Der Bundestag plant heute Beratungen über die Anerkennung eines Staates Palästina. Mehrere europäische Parlamente haben solche Resolutionen bereits unterstützt. Doch ein solcher Beschluss würde sich gegen Israel richten und eine Friedenslösung nicht voranbringen.

Alle Umfragen belegen, dass eine große Mehrheit der Israelis zu umfänglichen territorialen Zugeständnissen und zur Einrichtung eines Palästinenserstaates bereit ist. Diese grundsätzliche Bereitschaft war immer geknüpft an ein Wohlverhalten auf Seiten der Palästinenser. Doch seit Beginn des Terrors im Jahr 2000 sehen die Israelis in der palästinensischen Nationalbewegung keinen seriösen Partner für eine friedliche Koexistenz. Vereinfacht ausgedrückt: Die Palästinenser sind keine netten Nachbarn.

Als die palästinensische Gesellschaft die Chance erhielt, ein Staat zu werden und mit Israel im Frieden zu leben, degenerierte sie zu einem gewalttätigen Gebilde und stilisierte den Shahid (Märtyrer), der sich inmitten von Israelis in die Luft sprengt, zu einem Vorbild für die palästinensische Jugend. Das palästinensische Bildungssystem und die Medien verbreiten Hass und entsetzliche antisemitische Parolen.

Extremismus und Gewalt sind für das derzeitige palästinensische Gebilde charakteristisch. Die Hamas, eine der Milizen, die aus dieser Gesellschaft hervorgingen, riss im Jahr 2007 gewaltsam den Gazastreifen an sich und spaltete die palästinensische Einheit. Diese Entwicklung spiegelt eine soziale Malaise wider, die in dieser Region weit verbreitet ist: den wachsenden Zuspruch des radikalen Islam und den Zusammenbruch der arabischen Staaten.

Viele Europäer scheinen intellektuell unfähig zu begreifen, dass die Palästinenser einen gescheiterten Staat etabliert haben und dass ihre Nationalbewegung pathologisch dysfunktional ist.

 

Viele Europäer scheinen intellektuell unfähig zu sein zu begreifen, dass die Palästinenser einen gescheiterten Staat etabliert haben und dass ihre Nationalbewegung pathologisch dysfunktional ist. Sie sind blind für die Parallelen zum Irak und Jemen, zu Libyen und Syrien. Ein Wandel zum Guten kann viele Jahre dauern. Die Unterstützung eines autoritären und korrupten Palästinenserstaates führt nicht zu Fortschritt und Frieden, sondern schwächt die einzige echte Demokratie im Nahen Osten: Israel.

Der Frieden hat nur eine Chance, wenn die palästinensische Gesellschaft einen schwierigen und langwierigen Reifeprozess durchläuft und eine pragmatischere politische Kultur entwickelt, damit ein historischer Kompromiss mit der zionistischen Bewegung gefunden werden und eine demokratische Einheit zustande kommen kann. Wer die Maximalforderungen der Palästinenser unterstützt, verlängert den Konflikt und rückt eine palästinensische Demokratie in weite Ferne.

Die Resolution des Europaparlaments ist mit der naiven Aufforderung an die palästinensischen Gruppen einschließlich der Hamas verbunden, interne Spaltungen zu beenden – als wären die verschiedenen Organisationen politische Parteien in einem demokratischen Umfeld. Dabei handelt es sich um bewaffnete Milizen mit radikal unterschiedlichen Zukunftsvorstellungen, die durchaus bereit sind, ihre Gegner umzubringen.

Die derzeitige palästinensische Regierung der nationalen Einheit, eine Koalition aus Fatah und Hamas, deren Bildung viele Europäer als positive Entwicklung begrüßten, legitimierte nur die Terrororganisation Hamas, die den jüdischen Staat zerstören will und enge Verbindungen zur Islamischen Republik Iran pflegt. Versuche des Iran, über die Hamas nach Palästina vorzustoßen, sind Teil der iranischen Hegemoniebemühungen im Nahen Osten. Wenn die Europäer das politische Monster einer Fatah-Hamas-Regierung stützen, so stützen sie indirekt die Ambitionen der Iraner – eine Politik, die an Absurdität nicht zu überbieten ist.

Die deutsche Anerkennung eines Palästinenserstaates wird als Sieg der Palästinenser betrachtet werden und die wachsende Judenfeindlichkeit in der arabischen und muslimischen Welt wie auch in Europa verstärken. Der Antisemitismus in Europa korreliert erkennbar mit einer pro-palästinensischen Haltung.

Der unverschämte Appetit der Palästinenser auf Jerusalem ist ein Hemmnis für den Frieden. Die Deutschen sollten solche Forderungen nicht unterstützen.

Eine Unterstützung der Idee, Jerusalem zu teilen und zur Hauptstadt eines Palästinenserstaates zu machen, hintertreibt insbesondere die notwendigen Bemühungen, auf Palästinenserseite Pragmatismus zu erreichen. Die Juden in Israel werden die Hoheit über den Tempelberg in Jerusalem, wichtigstes Heiligtum und bedeutendster Gebetsort seit 3000 Jahren, niemals aufgeben. Jerusalem gehört definitiv nicht zu den Zugeständnissen, zu denen die Israelis bereit sind. Jerusalem war nie Hauptstadt eines muslimischen Staates, und die Juden stellen in der Stadt seit fast 200 Jahren die Mehrheit. Darüber hinaus zieht, wie Umfragen immer wieder ergeben, die Mehrheit der in der Stadt lebenden Araber den Status quo einer möglichen Palästinenserherrschaft vor (sie sind ja nicht dumm). Der unverschämte Appetit der Palästinenser auf Jerusalem ist daher ein Hemmnis für den Frieden. Die Deutschen sollten solche Forderungen nicht unterstützen.

Die Israelis sind erschüttert über die »Palästinenser-Obsession« in der Europäischen Union. Zu den meisten Ungerechtigkeiten in der Welt schweigt das Europaparlament, scheinbare oder echte Verfehlungen der Israelis jedoch werden stets hervorgehoben. Warum fordert es die Palästinenser nicht auf, das Recht der jüdischen Nation auf Selbstbestimmung und die Etablierung eines jüdischen Staates anzuerkennen?! Bis zu diesem Tag versagt die palästinensische Nationalbewegung den Israelis diese Anerkennung, wohingegen Israel die »legitimen Rechte der Palästinenser« bereits 1978 anerkannt hat.

Hannah Arendt, die 1933 aus Deutschland floh, erklärte in ihrem Buch Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, Moral werde an der Haltung gegenüber Juden gemessen. Hoffentlich wird der Bundestag dieser moralischen Aufgabe gerecht.

Lesen Sie hierzu auch die Gegenposition von Sam Bahour.