Die Krise in der Ukraine stellt die europäische Politik vor eine völlig neue Situation. Der Kalte Krieg, so der Eindruck, ist zurück. Oder war er nie wirklich Geschichte? Die Sicht der Eliten in Medien und Politik scheinen in dieser Frage mit denen der Bürgerinnen und Bürger in Teils deutlichem Gegensatz zu stehen.
Wir wollen hier eine Debatte führen. Wie soll sich Deutschland, deutsche Außen- und Sicherheitspolitik positionieren? Was sollte sie tun, und was sollte sie lassen?
Wir bitten um kurze und sachliche Beiträge unter Beachtung unserer Netiquette für Leserbriefe. Ansonsten gilt: Bitte legen Sie los!




22 Leserbriefe
1. Endlich damit aufhören, Provokationen gegenüber Moskau mit der Tradition Willy-Brands in Einklang bringen zu wollen. Das passt nicht, hat nie gepasst und wird nie passen.
2. Die Nibelungentreue zu den demokratisch nicht legitmierten polarisierenden Machthabern in Kiew beenden.
3. Die bisher verabschiedeten Sanktionen gegen Russland aufheben und die Debatte über weitere Sanktionen einstellen.
4. An die SPD gerichtet: Endlich die politische Querschießerei gegen die LINKE aufgeben. Ein unsägliches Beispiel dafür findet sich ja gleich hier auf der Seite von Genosse Mützenich.
Dann würde ich vielleicht sogar wieder mal SPD wählen. Vielleicht.
Vis-à-vis Russland muss das Tandem dazu beitragen, dass jegliches Denken in Kategorien des Kalten Krieges vermieden wird. Fehler wurden gemacht: Die zu schnell vorangetriebene NATO-Osterweiterung ohne die Berücksichtigung von Russlands Interessen ist einer davon. Jetzt gilt es klug zu handeln, um sowohl eine Aufrüstungsspirale als auch das Auslösen des Sicherheitsdilemmas zu vermeiden, und dennoch Putin davon abzuhalten die Ukraine weiter zu destabilisieren.
Das entweder/oder fuer die Ukraine, war der groesste Unsinn der EU, denn alle wissen (oder doch nicht) dass die Ukraine ein Mehrvoelkerstaat ist mit einem sehr hohen anteil russisch sprechender ethnischer Russen.
Der von der EU und USA (bestaetig durch Fr. Nolan (f... the EU) gemeinsam finanzierter und Kontakt mit der aeusserst rechten Gruppe, um den Aufstand gegen einen demokratisch gewaehlten,wenn auch zu hinterfragen loyal, durchzufuehren ist natuerlich dadurch in die Hose gegangen.
Meiner Meinung ist es fast zu spaet die Teilung des Landes zu verhindern, aber die Moeglichkeit, sich mit allen verschiedenen Gruppierungen der Ukraine kommt sehr spaet, wenn nicht schon zu spaet.
Viel Hoffnung gibt es nicht.
Aber warum noch weitere Sanktionen gegen Russland? Wir die EU schneidet sich ins eigene Fleisch, und es wird eine moegliche weitere Vertrauensbildung mit Russland aus alle Faelle behindern
Treffen sollten öfter stattfinden, weil sich im direkten Gespräch von Angesicht zu Angesicht oft mehr sagen und direkter sagen lässt.
Dazu gehört aus meiner Sicht leider auch eine gewisse erhöhte militärische Präsenz der NATO an ihren Aussengrenzen, die zwar leicht erhöht spürbar, aber doch nicht übermässig sein sollte. Hier hängt viel davon ab, ob die ukrainischen Präsidentenwahlen am 25. Mai stattfinden, und ob sich die Situation im Osten des Landes weiter verschärft oder sich beruhigt. Finden die Wahlen nicht statt oder werden sie im Osten des Landes boykottiert, dann entstünde eine wirklich sehr ernste Situation. Daher bleibt abzuwarten, was in den nächsten Tagen passiert, und was die Verhandlungen vor Ort ergeben.
Auf jeden Fall denke ich auch, dass die Antwort auf Putin in Brüssel gegeben werden sollte.
2. G 7 wieder für Russland öffnen.
3. Kritik an Moskauer Vorgehen aufrechterhalten: mann kann aufrichtige Angebote machen und gleichzeitig sachlich (!) Kritik äußern.
4. Rhetorische Eskalation einstellen (betrifft die deutsche Bundesregierung weniger, dafür gelegentlich die Medien sehr)
5. Plausibel darlegen, warum es sinnvoll sein soll, auf die Referenden in der Ostukraine mit Verschärfung der Sanktionen gegen Russlan zu reagieren. Was hat in diesem konkreten Fall das eine mit dem anderen zu tun? Wieso Russland in diesem Fall sanktionieren? Nachdem man so lange gezögert hat, Sanktionen zu beginnen bzw. zu verschärfen, scheint dieser Auslöser ehrlich gesagt vollkommen unlogisch und unsinnig, als hätte man nur auf einen (schlechten) Vorwand gewartet. Zumal Putin die Verschiebung der Referenden (wenn auch spät) empfohlen und diesmal erkennbar besonnener als im Falle der Krim reagiert hat. Aber vielleicht haben wir ja auch entscheidende Dinge verpasst...
6. Klären: geht es im Moment darum, endlich die Systemfrage mit Moskau zu klären (überspitzt formuliert)? Oder um die Ukraine? Beides sollte gelegentlich mehr von einander getrennt werden. Wenn es um die Ukraine geht (und diese nicht nur als Stellvertreter herhalten soll): Einfluss auf Ukrainische Übergangsregierung ausbauen, auch Druck erhöhen! In diesem Konflikt gibt es nicht nur gut (Ukraine) und böse (Moskau). Die ukrainische Regierung entwickelt sich allem Anschein nach in eine sehr ungute Richtung, hier gäbe es für die Diplomatie viel zu tun. Vielleicht mehr, als bis jetzt getan wird, weil die Frage der Sanktionen ggü. Moskau zu sehr dominiert.
7. Diese unsinnige Konzentration und Überhöhung der Wahlen am 25. Mai beenden. In jedem anderen Land plädiert die EU und D zu recht dafür, erst ein ausreichend stabiles Umfeld für Wahlen zu schaffen. Warum hier nicht? Wir instrumentalisieren diese Wahlen genau so wie Russland dies tut. Und wir manövrieren uns ohne Not an die Wand. Schon lange ist absehbar, dass im Osten der Ukraine wohl kaum regulär gewählt werden kann bzw. stand eine sehr sehr niedrige Wahlbeteiligung zu befürchten. Hätten wir diese Wahlen dann guten Gewissens anerkennen können? Und nun? Werden die Wahlen im Osten wohl gar nicht stattfinden. Was tun wir nun? Wir haben uns so festgebissen an diesen Wahlen, dass ein Plan B zu fehlen scheint. Wir werden uns mit den jetzigen Protagonisten noch eine Weile auseinandersetzen müssen, es wird Zeit, dass wir sie in ihrer Verantwortung ernst nehmen, soll heißen: sie an ihren Taten messen, Druck ausüben, wo nötig.
8. Anfangen, auch das Undenkbare zu denken: nicht, weil es herbeigeredet werden soll. Aber weil wir es uns nicht leisten können, den Ereignissen immer nur hinterherzulaufen, auf Eskalationen und neue Situationen zu reagieren. Also: was tun, wenn eine Spaltung der Ukraine eintritt bzw. das Land immer weiter unkontrolliert zu zerfallen droht? Was ist dann unserer Strategie? Russland dürfte daran auch kein INteresse haben - Verständigungsprozesse einleiten! Was tun, wenn die Destabilisierung auf die Nachbarländer übergreift? Vielleicht werden diese Szenarien in Europa längst durchgespielt - es ist zu hoffen.
9. Der enge Schulterschluss mit den USA in der Ukraine-Krise ist richtig, bedeutet jedoch nicht, dass keine durchaus eigenständige EU-Position notwendig wäre.
10. Das Feld nicht allein der (säbelrasselnden) NATO überlassen: wo bleibt der eigentlich zu erwartende Impuls für die GASP/GSVP?
In Bezug auf die Ukraine sollten wir Bruessel davon abhalten Versprechen zu machen fuer eine Assozierung, allerdings sollte zusammen mit dem IMF und der EBD (europaeische Entwicklungsbank) Hilfe fuer ein klar definiertes Reformprogramm geleistet werden.
Die deutsche Oeffentlichung sollte erstens sensibilisiert werden, dass eine Oeffnung der Ukraine nach Westen nicht ohne Verhandlungen mit Moskau zu erreichen ist. Eine durchlaessige ukrainisch russische Grenze fuer Transport und Gueter in die EU muss klar gereglt und einhaltbar sein. Zweitens muss man sich darauf einstellen, dass der Transformationsprozess im besten Fall 10-20 Jahre dauern wird. Ein langer Atem, gut definierte Zwischenziele muessen benannt und akzeptiert werden sowohl in der Ukraine von einer relevanten Mehrheit wie auch im Ausland.
Davon sind wir aber, wie es scheint, noch sehr weit entfernt.
2. Der Zug für eine vernünftige Lösung (also föderale Struktur in der Ukraine) ist spätestens seit Jahresbeginn abgefahren.
3. Im Moment gilt nur noch, eine möglichst unblutige Trennung der Ostukraine von der Westukraine zu organisieren. Hier ist Steinmeier auf dem richtigen Weg.
3.
Im Nahen Osten, zuletzt in Syrien, begannen die Kriege der sogenannten „Arabische Frühling“ mit friedlichen Demonstrationen, gefolgt von Unruhen gegen die herrschenden Machthaber. Von bestimmten Quellen im westlichen Ausland wurden die Unruhen manigfaltig angefacht, mit Geld, Medien und zum Schluss mit Waffen unterstützt. Das Ergebnis kann sich – bis auf Syrien – für die Unterstützer sehen lassen: Die „undemokratischen“ Herrscher wurden beseitigt, die „Demokratie“ wurde eingeführt, der Markt liberalisiert, die Investoren strömen herein, schmieren die neuen Herrscher kräftig und mit Hilfen der neuentstandenen Oligarchen beuten sie das Land aus, aber demokratisch, dank des Westens und der Nato - siehe Libyen.
In Syrien sollte das Vorgehen der ausländischen Kapitalkonglomerate nach der gleichen Muster der Ereignisse in Tunesien, Ägypten und Libyen ablaufen. Aber Putin hat sie vermasselt, in dem er Assad voll unterstützt, nicht nur wegen des Marinestützpunktes am Mittelmeer. Putin fühlt sich zu recht von der Rolle des Westens (USA, Nato und EU) im Nahen Osten düpiert und bedroht, zumal parallel dazu die Nato absprachenwidrig ihren Machtbereich weiter nach Osteuropa bis zur Grenze Russlands schob. Ukraine gibt Putin die Gelegenheit, sich zu rächen. Die Gelegenheit dazu hat ihm der Westen gegeben: Die USA wollte Ukraine in die Nato haben, um die Nato-Truppen auch bis an die Grenze Russlands stationieren zu können. Dieses Streben wurde durch die – trotz allen Verdächtigungen – demokratisch gewählten Präsidenten Janukowitch vereitelt. Da wurde in Kiew die Maydan-Bewegung insziniert. Der Hauptakteur - zunächst im Verborgenen - war ein Mann Namens Arseniy Yatsenyuk , ein Truppenführer eines ukrainischen Oligarchenclans und Handlanger Washingtons“ (Volker Bräutigam). Mit Hilfe der von ihm instrumentalisierten Maydan-Demonstranten verjagte er den amtierenden Präsidenten Janukowitch und machte sich selbst zum Regierungschef. Seine Regierung wurde sofort von den USA und der EU anerkannt. Eine seiner ersten Handlungen waren die Abschaffung der russischen Sprache als offizielle Zweitsprache der Ukrainer und die Aufnahme der Mitglieder der extremrechten Partei in seinem Kabinett.
Durch diesen undemokratischen Staatsstreich haben die USA die EU in Zugzwang gebracht, diesen US-Marionettenstaat Yatsenyuk-Ukraine zu akzeptieren. Hieran sieht man, wer im “demokratischen“ Westen das Sagen hat, die USA.
Die USA ist der Staat, der nach dem, 2. Weltkrieg am häufigsten das Völkerrecht gebrochen hat, angefangen von dem Menschenrechtsverbrechen an die Vietnamesen, die Kriege im Nahen Osten bis zu den heutigen NSA-Praktiken. Mit Selbstbewusstsein und Gelassenheit konnte deshalb Russland die Krim zurückholen, zumal ohne einen Schuß abzufeuern und ohne menschlichen Opfer.
Die EU und Deutschland haben Russland gegenüber im Laufe der Zeit viele Fehler gemacht. Zuletzt einen Runden Tisch einzuberufen, ohne darauf zu bestehen, dass auch Vertreter der russisch sprechende Ost-Ukrainer einzuladen.
Nur wenn die EU und besonders Deutschland, Russland nicht nur mit Nato- bzw. US- Arroganz begegnen, kann eine Situation wie in Syrien vermieden werden. Wir sollen aufhören, Russland ständig vor den Kopf zu stoßen, Russland gehört zu Europa. Wir wollen und sollen den Frieden in ganz Europa aufrecht erhalten. Die USA haben weit weniger wirtschaftliche Beziehung mit Russland und sind weiter weg als Deutschland und Europa. Unser europäisches Hemd ist näher als die Yankee-Hose!
2. Stattdessen mehr deutsche Eigenständigkeit - aber nicht als Scharfmacher und Vorfeldtruppe der USA, sondern im Geiste Willy Brandts (und ein wenig wie Schröder). Das ist leadership, wie sie gebraucht wird.
3. Brücken bauen, Dialog, vertrauensbildende Maßnahmen, ökonomisch enger zusammenarbeiten. Gott sei Dank gibt es die wechselseitige Gasabhängigkeit. Wie bei der europäischen Integration nach WK II ist ökonomische Verflechtung ein Beitrag zur strukturellen Nichtangriffsfähigkeit auf allen Seiten.
4. Nur in einem Klima des Vertrauens geht dann auch Weitergehendes - Abrüstung, Demokratisierung.
Das D eine Wirtschaftsnation ist wird augeblendet.
Agressive Nato US Politik wird jetzt vertreten sonst reissen die Fäden der Augsburger Marionetten.
Die Russen haben die Kohle und sitzen auf einem Berg voll Energy und können sich jederzeit Alternativen bedienen.