele Versprechen erlebt: Der Schah versprach Modernisierung, die Revolution versprach Gerechtigkeit, die Reformisten versprachen schrittweisen Wandel, die Grüne Bewegung versprach faire Wahlen und die USA und Israel versprachen den Sturz des Regimes und Demokratie. Es gab viele Versprechen, doch keines davon hat sich zu Lebzeiten unserer Eltern, unserer eigenen Generation oder unserer Kinder erfüllt. Und diejenigen, die die Außenwelt einst baten, an ihrer Seite zu stehen, sehen nun zu, wie diese „Hilfe“ in Form von Bomben eintrifft.
Die iranische Bevölkerung erlebt so vieles, das unerträglich und herzzerreißend ist.
Die iranische Bevölkerung erlebt so vieles, das unerträglich und herzzerreißend ist. Am schmerzhaftesten ist vielleicht das Wissen, dass es noch einen anderen Iran gibt – einen Iran, der nie internationale Schlagzeilen macht, der für die Außenwelt unsichtbar bleibt und der, gäbe es den Krieg und den gegenwärtigen Aufstieg der Hardliner nicht, den Beginn einer neuen und offeneren Ära markieren könnte.
Ein Freund, der den Iran kürzlich verlassen hat, beschrieb ihn mir so: Es fühlt sich an wie ein Spaziergang durch Paris. Junge Männer und Frauen sitzen in Cafés, hören Musik und halten Händchen. Frauen tragen den Hidschab nicht mehr. Er erzählte mir, dass Frauen sich schlicht weigern, ihn weiterhin zu tragen. Geht man in eine Kunstgalerie, ein Café oder ein Restaurant, sieht man Menschen singen, tanzen und diese begrenzte Freiheit genießen. Fragt man diskret nach, bringt einem vielleicht sogar jemand heimlich ein Getränk unter dem Tisch. „Diese junge Generation – sie ist einfach anders.“ Und das gilt nicht nur für Teheran. Dieser Wandel erfasst den ganzen Iran, selbst religiöse Städte wie Maschhad und Ghom – Städte, auf denen die Islamische Republik ihre Identität aufgebaut hat –, wo junge Menschen still und leise die Grenzen des Erlaubten austesten.
Als meine Generation ihre frühen Jugend- und Erwachsenenjahre durchlebte, gehörte Angst zum Alltag. Wir wurden ständig vom Kulturministerium und der Sittenpolizei überwacht – in allem, was wir taten. Sie waren auf den Straßen präsent, an Schulen, Universitäten, in Behörden und sogar in Krankenhäusern, als gäbe es keinen Ort, der außerhalb ihrer Reichweite lag. Oft schien es unmöglich, überhaupt frei zu atmen. Wir forderten Reformen und Freiheit, doch jedes Mal begegnete man uns entweder mit leeren Versprechen oder mit der vollen Härte des staatlichen Unterdrückungsapparats.
Noch immer gibt es Berichte über Restaurants und Cafés, die von der Islamischen Republik wegen Verstößen gegen die Hidschabpflicht oder wegen Live-Musik geschlossen werden. Doch die neue Generation wartet nicht länger darauf, dass die Islamische Republik ihr ihre Rechte gewährt – so klein diese auch sein mögen. Sie hat nichts mehr zu verlieren. Sie ist mit dem Blick auf die Außenwelt aufgewachsen, ist bestens informiert und weit weniger bereit, nach Regeln zu leben, an die sie selbst nicht glaubt. Statt auf Erlaubnis zu warten, nimmt sie sich leise das, was sie längst als ihr Recht betrachtet: die Würde, frei zu leben.
„Das ist nicht mehr das Teheran, in dem wir aufgewachsen sind“, sagte man mir, „das Teheran, in dem wir für das Hören von Musik ins Gefängnis kamen.“ Schon vor den jüngsten US-Angriffen waren die Iraner tief gespalten, was die gemeinsame Militärkampagne der USA und Israels gegen den Iran anging. Manche glaubten, militärischer Druck sei notwendig, um ein Regime zu schwächen, das sich als reformunfähig erwiesen habe. Andere befürchteten, dass eine ausländische Intervention letztlich den einfachen Iranern mehr Leid zufügen würde als den Machthabern.
Wie Iraner ihr Land erleben, unterscheidet sich stark von Gemeinschaft zu Gemeinschaft. Der Iran wird von einer alternden Theokratie regiert, beherbergt aber zugleich eine der jüngsten und lebendigsten Bevölkerungen der Region. Er ist zutiefst ideologisch und fundamentalistisch – und zugleich zutiefst pragmatisch. Ein großer Teil der Bevölkerung ist religiös und lehnt dennoch die Islamische Republik ab. Gleichzeitig leben dort einige der säkularsten Menschen der Region, obwohl das Land weiterhin von einer gefestigten Theokratie regiert wird. Viele bewegen sich zwischen diesen Welten, widersprechen sich selbst und vertreten Überzeugungen, die sich nicht sauber in Kategorien einordnen lassen.
Dieser Krieg hat die Iraner nicht gegen einen gemeinsamen Feind geeint.
Dieser Krieg hat die Iraner nicht gegen einen gemeinsamen Feind geeint. Er hat vielmehr offengelegt, wie eng sie mit der Macht verbunden sind – und welchen Preis diese Nähe hat oder welche Vorteile sie bringt. Diejenigen, die mit der Islamischen Republik verbunden sind, sei es physisch oder ideologisch, fühlen sich als Gewinner dieses Krieges. Dabei handelt es sich nicht nur um eine ältere Generation, die an der Macht festhält. Die Unterstützung für das Regime zieht sich quer durch Altersgruppen, soziale Schichten und gesellschaftliche Hintergründe – auf eine Weise, die Außenstehende oft überrascht. Die Loyalisten fürchten keine Entbehrungen: Das Regime hat mittlerweile fast ein halbes Jahrhundert westlicher Sanktionen überstanden. Es muss sich den Bürgern nicht verantworten, weil es nicht gewählt, sondern von höheren Mächten bestimmt wurde. Und es hat die USA in einen Krieg hineingezogen, der länger andauert als erwartet und den Washington eigentlich gar nicht führen wollte. Aus Sicht der Loyalisten sind sie die Sieger.
Während der Verhandlungen und selbst nach der Waffenruhe im vergangenen Monat setzten die Hardliner ihre kriegerische Rhetorik fort. Sie bedrohten nicht nur den US-Präsidenten und amerikanische Regierungsvertreter, sondern auch ihre eigenen politischen Führer, darunter Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghchi, weil diese Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten zugestimmt hatten.
„Ich hasse das Regime“, sagte mir eine Freundin aus Teheran, die wegen ihrer Teilnahme an Protesten verhaftet worden war und vor Kurzem Mutter geworden ist, „aber ich hasse Bomben, die vom Himmel fallen, noch mehr. Daraus entsteht nie etwas Gutes. Plastik war früher das Billigste überhaupt. Heute kannst du dir nicht einmal das mehr leisten.“ Ihre Sorge war nicht abstrakt. Wenn Fabriken bombardiert, Straßen zerstört und Lieferketten unterbrochen werden, treffen die Folgen zuerst die einfachen Menschen, die ohnehin bereits unter Inflation, Armut und Sanktionen leiden. Die Menschen verschieben ihre Zukunftspläne. Unternehmen schließen, bevor sie überhaupt wachsen können. Schulden bleiben unbezahlt. Selbst die Miete oder den Einkauf zu bezahlen wird jeden Tag zur neuen Kraftprobe.
Die jüngste Angriffswelle hinterließ schwere Spuren: Zivilisten wurden getötet, Straßen zerstört, Schulen geschlossen. Hilfslieferungen erreichten die betroffenen Gebiete nur schwer, und der Alltag wurde erneut von der Angst vor dem nächsten Luftangriff bestimmt. Gerade in solchen Momenten wird ein fest etabliertes Regime häufig eher gestärkt als geschwächt. Wenn das Überleben auf dem Spiel steht, wenden sich die Menschen jeder funktionierenden Struktur zu – selbst einer, die sie eigentlich hassen.
Trotz alledem könnte der Aufstieg der Hardliner nur vorübergehend sein, und der Iran, den die Welt nicht sieht, darf nicht in Vergessenheit geraten. Die neue Generation verschiebt Grenzen auf eine Weise, die sich unsere Generation nie hätte vorstellen können. Ich sehe das auch in den sozialen Medien. Manchmal erkenne ich Teheran kaum wieder. Ich sehe mutige junge Frauen und Männer, die jeden Tag die Grenzen des Möglichen verschieben und sich Stück für Stück einen normalen Alltag zurückholen.
„Vielleicht musste all das geschehen – das Massaker an den Menschen, das Schweigen der internationalen Gemeinschaft, die Bombardierung des Iran –, damit sich überhaupt etwas bewegt“, sagte mein Vater am Telefon zu mir. „Manchmal kann selbst ein Feind etwas Gutes bewirken, wenn Gott es so will.“ Die psychologischen Kosten eines Krieges, der sich auf bereits bestehende Traumata legt, werden sowohl den Iran als auch die Vereinigten Staaten auf eine Weise prägen, deren Ausmaß sich erst mit der Zeit ermessen lässt. Kriege enden irgendwann, Waffenruhen werden geschlossen, Verhandlungsführer kehren an den Tisch zurück. Was bleibt, ist das Erbe der nächsten Generation.
Dieser Artikel erschien zuerst im US-Onlinemagazin Persuasion.




