Amerikas Krieg gegen Iran ist in eine ruhigere Phase eingetreten: diplomatische Muskelspiele, immer wieder abgebrochene Verhandlungen, endloses Gerangel um eine Beilegung. Das ist natürlich weitaus besser als die Vernichtung der iranischen Zivilisation, mit der Präsident Trump noch vor wenigen Wochen gedroht hatte, aber es wirft die Frage auf, wodurch diese Wende bewirkt wurde.

Diese Frage lässt sich ziemlich leicht beantworten. Die amerikanischen und israelischen Bombardements haben weder einen Volksaufstand gegen das Regime in Teheran heraufbeschwören noch das Regime in Teheran zur Kapitulation bewegen können, auch wenn Donald Trump und seine Berater sich das nur quälend langsam eingestehen. Stattdessen hat der Iran erkannt, dass er die lebenswichtige Verbindungsroute durch die Straße von Hormus dichtmachen und die Weltwirtschaft ins Chaos stürzen kann.

Es gibt nur zwei Möglichkeiten, wie der Konflikt ausgehen kann: Entweder wird Iran, wie von Donald Trump postuliert, vollständig zerstört, oder es kommt zu einer Einigung, bei der die iranische Regierung intakt und an der Macht bleibt und ein polternder US-Präsident gedemütigt wird.

Die erste Option rückt in immer weitere Ferne. Indem er öffentlich mit Kriegsverbrechen immensen Ausmaßes drohte, hat Trump seinen Gegnern im In- und Ausland Zeit gegeben, Widerstand zu mobilisieren. Die zweite und wahrscheinlichere Option war vorauszusehen – hätten der Präsident und seine Regierung sich nur dazu bequemt, ein neues Merkmal moderner Kriegsführung zur Kenntnis zu nehmen, das sich in einem einzigen Wort zusammenfassen lässt: Drohnen.

Das Kampfgeschehen von heute wird durch bewaffnete Drohnen von Grund auf verändert.

Das Kampfgeschehen von heute wird durch bewaffnete Drohnen von Grund auf verändert. Sie sind das moderne Pendant zum Maschinengewehr des Ersten Weltkriegs. Dass das zahlenmäßig weit unterlegene ukrainische Militär Wladimir Putins russischer Armee vier Jahre lang standhalten konnte und den Invasoren nicht nur weit mehr Verluste beibrachte als erwartet, sondern das auch noch zu einem Bruchteil der Kosten, lag an der Drohne. Wie die Ukrainer immer wieder aufs Neue demonstrieren, kann eine Drohne für 1 000 Dollar einen T-90-Panzer zerstören, der rund 4,5 Millionen Dollar kostet. Neuerdings machen die Russen bei der Drohnenkriegsführung zwar erhebliche Fortschritte, aber diese einfache Waffe sorgt dafür, dass sie für ihren Krieg militärisch und finanziell schmerzlich teuer bezahlen müssen.

Eine ganz ähnliche Dynamik hat es in den vergangenen zwei Monaten in Iran gegeben – allerdings ohne den enormen Verlust an Menschenleben. Es stimmt natürlich, dass amerikanische und israelische Kampfjets Irans militärische Infrastruktur nach Belieben bombardieren können – was sie auch zehntausendfach getan haben. Aber die wichtigste Vergeltungswaffe, die Iran zur Verfügung steht, lässt sich auch mit noch so vielen Angriffen nicht wegbomben.

Im Gegenteil: Iran kann für einen Bruchteil des Geldes, das die Gegenseite für die Produktion ihrer Waffen ausgibt, massenhaft Drohnen herstellen. Was Donald Trump seinen „Ausflug“ in den Iran nennt, hat die Vereinigten Staaten nach Angaben des Pentagons schon jetzt mindestens 25 Milliarden Dollar gekostet und seinen Bestand an hoch entwickelten Raketen erheblich dezimiert. Diese Schrumpfung führt schon jetzt zu Engpässen an anderen strategisch wichtigen Schauplätzen. Es wird möglicherweise Jahre dauern, bis der Schwund kompensiert ist. Unterdessen diktiert Iran mit seinen billigen und reichlich vorhandenen Drohnen – das Zusammenbauen einer Spitzendrohne des Typs Shahed-136 kostet das Land schätzungsweise 35 000 Dollar – weiter die Konditionen am Nadelöhr der Straße von Hormus.

Doch was, wenn die amerikanische Seeblockade an der Meerenge fortgesetzt würde oder wenn die iranische Küste mit Bodentruppen angegriffen würde, wie Trump ebenfalls in regelmäßigen Abständen vorschlägt? Zugegeben: Das könnte unschön werden, würde doch aber den Amerikanern zum sicheren Sieg verhelfen und der Hängepartie ein Ende bereiten, oder? Falsch. Selbst eine wasserdichte Blockade oder 50 000 an Brückenköpfen am Persischen Golf postierte amerikanische Soldaten würden die Iraner nicht daran hindern, über ihre Köpfe hinweg Drohnen auf beladene Öltanker zu feuern und die Weltwirtschaft erneut lahmzulegen.

Die Voraussetzung für die zukünftige Sicherheit am Persischen Golf ist inzwischen, dass Trumps Regierung mit dem Regime in Teheran eine Vereinbarung trifft. Der US-Präsident behauptet zwar, „Wir haben alle Karten in der Hand“, aber nahezu das exakte Gegenteil ist der Fall. Vielmehr hat Trump immer mehr Grund, zu einer Einigung zu kommen und die wachsende Not der Wirtschaft im eigenen zu lindern – und den Absturz seiner Beliebtheitswerte zu stoppen. Vor diesem Hintergrund wird der Iran in dem Wissen, dass er die Zeit auf seiner Seite hat, wahrscheinlich versuchen, die Verhandlungen in die Länge zu ziehen und Trump größere Zugeständnisse abzuringen.

Iran wird beinahe mit Sicherheit der Torwächter des Persischen Golfs bleiben.

Mögliche Zugeständnisse könnten die Aufhebung der drückenden Sanktionen sein, mit denen Donald Trump in seiner ersten Amtszeit „maximalen Druck“ auf Iran ausüben wollte und die er kurz nach Beginn seiner zweiten Amtszeit erneuerte, oder Reparationen für die Zerstörungen, die durch die amerikanischen und israelischen Bombenangriffe angerichtet wurden. Ein Hauptstreitpunkt werden die verbliebenen Orte sein, an denen angereichertes Uran gelagert wird, aber ganz gleich, worauf man sich am Ende einigt: Iran wird beinahe mit Sicherheit de facto der Torwächter des Persischen Golfs bleiben – und damit in einer weitaus stärkeren Position sein als vor dem von Donald Trump begonnenen Krieg.

Das Patt im Persischen Golf macht einen Wandel der modernen Kriegsführung deutlich, der erstens Bestand haben wird und zweitens beängstigend ist. Einzelne ganz besonders wichtige Orte wie zum Beispiel das Weiße Haus können zweifellos drohnensicher gemacht werden, aber eine großflächige Abschirmung gegen Drohnen ist unmöglich – wie Israel mit seinem viel gerühmten und vielfach durchstoßenen Iron Dome inzwischen feststellen muss.

Da bewaffnete Drohnen einfach sind und nicht viel kosten, ist inzwischen jedes einzelne geografisch-strategisch wichtige Nadelöhr der Welt – Panama- und Suezkanal, die Straße von Gibraltar, der Luftraum über New York – anfällig für Angriffe von feindlichen Mächten, die in der Lage sind, solche Waffen zu bauen, und die gewillt sind, die Konsequenzen auf sich zu nehmen. Wer das für Panikmache hält, denke an das eine oder andere apokalyptische Regime oder einige mordlustige Guerillagruppierungen der jüngeren Vergangenheit – die Baader-Meinhof-Bande in der Bundesrepublik Deutschland, die Roten Khmer in Kambodscha oder Bin Ladens Al Qaïda – und male sich aus, was sie mit einer bewaffneten Drohne für 2 000 Dollar hätten anrichten können.

Als Ende Februar der amerikanische Angriff auf Iran gestartet wurde, schien der für die Operation gewählte Name Epic Fury – „Epischer Zorn“ – eine ungewöhnlich passgenaue Beschreibung für das Temperament des Mannes zu sein, der den Befehl dazu gab. Bedenkt man, wohin dieses militärische Malheur die Vereinigten Staaten und die zukünftige Sicherheit der Welt führt, wäre Colossal Blunder vielleicht passender gewesen: „Gewaltiger Irrtum“.

Aus dem Englischen von Andreas Bredenfeld

Der Artikel erschien zuerst in der New York Times.