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„Es waren wirklich fast alle weiß“
Der Abgeordnete Metin Hakverdi im Gespräch über den unterschiedlichen Stil der Debatten bei Demokraten und Republikanern.

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Interview von Michael Bröning.

Sie haben in der letzen Woche sowohl an der Debatte der demokratischen Präsidentschaftskandidaten in Detroit als auch an einem öffentlichen Auftritt von Präsident Trump in Cincinnati teilgenommen. Welche atmosphärischen Unterschiede waren auffällig?

Die beiden Veranstaltungen konnten unterschiedlicher nicht sein. Die Debatte in Detroit fand vor 4 000 Gästen statt, die zwar natürlich ihre jeweiligen Kandidaten unterstützten, aber insgesamt ein neugieriges Publikum waren, das hören wollte, wie sich die Kandidatinnen und Kandidaten unterscheiden.
In Cincinnati ging es von Anfang an nur um eine Demonstration: Der Präsident wollte sich seinen Anhängern zeigen und sich feiern lassen. Es war viel lauter in Cincinnati, fast wie bei einem Eishockeyspiel oder einem Rockkonzert, mit über 17 000 Besuchern. Donald Trump wurde immer wieder von dem typischen „trump´schen Chor“ begleitet: „USA USA USA“, „build that wall build that wall build that wall“ oder „lock her up lock her up lock her up“.

In Greenville reagierten in der Woche zuvor aufgeheizte Republikaner mit „Schick sie nach Hause“-Sprechchören auf rassistische Trump-Äußerungen. Wie war die Stimmung in Cincinnati? Stimmt das Bild der wütenden weißen Männer, die einen Großteil der Anhänger Trumps ausmachen?

Dieses Thema ist gar nicht zur Sprache gekommen. Das Thema Grenzmauer schon. Es waren dort nicht nur Männer anwesend, sondern auch viele Frauen, Jugendliche und Kinder. Allerdings: Es waren wirklich fast alle weiß. Von 17 000 Besuchern waren vielleicht ein Dutzend African Americans. Ich habe noch nie eine so große Ansammlung von Amerikanern gesehen, die ethnisch so homogen, in diesem Falle weiß, war.
Im Übrigen hatte ich den Eindruck, dass sich hier nicht der repräsentative Durchschnitt der Trump-Unterstützer eingefunden hatte, zu denen ja auch die sehr gut verdienende Mittel- und Oberschicht gehört, sondern in großen Teilen Menschen aus den ärmeren Bevölkerungsschichten Ohios.

In Greenville kritisierte Trump zuletzt dezidiert die deutsche Bundesregierung und die Kanzlerin. Was waren in Cincinnati die inhaltlichen Schwerpunkte?

Deutschland und die EU waren gar kein Thema. China wurde wegen des Handelskrieges kurz erwähnt. Inhaltlich am häufigsten wurden immer wieder zwei Themen betont: die Größe des US-Militärs und die Stärke der amerikanischen Wirtschaft.

Am Tag nach der Debatte der Demokraten in Detroit hat Donald Trump die Demokraten natürlich angegriffen. Dabei hat er einerseits auf ihre Uneinigkeit hingewiesen und gleichzeitig das Gespenst des Sozialismus an die Wand gemalt: „The US will never be a socialist country.“

Haben die demokratischen Präsidentschaftskandidaten bereits überzeugende Konzepte zu den politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der USA präsentiert?

Die Demokraten haben an beiden Abenden intensive inhaltliche Debatten geführt. Die Schwerpunkte Krankenversicherung, Einwanderung und Rassismus wurden ausgiebig und inhaltlich kontrovers diskutiert.

Wer sind die aussichtsreichen Kandidaten nach dieser Debattenrunde?

Der zweite Abend der demokratischen Debatte verlief deutlich aggressiver. Joe Biden wurde von vielen seiner Mitbewerber hart angegangen. In den Tagen nach der Debatte gab es von führenden Demokraten Warnungen, dass eine zu offensiv geführte Auseinandersetzung in den Primaries die Wahlchancen des demokratischen Herausforderers schmälern könnte.
Biden ist aber immer noch klarer Favorit, er hat die besten Umfragewerte. Und es gibt eine weit verbreitete Überzeugung innerhalb der demokratischen Partei. Auch viele, die Biden inhaltlich nicht sonderlich zugeneigt sind, sind der Ansicht, dass er die besten Aussichten bei der Wahl gegen Donald Trump im November 2020 hätte. So lange diese Meinung bei den Demokraten vorherrscht, ist Joe Biden der klare Favorit für die Herausfordererposition.

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